Series 3: Incense - Avignon 2002

Series 3: Incense - Avignon von Comme des Garçons
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8.0 / 10 436 Bewertungen
Series 3: Incense - Avignon ist ein beliebtes Parfum von Comme des Garçons für Damen und Herren und erschien im Jahr 2002. Der Duft ist rauchig-harzig. Es wird von Puig vermarktet.
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Duftrichtung

Rauchig
Harzig
Holzig
Würzig
Erdig

Duftnoten

WeihrauchWeihrauch ElemiharzElemiharz PalisanderholzPalisanderholz Römische KamilleRömische Kamille ZistroseZistrose PatchouliPatchouli VanilleVanille

Parfümeur

Bewertungen
Duft
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Sillage
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Flakon
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Preis-Leistungs-Verhältnis
7.476 Bewertungen
Eingetragen von Sani, letzte Aktualisierung am 01.04.2024.
Wissenswertes
Jedes der fünf Parfüms dieser Reihe ist nach einem religiösen Zentrum benannt und symbolisiert eine Glaubensrichtung. Avignon steht für den Katholizismus.

Rezensionen

25 ausführliche Duftbeschreibungen
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Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
9.5
Duft
Can777

240 Rezensionen
Can777
Can777
Top Rezension 81  
In der Stille der Gedanken
Was ich diese Weihnachten an Parfum wohl auflegen und in welche Duftrichtung wird es wohl gehen? Diese Frage haben sich wohl so einige hier sich selbst auch schon gestellt. Es wird ein Weihrauchparfum bei mir sein! Warum? Weil Weihrauch sehr vieles vermag zu erfüllen nachdem ich mich sehr sehnen gerade,in dieser für uns alle sehr schweren Zeit. Weihrauch trägt Wünsche in den Himmel und gibt Hoffnung. Weihrauch bietet Schutz und hält das Böse fern. Er reinigt die Gedanken und die Räume. Weihrauch ist spirituell und führt uns ein Stück weit an die Schwelle Gottes. Und er ist der weiße,rauchige Atem der vermag Wunden zu schließen. Seelisch wie körperlich! Weihrauch ist ein Schutzschild und hält Negatives fern. Er reinigt den Geist,die Seele und den Körper. Welches Weihrauchparfum ich nehmen werde Heiligabend? Ich werde es Euch verraten. Es ist für mich persönlich eines der schönsten Weihrauchparfums die ich kenne!

Avignon
Avignon ist tendenziell kein kalter Weihrauchduft wie viele andere. Hier ist die Messe noch nicht beendet,sondern im vollen Gange. Er beginnt zwar mit einer leicht kühlen Labdanum-Note die allerdings eher wie ein leicht metallisch-kühler Lufthauch wirkt. Relativ schnell kommt schleichend sanfte Wärme auf. Nicht viel. Eher wie ein leichtes Glimmen kommt ein zarte Funkenflug aus harzigen,warm-rauchigen Elemi hinzu. Eine angenehme,weiche Harzigkeit breitet sich aus und wir nach und nach begleiten von holzig-cremigen Tönen aus noch jungen Palisanderholz. Kamille fügt zart,krautig-weiche Akkorde hinzu. Ein kühl-erdiges Patchouli erdet das Parfum auf sehr angenehme Weise,bevor es sich mit würzig und sanft rauchiger Vanille verbindet und ein großes Ganzes wird aus sakralen,heiligen,wärmenden,beschützenden und authentischen Weihrauch. Es mögen nicht viele Noten sein,aber sie sind „göttlich“ komponiert.

Fazit
Es gibt viele Gerüche und Düfte die für mich Weihnachten symbolisieren. Zum Beispiel Zimt,Anis,Gewürznelken,Spekulatius,Mandel und Lebkuchen. Dies sind die kindlichen und leiblichen Freuden und Erinnerungen die ich mit Weihnachten verbinde. Aber das ist nur ein kleiner Teil davon. Wenn auch ein sehr schöner! Das wahre Weihnachten und dessen tiefer Sinn duftet für mich nach kirchlichen Weihrauch. Nach dem heiligen,weißen Rauch. Es duftet nach Stille,Demut,Nächstenliebe und Trost. Es ist der Rauch der die Gedanken,Wünsche und die Hoffnung in den Himmel trägt. Avignon ist für mich die olfaktorische heilige Nacht. Gedankenstille,spirituelle Ruhe und Geborgenheit. Authentisch und real bis in die letzte Note. Es muss um diese Zeit gewesen sein kurz vor Weihnachten vor vielen Jahren,da traf ich abends im vorbeigehen einen Freund. Es schneite und war schon spät. Ich trug Avignon. Es war seinerzeit mein erster Flakon. Wir wechselten nur kurz ein paar Worte und trennten uns wieder. Als wir uns verabschiedeten drehte er sich noch einmal kurz zu mir um und sagte: Can,....Du duftest nach Weihnachten! Er empfand Avignon genau so wie ich. Heiligabend lag in der Luft!

Meine lieben Freunde,Leser,Parfumos!
Dies ist für dieses Jahr mein letzter Kommentar. Ich bedanke mich hiermit für viele schöne Stunden mit Euch. Für viel Freude und auch so manches Leid was Ihr mit mir geteilt habt. Für viele bereichernde Gespräche,sehr viel Lachen und unglaublich viel Herzlichkeit,Wärme,Emphatie und Menschlichkeit. Es war mir eine große Freude dieses Jahr mit Euch zu verbringen. In guten wie in schlechten Zeiten. Ich wünsche Euch hiermit gesegnete Weihnachten für Euch,Eure Liebsten und Familien. Und ein hoffnungsvolles neues Jahr. Bleibt gesund und vergesst nie,....seit gut zueinander!

Herzlichst und gut duftende Festtage.
Can

https://www.youtube.com/watch?v=-i1SqFJ3K8Q
57 Antworten
10
Flakon
7.5
Sillage
10
Haltbarkeit
4
Duft
Zionist

24 Rezensionen
Zionist
Zionist
Top Rezension 32  
Avignon und der Weihrauch
Die japanische Firma Comme des Garcons wurde bereits 1969 in Tokyo von der erfolgreichen Modedesignerin Rei Kawakubo gegründet, die seither erfolgreich mit ihrer aussergewöhnlich anspruchsvoll erscheinenden und intellektuell angehauchten Avantgardemode im internationalen Hochpreissegment in der Modebranche mitmischt.

Seit Mitte der 90er produziert CdG vom Firmensitz in Paris aus auch Parfums, die die Besitzerin selbst teilweise als „Non- Parfumes“ bezeichnet, da es ihr bei ihren Duftkreationen nicht so sehr auf Massenkompatibilität ankommt, sondern sie mit ihren Düften auf schon erlebte emotional sensorische Erfahrungsprozesse des Individuums abzielt, und sich und den anderen somit einen breiten Raum für individuelle Interpretationsmöglichkeiten offen lässt.

Die INCENSE Edition von CdG besteht aus 5 Parfums, wobei jedes dieser Reihe nach einem religiösen Zentrum benannt ist und eine Glaubensrichtung symbolisieren soll.

Incense – also Räucherwerk oder Weihrauch, war bei mir vor Jahren, als ich mich bei Parfumo anmeldete gar kein Thema, da Weihrauchdüfte auf das heftigste mit frühkatholischen Kirchenassoziationen verknüpft waren und daher ein für allemal uninteressant waren.

Doch ich habe allzuschnell die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Aufgrund meines fortbestehenden regen Interesses an neuen Düften, nie gekannten und erahnten oder vorstellbaren Duftkreationen, wie ich sie jetzt im Laufe meiner Aktivität hier in diesem Portal kennengelernt habe, wurde ein unglaublicher Weiterentwicklungsprozeß meinerseits vorangetrieben, der durch einige inzwischen liebgewonnene Parfumos geradezu katalytisch angetrieben wurde, und im Rückblick jetzt eher dem Durchlaufen einer unglaublichen Metamorphose entspricht.

Weihrauch ist bei mir zu einem Alltagsgebrauchsgegenstand mutiert, ohne ihn dadurch schmälern zu wollen, der inzwischen völlig entkoppelt ist von seiner überproportionalen Vereinnahmung - kulturell gesehen - durch den sakralen und kultischen Bereich.

Irgendwie ist mir diese bis dahin bestehende Ehrfurcht vor ihm verloren und abhanden gekommen, - fast schon so, wie wenn man am PC die Delete - Taste drückt.

Im Gegenzug dafür kann ich mich angstfrei in seine transzendente meditative Vielfalt einfühlen, erkenne erst jetzt seinen ganzen olfaktorischen Reichtum infolge neuer nie dagewesener Duftkombination, da endlich all diese angelernten oder auch nur eingetrichterten dogmatischen Überbauten beiseite gelegt sind.

Dieser für mich entmystifizierte Weihrauch wurde somit zu einem wertvollen und liebgewonnenen Gewürz, nicht mehr und nicht weniger, quasi ein von mir sehr geschätzter säkularer Teil meines gelebten Lustprinzips.

Aufgrund der Brückentage der letzten Woche sind bei mir überproportional viele CdG Düfte in mein Heim eingezogen, was natürlich mit meiner Vorliebe für Labdanum, Elemiharze, Styrax, Galbanum, Myrrhe und Benzoe - allein als Solist, oder als variantenreiches Gruppenorchester zu tun hat.

Warum eine japanische Firma die Stadt Avignon als Vertreter des Katholizismus wählt, mutmaße ich m. E., kann nur aufgrund einer historischen blinden Flecks der römisch katholischen Kirchengeschichte erfolgt sein , oder weil CdG mit Paris als Firmenschwerpunkt eben auch in Frankreich angesiedelt ist, und die schön restaurierten katholischen Bauten Avignons mit uneingenommener japanischer Wahrnehmung einfach nur beeindruckend sind ?.

Bertrand Duchaufour hat mit Avignon neuerlich sein Talent bewiesen, und einen einzigartigen Meilenstein im Incense Segment geschaffen, der keine Wünsche offenlässt.

Avignon hat alles was wir von einem verzaubernd schönen katholischen Hochamt kennen, keine
Muffigkeit sondern alles sehr ausgewogen mit einem hellen kamillig unterlegten Weihrauchbeginn, der sehr freundlich wirkt und im weiteren Verlauf gewürzig zu einer warmen liebevoll vanillig süsslichen Herz- Basisnote wird , die für mich auch noch mit Sandelholz unterlegt ist.

Aber genau hier stellt sich mir die Frage nochmals nach dem Grund warum CdG gerade Avignon jeder anderen römisch katholischen Hauptstadt in der Namnesgebung des Parfums den Vorzug gegeben hat.

Als die Kirchenspaltung im Jahre 1309 begann und sich die Kurie für die nächsten 68 Jahre mit ihren 6 Päpsten in Avignon im sogenannten babylonischen Exil befand, waren kirchliche Exzesse was Pomp, Intrige und Verschwendung betrifft an der Tagesordnung.

Allerdings halte ich CdG gerade was derartige spezielle Überlegungen betrifft nicht so „sofisticated“ genug, um im Rahmen eines global agierenden sehr gehypten Avantgardeconcerns so ein Backgroundwissen in ihre modernen Firmenmarketingstrategien noch zusätzlich zu berücksichtigen.

Avignon ist für mich ein Duft, den ich vermutlich großzügig und oft an Tagen, an denen ich weniger unter Leute gehen werde ausgiebig gebrauchen werde, aber auch gleichzeitig über die kritische Stimme des Dichters Francesco Petrarcas hinwegsehen werde , der den Papstpalast am Ufer der Rhone nur abfällig mit den Worten kritisierte, daß in dieser Lasterhöhle und Sündenpfuhl nur die Selbstherrlichekit regiere, wo statt Gott nur das Geld angebetet werde.
10 Antworten
5
Flakon
5
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7.5
Haltbarkeit
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Duft
loewenherz

881 Rezensionen
loewenherz
loewenherz
Top Rezension 31  
That was when you carried me
Was die fünf Düfte aus Comme des Garçons' Series 3: Incense vor allem auszeichnet, ist die trotz ihres einenden Themas 'Weihrauch' doch deutlich wahrnehmbare Unterscheidbarkeit voneinander. So empfinde ich Zagorsk als den distanziertesten und kühlsten unter ihnen, Kyoto als den ätherischsten und feinsten. Ouarzazate ist der vielleicht leichteste, balsamischste und Jaisalmer der lebhafteste und ungewöhnlichste der fünf. Avignon, um den es hier nun gehen soll, ist für mich der gleichermaßen kraftvollste wie auch zärtlichste und intimste.

Den Grund für diese Zärtlichkeit und Nähe finde ich bei aller dramatischen Weihrauchkokelei - Drama konnte die katholische Kirche ja schon immer ganz gut - in einer den Harzen sachte zugrundeliegenden Weichheit, beinahe Süße - fein wie ein Windhauch, aber doch spürbar. Kaum mehr als ein Schatten, aber nie völlig fort. Zu behaupten, das sei die Vanille, wäre zu einfach - stattdessen wirkt die Weichheit wie ein Echo der zentralen Weihrauchnote selbst - es kann das Palisanderholz sein, aber sicher bin ich nicht. Oder sollte es gar die (römische) Kamille sein?

Avignon gelingt zu transportieren, was dem Glauben - katholisch oder ein anderer - ureigenst immanent ist: Feierlichkeit, Festigkeit und tröstliche Verlässlichkeit. Ein wenig wie in jener etwas albern rührseligen Parabel, bei der wir am Ende von allem auf den Weg zurückblicken und im Sand hinter uns stets zwei Paar Fußabdrücke sehen, weil da eben immer jemand bei uns gewesen ist. Und als wir zweifeln und verzagen, weil immer bei besonders steilen oder schwierigen Wegstrecken nur ein Paar Fußspuren im Sand ist, heißt es: 'Da habe ich dich getragen.'

Fazit: ganz viel Weihrauch. Ganz viel Kirche. Ganz viel Trost.
4 Antworten
7.5
Flakon
7.5
Sillage
7.5
Haltbarkeit
8
Duft
Meggi

1019 Rezensionen
Meggi
Meggi
Top Rezension 26  
Weihrauch-Witz?
Warum heißt „Avignon” eigentlich „Avignon” und nicht „Vatican” oder „Vaticano“? Diese naheliegende Frage wurde bereits gestellt, bleibt gleichwohl berechtigt. Was hat Herrn Duchaufour bzw. eher die Namensgeber bei CdG bewogen, ihr Werk nach einer einigermaßen unrühmlichen Interims-Lösung von vor Hunderten von Jahren zu benennen? Ist Avignon tatsächlich (historisch) ein derart bedeutsames Zentrum des Katholizismus (gewesen)? Anscheinend erlebte das Papsttum seinerzeit nicht unbedingt einen geistig-geistlichen Höhenflug.

Ein Rätsel, zumal für mich als Norddeutschen, der aus zumindest protestantischer Tradition heraus verwundert die Zentrierung des Katholizismus auf Rom zur Kenntnis nimmt. Noch seltsamer scheint mir einzig die für jeden halbwegs neutralen Beobachter doch höchst erstaunliche Tatsache zu sein, dass der irdische Stellvertreter des allmächtigen und für alles und insbesondere alle Menschen zuständigen Gottes stets ein alter, männlicher Katholik ist.

Vielleicht sollte mit der Namenswahl eine Art Distanz zum Ausdruck kommen. Vielleicht klingt „Avignon“ als Parfüm-Name aber auch einfach geiler als „Vaticano“. Und „Roma“ ist ja schon mehrfach besetzt. Lassen wir’s dabei bewenden.

Die stumpfe, weiße Tipp-Ex-Note, eine zugegebenermaßen ebenso optisch geprägte Assoziation, erinnert in der Tat stark an (den vier Jahre jüngeren) Cardinal von Heeley. Dies sowie die zahlreichen Berichte von Nutzern mit einschlägiger Sakral-Erfahrung lassen nur den Schluss zu, dass das Thema exakt getroffen wurde. Das könnte man nun zäh wie eine Doppelstunde Religions-Unterricht schlichtweg über den Duftverlauf hinweg durchziehen, wie es Cardinal – etwas niederträchtig pauschaliert – in gewisser Weise bis an die Schwelle zur Basis tut.

Doch Avignon kann im Verlauf eine Nuance mehr. Mir kommt es so vor, als wenn es unter seiner Oberfläche brodelt. Der Weihrauch hat gegen Ende einen würzigeren, harzigeren, süßeren, ansatzweise (sehr ansatzweise!) geradezu feurig-wilden Unterton. Nur spürbar mit der Nase direkt auf der Haut. Mich erinnert diese heimliche, beinahe honighafte Süße vom Charakter her sogar an den Kracher Rundholz 1968. Ich persönlich finde, dass man derlei Herrn Duchaufour durchaus zutrauen darf. Angesichts der kleinen Witze in Vaara (der Karotten-Maharadscha) und Jubilation XXV (der Sellerie-Sultan mit Brombeer-Weihrauch) habe ich mich nämlich ohnehin bereits gefragt, ob er womöglich bestimmte Sorten von Obrigkeit ein bisschen verarscht und mithin weniger naiv ist, als er selbst (und zur Selbstverteidigung) behauptet (http://www.cafleurebon.com/duchaufour-on-his-trip-to-uzbekistan-bertrand-speaks-out-uncut-and-unedited/). Die Idee, es unter der Soutane mal richtig heiß hergehen zu lassen, hätte ich aus eigener Naivität heraus bis vor wenigen Jahren - und allemal im Avignon-Entstehungsjahr 2002 - sicherlich ziemlich lustig gefunden. Jetzt bleibt mir das Lachen bitter im Halse stecken. Raum für irgendeinen Vorwurf in Richtung Meister Bertrand bietet das nun allerdings nicht.

Fazit: Der hat was! Mir gefällt er nach hinten raus einen Zacken besser als Cardinal, der bei mir im Gegenzug in der Startphase leicht vorn liegt. Beim Kauf würde ich Avignon den Vorzug geben. Dennoch mag ich die wuchtigeren oder süffigeren Weihraucher generell lieber.

Vielen Dank an MisterE!
20 Antworten
10
Flakon
8
Sillage
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Haltbarkeit
10
Duft
FvSpee

323 Rezensionen
FvSpee
FvSpee
Top Rezension 23  
Weicher, warmer, kühler Weihrauch: Groß!
Die Jagd

Inspiriert von diversen Forenbeiträgen beschloss ich, "Kyoto" und "Avignon" aus der Weihrauchserie von Comme des Garcons auszuprobieren. Die anderen drei Düfte schied ich von vornherein aus. Ob das an meinen Duftimaginationen nach der Lektüre der Kommentare liegt oder an den durch die Düfte repräsentierten religiösen Welten, wird immer ungeklärt bleiben. Irgendwie muss man die Komplexität der (Parfum-) Welt ohnehin ordnen. Als Berliner führte mich der erste Weg zum KdW, hatte ich in der dortigen kolossalen Parfumabteilung doch einmal einen Comme-des-Garcons-Stand wahrgenommen. Die junge Beraterin dort erwies sich als äußerst charmant, hielt jedoch die schlechte Nachricht für mich bereit, dass die Weihrauchserie hier generell nicht feilgehalten werde. Obgleich ich von Anfang an deutlich gemacht hatte, dass mich nur Kyoto und Avignon interessieren, erhielt ich zum Abschied (der mir schwer fiel) noch drei (!) CdG-Proben (die sich im Nachgang jedoch als nicht wirklich begeisternd erwiesen). Nächster Versuch: Galeries Lafayette, auch dort Fehlanzeige, aber der Hinweis, man möge es gleich gegenüber im Quartier 207 versuchen. Also eintauchen in diese mir eher fremde Welt, in der sich russische, arabische und japanische Luxusgeschöpfe tummeln. In der dortigen Parfümerie: Treffer! Kyoto und Avignon auf je einem Handgelenk getestet. Beide Düfte fantastisch, Kyoto auf Anhieb "vertrauter", Avignon weihrauchiger. Zuhause Präsentation: Auch meine Frau präferierte "Kyoto". Weiterer Bersuch: "Kyoto" erworben. Einige Wochen vergehen, es beginnt an mir nach "Avignon" zu nagen, und gegen mein schlechtes Gewissen, jeweils einen recht hohen Geldbetrag für zwei Weihrauchdüfte auszugeben, fielen mir immer bessere Argumente ein. Dritter Besuch im Quartier 207: Avignon ist nicht mehr vorrätig und wird auch nicht mehr bestellt, diese Pafümerie schließt. Internetrechere. Glücklicherweise lebt man in Berlin, einer der Handvoll europäischer Städte mit Comme-des-Garcons-Flagshipstores. In der Linienstraße (wohl nirgends ist Berlin hipper) gibt es gleich zwei davon, mit je unterschiedlichem Sortiment. Nach Feierabend hin, wieder so eine etwas fremde Lebenswelt. Rein in denjenigen Laden, der so ähnlich wie "Pocket store" heißt (Hosentaschen werden die wohl nicht verkaufen, also wohl Sachen, die man in die Tasche stecken kann). Der Laden besticht durch eine Innenausstattung, der man ansieht, dass zehntausende Euro dafür bezahlt wurden, dass die Regale nach Sperrmüll aussehen. Zwei sehr lieb, sanft und metrosexuell wirkende junge Menschen (je einer eines Geschlechts) stehen am Tresen (eine "Kasse" im herkömmlichen Sinn gibt es nicht). "Guten Abend, verkaufen Sie hier auch die Comme-des-Garcon-Düfte?" - "Soooo sorry, I don't speak German". Meine Verblüffung souverän-kosmpolitsch überspielend, führe ich den Rest des Gesprächs auf Englisch und verlasse das Objekt binnen Kurzem mit einem Flacon "Avignon" in my pocket ("It's SUCH a great fragrance! Bye and take care!")

Der Duft

Der Duft riecht, so meint man auf Anhieb, sehr, sehr straight nach Weihrauch. Wie bereits von vielen anderen Kommentatoren treffend beschrieben, ist sofort die Assoziation an einen katholischen Gottesdienst da. Da muss man nicht nachdenken, mit dem Duft in der Nase sind die Bilder im Kopf. Mit der Zeit, und damit meine ich sowohl "nachdem sich der Duft ein paar Stunden entwickelt hat", als auch "nach dem dritten oder vierten Tragen" riecht man auch viele andere ganz feine, wundervolle, sanft-würzige Nuancen heraus, die dem Weihrauch jedoch nie opponieren, sondern ihn stets abrunden, ja mehr noch: veredeln, sein Spektrum erweitern; als ob ein Roh-Smaragd oder Roh-Rubin einen schönen Schliff erhielte.

Der Duft ist (für mich) unendlich weich. Er hat für mich gar nichts von der Schroffheit, die Weihrauch in der Kirche haben kann, wenn er mit starker Rauchkomponente und in hoher Dosierung in die Nase schlägt. Man darf sich aber keine plüschige, süßliche Weiche vorstellen. Es ist mehr wie ein gaaaaaanz weiches Wasser, wie es das in manchen Gegenden der Welt gibt, wo die Haut schon von Händewaschen weich wie Seide wird, ganz ohne Creme, und wo ein Tropfen Haarshampoo reicht, dass es schäumt wie nur was.

Als ich beschloss, diesen Kommentar zu schreiben, überlegte ich, wie ich mein Temperaturempfinden in Worte fassen sollte, denn ich empfinde den Duft als ausgesprochen warm, wie das helle kardinalsrot der Schrift auf dem Flakon, aber zugleich als sanft kühlend. Wie geht das überhaupt? Als ich vor dem Kommentieren ein paar der schon vorhandenen Kommentare las, traf ich dann auf eine ganz kurze Antwort, die sinngemäß lautete: "Der Name Avignon passt sehr gut, wie südfranzösische Wärme und zugleich die Kühle, wenn man in eine der gotischen Kirchen dort tritt." Bingo. Das ist es.

Für mich ist das ein vollendter, ein "großer Duft". Ich gebe ihm die Höchstpunktzahl, obwohl ich andere Düfte vielleicht noch ein ganz klein bisschen mehr liebe. Ich würde den Duft, weil er so besonders ist, nicht jeden Tag tragen, aber im Grunde halte ich ihn für universal anwendbar: Zu jeder Jahreszeit, bei fast jeder Gelegenheit (in die Kirche nicht, das könnte als unpassend ironisch verstanden werden), und absolut unisex: Geheimnisvoll, besonders, und gar nicht unmännlich an Männern, und bestimmt sehr sehr sexy an einer Frau.

Ehrenrettung des Flakons

Der Flakon kommt hier bei Parfumo schlecht weg, ich finde ihn kongenial. 50 ml ist eine gute Größe für den Duft, das schwarze Glas sieht edel au und ist gut für die Haltbarkeit, die Sprühvorrichtigung ist äußerst wertig, das helle rot passt exzellent zu dem Duft und die Form und Haptik schmeichelt dem Auge und der Hand. Zudem ist die schlank-zylindrische Gestalt platzsparend. Hat ja nicht jeder einen Riesen-Extra-Schrank für seine Düfte.
7 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

91 kurze Meinungen zum Parfum
Can777Can777 vor 3 Jahren
8
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
9.5
Duft
Rauch der Gedankenstille! Frieden,Ruhe,Arme der Geborgenheit,Seelenheil,Reinheit,Heilige Nacht. Oder einfach nur Avignon!
26 Antworten
Eggi37Eggi37 vor 2 Monaten
6
Flakon
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Haltbarkeit
8
Duft
Duchaufour mit Kamillekranz
In Papststadt
Vanillewarmes Räucherwerk aus
herb-krautiger Zistrose & pfeffrig-zitrisch-fenchelartigen Elemiharz
42 Antworten
PollitaPollita vor 3 Jahren
7
Sillage
7
Duft
Der ist mir eindeutig zu sakral. Willkommen in der katholischen Kirche. Thema perfekt getroffen. Urbi et orbi. Wers mag.
22 Antworten
SchalkerinSchalkerin vor 3 Jahren
6
Flakon
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Haltbarkeit
8.5
Duft
Allein in der großen Kirche. Es ist ruhig und die Luft ist voller Weihrauch. Kamillenblüten liegen auf dem Altar. Die Holzbänke duften.
22 Antworten
FloydFloyd vor 3 Jahren
5
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
8
Duft
Ich war vermutlich in dieser Welt
In mehr Kirchen als in der Realität
Avignon weihraucht
Genau wie Heeley
Würzigharzig
Katholisch mit Gummi
24 Antworten
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So ordnet die Community den Duft ein.
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