23.02.2025 - 15:12 Uhr

Medusa00
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Medusa00
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Aufgeritten Mädels
Amazonen hatten im Altertum einen schlechten Ruf: Es hieß, sie trugen Hosen, rauchten Pot, tätowierten sich , ritten auf Pferden und kämpften genauso hart wie Männer. Wie Unkraut sprossen Legenden aus dem Boden und jeder dichtete noch was dazu. Sie schnitten sich die Brüste ab, um besser mit dem Bogen schießen zu können. Sie verstümmelten oder töteten ihre männlichen Kinder! Männliche Gelehrte fabulierten getreu dieser Tradition noch weiter: Die Amazonen waren hartgesottene Feministinnen. Männerhasserinnen. Rabenmütter. Lesben. Die Amazonenkönigin hieß Pentesilia und wurde angeblich von Achilles getötet. Das sind natürlich Hirngespinste alter Machos, die sich vor emanzipierten Frauen fürchteten - und z.T. heute noch fürchten - und ich persönlich muß sagen solchen Kerlen gönne ich nicht mal den Dreck unter dem Fingernagel.
Die Amazonen haben sich nicht die Brüste abgeschnitten und auch nicht ihre männlichen Nachkommen umgebracht. Vielleicht haben sie der lesbischen Liebe gefrönt, aber das war bei den alten Griechen kein Problem, sie waren nicht homophob.
Ich könnte jetzt noch länger in der griechischen Mythologie schwelgen, denn ich liebe die griechische Mythologie und ihre Helden. Mein Avatar hier auf parfumo ist ja auch Programm, war doch Medusa auch nur eine betrogene Frau, die von Athene in eine Schreckensgestalt verwandelt wurde. Doch zurück zur Amazone.
1974 lanciert und die Nase dahinter war Maurice Maurin. Allerdings hatte er nicht die Absicht einen Duft für kriegerische Frauen zu schaffen, sondern einen edlen Chypre für elegante Damen, welche früher in der Reitposition ritten in der beide Beine auf der selben Seite waren. So reitet heute freilich keine Frau mehr.
Jedoch könnte man bei dem Namen „Amazone“ auf dumme Gedanken kommen und annehmen das Parfum sei für herbe, maskuline oder androgyne Frauen gemacht. So mit Oberlippenbärtchen und Augenbrauen wie die Riesenschnauzerdame Isolde meines ehemaligen Nachbarn.
Nein für Riesenschnauzercharme ist Amazone nicht da. Die Mädels die Amazone lieben bellen vielleicht, beißen aber nicht.
Ein Duft, frisch gewaschen und in Seifenschaum gebadet a la Aphrodite (die Schaumgebadete), die Tochter von Zeus und Dione. Göttin der Schönheit, der Liebe, der Leidenschaft und anderem Geschwurbel.
Und da die Kopfnote hyazinthendominiert ist, rennt sie bei mir offene Türen ein. Jedoch besitze ich die Kühnheit die Pyramide zu ergänzen, denn neben der offensichtlichen oder offenriechlichen, seifenschschaumigen Geblümtheit kullern auch Pfirsiche, Mandarinen und Grapefruit durch und gestalten Amazone zu einem blumig-fruchtigen Chypre. Ja, ja die Chyprefamilie hat es faustdick hinter den Ohren bzw. man kann sie sich faustdick hinter die Ohren kippen.
Hier ist auch ohne Moos nichts los und auch nicht ohne Zedern und Vetivergrünzeug. Ohne das kommt ein anständiger Chypre nicht aus und daraus gewinnt er seine kühle, manchmal unnahbare Schönheit. Ich habe es ja schon ein paar Mal geschrieben und darauf reite ich auch herum wie eine Amazone auf ihrem Roß : Ein guter Chypre hat einen Duftverlauf, ist spannend, geheimnisvoll und biedert sich nicht an.
Ahh gerade ist Pegasus auf meinem Balkon gelandet. Wir fliegen mal durch die Nacht und hinterlassen Euch einen … Ach, strengt Eure Phantasie selber an.
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