Bat 2015

Version von 2015
Bat (2015) von Zoologist
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7.0 / 10 186 Bewertungen
Ein Parfum von Zoologist für Damen und Herren, erschienen im Jahr 2015. Der Duft ist erdig-fruchtig. Die Haltbarkeit ist überdurchschnittlich. Die Produktion wurde offenbar eingestellt. Der Name bedeutet „Fledermaus”.
Aussprache
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Duftrichtung

Erdig
Fruchtig
Animalisch
Würzig
Holzig

Duftpyramide

Kopfnote Kopfnote
ErdeErde FrüchteFrüchte BananeBanane
Herznote Herznote
mineralische Notenmineralische Noten WurzelnWurzeln tropische Früchtetropische Früchte HarzeHarze MyrrheMyrrhe FeigeFeige
Basisnote Basisnote
MoschusMoschus SandelholzSandelholz VetiverVetiver LederLeder TonkabohneTonkabohne

Parfümeur

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Bewertungen
Duft
7.0186 Bewertungen
Haltbarkeit
8.4152 Bewertungen
Sillage
7.7151 Bewertungen
Flakon
8.3153 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
6.034 Bewertungen
Eingetragen von Franfan20, letzte Aktualisierung am 25.05.2024.
Wissenswertes
Der Duft wurde bei der Lancierung als Eau de Parfum ausgewiesen. 2017 wurde er - entsprechend der tatsächlichen Duftkonzentration von 23% - zum Extrait de Parfum umklassifiziert.

Duftet ähnlich

Womit der Duft vergleichbar ist
Night Flyer von Olympic Orchids Artisan Perfumes
Night Flyer
Mahsa Seriri von Woudacieux
Mahsa Seriri
Figment Man von Amouage
Figment Man
#704 Wild Hunt/Forest von CB I Hate Perfume
#704 Wild Hunt/Forest
Gaea von Centauri Perfumes
Gaea
Panda (2017) von Zoologist
Panda (2017)

Rezensionen

14 ausführliche Duftbeschreibungen
9
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
9.5
Duft
Yatagan

398 Rezensionen
Yatagan
Yatagan
Top Rezension 53  
Höhlenbewohner und intrinsische Motivationen
Es stellt sich die Frage, was den ausgezeichneten Kommentaren von Franfan und Siebter noch hinzuzufügen ist? Alles schon gesagt, nur noch nicht von mir? Darum geht es mir nicht. Da ich selten genug einen Duft kommentiere, der bereits zweimal kommentiert wurde, muss es für mich eine intrinsische Motivation geben. Und die gibt es. Ich will mir selbst darüber klar werden, welche Bedeutung dieser Duft für mich haben könnte und in welchem Kontext er tragbar wäre, denn das ist gar nicht so einfach zu entscheiden. Vielleicht beantwortet das dann auch die Frage einiger Leser, ob dieser Duft eine Kaufoption sein könnte bzw. ob man sich eine Abfüllung zulegen sollte.

Zunächst einmal kann ich die unten und bei anderen Besprechungen der Zoologist-Düften geäußerte Ansicht, das Konzept dieser Marke sei außergewöhnlich spannend, nicht nachvollziehen. Das ist selbstverständlich nur meine eigene, unmaßgebliche Position. Ich mag Tiere. Aber wenn ich in einem Zoo oder in einem Gehege, einem Stall oder in einer Bärenhöhle stehe (letzteres sollte man tunlichst vermeiden), dann stinkt es da, und zwar animalisch. Einer meiner unangenehmsten Erinnerungen an einen Tierpark ist die Begegnung mit einem Nilpferd, das im Kronberger Opel-Zoo aus seinem Becken auftauchte, sein Maul öffnete und mich anschließend anhauchte. Wer das einmal erlebt hat, wird von solchen Tieren Abstand halten. Ich will jetzt gar keine weiteren Begegnungen ähnlicher Art ausführen, aber auch eine Fledermaushöhle dürfte nicht viel freundlicher riechen.
Das sind meine Assoziationen, wenn ich an Tier-Düfte denke. Wohlgemerkt: Ich bin Tierfreund!

Die Zeichnungen auf den Flakons finde ich persönlich nicht witzig, originell oder kaufanregend, sondern albern. Tut mir wirklich leid, dass ich ein so humorloser Mensch bin, aber solche Zeichnungen mögen im Frankfurter Karikatur-Museum eine eigene Ausstellung wert sein. Auf dem Flakon einer meiner Düfte, die ich im Bad oder meinem Duftschrank aufbewahre, haben sie, meine ich, nichts verloren.

Was bleibt? Alles schlecht? Keineswegs. Das zeigt ja schon meine Bewertung des Duftes, und das hat den folgenden Hintergrund:
Düfte dieser Art, Düfte nämlich, die eher Gerüche als Düfte präsentieren, sind für mich die neue Generation der Duftentwicklung (von Komposition will ich nicht sprechen, weil das den Kern der Sache gar nicht so trifft): Duft 2.0. All das meine ich, ganz im Gegensatz zu meiner oberen Rede, nicht sarkastisch oder ironisch, sondern ernst. Duft assoziiere ich dabei mit Wohlgeruch, Gerüche dagegen mit neutraler Wahrnehmung. Beides kann im Kontext von Parfum faszinierend sein, gerade auch dann, wenn es miteinander verschränkt wird.

Ich bin ein Liebhaber der CB I Hate Perfume-Düfte, die mir fast alle gefallen, und zwar in dem Sinne, dass ich sie interessant finde (interessant im Sinne von "spannend", nicht im Sinne von "interessant ist die kleine Schwester von Scheiße"). Da gibt es Düfte resp. Gerüche, die nach Waldboden, Moder, alten Blättern, frischem Gras, Wollpullovern, Sägespänen, Sand, Jod riechen - und ich mag das sehr. Das sind in vielen Fällen keine Düfte, die ich im Büro, im Theater oder im Restaurant tragen würde, sondern wohl eher zu Hause.
Exkurs: Andererseits waren wir vor einigen Tagen in einer ausgesprochen großartigen Inszenierung von Shakespeares Hamlet, zu der einer dieser Düfte sicherlich exzellent gepasst hätte: Stahlgewitter, Rost, Rauch, Metal-Gitarre, Brauntöne. Warum dazu nicht einen Duft tragen, der das optische Erleben olfaktorisch (für mich und nur für mich) abrundet? Das wird in Zukunft häufiger ausprobiert. Exkurs Ende.

Überhaupt stellt sich ja die Frage, ob Duft- und Geruchsentwicklung nicht Kunst sei - und Avantgarde neue Standards definieren solle. Konventionelles war gestern. Dann wäre es eigentlich unsere Pflicht, als Kenner neuer, innovativer, exzentrischer, avantgardistischer Düfte den Pfad von Mainstream nicht noch weiter auszutreten, sondern auf Gegenwartskunst zu setzen. Und die findet sich für mich u.a auch bei Bat von Zoologist.

Der Duft wäre schon längst in meine Sammlung gewandert, hätte ich nicht tatsächlich einen etwas ähnlich anmutenden Duft von CB I Hate Perfume (Greenbriar), der vergleichbar und doch ganz anders ist, aber ebenfalls Grüngerüche (dort: grün Grasiges, Heu, Blätter mit Holz, hier modriger Waldboden mit Banane) kombiniert. Vielleicht ist aber auch noch Platz in der Sammlung.

Die Kombination von Moder, der mich bei Bat an den Geruch von Schimmelflecken in alten, lange nicht mehr beheizten Räumen, an feucht-abgestandene Luft in Höhleneingängen, an das sog. Kellertuch (ein Pilz) in Weinkellern, an vermodernden Stoff, an Blätterhaufen im Herbst erinnert, mit Banane, die insbesondere auf Haut auch klar und deutlich zu identifizieren ist, ist vielleicht etwas schwer (Er-)Tragbares, genauer gesagt aber auch etwas untragbar Tolles.

Für mich ist das, und das wäre ein Ergebnis der Konnotation von Bat aus meiner Sicht, ein Duft für zu Hause, zum Wohlfühlen, wenn man mit den o.g. Gerüchen kann, zum Meditieren, denn das verstärken auch die scharf krautigen, würzigen Akzente, die da noch zu riechen sind und vielleicht von der Myrrhe und von Wurzelsaft herrühren.

All das, was da außerdem noch in der Basis angegeben ist, kann ich zwar nicht isoliert riechen, meine aber, dass es dafür verantwortlich sein könnte, dass dieser provozierend eröffnende Duft versöhnlich endet.

Nebenbei gesagt: Die Fledermaus gehört zu meinen Lieblingstieren; bei unserem Ferienhaus kann man am späten Abend fast immer Fledermäuse beobachten, die flach über die Köpfe der still stehenden Beobachter hinweghuschen, mit fast zitternden, hektischen Flugbewegungen, die so viel artistischer sind als die der Vögel. Diese Eindrücke gehören für mich zum perfekten spätabendlichen Sommererlebnis dazu. Ich warte bei jedem Besuch darauf und genieße diese stillen Momente mit diesen außergewöhnlichen Tieren. Nichts, wirklich nichts ist damit vergleichbar.
Nun weiß ich auch, wie sie sich selbst gern riechen würden, wenn man sie denn ihren eigenen Duft wählen ließe.
Danke Zoologist, ihr sympathischen Freaks.

Nachtrag: Habe mir ein 11ml-Travelspray von Bat bei Zoologist bestellt. Das scheint mir die richtige Menge zu sein.

P.S.: Mme. Yatagan gefällt der Duft ausgesprochen gut. Kaum zu glauben? Aber wahr!
31 Antworten
Siebter

49 Rezensionen
Siebter
Siebter
Top Rezension 35  
Modrig, aber freundlich
Obwohl Zoologist erst seit wenigen Jahren auf dem Markt ist und man bis vor kurzem nur mit mittelschwerem Aufwand bzw. der freundlichen Unterstützung der Parfumo-Community an Testmöglichkeiten kam, gehört diese Marke spätestens seit der zweiten Veröffentlichungswelle zu meinen Lieblingshäusern. Bat hat daran einen entscheidenden Anteil, denn, das möchte ich gleich zu Anfang klarstellen, dieser Duft ist wirklich avantgardistisch.

Dass Wissenschaftler auf Umwegen an die Parfümerie geraten, ist nicht ganz ungewöhnlich, im Falle von Ellen Covey muss aber erwähnt werden, dass sie eine renommierte Fledermausforscherin ist, die zahlreiche Artikel zum Thema (insbesondere über das komplexe Ultraschallortungssystem der Fledermäuse) geschrieben hat und dafür z.B. in Fledermaushöhlen im Dschungel von Jamaika herumgekrochen ist. Darüber hinaus veröffentlichte sie mit ihrer Marke Olympic Orchids bereits einige Dutzend Düfte. Bezogen auf Bat sind das schon arg glückliche Fügungen, finde ich. Zudem hält sie übrigens Vorlesungen an der University of Washington in Psychologie und betreibt professionelle Orchideenzucht.

Schon zu Beginn löscht Bat jeden Versuch aus, ihn zu kategorisieren. Aufgewühlte und sehr feuchte, schwere und dunkle Erde rollt heran, innerhalb von wenigen Sekunden erhöht sich die Luftfeuchtigkeit auf hundert Prozent. Dem basslastigen Auftakt folgt der greifbar erscheinende Eindruck einer sich langsam legenden Erdmasse, sehr einhüllend und dominant. Trotzdem mit einer recht hellen und süßen Banane ein deutlicher Kontrast gesetzt wird, fällt es zunächst schwer, die Aufmerksamkeit von dieser in ihrer Wucht fremdartigen und durchaus ins Modrige spielenden Erdigkeit zu lösen. Man sollte schon bereit sein dafür.

Bat ist ein Roomfiller, provozierend, fordernd und dunkel. Er ist jedoch nicht düster oder gar grimmig, ganz im Gegenteil. Die Banane wandelt sich bald zu einem mangoartigen Früchtematsch und lässt den Duft zusammen mit der durchgehend hohen Luftfeuchtigkeit warm und freundlich erscheinen. Ellen Covey erwähnt in einem Interview, dass bestimmte Fledermausarten in ihrem Verhalten und ihrer Ernährung den Kolibris ähneln und somit in der Nacht die selbe Nische besetzen wie tagsüber die Kolibris – tatsächlich finde ich, dass die Fruchtmatschaspekte von Bat Parallelen zu der nektarartigen Fruchtigkeit von Hummingbird der selben Marke haben. Das Zusammenspiel aus tropischen Früchten und feuchter Erde bleibt für die nächsten Stunden bestimmend, trotzdem ist Bat ein äußerst entwicklungsstarker Duft: Rote-Beete-artige Wurzeln durchziehen die Erde, die Luft wird mineralischer und kühler, der Anteil an Früchten schwankt stark. Dabei wird Bat mit der Zeit immer ruhiger und runder, die Atmosphäre geprägt von Gegensätzen wie feucht und mineralisch, warm und kühl, erdig und fruchtig. Mir erscheint er wie eine verliebte Ode an das Fledermausleben, ein Versuch, zu erklären, warum es cool ist, eine Fledermaus zu sein.

Bat ist aus einem ganz bestimmten Grund ein avantgardistisches Parfum: es enthält eine sehr hohe Dosis Geosmin. In Notenpyramiden findet man Geosmin selten, die Datenbank von Parfumo kennt gerade mal zwei Düfte mit diesem Stoff, zudem fünf weitere, wenn man nach „Petrichor“ sucht, womit man das Aroma in der Luft nach einem Regenguss bezeichnet; Geosmin ist ein wesentlicher Bestandteil dieses Dufteindrucks. Ich vermute, dass The Smell of Weather Turning von Lush (in geringem Maße) und Coven von Andrea Maack (in etwas höherer Dosierung) ebenfalls Geosmin enthalten. Man findet es außerdem in Erde und Schimmel, das modrig-grüne Aroma, welches beispielsweise aus Biotonnen oder Komposthaufen aufsteigt, das ist Geosmin. Und Bat enthält richtig viel davon.

Ich mochte Bat von Anfang an, obwohl insbesondere die Assoziation von Schimmel für mich sehr stark im Vordergrund steht. Selbst Patschuli erscheint wie ein Chorknabe im Vergleich zu dieser archaischen und grummelnden Erdigkeit. Mein Bruder assoziierte bei einem Papiertest verschimmelte Banane. Bat ist nicht bürotauglich: Arbeitskollegen fragten mich, ob ich gerade „irgendwo“ war oder ob hier eventuell irgendetwas „Komisches“ herumläge – der Hinweis, dass es sich bei dem die Irritationen verursachenden Duft um ein Parfum handelt, löste nachhaltiges Kopfschütteln aus. Eine (mäßig parfumaffine) Kollegin war allerdings so angetan von Bat, dass ich ihr demnächst die Probe davon mitbringen muss.

An meiner Freundin finde ich Bat wundervoll. Dieser Duft zeichnet ganz ohne blättrige oder florale Anteile eine authentische Tropenatmosphäre, warm, exotisch, auch sinnlich. Überaus präsent und damit ein unterhaltsamer Protagonist. Es macht Spaß, sich über ihn auszutauschen. Es ist schön, jemanden zu umarmen, der Bat trägt.

Aber wie gesagt: man sollte dafür bereit sein. Geosmin besitzt eine extrem niedrige Wahrnehmungsschwelle. Die 25% Parfümölanteil, die Bat eigentlich als Extrait ausweisen, imprägnieren Kleidung für Tage und Wochen, wodurch der Duft immer wieder unverhofft auftaucht. Um ihn zu verstehen oder auch nur bereit zu sein, sich ihm zu nähern, ist das Wissen um seinen Kontext notwendig. Dieser Umstand spricht für mich keinesfalls gegen diesen Duft, denn sobald sein Kontext bekannt ist, zeigt sich eine umfangreiche und konsequent umgesetzte Palette an Bildern und Stimmungen. Jedoch zwingt seine Präsenz die Umgebung des Trägers zur Auseinandersetzung mit ihm. Dem gegenüber steht die kaum erfüllbare Aufgabe, jedem Mitfahrgast in der U-Bahn das Konzept einer kanadischen Indiehousemarke zu erläutern bzw. den Umstand, dass es sich überhaupt um ein Parfüm handelt. Irritation sollte man in Kauf nehmen können.

Irritation soll hier nicht für Ekel stehen; ich konnte mit Bat vielfältige Reaktionen hervorrufen, aber niemand fühlte sich unmittelbar abgestoßen, immer überwog Verwunderung und Interesse. Mit der Zeit wird Bat durchaus tragbarer, weicher, harziger und immer runder. Die feuchtschwüle Fruchtmatschigkeit wirkt warm, entspannend und kompakt, die mineralische Erdigkeit auf ungewöhnliche Weise clean und luftig, die schönen Gegensätze machen den Duft dynamisch und interessant. So schwer dieser Duft zu handhaben ist, sehe ich ihn keinesfalls als bloße Spielerei oder Konzeptkunst.
12 Antworten
7.5
Flakon
6
Sillage
6
Haltbarkeit
7.5
Duft
loewenherz

885 Rezensionen
loewenherz
loewenherz
Top Rezension 36  
Der Hund von Baskerville
Ich muss wohl etwa acht Jahre alt gewesen sein. Meine Eltern waren abends nicht zu Hause, und ich war so verwegen, währenddessen entgegen ihrer ausdrücklichen Anweisung heimlich im Wohnzimmer fernzusehen - nicht ahnend, dass dieser Film ein Erlebnis von dergestalt traumatischen Ausmaßen werden würde, dass ich heimliches Fernsehen auf Jahre hin - etwa bis RTL mit Tutti Frutti startete - nie wieder auch nur erwogen habe.

Es gab 'Der Hund von Baskerville' in schwarzweiß - aus heutiger Erwachsenensicht ein eher schlichter und völlig harmloser Film, aber das Moor, das kalte Schloss, das Heulen des unheimlichen Hundes haben damals ausgereicht, den Rückweg in mein Zimmer (zehn Meter Luftlinie) zu einem Schreckensparcours werden zu lassen, bei dem hinter jeder Ecke das Grauen hauste. Ich glaube, ich bin damals tatsächlich durch den Flur gerannt.

Als ich Zoologists Bat kürzlich (endlich) das erste Mal ausprobiert habe, habe ich ganz automatisch - das tue ich häufig - die Augen zugemacht. Und plötzlich war ich wieder acht, im Schlafanzug allein zuhause und wusste nicht, wie ich es an der finster gähnenden Esszimmertüröffnung (hinter der schließlich der schreckliche Hund auf mich lauern würde) zurück in mein Zimmer schaffen sollte. Denn Bat ist ein kalter, moorig-feuchter Duft - eben so wie die unheimliche Szenerie in jenem Film über den Hund von Baskerville. Die diversen Früchte in der Aufzählung seiner Ingredienzen mag man getrost vergessen, denn da ist nichts als feuchte Erde, dunkle Harze, Hölzer, Mineralisches und Nasses. Ich vermisse Patchouli etwas in der Auflistung, aber es mag auch sein, dass mich hier Wurzeln und Vetiver auf eine falsche Fährte locken. Bat ist ein finsterer, lichtloser Duft - zu undramatisch, um 'dark' zu sein oder gar gruftig - und doch unheimlich genug, als dass ich ganz kurz meinte, einen Hund heulen zu hören.

Fazit: ein feuchtkalter, zutiefst faszinierend gemachter Duft. Und wenn ich gleich ins Bett gehe, werde ich im Schlafzimmer auf jeden Fall das Licht anmachen, ehe ich es im Flur ausmache. Man weiß ja nie...
10 Antworten
8
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
7
Duft
Meggi

1019 Rezensionen
Meggi
Meggi
Top Rezension 31  
Kommissar Olfattke nimmt eine Auszeit
Zweites Kapitel – Kriecherei, Viecherei

Als der Kommissar am folgenden Morgen auf seine gewohnte Bank zusteuerte, wurde er erwartet. Die beiden Kinder standen wieder da. Damit hatte er nicht gerechnet und war verblüfft, dass er sich darüber freute. Ehe er irgendetwas sagen konnte, riefen sie ihm bereits entgegen: „Bei uns in der Turnhalle von der Schule hat einer eingebrochen und ganz viel kaputtgemacht. Du bist doch ein echter Kriminal-Polizist, kannst du dir das mal angucken?“

Ohne eine Antwort abzuwarten, sausten sie davon und ihm blieb nichts übrig, als halb genervt, halb belustigt hinterherzutrotten. Aber schon kurz hinter dem Kurpark kam die Schule in Sicht. Als er sich näherte, öffnete sich eben die Tür eines Häuschens daneben, offenbar die Wohnung des Hausmeisters. Was Jan und Lena dem Mann aufgeregt erzählten, konnte er ahnen – um von dessen Antwort zu hören, war er dann dicht genug:

„…und die Polizei war längst hier und hat alles aufgenommen. Ich mache jetzt den Bericht für die Schulbehörde fertig. Hoffentlich ist rechtzeitig zum neuen Schuljahr alles wieder heil. Ich weiß nicht, was sich da noch einer angucken will? Reine…“

„Das ist ein echter Kommissar!“, rief Lena empört, die Hände in die Hüften gestemmt. „Der fängt dauernd Verbrecher!“

Angesichts einer halben Portion Mensch mit funkelndem Zorn für zwei schwand der Unmut des Hausmeisters – und wich endgültig einem Schmunzeln, als Olfattke ihm zuzwinkerte.

„Na gut, dann wollen wir mal schauen.“

Die Turnhalle sah von draußen aus wie alle anderen. Drinnen allerdings war böse gewütet worden. Matten und Geräte waren aufgeschlitzt, die Wände beschmiert.

„Wo sind die denn reingekommen?“, wollte der Kommissar wissen. „Die Tür war doch nicht aufgebrochen?“

„Durch eine Fenster-Luke in der Umkleide. Da geht die Sauerei weiter. Moment, ich schließe eben auf…“

Olfattke sah sich um. Er betrachtete die umgeworfenen Mülleimer und die Krakeleien an den Wänden. Hier und dort streifte sein Blick vergessene Kleidungsstücke, die vermutlich nur wegen des Ferienbeginns noch nicht den Weg in die Fundkiste genommen hatten. Eines davon erregte seine Aufmerksamkeit:

„Ist das nicht eine reine Grundschule? Der Pulli da hinten auf der Bank sieht dafür ziemlich groß aus.“

„Ach, der Hoodie da?“

„Der was?“

„Der Hoodie. Da ist ‘ne Kapuze dran, dann heißt das Hoodie“, erklärte Jan geduldig.

„Wie auch immer. Den hat wohl kaum ein Schüler hier liegenlassen. Tja, Turnhallen-Verwüsten kann einen schnell mal ins Schwitzen bringen. Einer hat womöglich seinen Pulli… seinen Hoodie ausgezogen und hinterher vergessen. Das wäre nicht sehr schlau.“

Als der Kommissar genauer hinsah, fielen ihm auf dem Boden unter der Bank einige Bröckchen auf, die aus einer der Taschen gefallen sein mochten. Das war beachtenswert und stützte seinen Gedanken. Solche Spuren konnten nur von den Eindringlingen stammen, denn es war sicherlich am Abend des letzten Schultags gründlich gewischt worden. Und weder Hausmeister noch Polizisten hätten bei ihrem Rundgang vorhin direkt unter einer Bank herumgebröselt. Er zog eine Leselupe aus seiner Tasche. Nicht, weil er sie jetzt benötigte, es wirkte bloß einfach mächtig Sherlock-Holmes-mäßig. Er musste ja nicht erzählen, dass er die Lupe sonst bei seinen Duft-Tests benutzte, um trotz nachlassender Sehkraft die kleine Schrift auf den Proben-Röhrchen entziffern zu können.

Er ergriff einen der Krümel, zerdrückte ihn leicht mit den Fingern und schnupperte daran. Muffig, feucht und pilzig roch es. Daneben ein Anflug von Fäulnis, wie von verwesendem Obst, einer Banane etwa. Auch der Hoodie roch seltsam. Dreckig – doch nicht nach jener Sorte Dreck, die zu langes Tragen hinterlässt sondern…

„Hm. Gibt es hier irgendwo einen Zoo? Einen mit tropischen Tieren, vielleicht mit einer Vogel-Halle?“

„Was sind tropische Tiere?“ wollte Lena wissen.

„Tiere aus warmen Ländern. Affen zum Beispiel. Dieser Krümel riecht ein bisschen nach überreifem Obst. Oder schmierigen Trockenfrüchten.“

„Iiiiiiiiih!“

„Erinnert mich aber auch an den säuerlichen Mief in tropischen Vogelhäusern. In Fledermaus-Höhlen riecht es ähnlich. Einen echten Polizisten darf sowas nicht stören. Hier, schnuppert mal!“

Behutsam streckten die beiden Kinder ihre Nasen aus und gaben sich große Mühe, nicht das Gesicht zu verziehen – wie echte Polizisten eben.

Olfattke wiederholte seine Frage: „Gibt es hier irgendwo einen Zoo?“

„In Gettorf, auf der anderen Seite der Kieler Förde, ist ein Tierpark“, meinte der Hausmeister.

„Den kennen wir!“, warf Jan ein. „Die haben echt so ‘ne Halle, wo die ganzen Vögel rumfliegen. Voll warm ist das da und stinkt, wenn man reinkommt. Da in dem Zoo arbeitet der große Bruder von Ben aus meiner Klasse.“

Lena kicherte verdruckst: „Mama hat neulich zu Papa gesagt: Das passt – ein Affe bei den Affen…“

Der Kommissar erhob sich: „Klingt ja fast zu einfach. Bei dem jungen Mann sollte mal jemand auf den Busch klopfen.“

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Die übrigen Kapitel:
1. Comptoir Sud Pacifique, Aqua Motu
3. Profumum Roma, Acqua di Sale
25 Antworten
7.5
Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
7.5
Duft
Taurus

1062 Rezensionen
Taurus
Taurus
Top Rezension 29  
Bat Out Of Hell
Heute habe ich es tatsächlich getan. Angesichts eines Urlaubstages und wohlwissentlich dass ich keine persönlichen Sozialkontakte wahrnehmen muss, habe ich mich getraut diesen Duft zu tragen und sogar dabei für einige Stunden meine Wohnung verlassen.

Eigentlich bin ich nur draußen ein wenig in der Natur spazieren gegangen ohne irgendwelche Geschäfte oder Gastronomiebetriebe zu betreten. Wäre vielleicht auch gar nicht so schlimm gewesen, denn Bat ist eigentlich nur in den ersten paar Minuten eine olfaktorische Herausforderung.

Dafür knarzt er aber dann ungemein, denn die Illusion eines dunklen, feuchten, modrigen alten Kellers ist nahezu perfekt. Was hier offiziell mit „feuchter Erde“ angegeben ist, könnte höchstwahrscheinlich Patchouli sein, vielleicht kombiniert mit ein wenig Vetiver.

Doch schon nach einem relativ kurzen Augenblick wird die Lage etwas entspannter, den die süßlich bananenfruchtigen Nuancen können sich langsam durchsetzen. Und wenn dann noch die mineralischen Noten durchblitzen kann man sich tatsächlich gut vorstellen in einer tiefen Höhle zu sein, an der massenhaft Fledermäuse kopfunter von der Decke hängen, die bald zu ihrem nächtlichen Beutezug ausschwirren.

Im weiteren Verlauf nimmt sich die feuchte Erde bzw. das Modrige immer mehr zurück und Bat wird sogar richtig angenehm und tragbar ohne, dass man Bedenken haben müsste von seinem Gegenüber seltsam beäugt zu werden.

Ja, das Zeug hält höllisch lange bis es gegen Ende mehr mineralisch als sonstwas schnuppert. Ein schnelles Nachsprühen ist da wirklich nicht erforderlich (und aufgrund der verzwackten Kopfnote nicht unbedingt erstrebenswert). Und sicherlich wäre es damals Meat Loaf nicht durch den Kopf gegangen, dass man den Duft einer Fledermaus mit der er sich in Bat Out Of Hell verglichen hat bzw. eigentlich eher den Duft des Habitats einer Fledermaus olfaktorisch so gut nachbauen kann.

Darum: Fledermäuse schnuppern zwar anders (ich hatte sogar selbst mal eine in so einer Art Fledermausaufzuchtstation streicheln dürfen), aber der natürliche Lebensraum einer solchen wird in Bat schon folgerichtig getroffen.

Wenn man also die ersten paar Minute in seiner Höhle bzw. in seinem Heim wartet bis die Kopfnote durch ist, kann Bat durchaus alltagstauglich sein, obwohl man schon ein wenig Courage aufbringen muss.
19 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

71 kurze Meinungen zum Parfum
NuiWhakakoreNuiWhakakore vor 1 Jahr
8
Sillage
9
Haltbarkeit
8.5
Duft
auf vergorenen Bananen
durchs Unterholz rutschen
mit ledrigen Krallen
feuchte Erde kratzen
mit dunklen Gedanken
dem Sonnenaufgang lauschen
30 Antworten
SalvaSalva vor 1 Jahr
4
Duft
Rudi hat abgelaufenes Obst gekauft
Wird serviert auf erdig-verschmierten Teller
Fruchtfliegen freuen sich bereits
Das Fest kann beginnen
30 Antworten
Eggi37Eggi37 vor 2 Jahren
7
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
6.5
Duft
Lauter reifer&süßer Tropenfrüchte
Fledermäuse wälzen sich vor Freude in feucht-wurzeliger Erde
So riecht es ungefähr in meiner Biotonne :)
23 Antworten
KovexKovex vor 7 Jahren
10
Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
9
Duft
Das Thema "Bat" perfekt umgesetzt. Feuchte Erde, Gruft, Wurzelkräuter. Sehr interessant aber kaum tragbar. Meine Frau rennt schreiend davon.
9 Antworten
ChizzaChizza vor 3 Jahren
9
Flakon
7
Duft
Sowas kann Covey einfach! Dunkle Höhlenformationen, es tropft von den Stalaktiten, in manchen Ecken auf der Erde faulige Früchte. Ein Schrei
8 Antworten
Weitere Statements

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Torten Radar

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