
ParfumAholic
256 Rezensionen

ParfumAholic
Top Rezension
59
Ein letzter Gruß, ein letztes Dankeschön.
Lieber Josef,
als sich unsere Wege im Jahr 1993 erstmalig kreuzten, warst Du, so mein erster Eindruck, ein typischer Vertreter Deiner Generation (geboren 1922), die vieles erleben und erleiden musste. Du wirktest verschlossen, fast schon abweisend und viele Worte waren nicht Dein Ding. Du hast mich, den „Bewerber um den Posten als Schwiegersohn“, bei jedem Zusammentreffen aufmerksam gemustert und alles Gesagte sehr genau registriert.
Im Laufe der Zeit lernten wir uns besser kennen und erkannten, dass es durchaus Parallelen zwischen uns gab. Wir mochten beide keine Blender, Schwätzer und Menschen, die sich ungeniert immer in den Vordergrund stellen. Auch hatten wir einen ähnlichen, trockenen Humor und konnten über Vieles gemeinsam lachen.
Gefühle zu zeigen fiel Dir zwar schwer, aber wer Dich gut genug kannte, konnte Dir an Deinem Gesicht und in Deinen Augen ablesen, was Du gerade gefühlt und gedacht hast.
Im Rahmen Deiner (emotionalen) Möglichkeiten hast Du mir irgendwann beiläufig erklärt, dass ich natürlich zu Deiner Familie gehöre. Für viele wäre das lediglich eine kleine Randnotiz gewesen, für uns beide war es der Start in eine neue Art des Miteinanders.
Vorletzte Woche bist Du zufrieden Zuhause und im Kreis Deiner Lieben eingeschlafen, Deine herrlich tiefe Stimme ist für immer verstummt.
Danke, dass es Dich gegeben hat, für die Zeit, die wir miteinander verbringen konnten und für all die Dinge, die ich von Dir lernen durfte!
********Ich gebe zu, dass dies kein leichter Einstieg in einen Parfum-Kommi ist, aber da „Endymion Concentré“ und mein Schwiegervater einfach so viele Gemeinsamkeiten haben, konnte ich einfach nicht anders.
„Endymion Concentré“ startet für meinen Geschmack dunkel, würzig und etwas seifig-knarzig. Lavendel und Salbei sind für mich sehr präsent, wirken allerdings etwas abweisend, wogegen selbst die Bergamotte wenig auszurichten vermag. Es ist allerdings kein unangenehmer Einstieg. Er wirkt nur etwas old school, hat aber durchaus Charme und macht Lust auf den weiteren Duftverlauf.
Genau in dieser Duftphase erinnert mich der Duft an die Kennenlernzeit mit meinem Schwiegervater. Nicht herzlich, aber auch nicht schroff, eher neutral und abwartend. Müsste ich dem Duft nun einer Farbe zuordnen, wäre es genau dieses tiefe Dunkelblau / Nachtblau des Flakons.
Nach und nach hellt sich der Duft nun auf. Der unglaublich edle und feinrosige Duft der Rosengeranie mischt sich in das Duftdunkel und tut ihm unglaublich gut. Hinzu kommen noch feinste Wildleder-Aromen von butterweichem (beigem) Wildleder, das so weich und fein ist, dass man Angst hat, es könnte Schaden nehmen, wenn man es berühren würde. Die etwas herben Kopfnoten verblassen nun zusehends ohne dass „Endymion Concentré“ dadurch zu einem Kuschelduft mutieren würde.
In dieser Phase des Dufts muss ich an die Zeit der Annäherung zwischen meinem Schwiegervater und mir denken. Ganz allmählich, Schritt für Schritt, konnte er sich mir gegenüber öffnen, wurde redseliger und herzlicher ohne seine (angeborene?) Distanz komplett aufzugeben.
Das „Weichzeichner-Duo“ aus Rosengeranie und Wildleder nimmt nun Kurs in Richtung Basis und trifft dort auf silber-blauen, feinwürzigen Weihrauch (nicht sakral, dafür verhalten warm und weich) und Muskat-Noten, die eine ganz eigene und besondere Note beisteuern. Bei den Leder-Noten kann ich keinen Unterschied zwischen denen aus der Herz- und Basisnote erkennen. Dafür bin ich mir aber sicher, dass noch etwas dunkelwürzige Vanille unter allem liegt.
Allerspätestens jetzt hat mich „Endymion Concentré“ vollends in seinen Bann gezogen. Der „Duftbogen“ von leicht abweisend hin zu dieser verhalten warmen Basis, die mich vollständig umfängt, ist einfach zu schön und gelungen. Womit wir wieder bei meinem Schwiegervater wären, dessen ganz eigenem Charme ich mich ab einem gewissen Punkt auch nicht mehr entziehen konnte (und wollte).
Für mich ist „Endymion Concentré“ ein mehr als gelungener Duft aus dem Hause Penhaligon’s, dessen Handschrift man direkt erkennt. Zu jeder Minute schwingt dieser spezielle britische Charme mit, den ich in vielen Penhaligon’s Düften erkannt habe. Noch nie aber konnte mich ein Duft des Hauses so sehr überzeugen. Die Balance zwischen dunklen und hellen, kühlen und warmen und traditionellen und modernen Momenten ist einfach zu gelungen.
„Endymion Concentré“ ist sicherlich kein Duft für sehr junge Menschen. Meiner Meinung nach ist er dafür nicht „quirlig“ und spektakulär genug. Er überzeugt durch seinen ganz eigenen Charme, verzichtet auf alles Übertriebene und ist wie selbstverständlich einfach nur da, wirkt und wirkt nach.
Und so schließt sich der Kreis, werden „Endymion Concentré“ und mein Schwiegervater immer untrennbar miteinander verbunden sein.
als sich unsere Wege im Jahr 1993 erstmalig kreuzten, warst Du, so mein erster Eindruck, ein typischer Vertreter Deiner Generation (geboren 1922), die vieles erleben und erleiden musste. Du wirktest verschlossen, fast schon abweisend und viele Worte waren nicht Dein Ding. Du hast mich, den „Bewerber um den Posten als Schwiegersohn“, bei jedem Zusammentreffen aufmerksam gemustert und alles Gesagte sehr genau registriert.
Im Laufe der Zeit lernten wir uns besser kennen und erkannten, dass es durchaus Parallelen zwischen uns gab. Wir mochten beide keine Blender, Schwätzer und Menschen, die sich ungeniert immer in den Vordergrund stellen. Auch hatten wir einen ähnlichen, trockenen Humor und konnten über Vieles gemeinsam lachen.
Gefühle zu zeigen fiel Dir zwar schwer, aber wer Dich gut genug kannte, konnte Dir an Deinem Gesicht und in Deinen Augen ablesen, was Du gerade gefühlt und gedacht hast.
Im Rahmen Deiner (emotionalen) Möglichkeiten hast Du mir irgendwann beiläufig erklärt, dass ich natürlich zu Deiner Familie gehöre. Für viele wäre das lediglich eine kleine Randnotiz gewesen, für uns beide war es der Start in eine neue Art des Miteinanders.
Vorletzte Woche bist Du zufrieden Zuhause und im Kreis Deiner Lieben eingeschlafen, Deine herrlich tiefe Stimme ist für immer verstummt.
Danke, dass es Dich gegeben hat, für die Zeit, die wir miteinander verbringen konnten und für all die Dinge, die ich von Dir lernen durfte!
********Ich gebe zu, dass dies kein leichter Einstieg in einen Parfum-Kommi ist, aber da „Endymion Concentré“ und mein Schwiegervater einfach so viele Gemeinsamkeiten haben, konnte ich einfach nicht anders.
„Endymion Concentré“ startet für meinen Geschmack dunkel, würzig und etwas seifig-knarzig. Lavendel und Salbei sind für mich sehr präsent, wirken allerdings etwas abweisend, wogegen selbst die Bergamotte wenig auszurichten vermag. Es ist allerdings kein unangenehmer Einstieg. Er wirkt nur etwas old school, hat aber durchaus Charme und macht Lust auf den weiteren Duftverlauf.
Genau in dieser Duftphase erinnert mich der Duft an die Kennenlernzeit mit meinem Schwiegervater. Nicht herzlich, aber auch nicht schroff, eher neutral und abwartend. Müsste ich dem Duft nun einer Farbe zuordnen, wäre es genau dieses tiefe Dunkelblau / Nachtblau des Flakons.
Nach und nach hellt sich der Duft nun auf. Der unglaublich edle und feinrosige Duft der Rosengeranie mischt sich in das Duftdunkel und tut ihm unglaublich gut. Hinzu kommen noch feinste Wildleder-Aromen von butterweichem (beigem) Wildleder, das so weich und fein ist, dass man Angst hat, es könnte Schaden nehmen, wenn man es berühren würde. Die etwas herben Kopfnoten verblassen nun zusehends ohne dass „Endymion Concentré“ dadurch zu einem Kuschelduft mutieren würde.
In dieser Phase des Dufts muss ich an die Zeit der Annäherung zwischen meinem Schwiegervater und mir denken. Ganz allmählich, Schritt für Schritt, konnte er sich mir gegenüber öffnen, wurde redseliger und herzlicher ohne seine (angeborene?) Distanz komplett aufzugeben.
Das „Weichzeichner-Duo“ aus Rosengeranie und Wildleder nimmt nun Kurs in Richtung Basis und trifft dort auf silber-blauen, feinwürzigen Weihrauch (nicht sakral, dafür verhalten warm und weich) und Muskat-Noten, die eine ganz eigene und besondere Note beisteuern. Bei den Leder-Noten kann ich keinen Unterschied zwischen denen aus der Herz- und Basisnote erkennen. Dafür bin ich mir aber sicher, dass noch etwas dunkelwürzige Vanille unter allem liegt.
Allerspätestens jetzt hat mich „Endymion Concentré“ vollends in seinen Bann gezogen. Der „Duftbogen“ von leicht abweisend hin zu dieser verhalten warmen Basis, die mich vollständig umfängt, ist einfach zu schön und gelungen. Womit wir wieder bei meinem Schwiegervater wären, dessen ganz eigenem Charme ich mich ab einem gewissen Punkt auch nicht mehr entziehen konnte (und wollte).
Für mich ist „Endymion Concentré“ ein mehr als gelungener Duft aus dem Hause Penhaligon’s, dessen Handschrift man direkt erkennt. Zu jeder Minute schwingt dieser spezielle britische Charme mit, den ich in vielen Penhaligon’s Düften erkannt habe. Noch nie aber konnte mich ein Duft des Hauses so sehr überzeugen. Die Balance zwischen dunklen und hellen, kühlen und warmen und traditionellen und modernen Momenten ist einfach zu gelungen.
„Endymion Concentré“ ist sicherlich kein Duft für sehr junge Menschen. Meiner Meinung nach ist er dafür nicht „quirlig“ und spektakulär genug. Er überzeugt durch seinen ganz eigenen Charme, verzichtet auf alles Übertriebene und ist wie selbstverständlich einfach nur da, wirkt und wirkt nach.
Und so schließt sich der Kreis, werden „Endymion Concentré“ und mein Schwiegervater immer untrennbar miteinander verbunden sein.
26 Antworten



Kopfnote
Lavendel
Salbei
Bergamotte
Herznote
Wildleder
Rosengeranie
Basisnote
Muskat
Weihrauch
Leder








Axiomatic
Konst121
ParfumAholic
Gerry
CharlAmbre


































