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Top Rezension
Zwei Seelen wohnen, ach‘ in meiner Brust
...die eine will sich von der anderen trennen.“
Schon Goethes Faust hatte dieses Dilemma, welches sich freilich auf andere Bereiche erstreckte. Ihm ging es um die wahre, tiefere Erkenntnis aller Dinge, die sich durch die von ihm studierten, vielfältigen Wissenschaften dennoch nicht ergründen ließen.
Aber immerhin, um nicht weiter abzuschweifen, auch ein Dilemma.
Ähnlich meines Gefühls beim Aufsprühen von Joop! Le Bain. Erworben habe ich es durch einen zufälligen Umstand für ein äußerst kleines Entgelt, zudem wollte ich diesen Klassiker selber testen, zumal die Duftpyramide versprach, mir bzw. meiner Nase zuzusagen.
Mit dem ersten Sprüher jedoch begann die Metamorphose, die aus einer hochgewachsenen Blondine den verwirrten, verzweifelten Dr. Faust werden ließ.
Es schlug mir eine allumfassende, vollkommen um sich greifende Wolke aus Aldehyden sowie Vanille und Tonkabohne entgegen. Fast schon schien es, als sei ich unter einer regelrechten Dunstglocke eingeschlossen.
Und ein Teil von mir wich erschrocken zurück (bzw. versuchte dieses Manöver, welches jedoch ob der Tatsache dieser Duftfesseln nicht gelingen mochte). Zu viel, hallte es echogleich in mir wider, viel zu viel! Sollten nicht anfänglich zitrische Noten eine gewisse Frische versprechen, um dann von blumig-rosigen mit warmen holzigen Untertönen besetzten Duftnoten gefolgt zu werden? Und war nicht vorgesehen, erst dann im weiteren Verlauf einen vanilligen Ton einzunehmen? Gepaart mit Tonka? Natürlich alles laut Pyramide.
Aber nein, mir schlägt direkt von Anfang an ein Vanille-Tonka-Overload entgegen, laut, brüllend, mehrstimmig sozusagen. Fast scheint es mir als sängen Vanille und Tonka einen Kanon, mit allen Chören Deutschlands zusammen. Du lieber Himmel! Eine langsam einsetzende Taubheit, nicht der Ohren, sondern der Nase macht sich breit, jedoch bei weitem nicht so erfolgreich, wie erhofft, denn ich rieche sie immer noch, die Le Bain-Wolke, sehr sogar, trotz eines Sprühers am Unterarm, dieser bedeckt durch einen Pullover. Okay, mit Lochmuster, es gibt also Duft-Fluchtmöglichkeiten. Aber dennoch.
Und dieser eine Teil von mir will es abwaschen, sich gegen die langsam aufsteigende Übelkeit wehren, die sich aufgrund der Heftigkeit der Duftglocke einstellt. Und ich kann mich dem Duft nicht entziehen, denn er verharrt hartnäckig auf meiner Haut, in meiner Nase, überall um mich herum. Und zwar lange. Sehr lange.
Der andere Teil von mir jedoch wird schlagartig und zeitgleich hellhörig. Innere Bilder ziehen vorbei: Das erste Mal mit Freundinnen, ohne Aufpasser, abends in die Stadt, die Augenlider aufgrund der Lidschattenmassen, die farblich einer Gelbstirnamazone (keine Amazone in dem Sinne, sondern eine Papageienart) in nichts nachstanden, schlafzimmergleich gesenkt; die ersten coolen Pumpjeans mit Neonstreifen, welche jeden Verkehrserzieher und Schülerlotsen stolz machen würden, lässig ausführend; das erste Mal in der Teenager-Disko der hiesigen, überfüllten Tanzschule zum 90ies Eurodance die Hüften wiegend, obwohl Füße stampfend besser zur Musik gepasst hätte; und immer eingeduftet mit einem Parfum, dass ein erstes Gefühl von erwachender Weiblichkeit, von noch verborgener, aber aufkeimender Verführung weckte und zeitgleich aber auch ein Gefühl von Geborgenheit und Schutz bot. Ein Parfum für die langsam knospende Frau und zur gleichen Zeit für das im Körper dieser jungen Frau noch steckende Mädchen.
Diese retrospektiven Assoziationen von Le Bain wirken auf meinen anderen Teil überaus positiv, leicht wehmütig und bereiten ein angenehmes Wohlsein, sodass ich mich in dem Duft wiegen möchte.
Und somit schlagen zwei Seelen, ach‘ in meiner Brust, die eine will sich von der anderen trennen. Wobei...eigentlich wollen sich beide nicht voneinander trennen, denn ohne den anderen schlüge der eine Teil den Duft in die Flucht, schickte ihn in die Verbannung. Und ohne den einen badete der andere Teil in der Erinnerung schwelgend in diesem Duft, erschlüge das Umfeld mit der Duftgewalt von Le Bain.
Beide Teile zusammen jedoch finden das richtige Mittelmaß und geben Le Bain seine Berechtigung, ohne eine absolute Vollmacht zu erteilen.
Eine duftgewaltig-wohlriechend-erstickend-überwältigend-übelkeitserregend-tonkagetränkt-vanilleweiche Parfum-Retrospektive.
Schon Goethes Faust hatte dieses Dilemma, welches sich freilich auf andere Bereiche erstreckte. Ihm ging es um die wahre, tiefere Erkenntnis aller Dinge, die sich durch die von ihm studierten, vielfältigen Wissenschaften dennoch nicht ergründen ließen.
Aber immerhin, um nicht weiter abzuschweifen, auch ein Dilemma.
Ähnlich meines Gefühls beim Aufsprühen von Joop! Le Bain. Erworben habe ich es durch einen zufälligen Umstand für ein äußerst kleines Entgelt, zudem wollte ich diesen Klassiker selber testen, zumal die Duftpyramide versprach, mir bzw. meiner Nase zuzusagen.
Mit dem ersten Sprüher jedoch begann die Metamorphose, die aus einer hochgewachsenen Blondine den verwirrten, verzweifelten Dr. Faust werden ließ.
Es schlug mir eine allumfassende, vollkommen um sich greifende Wolke aus Aldehyden sowie Vanille und Tonkabohne entgegen. Fast schon schien es, als sei ich unter einer regelrechten Dunstglocke eingeschlossen.
Und ein Teil von mir wich erschrocken zurück (bzw. versuchte dieses Manöver, welches jedoch ob der Tatsache dieser Duftfesseln nicht gelingen mochte). Zu viel, hallte es echogleich in mir wider, viel zu viel! Sollten nicht anfänglich zitrische Noten eine gewisse Frische versprechen, um dann von blumig-rosigen mit warmen holzigen Untertönen besetzten Duftnoten gefolgt zu werden? Und war nicht vorgesehen, erst dann im weiteren Verlauf einen vanilligen Ton einzunehmen? Gepaart mit Tonka? Natürlich alles laut Pyramide.
Aber nein, mir schlägt direkt von Anfang an ein Vanille-Tonka-Overload entgegen, laut, brüllend, mehrstimmig sozusagen. Fast scheint es mir als sängen Vanille und Tonka einen Kanon, mit allen Chören Deutschlands zusammen. Du lieber Himmel! Eine langsam einsetzende Taubheit, nicht der Ohren, sondern der Nase macht sich breit, jedoch bei weitem nicht so erfolgreich, wie erhofft, denn ich rieche sie immer noch, die Le Bain-Wolke, sehr sogar, trotz eines Sprühers am Unterarm, dieser bedeckt durch einen Pullover. Okay, mit Lochmuster, es gibt also Duft-Fluchtmöglichkeiten. Aber dennoch.
Und dieser eine Teil von mir will es abwaschen, sich gegen die langsam aufsteigende Übelkeit wehren, die sich aufgrund der Heftigkeit der Duftglocke einstellt. Und ich kann mich dem Duft nicht entziehen, denn er verharrt hartnäckig auf meiner Haut, in meiner Nase, überall um mich herum. Und zwar lange. Sehr lange.
Der andere Teil von mir jedoch wird schlagartig und zeitgleich hellhörig. Innere Bilder ziehen vorbei: Das erste Mal mit Freundinnen, ohne Aufpasser, abends in die Stadt, die Augenlider aufgrund der Lidschattenmassen, die farblich einer Gelbstirnamazone (keine Amazone in dem Sinne, sondern eine Papageienart) in nichts nachstanden, schlafzimmergleich gesenkt; die ersten coolen Pumpjeans mit Neonstreifen, welche jeden Verkehrserzieher und Schülerlotsen stolz machen würden, lässig ausführend; das erste Mal in der Teenager-Disko der hiesigen, überfüllten Tanzschule zum 90ies Eurodance die Hüften wiegend, obwohl Füße stampfend besser zur Musik gepasst hätte; und immer eingeduftet mit einem Parfum, dass ein erstes Gefühl von erwachender Weiblichkeit, von noch verborgener, aber aufkeimender Verführung weckte und zeitgleich aber auch ein Gefühl von Geborgenheit und Schutz bot. Ein Parfum für die langsam knospende Frau und zur gleichen Zeit für das im Körper dieser jungen Frau noch steckende Mädchen.
Diese retrospektiven Assoziationen von Le Bain wirken auf meinen anderen Teil überaus positiv, leicht wehmütig und bereiten ein angenehmes Wohlsein, sodass ich mich in dem Duft wiegen möchte.
Und somit schlagen zwei Seelen, ach‘ in meiner Brust, die eine will sich von der anderen trennen. Wobei...eigentlich wollen sich beide nicht voneinander trennen, denn ohne den anderen schlüge der eine Teil den Duft in die Flucht, schickte ihn in die Verbannung. Und ohne den einen badete der andere Teil in der Erinnerung schwelgend in diesem Duft, erschlüge das Umfeld mit der Duftgewalt von Le Bain.
Beide Teile zusammen jedoch finden das richtige Mittelmaß und geben Le Bain seine Berechtigung, ohne eine absolute Vollmacht zu erteilen.
Eine duftgewaltig-wohlriechend-erstickend-überwältigend-übelkeitserregend-tonkagetränkt-vanilleweiche Parfum-Retrospektive.
24 Antworten


Mir geht´s mit Le Bain ähnlich , aber weggeben mag ich ihn auch nicht .
Fuer mich Duft gewordenes Grauen.