Vol de Nuit 1933 Eau de Toilette

Vol de Nuit (Eau de Toilette) von Guerlain
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Platz 93 in Parfums für Damen
8.3 / 10 450 Bewertungen
Ein beliebtes Parfum von Guerlain für Damen, erschienen im Jahr 1933. Der Duft ist würzig-blumig. Es wird von LVMH vermarktet. Der Name bedeutet „Nachtflug”.
Aussprache
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Duftrichtung

Würzig
Blumig
Chypre
Holzig
Pudrig

Duftpyramide

Kopfnote Kopfnote
GalbanumGalbanum OrangenblüteOrangenblüte BergamotteBergamotte MandarineMandarine OrangeOrange ZitroneZitrone
Herznote Herznote
AldehydeAldehyde IrisIris VanilleVanille NarzisseNarzisse
Basisnote Basisnote
EichenmoosEichenmoos GewürzeGewürze IriswurzelIriswurzel MoschusMoschus SandelholzSandelholz

Parfümeur

Bewertungen
Duft
8.3450 Bewertungen
Haltbarkeit
7.0342 Bewertungen
Sillage
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Flakon
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Preis-Leistungs-Verhältnis
7.385 Bewertungen
Eingetragen von Kankuro, letzte Aktualisierung am 13.05.2024.
Wissenswertes
Vol de Nuit ist eine Hommage an den gleichnamigen, 1931 erschienenen Roman sowie an dessen Autor Antoine de Saint-Exupéry, der ein enger Freund von Jacques Guerlain gewesen sein soll. Zum ersten Mal wurde Galbanum in großer Dosierung in einem Parfum verwendet; Vol de Nuit soll als Grundlage für weitere Klassiker wie Miss Dior, Vent Vert und Chanel No.19 gedient haben, die ebenfalls deutliche Mengen Galbanum beeinhalten.

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Rezensionen

33 ausführliche Duftbeschreibungen
6
Preis
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Flakon
5
Sillage
4
Haltbarkeit
10
Duft
Gold

256 Rezensionen
Gold
Gold
Top Rezension 96  
Vol de vie
Ich habe einen gestörten Tag-und-Nacht-Rhythmus - und wahrscheinlich liegt das an Dir.
Du musstest ja damals unbedingt "Vol de Nuit" auswählen in dieser kleinen Parfümerie in Adelaide. Ich war schon in Deinem Bauch zu dieser Zeit, ungefähr fünf Tage alt, und ich erinnere mich an diesen Wuuuusch... splash....
diesen fulminanten Start, den der Duft hinlegte. Gleißende Aldehyde wie der Himmel über Broken Hill, wenn Goldklumpen irgendwo am Horizont verglimmen.
Deine Kreditkarte glühte, als Du "Vol de Nuit" kauftest, denn es war ein teurer Spaß damals, Du wolltest gleich das Extrait und das Eau de Toilette zusammen.
Opa wurde 1933 geboren und er kam mit einem Flugzeug der Air France nach Deutschland. Ein Grund mehr für Dich, "Vol de Nuit" zu mögen. St. Exupéry hat Dich nie sonderlich interessiert, Du hattest zu viel anderes zu lesen während Deines Studiums und "Le petit prince" war berührend, aber dann doch nicht so weltbewegend wie Sartre.
Galbanum dagegen bleibt eine Konstante für Dich. Es kommt aus dem Iran und erst vor einem Jahr ist Dir klar geworden, dass Du im Gebirge um Karaj herum bei einer Wanderung diese Pflanze gesehen haben musst, ohne dass Du Dir dessen bewusst geworden bist.
Wir nehmen ohnehin nur immer einen Bruchteil dessen wahr, was uns umgibt. Ich konnte Dich ja auch neun Monate nur riechen, fühlen, schmecken und hören, aber nicht sehen.
Du und mein Vater fuhrt weiter nach Melbourne und ich erinnere mich daran, dass es dort unglaublich heiß war. 45 Grad in einem Motel... und Du versprühtest "Vol de Nuit".
Es kühlt zu Beginn, das Galbanum, die Aldehyde. Dann kommen Blumen hinzu, sehr leichte, kleine, gezähmte Blumen, apprivoisées, wie im "Petit Prince".
Iris tut sich hervor, aber nur, wenn Du sie kennst, hast Du sie zuvor noch nie getroffen, so wirkt sie wie Sternenstaub und senkt sich auf Deine Haut, ruhig, behutsam, besänftigend.
Jetzt ist "Vol de Nuit" so wie die Farbe Lila, tief und geheimnisvoll, meditativ. Kleine gelbe Sprenkel von Narzisse tauchen auf, aber sie stören das Bild nicht, sie fügen eine kleine Störnote hinzu. Wieso auch nicht, niemand ist nur ruhig, sonst wäre sie oder er ein Buddha.
Dann der Tag meiner Geburt vor 20 Jahren, Du hattest Dir lange darüber Gedanken gemacht, welchen Duft Du um den Geburtstermin herum tragen könntest, um mich zu begrüßen... natürlich fiel Deine Wahl auf "Vol de Nuit", denn mit diesem Parfum fing alles für mich an, schon bevor ich das Licht der Welt erblickte, und als ich dann in Deinen Armen lag, an Deiner Brust und das erste Mal Muttermilch trank, spürte ich einen ganz kleinen Hauch von Vanille, vielleicht auf Deiner Haut, vielleicht auf Deinem Haar, das mich sanft streifte. Du hattest Dich nicht extra parfümiert für die Geburt selbst, denn Du wolltest, dass alles möglichst natürlich abläuft, aber Dein Körper hatte wahrscheinlich den Geruch von "Vol de Nuit" bereits mit seinen eigenen Säften vermischt.
In den letzten Jahren hat "Vol de Nuit" sich verändert, aber Du Dich auch. Dein Leben ist um einiges leichter geworden, so wie der Duft, der als Eau de Toilette schon immer sehr schnell ver-flogen war und jetzt noch vol-atiler erscheint als früher.
Manchmal, wenn ich Dich umarme, dann spüre ich einen eleganten Hauch aus Eichenmoos, Vanille und Sandelholz, sehr zart und trotzdem so einprägsam.
Leider trägst Du "Vol de Nuit" gar nicht so oft wie ich es mir wünschen würde, Du experimentierst ohne Unterlass mit irgendwelchen Düften herum... und dann erzählst Du etwas von "Parfumo", Horizonterweiterung und Deinem Hobby.
Wir alle in der Familie haben Verständnis dafür, aber wir wünschen uns mehr Konstanz, einen Signaturduft wie "Vol de Nuit" , an dem wir uns immer wieder festhalten können, uns vergewissern, uns erinnern...

besonders ich, die ich tausende von Meilen entfernt auf einem anderen Kontinent gezeugt und in einem Nachtflug mit Dir zusammen nach Frankfurt zurückgekehrt bin und die ins sich diese Sehnsucht spürt...
nach dem Ankommen, nach Wiederkehr, nach einer Mutter, die mit sanfter Hand über meine Wange streicht, wenn ich mich verliere und die dabei flüstert: "Alles wird gut."
45 Antworten
9
Flakon
6
Sillage
6
Haltbarkeit
9.5
Duft
SchatzSucher

107 Rezensionen
SchatzSucher
SchatzSucher
Top Rezension 44  
Faszinierend, widersprüchlich und aus einer anderen Zeit
Über den Nachtflug von Guerlain grübele ich wirklich nach. Dieser Duft ist ziemlich schwer in Worte zu fassen.
Die großen Klassiker der alten Schule aus dem Hause Guerlain faszinieren mich aber.
Aufgrund der vielen lobenden und sehr vielseitigen Kommentare und ganz besonders angestachelt durch den wirklich großartigen Kommentar von Fabistinkt habe ich mir Vol de Nuit ohne vorherigen Test bestellt.
Nun kann das ja immer mit einem gewissen Risiko verbunden sein und dann macht sich große Enttäuschung breit. In diesem Fall wußte ich aber, daß dieser außergewöhnliche Duft mir gefallen wird. Und ja, ich finde ihn großartig!
Und dennoch stiftet Vol de Nuit ein bißchen Verwirrung, weil er nicht einfach zu fassen ist und so viele Möglichkeiten zu interpretieren bietet.

Wer hier ein lieblich-blümeliges-zuckriges püppihaftes Wässerchen erwartet, wird enttäuscht sein. Die wenigen Blumen, die hier eingesetzt werden, sind nicht allerliebst. Sie sind nicht mal besonders süß, eher ein bißchen steif und förmlich.

Und so begrüßt mich auch der Duft. Man merkt ihm schon die Zeit an, aus der er ursprünglich stammt.
Eine Zeit mit völlig anderen Werten und Umgangsformen. Eine Zeit, die lange vorbei ist, aus welcher der Duft aber fast ein wenig trotzig hervorschaut und sagen will "Hey, es gibt mich aber noch! Und ich möchte beachtet werden!"

Galbanum springt mich direkt an, davon ist reichlich verwendet worden. Es soll Düften eine deutlich grüne Note verleihen, was ich bejahen kann. Dieses Grün ist fast schon ein wenig gemüsehaft und dumpf, wird aber durch Zitrusfrüchte etwas aufgeheitert.
Dieses Zusammenspiel sorgt für die etwas altmodisch anmutende knarzige Note, die gewiß so manchen abschrecken mag, es duftet doch ein wenig fremdartig.
Doch in Vol de Nuit steckt noch einiges mehr, es ist ja schließlich ein Guerlain.

Ein Schwall Aldehyde saust vorbei, begleitet von einigen blumigen Akzenten, die aber relativ kühl gehalten sind und irgendwie etwas spröde wirken. Die Basis macht sich auch schon bemerkbar, moosig, holzig, würzig und das Ganze wirkt auf mich sehr trocken. Und dann kommt die typische Guerlain-Vanille zum Vorschein, die die Düfte so unverwechselbar macht. Nach meinem Empfinden tritt sie erst in der Basis auf und läßt auch etwas auf sich warten. Aber sie ist da und setzt ein I-Tüpfelchen.
Und dennoch ist der Duft insgesamt recht dunkel gehalten und ich stimme meinen Vorrednern zu, er ist gut für den Abend oder die Nacht geeignet.

Mir gehen so einige Gedanken durch den Sinn, wenn ich Vol de Nuit trage. Und die widersprechen sich sogar auch zum Teil.
Vol de Nuit wirkt einerseits sehr maskulin auf mich durch die recht herben Bestandteile, das eher trockene Auftreten und durch das Fehlen von extremer Süße, andererseits aber auch sehr feminin durch das Zusammenspiel von Aldehyden und blumigen Noten.
Da hat man männlich und weiblich aber sehr gekonnt in einem Duft zusammengefasst.
Vol de Nuit ist ein grüner Duft mit dieser deutlich gemüsigen Note aber gleichzeitig auch blumig mit chyprigen Anklängen.
Auch in der Hinsicht hat man mehrere Aspekte sehr geschickt zu einem Ganzen zusammengesetzt.
Vol de Nuit ist ein sehr leiser Duft, er ist nicht aufdringlich, niemals stechend oder pieksig, aber er umgibt den Träger/die Trägerin mit seiner feinen Präsenz und ich möchte sogar sagen Intimität.
Nach dem etwas knarzigen Auftakt wandelt sich der Duft im Laufe zu einem sehr angenehmen facettenreichen Begleiter, gereift, selbstbewußt und altmodisch im allerbesten Sinne. Aber es ist ganz gewiß kein Oma-Duft.
Sonderlich lange haltbar ist der Duft jetzt auch nicht, nach ungefähr 4-5 Stunden nehme ich ihn nicht mehr wahr, auf Kleidung ist er länger wahrzunehmen.
Da war bei früheren Versionen sicher mehr drin. Doch darüber kann ich hinwegsehen, die meisten leisen Düfte halten in der Regel nicht so lange an.

Zu Vol de Nuit stelle ich mir die großartige Marlene Dietrich vor, die in den 30er Jahren revolutionär die Hosen für die Damenwelt salonfähig machte. Dieses raffinierte Spiel mit männlichen und weiblichen Attributen konnte kaum jemand anders so verkörpern. Das erregte Aufsehen, so wie Vol de Nuit seinerzeit aufsehenerregend war und eigentlich auch immer noch ist. Und der Dietrich hätte der Duft sicher wunderbar gestanden.
Denn solche raffinierten Düfte, die dem Träger einen solchen Spielraum für Phantasie lassen, werden heutzutage kaum noch produziert.
Vol de Nuit ist für mich wieder ein Beispiel für gelungene Duftkunst, die ihresgleichen sucht.

Sollte bei diesem spannenden Nachtflug noch ein Platz für mich frei sein, ich steige gern zu und lasse mich mitreißen!

Kleiner Nachtrag:
Ich habe die Saint-Exupéry-Geschichte beim Schreiben des Kommentars völlig außer Acht gelassen und einzig meine eigenen Gedanken in Worte zu fassen versucht. Daher auch der kleine Vergleich zu modernen Düften, der dann sicher nicht ganz so absurd erscheinen mag.
19 Antworten
6
Flakon
7
Sillage
6
Haltbarkeit
9
Duft
FvSpee

323 Rezensionen
FvSpee
FvSpee
Top Rezension 50  
Freitag, 29. Dezember 1933
Louis Dupré, Referatsleiter Deutschland II, Quai d'Orsay

Das Jahr ist endlich um. Morgen früh geht es mit Robert ins Silvesterwochenende. Ich werde mein neues Parfum auflegen, Vol de Nuit. Meine Sammlung ist in die Jahre gekommen: Mitsouko, Crèpe de Chine, Shalimar. Der Orient ist nicht mehr modern. Vol de Nuit ist vollkommen anders: von all meinen Düften ähnelt ihm am ehesten das Tosca, das mir der Kleine aus der deutschen Botschaft geschenkt hat. Bergamotte und Zitrone in der Kopfnote; Aldehyde, Narzisse, Vanille: Viele Gemeinsamkeiten, fast ein Briand-Stresemann-Pakt in Parfumform... Aber das neue ist doch völlig anders: Galbanum und Eichenmoos bis es quietscht, das gibt eine grüne und dunkle Tiefe; da ist Tosca viel konventioneller und durch die Blumen viel femininer. Ich sollte mich im Ministerium mit meinen Parfums sowieso etwas zusammennehmen. Der Nachtflug ist jedenfalls irritierend zweideutig, das gefällt mir. Fast ist etwas von einem Herrenduft darin.

Politisch war es ein schreckliches Jahr. Fünf Premierminister, das dürfte Rekord sein. Boncour hat das ganze Jahr als Minister durchgehalten. Meine Denkschrift „Sechs Monate Hitler“ hat ihn nie erreicht, der Abteilungsleiter hat sie angehalten. Zu pessimistisch. Seither bin ich „Loulou la Cassandra“. „Dupré, was wollen Sie, wir beobachten ihn genau und tun, was nötig, aber wirklich gefährlich wird er uns nicht. Seine Armee ist ein Witz, das Rheinland ist demilitarisiert, die Maginot-Linie fast fertig.“ Man macht sich das zu einfach, unterschätzt seine Energie und Bosheit. Italien ist verloren, Spanien steht auf der Kippe und England ist müde. Ich übrigens auch. Morgen ist auch noch ein Tag, und zwar einer mit Robert!

Ingrid Eide, Sekretärin Abteilung Völkerrecht, Außenministerium Oslo

Mein erstes volles Jahr ist um, und wie farbig es war! Als ich im Herbst 1932 eingestellt wurde, hieß es, der Prozess im Haag würde sich noch hinziehen, und wenn wir ihn gewonnen hätten, würden Idealisten zum Ausbau unserer Verwaltung in Ostgrönland gebraucht. Ich hatte damit geliebäugelt – Papa und Mama waren wenig erbaut. Nun hat es sich zerschlagen. Das Urteil des Ständigen Internationalen Gerichtshofs kam schon im April, und Dänemark hat mit Fanfaren gewonnen. Ganz Norwegen trägt Trauer, aber wir beugen uns und ziehen aus Grönland ab. Aber was für eine Zeit für mich! Die ganze Abteilung war ständig unterwegs: zum Haag, nach Genf zum Völkerbund und wohin nicht noch. Weil ich die beste Stenografin bin und auch etwas vom Recht verstehe, war ich überall dabei. Und meist mit dem Flugzeug! Was für eine aufregende Welt! Die Schönheit der schimmernden Maschinen mit ihren sirrenden Rotorblättern! Und wie ein Vogel auf diese kleine Welt schauen zu können, mit ihren wimmelnden Menschen, die sich so wichtig fühlen. Noch nie hat etwas mein Leben so verändert. Es soll auch Frauen geben, die Pilot geworden sind! Und es heißt, nächstes Jahr werde es eine eigene norwegische Fluglinie geben. Ob ich...

Im Oktober waren Wahlen; großer Sieg der Sozialdemokraten. Ich weiß nicht, ob ich sie mag. Aber ich weiß, dass ich diese gemeinen Nationalen aus ganzem Herzen hasse, die in Europa ihr Geschrei erheben. Es ist, als ob sie hervorgekrochen kommen wie der Fenriswolf und die Midgardschlage aus unseren alten Sagen, um die Menschen zu verschlingen. Zum Glück bleibt Norwegen verschont; den hässlichen Vidkun haben nicht mehr als zwei Prozent gewählt. Und den Krieg werden uns Italien und Deutschland schon nicht erklären.

In Genf habe ich mir ein richtiges Parfüm aus Paris ausgesucht, kein langweiliges Kölnischwasser mit Maiglöckchen, wie es die Osloer Damen für den Gipfel der Eleganz halten. Und natürlich musste es „Nachtflug“ sein. Ein Fliegerparfüm! Der Duft ist verwirrend schön. Auch dunkel und bedrohlich. Ein bisschen, als ob ein Tier in dem Flakon schliefe. Aber ein Nachtflug ist ja auch kein Frühlingsspaziergang. Ich glaube, Trygve hat etwas Angst vor mir, wenn ich Vol de Nuit auflege. Er ist eben nur die Maiglöckchen gewohnt… Nun aber geht es ins Silvester-Wochenende. Nicht mit dem Flugzeug, aber immerhin mit dem Automobil!

Toma Girdauskaite, Kulturreferentin, Außenministerium Kaunas

Das Jahr geht zu Ende und ich bin bedrückt, fast verzweifelt. Die fünf Jahre als Kulturattaché in Paris scheinen schon ein Traum zu sein. Ich erkenne Litauen nicht wieder. Ich verabscheue die Roten, ich bin von ganzem Herzen Patriotin, und ja: in diesen Zeiten braucht das Land eine starke Hand. Polen und Russland würden uns sonst zerquetschen. Dass Smetona Schluss mit dem Parteiengezänk gemacht hat: wohlgetan! Ich bleibe dabei! Aber es war doch leichter, als umschwärmte Dichterin mit Diplomatenpass auf den Soiréen in Paris unsere Politik zu verteidigen, als hier ihre Ergebnisse erleben zu müssen. Die Aufbruchstimmung von einst ist vorbei. Die Kameraden aus der Nationalbewegung, die vom Aufbau des unabhängigen, blühenden Litauens sangen, raunen jetzt mit verkniffenen Gesichtern von der „jüdischen Gefahr“. Wie uninspiriert, wie abgeschmackt. Und Frau die ich bin, jung und ledig, gebe ich ich in den Gängen des Ministeriums den Mann im Mond. Die Aufgaben, die man mir überträgt, sind so lächerlich unbedeutend, dass es kränkt. Den neuen Pariser Duft, den beim Abschiedsempfang alle so hinreißend an mir fanden („er passt so wundervoll zu Ihrer slawischen Schönheit“; ein etwas ungebildetes Kompliment), kann ich hier nicht tragen, er wirkt wie eine schrille Verkleidung. Vielleicht sollte ich zurück an die Akademie gehen. Aber wer weiß, ob es da besser ist.

Alexandru Rosetti, Leiter Abteilung Grundsatzfragen, Außenministerium Bukarest

Viel kommt dieses Jahr nicht mehr. Wie ich mich auf Silvester und die Stunden mit Luminita, dem Star des Abends im Athenäum, freue. Ich habe ihr aus Paris einen neuen Duft von Guerlain mitgebracht: Vol de Nuit! Der Gedanke, ihn auf ihrer Haut zu riechen, erregt mich schon jetzt.

Ein gutes Jahr! Titulescu ist als Außenminister genau der richtige, auch wenn er in der falschen Partei ist. Höhepunkt des Frühjahrs war sein Auftritt in Jugoslawien bei der Reform der Kleinen Entente. Unser Bündnis mit Jugoslawien und der Tschechoslowakei hat einen Ständigen Rat bekommen, und die Franzosen sind glücklich. Aus den Turbulenzen des zweiten Halbjahrs hat er sich klug herausgehalten, sodass er Minister geblieben ist, als wir Nationalliberalen ans Ruder kamen. Ich konnte unser Glück nicht fassen, und niemand versteht bis heute, warum König Carol unseren Mann Duca zum Premier ernannt hat, obwohl wir Carols schärfste Kritiker sind. Und Duca hat innerhalb weniger Wochen aufgeräumt, die Faschisten von der „Legion“ sind zu Hunderten und Tausenden verhaftet. Und am 20. Dezember Neuwahlen. Zack: 51% für uns.

Geschrei auf dem Korridor, der Bürodiener ruft alle Leiter zur Krisenbesprechung…

Titulescu hat uns gerade unterrichtet, dass Duca nach der Audienz beim König auf dem Bahnhof von Sinaia erschossen wurde. Drei Legionäre wurden verhaftet, die etwas vom Kampf gegen die jüdisch-freimaurerische Verschwörung faselten. Beim Hinausgehen raunte Titulescu mir zu: „Seien Sie auf der Hut, Rosetti, man munkelt, der König habe bei der Nachricht vom Attentat gelächelt. Und gestern soll Ducas Leibwache auf einen Mann verringert worden sein.“ Bei der Rückkehr ins Büro schrecklicher Schwindel. Habe den Flakon mit dem Parfüm zerbrochen. Dieser Geruch im ganzen Zimmer... Ich muss mich übergeben. Mein Gott, mein Gott, wohin führt das?
29 Antworten
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Flakon
7
Sillage
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Haltbarkeit
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Duft
pudelbonzo

2368 Rezensionen
pudelbonzo
pudelbonzo
Top Rezension 47  
Bring mich durch die Nacht
Früher waren die Nächte relativ kurz, denn wir waren eine unternehmungslustige Mädels Clique, die von Disco zu Disco eilten, uns Musik und Tanz hingaben, ungeniert flirteten, dem Alkohol und den Zigaretten zusprachen , hemmungslos albern waren aber auch oft geistreich humorvoll - Kurzweil on and on - und plötzlich dämmerte der Morgen.

Nach diesen " Nachtflügen " segelten wir nach Hause, fielen ins Bett und hatten schöne Träume.

Lang lang ists her - und zwei von unserem Nachteulen Club schweben schon in anderen Sphären.

Lang lang sind inzwischen die Nächte - und besonders die Zeit zwischen 3 und 4 Uhr zieht sich endlos, wenn man schlafsuchend wach liegt.

Sorgen sitzen auf der Bettkante wie Blei und von einem luftigen Nachtflug kann man nur noch träumen.

Vol de Nuit birgt aber die Leichtigkeit der damaligen heiteren Nächte und weckt die Erinnerungen daran.

So manch amüsante Episode geht mir durch den Sinn - und so manch liebes Gesicht wendet sich mir zu.

Ich denke an Dalis Gemälde : die Beständigkeit der Erinnerung.

Die Erinnerungen kann einem niemand nehmen - und dafür bin ich dankbar.
Nichts und niemand ist vergessen.

Ich nehme den Flakon behutsam in die Hände und denke :

Bring mich durch die nacht
Rette mich durch den sturm

Musik : Land unter von Herbert Grönemeyer
11 Antworten
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Flakon
8
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Haltbarkeit
10
Duft
Cravache

64 Rezensionen
Cravache
Cravache
Top Rezension 0  
Das (gewollte) Saint-Exupéry-Missverständnis
Denn Vol de Nuit wurde ganz unpoetisch von Air France bei Guerlain in Auftrag gegeben. Und wurde nicht, wie später von Guerlains Marketingabteilung verbreitet, als eine Hommage an Saint-Exupérys Roman Vol de Nuit komponiert. Das zumindest schreiben die französischen Historiker in einem kürzlich veröffentlichten Werk zu Air France.

Ich möchte also gestützt auf obiges eine abweichende olfaktorische Lehrmeinung einnehmen. Die Duftstory von Vol de Nuit und der wunderbare Roman von Saint-Exupéry haben denn auch nach meinem Empfinden relativ wenig Gemeinsames.

Air France wurde als Passagier-Fluglinie 1933 gegründet. Und eben daher kam Vol de Nuit auch im Jahr 1933 auf den Markt. Air France war DER französische Nationalstolz in den 30er-Jahren. Wer sich einen Flug leisten konnte, gehörte zu den Reichsten und Schönsten des Landes, sogar der ganzen Welt. Und Air France fliegen galt als besonders chic. Wer ab und zu ein Flugzeug bestieg, der kannte nur die schönen und angenehmen Seiten des Lebens.

Geflogen wurden die Maschinen von Piloten, die man wie Helden bewunderte. An Bord waren Stewardessen, im Erscheinungsbild Models, stets chic und elegant. Gekleidet war die Flugmannschaft in edelstem Tuch der besten damaligen Modeschöpfer. Serviert wurde Champagner, Kaviar, Lachs und Gänseleber.

Von Beginn weg war Air France die beste, bewundertste aller Airlines weltweit. Air France war das Maß aller Dinge. Ein Flug war in den 30er-Jahren ein unvergessliches Erlebnis, ein gewaltiges Empfinden von Natur, Technik, Nacht. Besonders gewaltig war ein nächtlicher Tiefflug über das Lichtermeer von Paris, New York oder Hollywood. Die minimale Beleuchtung und das Fehlen der Druckkabine ließen das Erlebnis noch viel unmittelbarer werden.

Ein Flug fand damals immer in einer leicht surrealen Parallelwelt des Luxus statt. Und dennoch gab es eine Seite des Fliegens, welche die Fluggesellschaften tunlichst verschwiegen: man flog in den Wolken, mitten im Wetter. Jede Böe, jeder Windstoß schüttelte das Flugzeug durch. Ein ordentlicher Teil der Passagiere übergab sich beim Fliegen oder kreischte, wenn unerwartet ein Unwetter aufzog.

Zum Inhalt des Romans "Vol de Nuit" von Exupéry wurde schon einiges geschrieben. Der Postflieger Fabien gerät nachts mit seiner Maschine in ein Unwetter und muss ums Überleben kämpfen. Am Boden verfolgen sein Chef und seine Frau das Geschehen. Während sein Vorgesetzter an der Wichtigkeit einiger für ihn bis dahin als absolut gesehener Dinge, wie etwa des Flugplans, zu zweifeln beginnt, sieht Fabien dem Tod zwar ins Auge, doch er hadert nicht mit seinem Schicksal. Er ist sich des nahen Todes bewusst, doch Fabien sieht das Schöne, das Leuchten der Sterne, den Himmel. Am Boden, in Sicherheit, sieht sich sein Vorgesetzter mit einem Trümmerhaufen seiner Überzeugungen konfrontiert.

Ich bin der Ansicht, das Vol de Nuit ein ganz wundervoller, schöner, berührender, tiefsinniger Roman ist. Aber er hat für mich keinen wirklich näheren Bezug zu Guerlains Vol de Nuit. Wer möchte bei Air France vor dem Flug ein Parfum erwerben, das an die Möglichkeit erinnert, mit dem Flugzeug zu zerschellen? Wer möchte von seinem Parfum daran erinnert werden, dass ein Gewitter die fliegenden Kisten wie sau durchschüttelt? Auf einem Flug mochte man nicht an die existenziellen Dinge des Lebens, das mögliche Zusammenbrechen seiner Überzeugungen erinnert werden. Schon gar nicht in intimer Gegenwart der High Society bei Champagner und Kaviar.

Hätte also Jacques Guerlain Bezug auf den Roman Vol de Nuit im von Air France in Auftrag gegebenen Parfum genommen – er hätte den Auftrag, nach meinem Dafürhalten, nicht zur Zufriedenheit des selbstbewussten Kunden erfüllt. Natürlich, Vol de Nuit hat dunkle Aspekte. Aber es ist die samtschwarze Dunkelheit in einem Flugzeug, das in warmer Luft über das Lichtermeer von Hollywood fliegt. Es ist keine angetönte Düsterheit oder Melancholie auszumachen.

Vol de Nuit startet selbstbewusst bis sogar ein wenig eigenwillig. Die Kopfnote charakterisieren zitrische, grüne, durchaus bittere bis herbe Noten. Die Kopfnote ist jedoch keineswegs abweisend, sie entfaltet sich zu einem wunderschönen grünen Duftfächer, der halb transparent schon die Herznote durchschimmern lässt.

Allmählich entfaltet sich das komplexe orientalische, mäßig florale Herz von Vol de Nuit. Iris und Narzisse sorgen für die floralen Aspekte, Vanille steuert den orientalischen Teil bei, Aldehyde verleihen einen vornehmen Einschlag, in Kombination mit dem leichten Vibrieren von Motoren. Die Komplexität der Herznote symbolisiert und unterstreicht für mich die Würde des Unternehmens Air France, die unangefochtene Königin der Lüfte.

Die Basis lässt Vol de Nuit in Richtung Chypre gleiten. In der Basis ist Vol de Nuit ist sanfter und weicher. Und genau hier ist ein kleiner Bruch in der Komposition auszumachen. Ein leichter, aber bewusster Bruch, der das Selbstbewusstsein der stolzen Air France zum Ausdruck bringt.

Manchmal wird Vol de Nuit als schwer zugänglich, sogar als arrogant wahrgenommen. Noch schwerer zugänglich ist Vol de Nuit, wenn man sich mit dem Duftbild von Saint-Exupérys Roman als Vorverständnis dem Duft nähert. Denn Vol de Nuit ist für mich ein traumähnlicher Flug in ruhiger, milder Luft, der wenig mit Postflieger Fabiens Flug gemeinsam hat.

Air France hat einen Duft bestellt, der der Airline gerecht werden sollte. Und Guerlain hat Air France in den Flakon gepackt: den Stolz, vielleicht sogar kurz vor dem Abheben, ohne jedoch in Snobismus zu verfallen, mehr beseelt von Avantgarde. Das würdevoll Majestätische. Ein wenig unnahbar, wie die bewunderten Piloten und Stewardessen damals.

Vol de Nuit fordert die Aufmerksamkeit des Trägers – und der Duft hat diese verdient. Denn damals war nicht der Kunde König, die einzige wahre Königin der Lüfte war Air France. Für mich macht die historische Geschichte hinter Vol de Nuit den Duft noch majestätischer und schöner. Vol de Nuit ist noch heute olfaktorische Avantgarde, ein komplexer Duft auf höchstem Niveau. Dies alles kann man heute leider von Air France nicht mehr behaupten.
17 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

75 kurze Meinungen zum Parfum
GuerlinchenGuerlinchen vor 9 Monaten
8
Flakon
6
Sillage
6
Haltbarkeit
8.5
Duft
Schattenschmetterling mit samtigen Flügelschlag gleitet in die grüne Nacht. Pudrig harmonische Sterne funkeln. Es bleibt balsamische Stille.
37 Antworten
PinseltownPinseltown vor 3 Jahren
10
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
10
Duft
Antoine allein im Cockpit
Motor dröhnt
Er sieht Sterne funkeln und seinen Prinzen winken
Er lächelt - ich komme zu dir mein Freund, auf ewig
30 Antworten
Can777Can777 vor 1 Jahr
9
Flakon
7
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8
Haltbarkeit
9.5
Duft
Wenn ich des Nachts durch Deine Träume gleite! Verliere ich mein harzig-grünes Gefieder. Federn in würzig-moosigen Gespinst. Melancholie!
73 Antworten
GoldGold vor 3 Jahren
10
Flakon
5
Sillage
4
Haltbarkeit
10
Duft
Vielleicht wirklich einer der besten Düfte der Welt. Perfektes Gleichgewicht. Inkarnation des parfums à la française. Ich liebe den Flug.
19 Antworten
FrauKirscheFrauKirsche vor 1 Jahr
6
Sillage
6
Haltbarkeit
8
Duft
Zitrus blitzt
am Galbanhimmel
Puder wie Schnee
Blumenstaub rieselt
in dunkler Nacht
Vanille tropft auf
Zaubermoos
geheimnisvoll
sanft
35 Antworten
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