Von 0 auf 100 km/h in einer Sekunde. Ich befinden mich mit einem Schlag auf der Duftautobahn in voller Beschleunigung. Einmal aufgesprüht und man ist erst mal schwer geschockt. Das soll einer der neuen L'Artisan-Düfte sein? Bei L'Artisan denke ich zunächst an Timbuktu, meinen Lieblingsduft, an perfekt balancierte Duftkunstwerke, an einer der ersten Nischenmarken, die die Tradition der klassischen Düfte überschritt und weiterführte.
110 km/h: Der Duft entfaltet sich. Ich kann die Iris und den Wildlederakkord riechen, die sich sehr ungünstig, sehr unharmonisch miteinander verbinden, die vermutlich für dein Eindruck von Künstlichkeit, Synthetik, Gummi verantwortlich sind.
120 km/h: Da ist auch noch von Whisky, Safran, Rose, Moschus und einem geheimnisvollen Hautakkord die Rede. Kann man sich alles einbilden, wenn man will, kann man mir alles erzählen, aber wenn ich einen Duft auf der Haut trage, dessen Charakteristik sich nur erschließt, wenn ich alle Inhaltsstoffe exakt kenne, differenzieren und einigermaßen gut einordnen kann, dann scheint mir das Konzept vollkommen verfehlt.
130 km/h: Was ich hier wirklich rieche, wenn ich die Komponenten nicht kenne (und ich habe den Duft zunächst mal auf mich wirken lassen, ohne seine Inhaltsstoffe zu studieren), das ist in erster Linie eine synthetische Komposition, die mich ein wenig an Gummi erinnert, ein wenig an Kunststoff, an synthetische Dämmstoffe, die mir entgegen quellen, wenn ich eine Schachtel mit elektronischen Geräten öffne, die mich an Folien oder Plastiktüten erinnert. Ein Geruch, der mir eigentlich schon immer zuwider war.
140 km/h: Ich weiß, dass es einige Menschen gibt, die diesen Kunststoffgeruch mögen, vielleicht sogar lieben, aber auch diese werden sich bald schon die Frage stellen: Will ich wirklich so riechen? Soll das so sein? Muss das so sein?
150 km/h: Ein Déjà-vu stellt sich ein: da war doch was...solche Düfte gibt es doch bereits...Und tatsächlich erinnert mich das Konzept der neuen L'Artisan-Parfums an die originellen und vielseitigen Düfte von Comme des Garcons. Die sind allerdings in aller Regel preiswerter und weitaus spannender, aber auch da reicht mir eine Abfüllung, damit ich den Spaß in ausreichendem Maße genießen kann.
Willkommen in der schönen neuen Welt der Düfte. Immer häufiger rieche ich Kompositionen, die mit Gewalt originell sein wollen, die nach allem duften müssen, das irgendwie in Alkohol lösbar ist, das synthetisch irgendwie machbar ist, nur nicht nach wohlriechenden Essenzen. Offenbar scheint das ein erfolgreiches Konzept zu sein, um Menschen, die schon alle Düfte dieser Welt gerochen haben, bei der Stange zu halten und zum Zücken des Portemonnaies zu verleiten. Wer bei diesem Duft wirklich einen Wohlgeruch zu vernehmen glaubt, der möge das guten Gewissens tun. Wer sich aber nur über einen neuen originellen Duft freut, der sollte sich den Kauf vielleicht besser dreimal überlegen.
Eine weitere Beschleunigung funktioniert nicht, mehr Tempo gibt der Duft nicht her, die Höchstgeschwindigkeit ist erreicht, vielleicht schon längst überschritten. Was bleibt:
habe Dank für Deinen aufschlussreichen Kommi, die Zutaten lasen sich überaus spannend, aber ein Test des Duftes hat sich nun erledigt, brrrr ist das ekelig.
Super geschriebener Kommi, auch wenn ich die getroffene Aussage nicht unterschreiben würde. Und ochnö, es muss nicht immer ein "Weichei-Wohlgeruch" :) sein, den ich tragen möchte...
...jeder Jeck ist anders :). Gummipokal!
Leider muß ich den testen. Selbst schuld. Ich habe mich sogar freiwillig bei einem hier sehr bekannten Moderator dafür gemeldet. Dein sehr gelungener Kommentar weckt nun in mir eine gewisse "Vorfreude".
Allein bei Iris und Wildleder wäre ich geneigt gewesen, diesen Duft zu testen. Aber dank Deines sehr informativen Kommis schenke ich mir den Test...zuviel Synthetik und Gummi-Flair sind nicht meins. Klasse Kommi, Vettel-Pokal!
Wieder mal sehr gut geschrieben, lieber Mister Y.! Ich find auch, dass bei der Jagd nach neuen Dufterlebnissen manchmal vergessen wird, dass die Beute auch wohlriechend sein sollte....
Huch, ich hatte keine Ahnung, dass es die Duftnoten Gummi, Kunststoff, Plastik gibt. Aber ich glaube, ich möchte mich auch nicht näher damit befassen :)
Schön, dass auch Du mich hier abfixst! Sonst wäre ich noch auf den schönen Titel und die (für mich) überaus ansprechende Duftpyramide reingefallen. Besten Dank! :-D
Ich bekomme bei dem Gedanken an den Duft die Szene aus House of Wax nicht mehr aus dem Kopf wo die andere Tussi Jared Padalecki aus Versehen die Haut aus dem Gesicht bricht nachdem er eingewachst wurde.
Ts, ts, ts, wer wird denn auch so rasen?! Ein solches Tempo ist man von Herrn Duchaufour eigentlich überhaupt nicht gewöhnt... Ansonsten: Haut - Gummi - öhm, räusper... Vielleicht ein neues Fetisch-Parfum, unschuldigguck?
Wieder so eine gut geschriebene und informative Kommi von Dir, Danke ! :D Wahrscheinlich ist man aber mit "Skai" besser verdient als mit diesem, und übrigens, Timbuktu finde ich auch heutzutage wunderschön, es braucht aber seine Zeit.
Oha - beim Gummi scheinen sich ja alle einig zu sein. Wie kann man nur aus an sich so schönen Zutaten (so sie denn tatsächlich drin sind) etwas so Fieses zusammenbrauen? Ich stell mal ein paar Bremsklötze ab ;o)
...jeder Jeck ist anders :). Gummipokal!
Speedlimit pokal