Als ich vor 10 Jahren auf parfumo aufschlug war das Thema Chypre gar keins oder nur am Rande erwähnenswert. Ja, ich wurde sogar belächelt wegen meiner Chyprevorliebe. Was mir aber am berühmten Arsch vorbei ging. Damals tummelten sich Blumen, Konfekt und Nischenhäuser am Dufthimmel. Letztere eroberten aber erst das allgemeine Duftinteresse und einige wurden immer schräger. Jeder der was auf sich hielt trug angeblich nur noch Nische, jedenfalls wurde es behauptet, aber das Internet ist ja geduldig so wie früher Papier,
Das Haus Scherrer ging auch immer am Mainstream vorbei. Zum Glück!
Jean Louis Scherrer (1935-2013) war ein französischer Modeschöpfer. Er schuf Mode im nüchternen und elegantem Stil. 1979 stellte er mit JLS sein erstes Parfüm vor. Es sollte (damals) eine subtile Verbindung aus 150 Zutaten gewesen sein. Ich finde die Duftschöpfungen des Hauses Scherrer alle grandios, wobei ich jedoch nicht weiß wieviele der Reformulierung zum Opfer gefallen sind.
Für alle, die nun von Praline oder soliflor weg sind, ist JLS eine Offenbarung. Wer sich bisher immernoch schwer getan hat einen Chypre zu erkennen, weiß schon nach dem 1. Sprüher bescheid. AHA; DAS IST EIN CHYPRE! Wobei der gute Scherrer kein Donnerchypre ist, der Euch sofort aus den Pantinen kloppt.
Ich könnte jetzt die Pyramide runter rattern. Mache ich nicht, geht auch nicht wegen seiner Dichte und Subtilität. Aber ich möchte Euer Kopfkino anschalten.
Stellt Euch mal vor ihr sitzt morgens bei Sonnenaufgang auf einer Wiese. Ich meine eine Wiese, nicht auf 3 cm getrimmter englischer Rasen auf dem kein Gänseblümchen, geschweige denn Biene, Hummel oder Schmetterling eine Chance haben.
Es ist noch sehr kalt und es glitzert Eis und ein Hauch von Raureif auf dem Gras. So wie in den letzten Tagen dieses Jahres. Schiebt Euch eine Decke unter den Hintern, sonst verkühlt Ihr Euch die Blase oder andere wichtige Organe.
Trotzdem blühen schon vorwitzig ein paar mutige Blumen und das Moos an der Westseite alter Bäume riecht feucht und an ihm hängen die Perlen des nächtlichen Nebels.
Als die Sonne hoch steigt, zutscht sie den letzten Reif von der Wiese und grüne Schleier ziehen gen Himmel.
Die Vögel zwitschern schon lange an diesem Morgen und wenn sie das nicht tun, dann müßt Ihr das übernehmen, weil Ihr eine wunderbare Entdeckung gemacht habt.
Sehr anschaulich beschrieben. Ich hab schon fast eine Blasenkatarh nur vom Lesen bekommen, so frostig kommt der rüber, die eiskalte Wiese, das feuchte Moos ... So hab ich mir den Duft nicht ganz vorgestellt. Er enthält ja auch Zitrus, Blumen und Sandelholz. Aber Chypres sind mir bisher eh immer zu herb oder würzig gewesen.
Ja hola- was für eine Rezension! Ich habe hier das Extrait im Einkaufskörbchen und bin unschlüssig. Die Waage neigt sich aber gefährlich Richtung "kaufen", nachdem hier gelesen habe.
Eine Wiese ganz nach meinem Geschmack . Das EdP habe ich auch schon, und meine Nase ist ganz be-gierig auf diesen Duft. Danke für diese schöne Rezension.
Was für ein wundervoller, Bilder im Kopf erzeugender, mitriech-reissender Kommentar. Den Duft liebe ich sehr und du hast ihn perfekt in Worte eingefangen. Chapeau!
Leider auch ( geringfügig) reformuliert.
War der Signatur meiner Mutter in dem frühen
80ern.
Ich bin
sicher, dass das EdP nicht mehr so riecht, wie vor 40Jahren. Er war weicher, erotischer trotz dessen , dass er absolut klar, herb und chypre war. Er ist heute weniger rund und vielschichtig. Wenngleich er immer noch ein fantastischer, edler Duft ist der seinesgleichen sucht. An Wiese- trotz deiner schönen Beschreibung dachte und denke ich nie. Zu wuschelig, wild und zu ländlich..
Der Prototyp eines "klassischen Chypreduftes", ich hatte beide, das EDP und das EDT. Ersteres ist mehr zu empfehlen, da mir das EDT mittlerweile zu oft reformuliert worden ist, und nicht mehr richtig hält....
Der Duft ist einfach nur großartig! Den erkenne ich unter einhundert Chypre wieder. Der hat sich seit meiner frühsten Jugend in meine Nase einchypretiert!..;)
Tolles Kopfkino produziert. Der Duft war mein erster Chypre Kontakt und auch erster Blindkauf weil ich so neugierig auf Chypre war. Habe es nicht bereut :)
Dein Bild vom morgendlichen Raureif trifft es. Hat man diesen ersten Schock verdaut, öffnet sich nach und nach ein hochklassischer Chypre von höchster Eleganz. Ein unsterblicher Klassiker, jederzeit auch für Männer tragbar, wenn auch nicht für jene, die noch grün hinter den Ohren sind ?
Bei diesem Duft weiß ich nicht, welche Version ich besser finden soll, das EdP oder das EdT. Ich glaube aber schon, daß man den Duft im Laufe der Jahre überarbeitet hat, nicht zuletzt wegen Eichenmoos.
Aber der Duft ist immer noch richtig gut. Deiner Beschreibung kann ich nur zustimmen.
Ein wunderbares Bild, das Du da gezeichnet hast. Ich habe vom EdP heute eine Abfüllung erhalten und finde ihn auch ganz toll. Deine Beschreibung kann ich so unterschreiben.
War der Signatur meiner Mutter in dem frühen
80ern.
Ich bin
sicher, dass das EdP nicht mehr so riecht, wie vor 40Jahren. Er war weicher, erotischer trotz dessen , dass er absolut klar, herb und chypre war. Er ist heute weniger rund und vielschichtig. Wenngleich er immer noch ein fantastischer, edler Duft ist der seinesgleichen sucht. An Wiese- trotz deiner schönen Beschreibung dachte und denke ich nie. Zu wuschelig, wild und zu ländlich..
Früher oszillierte ich zwischen Jean-Louis Scherrer und Scherrer 2.
Scherrer 2 ist mir inzwischen lieber.
Aber der Duft ist immer noch richtig gut. Deiner Beschreibung kann ich nur zustimmen.