Vol de Nuit 1933 Extrait

Vol de Nuit (Extrait) von Guerlain
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8.9 / 10 192 Bewertungen
Ein beliebtes Parfum von Guerlain für Damen, erschienen im Jahr 1933. Der Duft ist grün-würzig. Die Haltbarkeit ist überdurchschnittlich. Es wird von LVMH vermarktet. Der Name bedeutet „Nachtflug”.
Aussprache
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Duftrichtung

Grün
Würzig
Chypre
Blumig
Holzig

Duftpyramide

Kopfnote Kopfnote
GalbanumGalbanum OrangenblüteOrangenblüte BergamotteBergamotte MandarineMandarine OrangeOrange ZitroneZitrone
Herznote Herznote
AldehydeAldehyde IrisIris VanilleVanille NarzisseNarzisse
Basisnote Basisnote
EichenmoosEichenmoos GewürzeGewürze IriswurzelIriswurzel MoschusMoschus SandelholzSandelholz

Parfümeur

Bewertungen
Duft
8.9192 Bewertungen
Haltbarkeit
8.3159 Bewertungen
Sillage
7.3160 Bewertungen
Flakon
9.3165 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
7.243 Bewertungen
Eingetragen von Nibelung, letzte Aktualisierung am 22.04.2024.
Variante der Duftkonzentration
Hierbei handelt es sich um eine Variante des Parfums Vol de Nuit (Eau de Toilette) von Guerlain, welche sich in der Duftkonzentration unterscheidet.

Duftet ähnlich

Womit der Duft vergleichbar ist
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Rezensionen

9 ausführliche Duftbeschreibungen
10
Flakon
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Sillage
8
Haltbarkeit
10
Duft
Can777

241 Rezensionen
Can777
Can777
Top Rezension 80  
Paper Aeroplane
Ich wollte Dir einen Brief schreiben,aber es kam nicht dazu,weil ich die Tinte verschüttete als ich Deinen Namen schreiben wollte. Jetzt habe ich aus der Seite einen Papierflieger gefaltet und stehe einsam und allein am offenen Fenster meines Zimmers und schaue in die kühle Nacht. Gleich werde ich ihn fliegen lassen. Und vielleicht findet er seinen Weg zu Dir. Er ist beladen mit Gedanken und alten Erinnerungen. An Dich,an mich und unsere verlorene Zeit!

Vielleicht fliegt er in der Dunkelheit durch den Garten in den die Orangen blühen und ihren zitrisch-bitteren und beruhigenden Duft verströmen. Der,der bei Mondschein so wie verzaubert wirkt. Vielleicht fliegt er auch so hoch,dass er nicht in den harzigen Zweigen und Ästen der Gedanken hängen bleibt die Galbanum gleich ihre milchigen-klebrigen Säfte verlieren.

Vielleicht fliegt er auch immer höher und höher,so als wären luftig-leichte Aufwinde aus Aldehyden unter seinen Papierflügeln, die ihn so hoch tragen,dass die Lichter der Stadt unter ihm wie weiße und funkelnde Narzissen im Glanz der Sterne wirken. Getragen von würzig-warmen Winden. Und den vanillig-zarten und pudrigen Wolken dem Vollmond so nahe,wie zwei Herzen im Tackt des Gleichklanges.

Dort oben gleitet er dann leise am Nachthimmel in endloser Stille. In endloser Harmonie und Liebe. Dort oben wird man seine Silhouette sehen. Dort oben wird er dann warten. Er wird wartet, dass seine Zeit kommt und er sein Ziel anfliegen darf. Und das Ziel und der Landeplatz wirst Du sein. Nur Du allein! Von weit oben wird er Dich erkennen und finden. Und er wird seinen langsamen Sinkflug beginnen. Über dunkel-bemooste Wälder und pudergraue Täler. Es wird ein Abgleiten in zartester Dunkelheit sein. Ein stetiges Dahingleiten im Wechselspiel der Gefühle. Ein Landeanflug wie auf einem cremig-weichen und bemoosten Landebahn aus Moschus und Sandel in Dein Innerstes selbst. Oder zu uns selbst?

Ich wollte Dir einen Brief schreiben,aber es kam nicht dazu,weil ich die Tinte verschüttet als ich Deinen Namen schreiben wollte. Jetzt habe ich einen Papierflieger aus der Seite gefaltet und stehe am offenen Fenster in meinem Zimmer. Immer noch einsam und allein! Doch bevor ich ihn in die Nacht fliegen lasse,habe ich ihn noch „lackiert“ mit etwas,was auch aus Liebe gemacht wurde. Mit einem Parfum. Dieser Papierflieger und der Duft werden Dir vielleicht das sagen können was ich nicht immer konnte und wozu ich nicht im Stande war in Worten und Taten. So öffne das Fenster und Dein Herz für ihn und stell eine Kerze auf Deine Fensterbank,damit er Dich finden kann von dort oben in der dunklen Nacht. Wo immer Du jetzt auch seien magst? Es ist eine Reise von mir zu Dir. Es ist ein Flug voller emotionaler Turbulenzen. Ein Flug aus Aufwinden und Abwinden. Und ein ständiges gleiten durch Stille,Liebe,Traurigkeit und Sehnsucht!

Si près du ciel!....Dem Himmel so nah!
Vol de Nuit ist nicht nur ein Parfum. Es ist sehr viel mehr. Es ist die Aerodynamik der Träume. Es beinhaltet die stärksten Turbulenzen aus Emotionen und tiefsten Sehnsüchten. Und es wird wohl auch auf ewig bestehen und die Seele fliegen lassen,so wie die Liebe,die Leidenschaft und die Hoffnung!

https://m.youtube.com/watch?v=Ly0fz0T_lQE

48 Antworten
10
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
10
Duft
Yatagan

396 Rezensionen
Yatagan
Yatagan
Top Rezension 72  
Warum die Franzosen so gute Parfums komponieren
Aufmerksame Leser/innen wissen natürlich, dass der Titel eine Anspielung auf Iris Radischs neues Buch ist (Warum die Franzosen so gute Bücher schreiben), das ich hiermit nachdrücklich einer Lektüre empfehle: ein ebenso informativer wie sprachgewaltiger Parforceritt durch die jüngere französische Literaturgeschichte von Camus, Sartre und de Beauvoir bis zu Zeitgenossen wie Houellebecq.
Ebenso anregend war der Erstkommentar von Babtiste, der sich gleichermaßen auf die Autoren des Café de Flore bezieht und damit ebenso auf die Pariser Bohème der 30er und 40er Jahre.

Was macht französische Lebensart, Philosophie, Literatur und Kunst aus? Diese Frage beantwortet letztlich auch Iris Radisch nicht abschließend, zumal es neben der anregenden, aber recht hermetischen Szene in Paris eben auch die LIteratur von außen (nämlich der ehemaligen Kolonien, etwa des Maghreb) gab, die für Frankreich ebenso wichtig wurde, wie die Literaten von Paris. Soweit Iris Radisch.

Übertragen auf Duft hieße dies, dass uns die genauere Betrachtung der Szene französischer Parfumeure ebensowenig auf die Spur einer erschöpfender Erklärung führen würde wie die Frage, ob es eine solche geschlossene Equipe überhaupt gab und gibt.
Dennoch scheint es mir legitim festzuhalten, dass die Tradition französischer Parfumhäuser eine internationale Bedeutung erlangte, die weder in England noch in Italien oder Deutschland jemals erreicht wurde, allenfalls bei einer historisch weit zurückreichenden Betrachtung (Deutschland im 18. Jahrhundert, England im 19. und frühen 20. Jahrhundert etc.).

Sucht man in dieser an Höhepunkten reichen Vergangenheit nach Parfums, die diese Bedeutung als Entwurf ihrer jeweiligen Epoche verkörpern, dann fielen Namen wie Fougère Royale, Jicky, Chanel No. 5, Shalimar, Pour Un Homme, L'Heure Bleu, Mitsouko, um nur einige zu nennen. Dabei fiele dann sicher auf, dass überproportional viele Guerlain-Düfte zu nennen wären. Eine nicht allein hinreichende Erklärung könnte sein, dass die sog. Guerlinade, jene teils bekannte, teils geheimnisvolle Komposition, die das Herz so vieler Damen- und (!) Herrendüfte von Guerlain bildet, ein so großer Wurf gewesen sein muss, dass er in all seinen Variationen immer wieder große Nachkommen gebar.

Bei Vol de Nuit steht diese Guerlinade weniger im Vordergrund, weil sich hier die Dominanz des Galbanum und der Orangenblüte über alles legt. Die Folge ist interessant: Kaum zu entscheiden, ob dieser Duft eher süß oder eher würzig-balsamisch, herb und grün ist (wahrscheinlich ist er tatsächlich beides) und kaum zu entscheiden, ob der Duft eher hell und licht bleibt (so wie ein Flugzeug, das zur Sonne strebt und dessen flirrende Propellerdrehung in diesem vielleicht wuderbarsten aller Flakons der Duftgeschichte meisterhaft abgebildet wurde) oder ob es sich doch um einen Nachtflug handelt, der eher düster, dunkel, wolkenverhangen, melancholisch ist und dessen Bezug zu Antoine de Saint-Exupérys wunderbarer Novelle immer wieder gerne hergestellt wurde, auch wenn Cravache in seinem Kommentar zum EdP überzeugend darstellt, dass der Duft wohl schlicht eine Auftragsarbeit von Air France war, die Guerlain kongenial erfüllte. Auch hier gilt, möglicherweise ist der Duft einfach beides: eine Hommage an die glanzvollen (lichten) Zeiten von Air France und gleichzeitig auch der damit klug verbundene Hinweis auf das Werk von Saint-Exupéry, das die dunkle Seite des Fliegens beschrieb, die den Autor selbst schicksalhaft einholte: Er stürzte 13 Jahre nach Veröffentlichung seiner Novelle "Vol de Nuit" (dt. Nachtflug) am 31. Juli 1944 mit seinem Flugzeug ab.

Vol de Nuit (der Duft) indes entwickelt sich weich balsamisch, nicht harzig, eher iriswurzelpudrig, moosig (sicherlich seinerzeit viel deutlicher als heute) und sanft würzig. Man ist fast geneigt, einen feierlichen (weihnachtlichen?) Gewürz-Sound wahrzunehmen (Vanille-Zimt-Kekse), der sich zu einer Kakao-Note entwickelt, wie schon Apicius im ersten Kommentar zum Duft (s. EdP) sehr richtig bemerkte. Das ist übrigens der Teil, der mir nicht so ganz gefällt.

Erlaubt sein darf darum auch ein kritischer Blick auf den Duft. Turandot schrieb, ihr sei der Duft zu perfekt. Ich kann das nachvollziehen, denn Vol de Nuit ist zwar nicht vollendet harmonisch (zu viel grün-herbe, wächserne Noten), aber er ist ideal balanciert, was sich ja in der oben beschriebenen dialektischen Aufhebung der Gegensätze (These und Antithese) als ein Höheres (Synthese) zeigt. Öfters ist es ja so, dass ein Duft interessanter wirkt, wenn er eine Unwucht, Ecken und Kanten, Widersprüche enthält. Ursprung dieser Balance könnte das Sandelholz sein, das m.E. in seinen weich-süßen Interpretationen allzu geschmeidig und verbindend wirkt. Für mich reicht es deshalb bei Vol de Nuit nicht zur Höchstnote, aber doch zu 9.5.

Alles in allem ist Vol de Nuit für mich fast die Blaupause für elegante französische Düfte, auch wenn ich die kräftig-kratzige und erotische Variante der Guerlinade (Habit Rouge, Shalimar), die lavendelbetonte (Mouchoir de Monsieur, Jicky) bzw. die androgyne (Mitsouko) für (noch) besser halte. Vol de Nuit bleibt aber, was es ist, auch in seiner derzeitigen Form: ein wunderschöner Duft und der Beweis, dass Franzosen nicht nur gute Bücher schreiben (Camus, Saint-Exupéry...), sondern auch fast perfekte Düfte komponieren, wenigstens wenn sie Jacques Guerlain hießen.
35 Antworten
10
Flakon
9
Sillage
9
Haltbarkeit
9
Duft
Chanelle

746 Rezensionen
Chanelle
Chanelle
Top Rezension 37  
Der Begleiter auf dem Flug in die Winternacht
Für die, die glauben, daß ein Parfum (Extrait) "nur" eine höhere Konzentration an den im gleichen Verhältnis abgemischten Duftstoffen als z.B. bei einem Eau de toilette gleichen Namens darstellt, sei betont: Beileibe nicht!
Vol de Nuit ist ein klassisches Beispiel.
Wie oft las ich / hörte ich: Vol de Nuit:...Klassiker...Schönheit....Perfektion...Guerlain-Meisterstück...pipapo - aber nuuur als Extrait! VdN EdT: nett, aber kein Vergleich.
Nun, endlich kann ich mitreden.
Ich will jetzt keinen Vergleich zwischen dem EdT und dem mir vorliegenden, non-vintage (aktueller batch) Extrait versuchen, sondern schildern, was ich bei dieser Königsklasse im ikonischen Propellerflacon empfinde.
Ich empfinde - Feierlichkeit, Ruhe, Andacht.
Kann man das empfinden, auch wenn man nicht in der bald anstehenden Weihnachtsmesse sitzt?
ICH kann es jedenfalls. Dieser Duft, der bald 90 Jahre auf dem Buckel hat, wirkt nicht nur absolut alterslos, ich merke auch eine richtungsweisende Verwandtschaft zu viel später entstandenen, ebenfalls als Trendsetter bekannten, Weltklasse-Düften. Dioressence, Femme, ein paar 80er Jahre-Düfte. Die guerlinadige, frisch-metallische Kopfnote ist hier weniger zitrisch, überhaupt nicht beißend, schon grün-würziger als erwartet. Im Laufe der nächsten 15-20 Minuten fängt die Magie an, zu wirken:
Eine weiche, kühle Eichenmoos-Decke tut sich vor mir auf, umfängt mich, und bringt mich in einen Wald aus Gewürzen und samtigen Moschus. Die Aldehyde wirken als saubere Pudrigkeit im Hintergrund, nicht seifig, nicht pieksig, nur clean.
Vol de Nuit ist schon ein toller Name dafür (zumal der Flacon ja auch perfekt passt), aber auch Baiser de Russie wäre toll gewesen, denn der Duft hat trotz aller Gewürze etwas Kühles, Glattes, Geschmeidiges. Für die momentane Zeit (5 Minuten vor Weihnachtswahnsinn) passt er, wie kein Zweiter. Nicht nur die grün-russischen Anwandlungen, die ich hinein interpretiere, sondern auch die artige, chyprige Noblesse, die edle Unaufdringlichkeit trotz bemerkenswerter Präsenz und Haltbarkeit. Mit süß oder blumig hat er nichts zu tun, sondern ist einfach nur ein stiller, edler, wunderbar zuverlässiger Begleiter in die Winternacht.
12 Antworten
10
Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
9
Duft
Marieposa

71 Rezensionen
Marieposa
Marieposa
Top Rezension 43  
Die Bodleian Library
Schon immer war es ihm leicht gefallen, sich zu konzentrieren. Bücher verschlang er normalerweise in kürzester Zeit. Was andere unter „Lernen“ verstanden, hatte er noch nie so richtig begriffen. Man las ein Buch, und dann wusste man, was darin stand. So einfach war das. Bis zu jenem verhängnisvollen Tag. Und schuld war nur SIE.
Er konnte den Blick nicht von ihr abwenden. Ganz versunken saß sie an ihrem Lesepult. Versunken in sich selbst, versunken in den Text, den sie in dem ledergebundenen Folianten aufgeschlagen hatte. Das fahle Frühlingslicht, das durch die hohen Maßwerkfenster mit den kunstvollen Rosen und Spitzbögen fiel, brachte feine Staubpartikel zum Tanzen und ließ im Gegenlicht einen zarten Schein um ihr gesenktes Haupt schimmern. Sie hatte den Kopf über dem Buch, das ihre gesamte Aufmerksamkeit so sehr zu fesseln vermocht, auf die linke Hand gestützt, und ihr honigfarbenes Haar fiel ihr in einer Kaskade über die Schulter.
Gelegentlich formten ihre zarten Lippen wie im Traum ein Wort. Mal überzuckte sie der Anflug eines Lächelns.
In ihm regte sich der kaum zu bändigende Wunsch, die Schöne zu erwecken, sie zurückzuholen aus ihrer selbstvergessenen Hingabe. Ihre Stimme zu hören, wie sie in diesem kostbaren Augenblick in ihrem Kopf erklingen musste. Nichts wünschte er sich sehnlicher, als dass sie sich auf genau dieselbe Weise in den versenken möge, der er war. Dem zu lauschen, was er zu sagen hatte. Er, mit all seinen Fragen, Zweifeln, Unsicherheiten. Mit jener Ausschließlichkeit, mit der sie sich nun ihrem Buch widmete.
Dann, erst dann, würde er es wagen, ihren Duft zu atmen.

*

Ich muss zugeben, dass ich eine ganze Weile gebraucht habe, um Vol de Nuit zu verstehen, und entschlüsselt hat sich mir der Duft auch nur durch einen Zufall. Der Name hat mich auf eine völlig falsche Fährte gelockt: Warmer Asphalt, dröhnende Rotoren, ein wenig Maschinenöl und das Leder von Antoine de de Saint-Exupéry Pilotenjacke, der in meinem kleinen Tagtraum offen gestanden mehr wie Marlon Brando aussah. Von alldem konnte ich bei diesem Guerlain-Klassiker nicht viel finden. Ich war ein wenig enttäuscht und überzeugt davon, dass das andere besser können – Caron zum Beispiel.
Trotzdem ging mir Vol de Nuit nicht aus dem Sinn. Etwas an dem Duft war mir so vertraut, löste ein Gefühl von Geborgenheit aus, versetzte mich an einen Seelenort. Ich konnte nur nicht zuordnen, welcher das war.
Erst als ich über Victoria Frolovas Besprechung auf Bois de Jasmin stolperte, in der sie Vol de Nuit sehr bildgewaltig und eindrucksvoll mit dem Duft einer Bibliothek vergleicht, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Genau das war es! Vol de Nuit duftet, wie es sich anfühlt, die Bodleian Library zum ersten Mal zu betreten: Hesperiden und Aldehyde schimmern wie das Licht, das durch die hohen Rosenfenster im Lesesaal fällt. Iris, Vanille und der Lederaspekt von Narzissen verweben sich zu dem unwiderstehlichen Duft von hochwertigem, altem Papier, das in knarziges Leder gebunden ist. Und dazu das trockene Holz der turmhoch aufragenden Bücherregale, in denen unfassbare Schätze schlummern, und die mit Bienenwachs gebohnerten Dielenböden.
Zu meinem großen Unglück habe ich Schwierigkeiten mit manchen Amber-Moschus-Verbindungen, auf die ich hypersensibel reagiere. So auch in Vol de Nuit. In der Basis wird die Ambernote für mein Empfinden so quälend süß, dass ich den Duft nicht tragen kann. Zu schade. Da komme ich wohl doch nicht um einen baldigen Besuch in Oxford herum.
23 Antworten
7
Flakon
7
Sillage
7
Haltbarkeit
8.5
Duft
loewenherz

884 Rezensionen
loewenherz
loewenherz
Top Rezension 44  
Das ganze schrecklich schöne Leben
Was ist das für eine verrückte Zeit, in der wir leben? In der Fünfzigjährige so aussehen wie Daniel Craig und Kylie Minogue? Und tun, was Kylie Minogue und Daniel Craig eben so tun. Sechzigjährige sehen heute aus wie Brigitte Macron und Gary Lineker (und tun mutmaßlich noch dasselbe). Und siebzig zu sein, das heißt jetzt wohl, wie Konstantin Wecker und wie Susan Sarandon zu leben und auszusehen. Kein geringer Druck, der auf uns wartet. Aber doch großartig und ein Grund zur Freude - wenn ich mich dran erinnere, was fünfzig oder sechzig - geschweige denn siebzig - noch vor zwei Generationen hieß. Und ist man nicht immer nur so alt, wie man sich (an-)fühlt?

Guerlains Vol de Nuit ist fünfundachtzig. Und wie er riecht und sich dabei (an-)fühlt, könnte er auch erst sechzig sein. Ach was: fünfzig. Selbst vierzig wäre ich geneigt zu glauben. Die Guten altern wohl einfach besser - seien es nun Leute oder Parfums. Das hat sicher mit Glück zu tun, mit guten Anlagen und Knochen - und vielleicht auch damit, wieviel (und wie gekonnt) man bei der einen oder anderen Reformulierung oder sonstigen Korrektur nachgebessert hat. Besonders aber damit, wie gut man zu sich (und zu anderen) ist, wie sorgsam man im Leben mit sich umgegangen ist - und ob es gute und gerne gelebte fünfzig, sechzig oder fünfundachtzig Jahre gewesen sind.

Vol de Nuit ist gleichermaßen unendlich lebenserfahren wie völlig alterslos - das Extrait ob seiner Dichte und Feinnervigkeit noch um ein weniges mehr als das Eau de Toilette. Eigentlich werden Parfums dieser Wesensart - grüngolden leuchtende, flimmernde Guerlinade: herb, aber nicht zu herb, aldehydig, aber nicht zu aldehydig und französisch, aber nicht zu französisch - heute nicht mehr gemacht, und doch ist dieser Duft - wie viele der ganz Großen aus der Feder Jacques Guerlains - so zeitlos, dass er sich in jedes Lebensjahrzehnt jenseits der dreißig mühelos einzuordnen in der Lage ist. Kylie kann ihn tragen. Brigitte sowieso. Und Susan natürlich auch.

Fazit: ein Duft für ein ganzes schrecklich schönes Leben, wie Konstantin Wecker - bei dem man wohl darüber streiten könnte, wie gut er immer mit sich umgegangen ist - es so beseelt beschrieben und besungen hat. Und fast bin ich geneigt, mich auf meine Fünfziger, Sechziger und Siebziger zu freuen - wartet! Streicht das 'fast'.
5 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

44 kurze Meinungen zum Parfum
PinseltownPinseltown vor 8 Monaten
10
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
10
Duft
Father of day, father of night
Von Engelsblumen auf Chyprewolken begleitet
Reitest du auf Pegasus
Im Galbanumglühen
Durchs Himmelszeltgrün
40 Antworten
JonasP1JonasP1 vor 3 Jahren
10
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
10
Duft
Wärmende Vanillehände
Zartpochendes Iris-Herz
Galbanum durchleuchtet leere Gassen
Zarte Würze umweht Moose
Stille Stunden
Im Winter Nr. 34
34 Antworten
TtfortwoTtfortwo vor 1 Jahr
10
Flakon
5
Sillage
8
Haltbarkeit
10
Duft
Der Duft vom Ende der Zeit. Wer alles gesehen hat, kann nicht mehr lachen. Aber verstehen. Und vielleicht lächeln. Wissend. Traurig.
52 Antworten
PollitaPollita vor 3 Jahren
7
Sillage
9
Haltbarkeit
8
Duft
Grün ist die Hoffnung. Vol de Nuit ist Grün in allen Facetten. Von hellem Zitrusgrün bis zum dunklen Moos. Toll, doch Cosmic mag ich lieber.
25 Antworten
GandixGandix vor 3 Jahren
10
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
10
Duft
Dunkelgrüne Winterträume
Von sonnigen Zitrussprenkeln wach geküsst
Räkel mich im weichen Moos.
Was für ein Traum aus Aldehyden u.
Galbanum
23 Antworten
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