26.09.2025 - 02:00 Uhr

Intersport
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Citrus Rex ?! …Pierre's Fantasy
Ein guter Teil meiner Düfte stammt aus Zeiten, in denen Duftnoten weit weniger öffentlich kommuniziert oder diskutiert wurden als in den letzten 25 Jahren. Natürlich gab es auch in den 80er- und 90er-Jahren entsprechende Angaben, die als Verkaufs- und Orientierungshilfe dienten, und natürlich auch Verkäufer:innen, die engagiert auf die jeweiligen Duftprofile eingingen. Doch die eigentliche Einordnung lag noch etwas näher beim Image der Marken: Wer mit einem Guerlain Duft glücklich war, griff vermutlich gerne wieder zu Guerlain; bei den anderen großen Häusern verhielt es sich ähnlich. Hinzu kam der Einfluss von oft aufwendiger Print- und Filmwerbung.
Mit der zunehmenden Praxis, Duftnoten ausführlich aufzulisten, bzw. solche vorzuschlagen oder diese eben auf wenige Schlagworte zu verdichten [vgl. meinen Text zu Ellena's Équipage Géranium (2015)], kamen immer stärker die sogenannten Phantasie-Noten in Mode. Die Phantasie-Note quasi als Alleinstellungsmerkmal eines Duftes. Ein frühes, interessantes Beispiel dafür war Odeur 53 (1998) von Comme des Garçons, das eine Nennung sämtlicher bis dahin gängiger natürlicher Inhaltsstoffe und Noten Namen ignorierte.
Schaut man nun bei Pierre Guillaume's Veröffentlichungen genauer hin, so zeigt sich ein Muster: Guillaume verlässt sich in den letzten Jahren immer häufiger auf Phantasie-Noten und exotisch klingende, selten gehörte Zutaten: meist bloße Metaphern, die vielleicht mehr behaupten als tatsächlich riechbar sind. Bei dem just angekündigten Volupté Noire (2025) etwa: Wolfsmilch-Honig… ein Auszug aus Guillaume's Sammelsurium:
Albizia blossom, Ambery rum, Animalic sandalwood, Ardent spices, Ashanti pepper leaves, Assam moss, Buddleia (butterfly tree), Chevrone, Chocolate flower, Cinchona bark, Coffee Santos, Coffee wood, Gaiac milk accord, Indian hemp, Ivy leaf, Jurema flower, Liquorice wood, Magnolia mirabilis, Mojito strawberry, Okoumé, Pacific algae, Pineapple leaves, Red sandalwood, Rocky beach accord, Sea lavender, Sea sprays, Seringat (mock orange), Tanakha, Uganda vanilla, Vincotte, Violet wood, White cocoa, usw.
Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Zwischen Konkretem und Vagem bewegen sich die Begriffe dabei schon, geht es doch vor allem darum, etwas zu benennen, das möglichst greifbare Assoziationen erlaubt. Und auch: meist bleibt es bei der Nennung einer einzelnen eigenwilligen Zutat, der Rest klingt stets vertraut.
Als nun bei Kyphenzé Sandarak Baum und Prachtscharte erwähnt wurden, war ich neugierig – zumal der Duft obendrein mit "A dry heat, almost sacred. Scorching stones, the sun at its zenith, and in the air, a vibration of herbs, blazing citrus, and ancient resins." beworben wurde. Also nochmals das derzeit so beliebte karge Hitze Thema. Doch trotz so vieler Beschreibungen bleibt für mich die Frage: Was ist Kyphenzé eigentlich?
Laut Marke ein Neologismus: "a portmanteau, a world-word. It evokes both a timeless elsewhere (kyphi, the sacred incense of ancient Egypt), and a modernity freed from its roots. It is a creation of meaning, a name without ties, but full of echoes." Und weiter: "Citrus Rex. A citrus with authority."
Nun, ein Zitrusduft der Königsklasse ist Kyphenzé nicht. Wer danach sucht, dem rate ich, z.B. gleich auf das alte Monsieur Balmain (1964) zu sparen – Referenz & Authority inklusive.
Dass der Auftakt von Kyphenzé zitrisch-künstlich ist, wie viele von Guillaume's frischeren Parfums, habe ich fast erwartet. Hier wirkt dieser zudem etwas scharf, schroff, aber in erster Linie sehr, sehr schmallippig. All das wird sofort von etwas Moschusnebel und einer nicht näher definierbaren Fruchtnote begleitet – ein Orange-Ananas Hybrid vielleicht, und erinnert an die erste Ausgabe von This is not a Blue Bottle (2015). Gewürze, Muskatellersalbei und Prachtscharte (Liatrix; von Firmenich beschrieben als "sweet, coumarinic, herbal, tobacco-like and offering a pleasant, vanilla-like scent") verschmelzen womöglich zu jener Facette, die hier als Aftershave-artig beschrieben wird, die ich jedoch in dieser Form auch nicht so recht erkennen kann. Eine minimale, leicht balsamische Harznote schwebt unter dieser Zitrik – könnte diese samt Schärfe vom Harz des Sandarak Baums stammen, das auch zur Lackierung und Imprägnierung von Möbeln und Leinwänden verwendet wird? All das hinterlässt für mich einen unentschlossenen, und in seiner Schmalspurigkeit beinahe inkomplett wirkenden Duft, dem es an Ausdruckskraft bzw. dem gewissen Etwas fehlt.
Zugegeben: Parfums von Pierre Guillaume haben es bei mir nicht leicht. Ich unterstelle ihnen oft eine spürbare Nähe zu anderen Veröffentlichungen – und dem Parfumeur, dass er zwar immer wieder sehr gute Interpretationen eines Themas schafft [etwa 25 Indochine (2011) oder L'Ombre Fauve (2008)], meist jedoch nicht besonders originell wirkt, mal abgesehen von den Phantasie-Noten. Aber auch das muss es geben.
Kyphenzé ≠ Citrus Rex
Mit der zunehmenden Praxis, Duftnoten ausführlich aufzulisten, bzw. solche vorzuschlagen oder diese eben auf wenige Schlagworte zu verdichten [vgl. meinen Text zu Ellena's Équipage Géranium (2015)], kamen immer stärker die sogenannten Phantasie-Noten in Mode. Die Phantasie-Note quasi als Alleinstellungsmerkmal eines Duftes. Ein frühes, interessantes Beispiel dafür war Odeur 53 (1998) von Comme des Garçons, das eine Nennung sämtlicher bis dahin gängiger natürlicher Inhaltsstoffe und Noten Namen ignorierte.
Schaut man nun bei Pierre Guillaume's Veröffentlichungen genauer hin, so zeigt sich ein Muster: Guillaume verlässt sich in den letzten Jahren immer häufiger auf Phantasie-Noten und exotisch klingende, selten gehörte Zutaten: meist bloße Metaphern, die vielleicht mehr behaupten als tatsächlich riechbar sind. Bei dem just angekündigten Volupté Noire (2025) etwa: Wolfsmilch-Honig… ein Auszug aus Guillaume's Sammelsurium:
Albizia blossom, Ambery rum, Animalic sandalwood, Ardent spices, Ashanti pepper leaves, Assam moss, Buddleia (butterfly tree), Chevrone, Chocolate flower, Cinchona bark, Coffee Santos, Coffee wood, Gaiac milk accord, Indian hemp, Ivy leaf, Jurema flower, Liquorice wood, Magnolia mirabilis, Mojito strawberry, Okoumé, Pacific algae, Pineapple leaves, Red sandalwood, Rocky beach accord, Sea lavender, Sea sprays, Seringat (mock orange), Tanakha, Uganda vanilla, Vincotte, Violet wood, White cocoa, usw.
Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Zwischen Konkretem und Vagem bewegen sich die Begriffe dabei schon, geht es doch vor allem darum, etwas zu benennen, das möglichst greifbare Assoziationen erlaubt. Und auch: meist bleibt es bei der Nennung einer einzelnen eigenwilligen Zutat, der Rest klingt stets vertraut.
Als nun bei Kyphenzé Sandarak Baum und Prachtscharte erwähnt wurden, war ich neugierig – zumal der Duft obendrein mit "A dry heat, almost sacred. Scorching stones, the sun at its zenith, and in the air, a vibration of herbs, blazing citrus, and ancient resins." beworben wurde. Also nochmals das derzeit so beliebte karge Hitze Thema. Doch trotz so vieler Beschreibungen bleibt für mich die Frage: Was ist Kyphenzé eigentlich?
Laut Marke ein Neologismus: "a portmanteau, a world-word. It evokes both a timeless elsewhere (kyphi, the sacred incense of ancient Egypt), and a modernity freed from its roots. It is a creation of meaning, a name without ties, but full of echoes." Und weiter: "Citrus Rex. A citrus with authority."
Nun, ein Zitrusduft der Königsklasse ist Kyphenzé nicht. Wer danach sucht, dem rate ich, z.B. gleich auf das alte Monsieur Balmain (1964) zu sparen – Referenz & Authority inklusive.
Dass der Auftakt von Kyphenzé zitrisch-künstlich ist, wie viele von Guillaume's frischeren Parfums, habe ich fast erwartet. Hier wirkt dieser zudem etwas scharf, schroff, aber in erster Linie sehr, sehr schmallippig. All das wird sofort von etwas Moschusnebel und einer nicht näher definierbaren Fruchtnote begleitet – ein Orange-Ananas Hybrid vielleicht, und erinnert an die erste Ausgabe von This is not a Blue Bottle (2015). Gewürze, Muskatellersalbei und Prachtscharte (Liatrix; von Firmenich beschrieben als "sweet, coumarinic, herbal, tobacco-like and offering a pleasant, vanilla-like scent") verschmelzen womöglich zu jener Facette, die hier als Aftershave-artig beschrieben wird, die ich jedoch in dieser Form auch nicht so recht erkennen kann. Eine minimale, leicht balsamische Harznote schwebt unter dieser Zitrik – könnte diese samt Schärfe vom Harz des Sandarak Baums stammen, das auch zur Lackierung und Imprägnierung von Möbeln und Leinwänden verwendet wird? All das hinterlässt für mich einen unentschlossenen, und in seiner Schmalspurigkeit beinahe inkomplett wirkenden Duft, dem es an Ausdruckskraft bzw. dem gewissen Etwas fehlt.
Zugegeben: Parfums von Pierre Guillaume haben es bei mir nicht leicht. Ich unterstelle ihnen oft eine spürbare Nähe zu anderen Veröffentlichungen – und dem Parfumeur, dass er zwar immer wieder sehr gute Interpretationen eines Themas schafft [etwa 25 Indochine (2011) oder L'Ombre Fauve (2008)], meist jedoch nicht besonders originell wirkt, mal abgesehen von den Phantasie-Noten. Aber auch das muss es geben.
Kyphenzé ≠ Citrus Rex
Aktualisiert am 26.09.2025 - 02:05 Uhr
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Zitrusfrüchte
Gewürze
Salbei
Prachtscharte
Sandarak
Yatagan
Gold
Ergoproxy
carrioncrow
Kankuro




































