
GinTonique70
10 Rezensionen

GinTonique70
Sehr hilfreiche Rezension
11
Kraweel! Kraweel!
"Melusine.
Kraweel!
Taubtrüber Ginst am Musenhain
Trübtauber Hain am Musenginst
Kraweel! Kraweel!"
(Lothar Frohwein)
Wieso nur fällt mir beim erstmaligen Aufsprühen von Gorseland sofort die Szene mit dem Nonsense-Gedicht aus Loriots "Pappa ante Portas" ein? Ziemlich schräg, ich weiß, aber es muss eine Verbindung geben, also gehe ich auf die Suche...
Die Jagd ist vorüber.
Satt und zufrieden nach der üppigen Mahlzeit rollt sich Melusine neben einem Stein zusammen. Die Mäuse waren besonders delikat, aber auch die Ameisen waren nicht schlecht; Melusine spürt immer noch das Britzeln auf der Zunge. Der Samstag ist ihr Tag, der einzige Tag in der Woche, an dem sie ihre wahre Gestalt nicht verstecken muss. Hier, in ihrem verborgenen Ginsterhain, umgeben von Kamille, Lavendel und weiteren wohlduftenden Kräutern.
Den Hain hat sie sich selbst angelegt, als eine Erinnerung an Schottland, ihre Heimat.
Raimund darf sie niemals so sehen.
Und er wird sie hier nicht stören, samstags, in ihrem Musenhain.
Schließlich war das die Abmachung, und er hat sich stets daran gehalten.
Zurück in der Hütte, lässt sie sich ihr Bad ein, voll mit duftender Kamille. Ein paar Lavendelzweige gibt sie auch noch hinzu. Sie hält sich am Rand der Wanne fest und schwingt den unteren Teil ihres Körpers, der einer Schlange gleicht, mit einem lauten Ächzen hinein. Auch Feen werden nicht jünger.
Das Wasser ist warm. Melusine, erschöpft von der Jagd, lässt sich in einen wohligen Schlaf sinken.
Ein plötzliches, lautes und hartes Klopfen an der Tür weckt sie schlagartig auf.
'Melusine!" Es ist Raimunds Stimme. "Melusine! Was machst du da drin, mit wem triffst du dich, mach die Tür auf! Mach die verdammte Tür auf, sonst trete ich sie ein!"
Aber so schnell kommt Melusine mit dem unteren, schlangenförmigen Teil ihres Körpers nicht aus der Wanne, und für die Verwandlung in ihre menschliche Gestalt ist die Zeit noch nicht gekommen.
Als Melusine nicht antwortet, tritt Raimund die Tür ein und bleibt schockiert im Raum stehen.
Was dann passiert, fasse ich kurz zusammen. Das komplette Drama könnt ihr im Netz nachlesen.
Jedenfalls ist Raimund ziemlich außer sich und beschimpft sie als falsche Schlange (nun wissen wir auch, woher der Ausdruck kommt). Und Melusine ist auch stinksauer. Ihr Plan, durch die Liebe eines Edelmannes von ihrer Zwittergestalt erlöst zu werden und als Mensch zu sterben, wurde durch diesen Trottel vereitelt. Also verwandelt sie sich in einen riesigen Drachen, fliegt mit lautem Geschrei dreimal ums Schloss und stürzt sich ins Meer.
Dumm gelaufen für Raimund. Mit Melusines furiosem Abgang verschwinden all die schönen Dinge, die Teil des Deals waren. Schloss weg, Reichtum weg, Ansehen weg, und auch die Kids wollen von ihrem Vater nichts mehr wissen und suchen das Weite.
Also schnappt sich Raimund seine alte Kraweel und segelt nach Schottland. Bestimmt ist Melusine zu ihrer Mutter geflüchtet. Das machen doch alle Frauen so.
Gefunden hat er sie nie. Über die Jahre hat er komplett seinen Verstand verloren. Und noch heute stolpert er durch den wilden Ginster und ernährt sich von Stachelbeeren und Holunder. Nachts hockt Raimund im Ginsterbusch und wimmert vor sich hin:
Kraweel... Kraweel... Aber sein altes Schiff ist längst weg, seine Mannschaft hat die Suche nach ihm aufgegeben.
Selbst schuld, der blöde Sack. Hätte er sich mal an die Abmachung gehalten.
Und Melusine? Sie hat endlich ihre wahre Gestalt akzeptiert. Noch heute streift sie durch die grünen Hügel Schottlands und atmet den Duft von wildem Ginster und Kamille.
Im übrigen ist Melusine heilfroh, dass es für sie so glimpflich ausgegangen ist. Ihre Cousine Arielle aus Dänemark hatte da weniger Glück.
Sie endete als Meerschaum.
Danke an @Xecut für die Probe.
Mit Dank an Lothar Frohwein (aka Loriot) für die Inspiration.
Gedicht aus Film "Pappa Ante Portas" (Loriot, 1991)
R.I.P. Loriot. Sie fehlen uns!
Und wer den Film noch nicht kennen sollte: unbedingt angucken! Deutsches Kult(ur)gut!
______________________________________________________________________________________________________
Wer mit meiner kleinen Geschichte nichts anfangen kann und einfach nur wissen will, wie Gorseland riecht, hier eine Kurzbeschreibung:
Der Duft ist grün, leicht krautig, mit einer deutlichen Kamillenote, im Verlauf ein wenig süßlich, und trotz seiner krautigen Grünheit mit einer angenehmen Wärme.
Eine grüne Wucht mit fantastischer Haltbarkeit und moderater Sillage.
.
Kraweel!
Taubtrüber Ginst am Musenhain
Trübtauber Hain am Musenginst
Kraweel! Kraweel!"
(Lothar Frohwein)
Wieso nur fällt mir beim erstmaligen Aufsprühen von Gorseland sofort die Szene mit dem Nonsense-Gedicht aus Loriots "Pappa ante Portas" ein? Ziemlich schräg, ich weiß, aber es muss eine Verbindung geben, also gehe ich auf die Suche...
Die Jagd ist vorüber.
Satt und zufrieden nach der üppigen Mahlzeit rollt sich Melusine neben einem Stein zusammen. Die Mäuse waren besonders delikat, aber auch die Ameisen waren nicht schlecht; Melusine spürt immer noch das Britzeln auf der Zunge. Der Samstag ist ihr Tag, der einzige Tag in der Woche, an dem sie ihre wahre Gestalt nicht verstecken muss. Hier, in ihrem verborgenen Ginsterhain, umgeben von Kamille, Lavendel und weiteren wohlduftenden Kräutern.
Den Hain hat sie sich selbst angelegt, als eine Erinnerung an Schottland, ihre Heimat.
Raimund darf sie niemals so sehen.
Und er wird sie hier nicht stören, samstags, in ihrem Musenhain.
Schließlich war das die Abmachung, und er hat sich stets daran gehalten.
Zurück in der Hütte, lässt sie sich ihr Bad ein, voll mit duftender Kamille. Ein paar Lavendelzweige gibt sie auch noch hinzu. Sie hält sich am Rand der Wanne fest und schwingt den unteren Teil ihres Körpers, der einer Schlange gleicht, mit einem lauten Ächzen hinein. Auch Feen werden nicht jünger.
Das Wasser ist warm. Melusine, erschöpft von der Jagd, lässt sich in einen wohligen Schlaf sinken.
Ein plötzliches, lautes und hartes Klopfen an der Tür weckt sie schlagartig auf.
'Melusine!" Es ist Raimunds Stimme. "Melusine! Was machst du da drin, mit wem triffst du dich, mach die Tür auf! Mach die verdammte Tür auf, sonst trete ich sie ein!"
Aber so schnell kommt Melusine mit dem unteren, schlangenförmigen Teil ihres Körpers nicht aus der Wanne, und für die Verwandlung in ihre menschliche Gestalt ist die Zeit noch nicht gekommen.
Als Melusine nicht antwortet, tritt Raimund die Tür ein und bleibt schockiert im Raum stehen.
Was dann passiert, fasse ich kurz zusammen. Das komplette Drama könnt ihr im Netz nachlesen.
Jedenfalls ist Raimund ziemlich außer sich und beschimpft sie als falsche Schlange (nun wissen wir auch, woher der Ausdruck kommt). Und Melusine ist auch stinksauer. Ihr Plan, durch die Liebe eines Edelmannes von ihrer Zwittergestalt erlöst zu werden und als Mensch zu sterben, wurde durch diesen Trottel vereitelt. Also verwandelt sie sich in einen riesigen Drachen, fliegt mit lautem Geschrei dreimal ums Schloss und stürzt sich ins Meer.
Dumm gelaufen für Raimund. Mit Melusines furiosem Abgang verschwinden all die schönen Dinge, die Teil des Deals waren. Schloss weg, Reichtum weg, Ansehen weg, und auch die Kids wollen von ihrem Vater nichts mehr wissen und suchen das Weite.
Also schnappt sich Raimund seine alte Kraweel und segelt nach Schottland. Bestimmt ist Melusine zu ihrer Mutter geflüchtet. Das machen doch alle Frauen so.
Gefunden hat er sie nie. Über die Jahre hat er komplett seinen Verstand verloren. Und noch heute stolpert er durch den wilden Ginster und ernährt sich von Stachelbeeren und Holunder. Nachts hockt Raimund im Ginsterbusch und wimmert vor sich hin:
Kraweel... Kraweel... Aber sein altes Schiff ist längst weg, seine Mannschaft hat die Suche nach ihm aufgegeben.
Selbst schuld, der blöde Sack. Hätte er sich mal an die Abmachung gehalten.
Und Melusine? Sie hat endlich ihre wahre Gestalt akzeptiert. Noch heute streift sie durch die grünen Hügel Schottlands und atmet den Duft von wildem Ginster und Kamille.
Im übrigen ist Melusine heilfroh, dass es für sie so glimpflich ausgegangen ist. Ihre Cousine Arielle aus Dänemark hatte da weniger Glück.
Sie endete als Meerschaum.
Danke an @Xecut für die Probe.
Mit Dank an Lothar Frohwein (aka Loriot) für die Inspiration.
Gedicht aus Film "Pappa Ante Portas" (Loriot, 1991)
R.I.P. Loriot. Sie fehlen uns!
Und wer den Film noch nicht kennen sollte: unbedingt angucken! Deutsches Kult(ur)gut!
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Wer mit meiner kleinen Geschichte nichts anfangen kann und einfach nur wissen will, wie Gorseland riecht, hier eine Kurzbeschreibung:
Der Duft ist grün, leicht krautig, mit einer deutlichen Kamillenote, im Verlauf ein wenig süßlich, und trotz seiner krautigen Grünheit mit einer angenehmen Wärme.
Eine grüne Wucht mit fantastischer Haltbarkeit und moderater Sillage.
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