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Häuser stehen baufällig und geduckt in mittelalterlicher Trägheit. Eine verschlossene Pforte lockt uns. Wir sind auf der Spur und wollen ein Geheimnis entdecken. Neugier und Spannung, ein Zittern begleitet uns.
Durch einen üppigen, duftenden Blütenbogen betreten wir Gummi, Früchte, Pflaster, grünalgige Wände mit floralen Ausblühungen und Balken, muffelig zwischen feucht und schwer. Sehr dunkles Holz, mit dem Patina von Jahrhunderten. Dicke grüne modrige Stängel, Basralocus-Dalben. Dies ist kein Sägewerk mit hellen trockenen Hölzern. Nein! Dies ist eine Ölmühle.
In den Trichtern arbeiten schwere Saaten. Kein Äther, keine Leichtigkeit, kein entschwebender Duft. Es ist einlullende Diesigkeit, leichte Schmierseife, Sauerampfer, Moos in kleinen Dosen. Es ist wie altes Tier. Wie alte Körbe. Wie alte Butten mit angetrockneter supfiger Maische. Schmutzige Beeren, vielleicht Mandarine, vielleicht Himbeere. Wer weiß. Lederriemen ziehen still ihre Bahn. Lang. Stundenlang.
In die Tiefe des Raumes haben wir uns verirrt. Ich bin verwirrt. Ich bin Jona und stelle mir die Frage: Ambra? Amber? Ambergris?
Es ist ein Geheimnis im Flakon. Und hinter dem Blütenbogen wartet noch immer ein verstecktes Märchen.
Ein wort- und bildgewaltiger Text zu einem Duft, den ich gerade am vergangenen Wochenende (flüchtig) unter der Nase hatte - und nein, zur schmeichelhaften Kuschelambersorte gehört dieser Lehmann sicher nicht. Er hat - und verlangt nach! - Ecken und Kanten. Spannend!
Ich habe irgendwo gelesen das hier tatsächlich Ambra gemeint ist, weiß aber nicht mehr von wem + wo. Bin mal fasziniert, mal ratlos, bin aber ganz bei Ttfortwo: sehr gut zum Layern oder Mischen.
Sehr, sehr geiler Kommentar zu einem meiner Lieblingslehmänner, mit dem ich auch so meine Einordnungs- und Systematisierungsprobleme habe. Manchmal finde ich ihn überragend, manchmal überwiegt der Eindruck dieser leichten Dachbodennote. Zu Layern der Hammer, Düfte gewinnen ungemein an Tiefe mit ein bißchen Ambra.
Was für eine schöne Welt! Ich bin hin- und hergerissen von der romantischen Verklärung und dem ungeschönten Naturalismus Deiner Sprache. Und hellhörig des Duftes wegen.
Exzellent! Fängt den Charakter des Duftes vortrefflich ein! Bei mir auch "nur" 7,5 Punkte, aber so faszinierend, dass ich ihn immer mal wieder gerne trage.
Und sicher gibts auch synthetische Amberharze die zwischen allem liegen. Und dann liegt es auch noch in der Nase des Riechenden. Wenn es ein dunkel harziger Duft ist, dann ist es Amber. Denn Ambra (gris), vielleicht riechst Du sie auch, riecht salbig (mir) und milde, nicht dunkel.
Jedenfalls hatte ich lange Zeit hier auch ein Problem damit, dass genau zu definieren.
Oh, ich weiß, was Du mit der schwierigen Bezeichnung Ambra, Ambre Gris, Amber meinst. Das liegt auch an der Begriffsverwirrung der deutschen Sprache diesbezüglich. Und es wird sehr oft nicht exakt, auch hier, angeführt! Einmal echte Walambra gerochen, dann weiß man, welcher Duft mit der synthetischen Walambra gemeint ist, denn echte ist in Parfüms verboten. Aber der Harzamber kann von fossilem Copal, also jungem Bernstein, der noch nach Harzen duftet bis hin zu aktuellen Baumharzen reichen-
Diesen Lehmann kenne ich noch nicht, daher weiß ich nicht, ob er was für mich ist. Auf jeden Fall ist deine Beschreibung sehr anschaulich und eindrucksvoll.
Jedenfalls hatte ich lange Zeit hier auch ein Problem damit, dass genau zu definieren.