Warum ein Parfüm gemacht wurde und welche Intuition dahinter verborgen war bei der Entstehung wissen wir nicht immer. Manche Düfte sollen schöne Erinnerungen an ferne Länder wecken. Andere sollen verführen oder berühren. Viele davon sind aus Liebe gemacht und viele aus Erinnerung an Menschen und bestimmte Situationen. Einige sind auch für den Eigengebrauch gemacht worden und für einen ganz besonderen Zweck. Auch so geschehen bei Johanna Venables. Sie hat Nadir nur aus einem einzigen Grund geschaffen,....um sich zu schützen und zu tarnen vor anderen Menschen!
Nadir
Eine starke Note Kampfer empfängt einen augenblicklich beim ersten Kontakt in der Kopfnote.Mentholig und fast schon frisch,medizinisch und herbe. Ein Einstieg wie ein tiefes Luft holen bevor man abtaucht in die Tiefe eines dunklen Kosmos. Begleitet wird der Abstieg in das Ungewisse von leichten Nuancen aus bitter-grünen Kardamom. Leise und subtil beginnt er seine Transformation zu dem was er werden soll. Dunkle Töne aus erdig-feuchten Patchouli durchziehen Nadir wie ein Geflecht aus Venen und Kapillaren. Ein leichter Eindruck von dunklen Kakao ist zu erkennen. Kräftig Töne von rauchigen Leder ummantelt Nadir wie ein schützender,schwerer Handschuhe dessen Nähte mit harzig-heiliger Myrrhe genäht wurden. Geschaffen um zu berühren,aber nicht berührt zu werden. Dieser Eindruck festigt sich in der Basisnote immer mehr. Der Duft wird letztendlich überzogen von ölig-schimmernden,mineralischen,schwarzen Teer,der wiederum mit der beschützenden und animalischen Kraft des Castoreums gekoppelt wurde. Ein warm-herber Vanille-Akkord dient lediglich dazu Geborgenheit zu vermitteln und das Gefühl der Sicherheit zu verstärken. Die schützende Schwärze ist geboren!
Fazit
Nadir ist ein schwarzer Stern. Es ist der schwärzeste Stern den Johanna überhaupt machen konnte.Und sie hat ihn für sich gemacht um sich vor der Welt dort draußen zu schützen. Sieht man Johanna Venables weiß man auch warum! Sie ist ein äußerst attraktives Wesen! Sie hat Nadir erschaffen um sich zu tarnen und zu schützen dort draußen. Nadir ummantelt den Träger mit schwärzester Dunkelheit aber beschützt sein Innerstes selbst. Nadir hat nach außen hin die Oberfläche eines erloschenen,düsteren Sterns der aber tief unter der ölige-schwarzen Kruste voller pulsierender Kraft und Schönheit bebt. Er symbolisiert die Schattenseite eines Sterns und die absolute Stille mit sich selbst. Selbstgemachte Einsamkeit,gemacht um andere Sterne leuchten zu sehen,aber nicht gesehen zu werden. Man wird mit Nadir gewiss nicht unsichtbar,aber er hilft Distanz zu wahren und Ängste abzubauen und im eigenen Kosmos der Gedanken für sich zu bleiben.
Ich kann sie sehr gut verstehen!
Lieber Can, diese tolle Rezension von Dir habe ich eben erst gefunden und gelesen und bin ganz fasziniert von Deiner Beschreibung. Der Duft war schon auf meiner Merkliste - hoffentlich finde ich bald mal eine Gelegenheit, den zu testen!
Danke Dir und schönen zweiten Advent!
Na bei den Duftnoten Teer und Bibergeil kann ich mir gut vorstellen das der Träger gemieden wird ;-)
Der wäre mir zu dunkel glaube ich...ich mag aber den Namen...so hieß der Daroga beim Phantom der Oper...Nadir Khan...hmmm...wäre bestimmt ein Duft für das Phantom gewesen...unsichtbar für die Außenwelt...
Ein anfixender Kommentar zu einem dunklen beschützenden Duft .. die andere Seite der Medaillle - also Schutz in heller Ausprägung - ist "Aël-Mat" .. ich finde das spannend und stelle ein Pokälsche ab!
"Ein Duft um sich zu tarnen, und zu schützen" ...OH JA, solch einen Duft wünsche ich mir auch manchmal, wenn die Welt dort draußen mir zu nahe kommt...Mal wieder sehr eindringlich und spannend beschrieben. Und bei "schwarzem Stern" muss ich irgendwie immer an David Bowie denken....
Mal wieder sehr schön geschrieben. Viel Mystik und ein schönes Bild vom „dunklen Stern“. Viele Grüße aus den Bergen, wo auch gerade noch Dunkelheit herrscht.
Klingt ausgesprochen faszinierend, so ein Duft um darin zu verschwinden, der einen mit seiner Dunkelheit umfängt und schützt und dennoch Geborgenheit gibt...
Aber ausgerechnet Teer... Bin unschlüssig.
Ihre Düfte sollen ja eben NICHT berühren, zumindest nicht die Haut und das stört mich einfach. Ich kann so keine Verbindung herstellen. Dein Kommentar ist wundervoll leidenschaftlich, ich hab ihn sehr gern gelesen!
Eine aufschlußreiche Beschreibung, prima gelungen und mit viel Herz, wie gewohnt von dir!
Aber gut zu wissen, daß der Duft auch nicht auf meiner Merkliste landen muß ;-) Und nach gefühlt wochenlangem Grau am Himmel sehnt man sich mal wieder nach Licht.
Aus der schützenden Dunkelheit heraus andere Sterne leuchten zu sehen ist faszinierend und inspirierend gleichermaßen. Wie hell muß Johannas Innerstes strahlen, sich so einen Duft erschaffen zu können? Ich beneide sie ( ohne neidisch zu sein ).
Mich hat die Kopfnote am unseren ersten Tag in Tokio erinnert. Da waren wir in einem Shinto-Schrein, der umringt war von Kamferbäumen. Der Duft war wundervoll und irgendwie reinigend.
Danke Dir und schönen zweiten Advent!
Der wäre mir zu dunkel glaube ich...ich mag aber den Namen...so hieß der Daroga beim Phantom der Oper...Nadir Khan...hmmm...wäre bestimmt ein Duft für das Phantom gewesen...unsichtbar für die Außenwelt...
Du bist der Zeremonienmeister !
So sensibel beschrieben, dass ich's fast schon riechen kann...
Aber ausgerechnet Teer... Bin unschlüssig.
Aber gut zu wissen, daß der Duft auch nicht auf meiner Merkliste landen muß ;-) Und nach gefühlt wochenlangem Grau am Himmel sehnt man sich mal wieder nach Licht.