Hylnds - Bitter Rose, Broken Spear D.S. & Durga 2013
33
Top Rezension
Begriffliche Stimmungs-Transporteure inklusive
Wachs und Thymian? – das sind die Eindrücke, die mir noch vor dem Auftragen markant und geradeheraus aus dem Tester entgegenwabern, mit dem mich (vielen Dank!) Puck1 überrascht hatte.
Na ja, stimmt nach dem Aufsprühen nicht ganz, mal davon abgesehen, dass der wahre Auftakt ebenfalls echt Durga-mäßig ist, will heißen: Es geht direkt zur Sache. Der Gedanke an Glut von würzigem Holz mag passen, wenngleich ich nach mehrmaligem Test persönlich an bereits Erkaltendes denke. Und ordentlich Harz.
Ich wittere überdies eine raue Grundlage, an der Patchouli gewissen Anteil haben wird. Ich bin mir meiner Sache deshalb sicher, weil meine Frau (der Patchouli-Spürhund schlechthin) am Nachmittag ihr bei derlei leider unvermeidliches Urteil „Katzenpisse“ äußerte. Dazu eine hellharzige Weißrauch-Note – Elemi?
Im Laufe von ein, zwei Stunden mildert sich die rauchige Anmutung zu einer betonter harzigen ab. Ich ahne, mit welchen zeitlichen Dimensionen ich es zu tun bekomme, denn nur sehr langsam, zunächst allein auf der Haut, macht sich die Sagen-wir-Rose bemerkbar. Sofern man sie so nennen möchte. Ungestützt hätte ich auf einen Beitrag gestrüppigen Petitgrains getippt.
Was mache ich mit dem Kubebenpfeffer, den die werte Seerose in ihrem Text besonders herausgestellt hatte? Hm. Ich habe im Geschäft des Herrn Schuhbeck in der großen Hansestadt mal nachgeschnuppert. Vor meiner Parfumo-Zeit hatte ich den Laden gar nicht registriert, obwohl es den schon seit rund zehn Jahren gibt; jetzt ist er in puncto Gewürze eine Duftnoten-Präsenzbibliothek…. Ganz zwingend, jedenfalls als zu betonende Komponente, wollte mir zumindest die dort zu verköstigende Sorte Kubebenpfeffer jedoch nicht scheinen.
Zurück zur Rose: Erst gegen Mittag mag ich mir eine wirkliche Vertreterin ihrer Art im Ansatz einbilden; verfremdet, verzerrt. „Bitter“ träfe es tatsächlich. Eher denke ich allerdings an säuerliches Harz mit einer Beigabe von Zitrus-Adstringens – und schließe damit an den Petitgrain-Gedanken von oben an. Von selbst wäre ich nie darauf gekommen, dass dieses Parfüm nach Rose benannt sein könnte. Während des Nachmittags schleicht sich eine Spur Milderung hinein. Gleichwohl bleibt es säuerlich, die bereits geäußerte Vetiver-Hypothese ist nicht nur plausibel, sondern zu unterstreichen. Daneben lässt sich freilich anderes harzig-grünes Zeugs vermuten, mit dem es charaktervoll und kräftig in den Abend geht.
Noch deutlicher als beim Geschwister-Duft „Pale Grey Mountain, Small Black Lake“ sind auch über die banal-offensichtlichen Fälle hinaus - hier: „Brandglut“, „geschmolzenes Eisen“ - einzelne Duftnoten-Angaben mehr als bloß womöglich abzuhakende Zutaten. Nennungen wie „Distel (ich weiß eh nicht, wie die riecht!), Klee oder Lärche sind parallel dazu begriffliche Stimmungs-Transporteure.
Und das funktioniert. Das gelistete Aromen-Gerüst erscheint zudem – eigentlich seltsamerweise – überhaupt nicht manieriert oder gar lächerlich. Das wird daran liegen, dass Bitter Rose, Broken Spear, gleich seinem Verwandten, rundum gelungen und hochwertig wirkt.
Fazit: Wer einen Rosenduft sucht, liegt mit „Bitter Rose“ falsch, sollte aber trotzdem probieren. Und alle anderen testen bitte ohnehin.
Na ja, stimmt nach dem Aufsprühen nicht ganz, mal davon abgesehen, dass der wahre Auftakt ebenfalls echt Durga-mäßig ist, will heißen: Es geht direkt zur Sache. Der Gedanke an Glut von würzigem Holz mag passen, wenngleich ich nach mehrmaligem Test persönlich an bereits Erkaltendes denke. Und ordentlich Harz.
Ich wittere überdies eine raue Grundlage, an der Patchouli gewissen Anteil haben wird. Ich bin mir meiner Sache deshalb sicher, weil meine Frau (der Patchouli-Spürhund schlechthin) am Nachmittag ihr bei derlei leider unvermeidliches Urteil „Katzenpisse“ äußerte. Dazu eine hellharzige Weißrauch-Note – Elemi?
Im Laufe von ein, zwei Stunden mildert sich die rauchige Anmutung zu einer betonter harzigen ab. Ich ahne, mit welchen zeitlichen Dimensionen ich es zu tun bekomme, denn nur sehr langsam, zunächst allein auf der Haut, macht sich die Sagen-wir-Rose bemerkbar. Sofern man sie so nennen möchte. Ungestützt hätte ich auf einen Beitrag gestrüppigen Petitgrains getippt.
Was mache ich mit dem Kubebenpfeffer, den die werte Seerose in ihrem Text besonders herausgestellt hatte? Hm. Ich habe im Geschäft des Herrn Schuhbeck in der großen Hansestadt mal nachgeschnuppert. Vor meiner Parfumo-Zeit hatte ich den Laden gar nicht registriert, obwohl es den schon seit rund zehn Jahren gibt; jetzt ist er in puncto Gewürze eine Duftnoten-Präsenzbibliothek…. Ganz zwingend, jedenfalls als zu betonende Komponente, wollte mir zumindest die dort zu verköstigende Sorte Kubebenpfeffer jedoch nicht scheinen.
Zurück zur Rose: Erst gegen Mittag mag ich mir eine wirkliche Vertreterin ihrer Art im Ansatz einbilden; verfremdet, verzerrt. „Bitter“ träfe es tatsächlich. Eher denke ich allerdings an säuerliches Harz mit einer Beigabe von Zitrus-Adstringens – und schließe damit an den Petitgrain-Gedanken von oben an. Von selbst wäre ich nie darauf gekommen, dass dieses Parfüm nach Rose benannt sein könnte. Während des Nachmittags schleicht sich eine Spur Milderung hinein. Gleichwohl bleibt es säuerlich, die bereits geäußerte Vetiver-Hypothese ist nicht nur plausibel, sondern zu unterstreichen. Daneben lässt sich freilich anderes harzig-grünes Zeugs vermuten, mit dem es charaktervoll und kräftig in den Abend geht.
Noch deutlicher als beim Geschwister-Duft „Pale Grey Mountain, Small Black Lake“ sind auch über die banal-offensichtlichen Fälle hinaus - hier: „Brandglut“, „geschmolzenes Eisen“ - einzelne Duftnoten-Angaben mehr als bloß womöglich abzuhakende Zutaten. Nennungen wie „Distel (ich weiß eh nicht, wie die riecht!), Klee oder Lärche sind parallel dazu begriffliche Stimmungs-Transporteure.
Und das funktioniert. Das gelistete Aromen-Gerüst erscheint zudem – eigentlich seltsamerweise – überhaupt nicht manieriert oder gar lächerlich. Das wird daran liegen, dass Bitter Rose, Broken Spear, gleich seinem Verwandten, rundum gelungen und hochwertig wirkt.
Fazit: Wer einen Rosenduft sucht, liegt mit „Bitter Rose“ falsch, sollte aber trotzdem probieren. Und alle anderen testen bitte ohnehin.
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Gut so - Du bist ein Meister dieses Fachs!