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Top Rezension
That fiery sadness called desire
Plötzlich warst du da. Ein Geschöpf der Nacht mit glühenden Augen im Neumondschatten. Du hülltest mich in schwarze Blumen, bis sprödes Holz und Lederbahnen zu Katzenfell zerflossen, und bevor ich es begreifen konnte, war ich du. In all den dunklen Stunden spürte ich deine amberweiche Hand auf meiner Stirn und dem fiebrigen Fleisch. In jenen schlaflosen Nächten, als die Atemzüge der ungesagten Worte immer lauter wurden. Weil wir alle im Licht bereit sind, süße Lügen zu kosten, wenn die Herzen hungrig sind. Dann schweigen wir, damit die kleine Welt geordnet bleibt, träumen vom Glück der Zukunft, um zu vergessen, dass die Gegenwart längst Vergangenheit geworden ist.
Führe mich dahin, wo meine Gedanken sind. Lausche den ungesagten Worten Haut an Haut an meiner Seite, denn das Ungesagte redet nachts und seine Wahrheiten sind bitter, selbst wenn die schwarzen Flügel der Nachtfalter glättend über die aufwallenden Wogen streifen, sich Jasminblüten in Zeitlupe entfalten, sich etwas über unsere Seelen legt, das viel älter ist als wir. Dann schließt sich deine Lederhand um meinen Wrist. Nachdrücklich. Sanft. Ein Schritt nur. Ein williges Straucheln in die vertraute Dunkelheit. Weil du meine Abgründe nicht scheust, dich in ihnen spiegelst, und so schließe ich die Augen berauscht vom Schwindelgefühl, wenn wir die hölzernen Böden unter den Füßen verlieren, uns treiben lassen im Strom der Zeit, Seelen sich berühren an einem Ort, der nie war und doch immer sein wird.
***
Immer wenn ich BD rieche, flüstert mir Patti Smith ins Ohr: „Never let go of that fiery sadness called desire.” Und weil ich es niemals wagen würde, Patti Smith zu widersprechen, trage ich BD mit aller Leidenschaft, die mir zu Gebote steht. Aber ist es nur mein ewiges olfaktorisches Verlangen nach Dunkelblumen und derbem Leder zusammen mit der grenzenlosen Bewunderung für Patti Smith, die dafür sorgen, dass mich dieser Duft nicht loslässt?
Rein rational-analytisch betrachtet ist BD nicht besonders komplex: Eine Wagenladung von halluzinogenem Jasmin trifft auf von Anfang an deutlich wahrnehmbares medizinisch-ledriges Castoreum, das die schwüle Indolik der Blüten mit seinen bitteren Akzenten ausgleicht, während immer vernehmlicher Zibetnoten zu schnurren beginnen. Die Facetten von dunklem Assam Oud, die ich mal spröde, mal weich empfinde, verleihen ein stützendes Rückgrat, an dem sich die Blumenranken immer höher in den Nachthimmel hinaufschlingen, unterstützt von Liquidambra (das meiner Recherche zufolge mehr oder weniger Styrax entsprechen müsste), das die kantige Animalik der robusten Ledernoten mit süßer Balsamwärme absoftet.
Auf seiner Homepage bezeichnet Antonio Lasheras, der nur wenige Worte über seine Düfte verliert und sie wohl lieber für sich selbst sprechen lässt, BD als „vintage floral fragrance“ – und, ja, natürlich trifft das den Nagel auf den Kopf. Blind getestet hätte ich definitiv auf eine verschollene Duftlegende aus den 20er- oder 30er-Jahren getippt, aber dennoch erscheint mir BD so viel mehr zu sein. In seiner dunklen Opulenz und abgründigen Leidenschaft steht der Duft über profanen Kategorien wie Zeit und Raum. BD schwebt zwischen den Welten, zwischen den Zeiten, zwischen den Seelen und kommt mir dabei so unglaublich nah. Da ist eine erschütternde Ehrlichkeit in der klaren Sprache dieses Dufts und eine Körperlichkeit, die keine Gefangenen macht und die ich nicht mehr missen möchte, obwohl ich alldem vielleicht nicht immer gleichermaßen gewachsen bin.
Führe mich dahin, wo meine Gedanken sind. Lausche den ungesagten Worten Haut an Haut an meiner Seite, denn das Ungesagte redet nachts und seine Wahrheiten sind bitter, selbst wenn die schwarzen Flügel der Nachtfalter glättend über die aufwallenden Wogen streifen, sich Jasminblüten in Zeitlupe entfalten, sich etwas über unsere Seelen legt, das viel älter ist als wir. Dann schließt sich deine Lederhand um meinen Wrist. Nachdrücklich. Sanft. Ein Schritt nur. Ein williges Straucheln in die vertraute Dunkelheit. Weil du meine Abgründe nicht scheust, dich in ihnen spiegelst, und so schließe ich die Augen berauscht vom Schwindelgefühl, wenn wir die hölzernen Böden unter den Füßen verlieren, uns treiben lassen im Strom der Zeit, Seelen sich berühren an einem Ort, der nie war und doch immer sein wird.
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Immer wenn ich BD rieche, flüstert mir Patti Smith ins Ohr: „Never let go of that fiery sadness called desire.” Und weil ich es niemals wagen würde, Patti Smith zu widersprechen, trage ich BD mit aller Leidenschaft, die mir zu Gebote steht. Aber ist es nur mein ewiges olfaktorisches Verlangen nach Dunkelblumen und derbem Leder zusammen mit der grenzenlosen Bewunderung für Patti Smith, die dafür sorgen, dass mich dieser Duft nicht loslässt?
Rein rational-analytisch betrachtet ist BD nicht besonders komplex: Eine Wagenladung von halluzinogenem Jasmin trifft auf von Anfang an deutlich wahrnehmbares medizinisch-ledriges Castoreum, das die schwüle Indolik der Blüten mit seinen bitteren Akzenten ausgleicht, während immer vernehmlicher Zibetnoten zu schnurren beginnen. Die Facetten von dunklem Assam Oud, die ich mal spröde, mal weich empfinde, verleihen ein stützendes Rückgrat, an dem sich die Blumenranken immer höher in den Nachthimmel hinaufschlingen, unterstützt von Liquidambra (das meiner Recherche zufolge mehr oder weniger Styrax entsprechen müsste), das die kantige Animalik der robusten Ledernoten mit süßer Balsamwärme absoftet.
Auf seiner Homepage bezeichnet Antonio Lasheras, der nur wenige Worte über seine Düfte verliert und sie wohl lieber für sich selbst sprechen lässt, BD als „vintage floral fragrance“ – und, ja, natürlich trifft das den Nagel auf den Kopf. Blind getestet hätte ich definitiv auf eine verschollene Duftlegende aus den 20er- oder 30er-Jahren getippt, aber dennoch erscheint mir BD so viel mehr zu sein. In seiner dunklen Opulenz und abgründigen Leidenschaft steht der Duft über profanen Kategorien wie Zeit und Raum. BD schwebt zwischen den Welten, zwischen den Zeiten, zwischen den Seelen und kommt mir dabei so unglaublich nah. Da ist eine erschütternde Ehrlichkeit in der klaren Sprache dieses Dufts und eine Körperlichkeit, die keine Gefangenen macht und die ich nicht mehr missen möchte, obwohl ich alldem vielleicht nicht immer gleichermaßen gewachsen bin.
46 Antworten


♫ Because the night belongs to Jasmin. ♪
fantastisch, wie ein Duft zu solch einem Text inspirieren kann.
Die Momente, die uns uns aus den Socken hauen, sind oft die großen Momente, die das Leben reich machen.
Patti Smith ist auch nur GROSS 🙌
Gerne gelesen.
Was kannman dem noch hinzufügen.
Erst durch Deine heutigen Worte verstehe ich, warum ich mir damals intuitiv eine XL-Abfüllung zugelegt habe... Mit nur einem Spritzer kann auch ich an meine ewiglichen Seelenorte zurückzukehren und die innigsten Abgründe von Hingebung und Sehnsucht nachspüren, die einmal waren und irgendwo, ganz tief verborgen und sicher beschützt, vielleicht immer noch sind.
- Welch' großes Geschenk!
"Because the night belongs to us"
Das Ungesagte redet nachts und ist sehr bitter.
Ein williges Straucheln in die vertraute Dunkelheit.
Weill du meine Abgründe nicht scheut.
Diese schmerzliche Intensität des Jasmins verursacht irrationale Leidenschaft inmitten der anderen animalischen Noten.
Was für Zeilen!
👏🏻👏🏻👏🏻👏🏻
The endless seed of mystery
The thorn, the veil, the face of grace
Brazen image, the thief of sleep
The ambassador of dreams, Prince of peace
I am the sword, the wound, the stain
Scorned, transfigured child of Cain
I rend, I end, I return
Again, I am the salt, the bitter laugh
I am the gas in a womb of light, the evening star
The ball of sight that leads that sheds the tears of Christ
Dying and drying as I rise tonight
🏆