Der Küstennebel ist hell hier, hesperidisch, als sei er voll von fluoreszierenden Zitruströpfchen, zieht er leuchtend übers Land und ist zugleich doch grau von Staub und kühl, als käme er aus einer nahen Kapelle. Das Meer ist sicher weit, ich höre nicht das ruhige Rollen, rieche kein Salz, nur Nebel für ein paar Minuten.
Dann geht der Amber auf im Dunst, der rötlich sich zu färben beginnt, die Zitronen in Blutorangen bezaubernd, tief in sich einen Einschluss verbergend, wie ein Fell fast, verloren im Bernstein. Wie alt mag dies schwere Strandgut wohl sein, dass es sämtliche Süße verlor, sich muffig schon fast über Sandelholz schleppt, welches spröde scheint darunter? Zwei drei Stunden schaue ich sprachlos das Schauspiel des zitrisch pulsierenden Nebels, werden Blutorangen Labdanumtropfen, durchzieht schimmernd schwarzer Honig den archaischem Amber ganz allmählich, der vom trockenen Sandelholz gebändigt bräunlich schimmert, fast karamellig.
Dann kommt das Meer, wälzt sich Welle für Welle über Sand aus Patchouli die dunkle Vanille, schwemmt Stück für Stück erst Treibholz dann Bernstein samt herbem Labdanum davon, umspült mich für weitere drei bis vier Stunden muckelig weich und warm.
***
Sandal Amber lebt für mich von seinen gut harmonierenden Widersprüchen: Dem indischen Weihrauch, der zitrisch hell den leicht animalisch muffigen Amber kontrastiert, welcher wiederum später, von Labdanum und Sandelholz gebändigt in durch Patchouli verdunkelte Vanille versinkt, dabei von Beginn an eher hautnah bleibt und gute sieben bis neun Stunden durchhält.
Während ich den salzigen Nebel auf den Lippen schmecke und beobachte, wie mir die Wellen sprödes Strandgut vor die Füße spülen, könnte ich glatt vergessen, dass das vermutlich kein Duft für mich wäre. Und der Nebel vor meinem Fenster wird gleich ein bisschen heller ;)
Seitdem man Kommentare unter Kommentaren bewerten kann, habe ich fast Hemmungen etwas zu schreiben. Es sollte ja nicht so plump klingen... egal, wieder mal ein super Kommi von Dir... gern gelesen.
Mir fließt immer noch der Nebel durch die Adern und das Blut aus den Tränendrüsen.
Wären wir bei Instgram, müsste ich schreiben: stunning, gorgeous, beautiful usw.
Weihrauch, Amber und Sandelholz, das klingt großartig! Meer geht ja sowieso immer, wenn es allerdings Patchouli und (böse) Vanille mitbringt kommt es auf den Einzelfall an ;-)!
Ein schöner Kommentar, den ich gerne gelesen habe!
@Seerose: Ja, habe auch lange gerätselt, aber das ist hier nicht cremig, sonst hätte ich's so geschrieben. Es wirkt tatsächlich trocken, in Kombination dann karamellartig.
Bei 'muckelig' hab ich mich fast totgelacht, du Kontrast-Künstler! Du scheinst ja eine gewisse Vorliebe für schwierige Düfte zu haben, aber der hier könnte sogar mir gefallen!
Der ist sicherlich was für die Amberliebhaber*innen hier, aber das klingt sehr angenehm und das Sandelholz und Labdaum könnte ihn auch für mich tragbar machen.
Nach den Ingredienzen hätte anderes erwartet. Trockenes Sandelholz? Merkwürden. Es müsste von salbig holziger Cremigkeit sein. Oder schlimmstenfalls nach ekliger Gammelpapiermaische.
Den Duft fand ich sehr angenehm, balsamisch und sehr sanft. Die gegensätzlichen Töne erschienen mir harmonisch komponiert. Zwar kein Duft, der unbedingt in die Sammlung muß, aber schön allemal. Und schöne Worte hast Du auch für ihn gefunden.
Küstennebel und Hesperiden hätte ich nicht erwartet bei der Pyramide. Und auch sonst liest sich Deine Beschreibung viel spannender als die eines Amberdufts mit Weihrauch.
Wären wir bei Instgram, müsste ich schreiben: stunning, gorgeous, beautiful usw.
Ein schöner Kommentar, den ich gerne gelesen habe!