Erst hui, dann pfui. Das trifft, geht es nach meinen persönlichen Vorlieben, leider auf so manches moderne Parfum zu. Nicht so bei Vanille Riviera. Hier geht’s nämlich erstmal ein wenig „pfui“ los und wird dann umso mehr „hui“. Ein Duft, der sich mal so richtig wandelt, bringt der Tester ein wenig Geduld mit.
Dieser Neuling von Maison Rebatchi startet erstmal nicht so arg schön für mich. Auch das Plastiksprüherchen, das ich im Rahmen des Sharings von der lieben und superschnellen Diana870411 erhalten habe, duftete etwas merkwürdig. Es kommt einem eine sehr, sehr süße Vanille entgegen und das Ganze wirkt erstmal künstlich-sperrholzartig. Bei Vanille und Galbanum hätte ich etwas anderes erwartet. Dieser Duft erinnert mich in der Kopfnote zunächst an Lufterfrischer eines luxuriösen Ambientes. Ein Spa oder ein Hotel hatte ich im Sinn. Kosmetisch wirkt der Duft durch seine Holzigkeit auch ein wenig. Und außerdem viel zu süß.
Dann ignorierte ich ihn. Ich muss bei einem Test die Finger manchmal richtiggehend in Schach halten, dass sie nicht gleich anfangen, loszutippen und zu bewerten, sobald die ersten Dufteindrücke sich zeigen. Sehr gut, dass ich das auch hier getan habe. Denn ansonsten hätte das hier tatsächlich deutlich negativer ausfallen können. Tut es aber nicht. Denn dieser Duft wird richtig schön. Vorausgesetzt, tropische Blüten entsprechen dem persönlichen Gusto.
Die Süße wird nach und nach milder, diese unangenehme Holzigkeit, bei der ich immer noch nicht weiß, ob die vom Galbanum, das für mich tatsächlich noch nie so gerochen hat, oder doch eher von der Zeder stammt, verschwindet fast gänzlich und Vanille Riviera verwandelt sich in einen feinen, tropischen Blütenduft. Vor allem der Jasmin gibt hier den Ton an. Ein Duft, wie gemacht für den Sommer, wie ich finde. Üppig, sinnlich, blütenhell mit einer Spur Indolik und in der Basis einer zwischenzeitlich gesetzten, schönen und längst nicht mehr so süßen Vanille.
Das Hotel- oder Wellness-Thema passt noch immer, doch jetzt habe ich nicht mehr das Gefühl, dass eine nervige, viel zu schrille Raumbeduftung am Werk ist, sondern jetzt bin ich eher bei edlen Cremes oder Lotionen. Ein modernes Sacrebleu Intense oder Montaigne könnte sich hier verstecken. Freilich nicht ganz so schön wie diese beiden, denn eine Orangenblüte ist nicht Teil des Orchesters, aber das geht schon ein wenig in diese Richtung.
Mit den Kopfnoten werde ich mich allerdings nicht anfreunden können. Das hätte sich, so finde ich, schöner umsetzen lassen können.
Herzlichen Dank an Diana870411 für die Möglichkeit, den Duft kennenzulernen.
Interessanter Bericht - so rum auf jeden Fall besser als andersrum, denn die Kopfnoten geben in Gegensatz zum Drydown ja nur ein kurzes Gastspiel. wellness-Pokal für dich!
Schön, wenn die Geduld belohnt wird! Ich hätte nicht durchgehalten, aber die Blüten wären für mich auch keine Erlösung gewesen, ist so gar nicht mein Gusto...
Vanille hat es bei mir ja meistens leicht aber hier bleibe ich skeptisch, zumindest was das selbst tragen betrifft. Auf Damenhaut kann das natürlich anders sein 😉
Sehr schön, wie Du Deine Testerfahrung beschreibst und dass Du nicht sofort bewertet hast... manche sagen ja, dass der Erfolg eines neuen Duftes primär von der Kopfnote abhängig ist, weil die meisten Tester*innen keine Geduld aufbringen.
Für mich persönlich sollte ein Parfum allerdings von oben bis unten, Kopf bis Basis, angenehm duften. Ich kaufe nichts, was diesem Anspruch nicht gerecht wird.
Das stimmt. Man sollte den Düften auf jeden Fall die Chance geben, sich zu entwickeln. Da habe ich auch schon so manche Überraschung erlebt :) Gut, dass du das nochmal in Erinnerung gerufen hast, denn manchmal ist der Drang einfach groß, den Duft schnell abhaken zu wollen und vorschnell zu bewerten :)
Nach Deiner Rezension bleib ich wohl lieber bei Montaigne .. aber was den schnellen Bewertungsfinger betrifft , bin ich ganz bei Dir .. lieber zuwarten und ein zweites mal testen ..
Schöne Review, danke dir! Wie unterschiedlich die Geschmäcker doch sind. Gerade das Opening find ich mega genial. Ich rieche eine wunderschöne grüne Vanille. Für mich könnte der Duft gerne so bleiben. Aber auch nach der Wandlung ist er einfach nur köstlich. Diese tropische Cremigkeit ist yummy :)))
Das Pfui-dann-Hui-Gefühl kenne ich gut, ich habe ganz oft ein Problem mit den Kopfnoten und schon häufig nach einer Viertelstunde eine positive Überraschung erlebt. Ist mir deutlich lieber als diese langweiligen Kopfnotenblender, die schon aufgeben, wenn sich andere erst warmlaufen.
Das mit den Fingern in Zaum halten kenn ich gut. Meistens schaff ich's mittlerweile Spannend, wie mancher Duft sich doch noch wandelt...Die tropischen Blüten klingen jedenfalls toll.
Scheint dir ja nicht schlecht zu gefallen! Eine sehr hilfreiche Rezension.
Der Start wäre nichts für mich, mit tropischen Blüten lockt er mich schon.
Für mich persönlich sollte ein Parfum allerdings von oben bis unten, Kopf bis Basis, angenehm duften. Ich kaufe nichts, was diesem Anspruch nicht gerecht wird.