Carnal Flower 2005 Eau de Parfum

Carnal Flower (Eau de Parfum) von Editions de Parfums Frédéric Malle
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7.9 / 10 536 Bewertungen
Carnal Flower (Eau de Parfum) ist ein beliebtes Parfum von Editions de Parfums Frédéric Malle für Damen und Herren und erschien im Jahr 2005. Der Duft ist blumig-grün. Haltbarkeit und Sillage sind überdurchschnittlich. Es wird von Estēe Lauder Companies vermarktet. Der Name bedeutet „sinnliche Blume, fleischliche Blume”.
Aussprache
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Duftrichtung

Blumig
Grün
Süß
Animalisch
Frisch

Duftpyramide

Kopfnote Kopfnote
EukalyptusEukalyptus BergamotteBergamotte MeloneMelone
Herznote Herznote
Jasmin AbsolueJasmin Absolue Ylang-YlangYlang-Ylang SalicylatSalicylat
Basisnote Basisnote
Tuberose AbsolueTuberose Absolue Orangenblüte AbsolueOrangenblüte Absolue weißer Moschusweißer Moschus KokosnussKokosnuss

Parfümeur

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Bewertungen
Duft
7.9536 Bewertungen
Haltbarkeit
8.6437 Bewertungen
Sillage
8.2432 Bewertungen
Flakon
7.6406 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
6.5165 Bewertungen
Eingetragen von DonVanVliet, letzte Aktualisierung am 31.03.2024.

Rezensionen

19 ausführliche Duftbeschreibungen
10
Haltbarkeit
10
Duft
Profumo

284 Rezensionen
Profumo
Profumo
Top Rezension 48  
Blühender Sinnesrausch!
Vor einigen Jahren gab man mir eine Probe von diesem Duft mit, als ich mir meinen ersten ‚Frédéric Malle’ geleistet habe: ‚Noir Epices’. Kaum hatte ich das Geschäft verlassen, sprühte ich etwas von dieser Probe auf und war augenblicklich schockiert wie begeistert – was für eine Tuberose! Unvorbereitete Geruchsrezeptoren trifft sie wie ein Faustschlag und man beginnt unweigerlich nach Atem zu ringen.
Etwas perplex schlenderte ich weiter, wohl wissend was für eine florale Streubombe ich da am Handgelenk trug. Dieses blieb dann auch so weit es irgend ging von meiner Nase entfernt, doch wie das so ist mit unvorhergesehenen Konfrontationen dieses Ausmaßes – nach einer Weile lugt man zwischen den Fingern hindurch ob sie noch da sind, und wenig später überwindet die Neugierde langsam den Schreck. Flüchtig wanderte mein olfaktorisch verheertes Handgelenk wie versehentlich an meiner Nase vorbei – und, oh Wunder!, so schlimm war es doch gar nicht.
Doch zu mehr als einer scheuen Annäherung reichte es zunächst nicht und die Probe verschwand im Giftschrank für faszinierende, aber untragbare Düfte.
Dort blieb sie, geriet aber keinesfalls in Vergessenheit, ganz im Gegenteil. Seit dieser überraschenden Begegnung bin ich vielmehr auf der Suche nach einem Tuberosen-Duft für mich – als Mann. Allerdings gestaltete sich diese Suche als recht hindernisreich, da der Duft der Tuberose wie kaum eine anderer für kurvenreiche, ja divenhafte Weiblichkeit steht – also eher Mae West als Audrey Hepburn.
Dennoch, das laute und üppige Organ dieser Blüte hatte es mir angetan, und ich testete Duft um Duft in der Hoffnung ihn noch finden zu können: meinen Tuberosen-Duft.
Mit ‚XPEC-Original’ dachte ich ihn gefunden zu haben, doch so wunderbar der Duft ist – ein originärer Tuberosen-Duft wie ich ihn zu finden gehofft habe ist er nicht. Ähnliches galt für ‚Vierges et Toreros’ von ‚Etat libre d´Orange’, und als ‚Histoires de Parfums’ ein Tuberosen-Trio herausbrachte, dachte ich erneut, die dritte im Bunde (genannt ‚L´Animale’) könnte es sein. Doch so schön auch dieser Duft war, mit all seinen Tabak- und Immortellen-Nuancen, so süß und klebrig war er auch – zu süß und klebrig.
Wieder nichts.
Irgendwie hatte ich es schon aufgegeben, bzw. dachte: na ja, irgendwann wird schon mal ein Parfumeur auf die Idee kommen einen richtig bombastischen Herren-Tuberosen-Duft zu kreieren – denn so wünschte ich ihn mir: Eine fanfarenartig auftrumpfende Tuberose inmitten, getragen von grünen, holzigen und ledrigen Noten, etwas Tabak vielleicht, aber von allem nicht zuviel, nur gerade soviel, dass das maskuline Potential des gewaltigen Blütenakkordes unterstützt wird.
Nun, meine Damen und Herren Parfumeure – ich warte!

Neulich aber kramte ich mal wieder in meinem Giftschränkchen (das in Wahrheit eine Kiste ist ...) und probierte das eine oder andere, einfach um zu schauen, ob sich meine Einstellung zu diesem oder jenem vielleicht geändert haben mag. Da hatte ich dann auch erneut ‚Carnal Flower’ in der Hand, sprühte mir etwas auf den Arm, und wissend was mich erwartete war da kein Schock mehr, sondern nur noch Begeisterung: Holy Moly, was für ein Duft!
Warum diese jahrelange Suche nach einem Tuberosen-Duft für mich, wenn ich ihn doch schon längst gefunden hatte?
Restzweifel blieben: Kann ich ihn wirklich tragen, als Mann? Nicht als Mae West-Transe, sondern einfach nur als Mann – geht das?
Ja, es geht.
Denn was ich vorher nie entdeckt hatte, da ich mich nicht eindringlich genug mit dem Duft beschäftigt hatte, bzw. ihn als zu feminin verwarf, war, dass er Akzente und Facetten aufwies, die ihn durchaus für einen Mann tragbar machten: grüne und indolische Nuancen um genauer zu sein. Denn eines ist ‚Carnal Flower’ bei aller blumigen Opulenz, ja Gewalt nicht: über die Maßen süß. Der Duft hat zwar Süße, allerdings nur die der Blüte innewohnende, natürliche Süße. Kein Honig, Vanille oder Amber stützen und intensivieren diese Süße, wie das bei den meisten Tuberosen-Düften der Fall ist. Nein, alles scheint der Blüte zu entspringen. Ebenso wie die in der Pyramide angegebene Kokosnuss, oder die Melone – man erkennt sie nicht, zumindest nicht als isolierte, dem Duft der Tuberose beigegebene Note. Stattdessen scheinen auch sie dem natürlichen Duftspektrum der Tuberose anzugehören.
Angeblich hat Dominique Ropion 18 Monaten gebraucht um dieses Spektrum aufzufächern, einzelne Facetten herauszuarbeiten, zu stützen und wieder zu einem Duft zusammenzufügen. So entwickelte er einen Duft, der ganz und gar Tuberose ist, und dennoch voller Nuancen.
Verschwiegen sei allerdings nicht, dass er auch die weniger wohlriechenden Anteile durchaus nicht unterschlug (mit etwas Jasmin und Orangenblüte sogar noch unterstrich!).
Und so gibt es während des Duftverlaufes Phasen, die einen wirklich toleranten Träger bedürfen. Phasen, die ziemlich indolisch, oder anders gesagt: pissig, ja vergammelnd daherkommen. Das klingt ziemlich unschön – ist es auch. Aber es gehört dazu und macht gewissermaßen den unerhörten erotischen Reiz dieses Duftes aus. Hier, nach strahlend erblühendem Beginn, ist er wirklich ‚carnal’, also laut allseits bekanntem Dictionary: fleischlich, geschlechtlich, körperlich, sexuell, sinnlich. Und das nicht zu knapp! Man kann es aber auch dreckig, pissig und ungewaschen nennen – je nach Lust und Laune (gehört es doch häufig ohnehin zusammen ...).
So ist ‚Carnal Flower’, nach furiosem Start, zu einer veritablen Zumutung geworden, einer, an der die meisten potentiellen Träger und Trägerinnen vermutlich scheitern werden. Aber genau deswegen finde ich den Duft so grandios: Er ist absolut kompromisslos, laut und verstörend, dreckig und unverschämt sinnlich. Viele Nasen mögen nun in olfaktorischer Ohnmacht danieder sinken – ich kann gar nicht genug davon bekommen.
Später, gegen Ende des unglaublich lang anhaltenden Duftverlaufes, wird diese die Sinne in jeder Hinsicht herausfordernde Seite des Duftes dann auch noch von einem ordentlichen Schuss ungezähmtem Moschus bis in die entlegenen Winkel des Fonds weiter getragen, sodass auch hier – zu guter Letzt – keine Entwarnung gegeben werden kann.
Ja, ‚Carnal Flower’ ist anstrengend – und wie! Kein Duft zum Relaxen und träumerischen Dahindümpeln. Nein, ein Duft, der wache Sinne verlangt und einen durchgedrückten Rücken.
Aufrichtig und mit Stolz sollte man ihn tragen, zu Anlässen, die gut einen charaktervollen Begleiter vertragen.

Bei aller Schwärmerei ist mir aber durchaus bewusst, dass ‚Carnal Flower’ nicht allein an den Träger außerordentliche Anforderungen stellt, sondern auch an dessen Umwelt. Etwas zuviel aufgetragen, und die Mitmenschen werden sich naserümpfend abwenden und zum Fenster eilen. Eine kleine Dosis jedoch, zwei knappe Sprühstöße auf die Halspartie unterhalb der Ohren, und man wird es immer wieder erleben, wie Freunde, Kollegen oder Angehörige einem näher kommen um schnuppern zu wollen. Ein Spritz zuviel, und genau das Gegenteil tritt ein – faszinierend!
Bedenkt man, dass ‚Carnal-Flower’ einen 25%igen Parfumöl-Anteil aufweist, wird einem klar, dass es sich im Grunde um ein reguläres Parfum handelt, das dementsprechend auch dosiert werden sollte – sprich: eigentlich getupft. Da es sich aber um ein Spray handelt, sollte man den Sprühkopf also besser nicht vollends durchdrücken, sondern nur leicht antippen, denn wie gesagt: ‚Carnal Flower’ ist alles andere als ein schüchterner Zeitgenosse, der, wenn man nicht aufpasst, leicht zu exaltiertem Geschrei neigt.
In Zaum und Zügel gehalten aber vollbringt er wahre Duft-Wunder.

Möglich, dass ich eines Tages noch meinen maskulinen Tuberosen-Duft finden werde. Bis dahin aber wird ‚Carnal Flower’ nicht nur ein würdiger Ersatz sein – sondern wird neben welchem Tubersoen-Duft auch immer glorreich bestehen können.
Denn er ist DIE Tuberose schlechthin - durch und durch, und ohne sich um Männlein oder Weiblein zu scheren.
Tuberose um der Tuberose willen – sonst nichts, oder fast nichts.
Und das ist trotzdem verdammt viel!
15 Antworten
8
Flakon
9
Sillage
8
Haltbarkeit
8.5
Duft
Jazzbob

119 Rezensionen
Jazzbob
Jazzbob
Top Rezension 37  
"Mastering the Tuberose is not a task for the young and the unexperienced. It is a bit like writing poetry about love. Making something new on this theme isn't easy." – Dominique Ropion
Laut dem Parfumeur sollten in Carnal Flower alle Eigenschaften von Tuberose – betörend-floral, medizinisch-grün, animalisch-cremig – herausgearbeitet und durch die anderen Noten unterstützt werden. Angeblich benötigte es 18 Monate Arbeit und 690 Versuche, um zum Endergebnis zu gelangen. Und Jenes hat mich durchaus beeindruckt.

Wenngleich ich beim ersten Test nicht gedacht habe, dass der Duft vollkommen neu wirkt, empfand ich diese sehr pflanzliche Seite der Tuberose (und für mich auch des Jasmins) von Anfang an als besonders hochwertig. Seinem Schöpfer ist es gelungen, beispielsweise den Eukalyptus nicht plakativ als kühlend-frisches Element hinzuzufügen, sondern um die hellen und grünen Facetten zu betonen. Eine enge Symbiose gehen hier also alle Bestandteile ein. Das Gesamtwerk hat schon eine sinnlich-florale Qualität, wie sie sonst nur bei echten Blüten wahrnehmbar ist. Kokosnuss ist nicht vordergründig zu entdecken, aber eine leichte Cremigkeit, die mich etwas an Sonnenlotion erinnert und mit der Zeit stärker hervortritt. Das Pflanzlich-Grüne bleibt dabei jedoch erhalten.

Diese Natürlichkeit und die strahlende und zunächst saubere Wirkung des Duftes sind durchaus heimtückisch, weil die Intensität der Weißblüher etwas Narkotisierendes mit sich bringt. Es ist diese winzige indolische Nuance, die den Unterschied macht. Obwohl die Süße moderat ausfällt und keine wirklich schwere beziehungsweise dunkle Note eingesetzt wird, hinterlässt Carnal Flower eine enorm intensive Aura, sodass die Dosis hier extrem wichtig ist. Zwei Sprüher (aus der kleine Probe) waren für mich das Maximum und unmittelbar nach dem Auftragen habe ich sie sogar unterschätzt, weil es eine Weile dauert, ehe sich der Duft vollends entfaltet. Alles darüber hinaus kann nicht nur für die Umgebung, sondern auch für die/den Träger(in) selbst anstrengend werden.

Dominique Ropion hat keine typischen Basis-Noten als Kontrast hinzugefügt und dennoch ein komplexes, starkes Parfum kreiert, dass wohl für Viele inzwischen als die Referenz für Tuberose gelten dürfte. Es ist absolut stereotyp feminin, aber natürlich auch von jedem Mann tragbar, der hell-florale Düfte liebt. Nur werden sich nicht allzu viele Anlässe finden, um Carnal Flower aufzusprühen – außer, man ist sehr selbstbewusst und will ein echtes Statement setzen.
8 Antworten
7
Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
5
Duft
Leimbacher

2762 Rezensionen
Leimbacher
Leimbacher
Top Rezension 29  
Liebesgrüsse aus Frosttau
Ein schon oft gespieltes Gedankenspiel: sähe es nicht toll aus, wenn in der Vitrine nur Düfte einer einzigen Marke stehen würden. Einheitlich von Look & Duft-DNA, übersichtlich, cool, in seinem Stil klar, selbstbewusst, konzentriert. Aber welche Marke würde ich nehmen? Montale oder Bond No. 9 bieten Quantität, Tom Ford einen guten Mix, Creed viele Freshys & Amouage Opulenz. Ich würde mich aber für Frederic Malle entscheiden: ganz einfach, weil keine andere Firma das Parfum als Kunst so sehr in den Vordergrund stellt. Und als Parfumfreak, sieht man nach Jahren Düfte ebenfalls als Kunstwerke, als Erinnerungskristalle, eher Arthouse als Mainstream (ähnlich wie bei Filmen) & als Olfaktorisierung der Seele. Mit FM wäre ich breit aufgestellt & mir ständen ein paar der größten Kunstwerke & Meisterwerke seit der Jahrtausendwende zur Verfügung, von Musc Ravageur bis Bigarade Concentree. Das aber nur als Gedankenspiel.

Wie komme ich darauf? Easy: weil Carnal Flower pure Kunst ist, ein Tuberosen-Meisterwerk & mit Fracas der beste Duft dieses Subgenres. Ein Soliflor von atemberaubender Schönheit, der fast alle Facetten dieser Blume zeigt & noch hinter deren Horizont schaut. Grün, zu Beginn extrem heftig, aber auch mit minimaler Kokosnuss-Süße, fleischiger Melone & schweißig-erotischer Ausstrahlung. Wie Guerlains Terracotta für Erwachsene. So over the top, schon für Frauen, dass er dann fast schon wieder von Männern getragen werden kann. Ein einzigartiger Duft. Und ich hasse ihn. Ja, richtig gelesen: hasse ihn! Hassen benutzt man heutzutage zu oft, aber ich kann dieses Meisterwerk nicht ab oder auf Dauer selbst tragen. Das zeigt mir, dass ich Tuberose fast vergessen kann - wenn mich sogar eine Art Göttin dieser Richtung nicht überzeugen kann. Höchsten Respekt an das Kunstwerk, die Machart, den Schweiß & die Tränen - aber für mich ist der nichts. Wie Aliens Großmutter oder ein Schlüpper in der Luxus-Blumenhandlung. Ropion steckt hier sein massives Talent rein, jeder Parfumo muss den Hut ziehen nach einem ausgiebigen Test, manch einer verliebt sich sogar - aber mir wird schwindelig, übel & ich werde auch was sauer über mich selbst. Vielleicht bin ich einfach noch nicht reif. Wie wenn man mit 15 Kubricks "2001: A Space Odyssee" guckt & er einem weit über den Kopf schießt. Nur dass ich eigentlich dachte, dass ich aus der olfaktorischen Pubertät raus wäre... In Sachen Feigen, Jasmin & Tuberose aber anscheinend noch nicht.

Flakon: konzentriert auf den Inhalt - Kunst halt
Haltbarkeit: Diamonds Are Forever - 11 Stunden.
Sillage: etagenfüllend - ohwe!

Fazit: DIE Tuberose der Neuzeit - nur schlecht wenn man dagegen olfaktorisch allergisch ist wie ich. Aber wenn mich mit der Zeit ein Duft für die gute alte Tuberose Unterhose begeistern kann, dann dieses Kunstwerk...
9 Antworten
8
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
8.5
Duft
Meggi

1019 Rezensionen
Meggi
Meggi
Top Rezension 25  
Die Würde bewahrt
Ein Schwall Grün eröffnet: frisch, grasig, strauchig. Schnell denke ich gar an das Blattgrün der Schwarzen Johannisbeere mit seinen Benzin-Ambitionen. Die Tuberose begnügt sich zunächst mit der zweiten Reihe. Doch binnen Minuten übernimmt die Blüterei die Hauptrolle und zeigt eine nahezu medizinische Seite; der gesamte Rachenraum wird bepelzt und fühlt sich an, als wolle er nach dem Setzen der lokalen Betäubung durch den Zahnarzt nun allmählich ertauben.

Und trotzdem ist der Duft absolut tragbar – in angemessener Dosierung. Bei mir waren es anderthalb Sprüher mit etwas Sicherheitsabstand und lieber bloß auf die Hand, und damit habe ich meinen (zugegebenermaßen eher duft-phlegmatischen) Kollegen im Büro offenbar nicht wehgetan – entgegen meinen eigenen Erwartungen. In der Tat präsentiert sich Carnal Flower mir schon nach einer guten Stunde vergleichsweise(!) ruhig und cremig. Die ergänzenden Duftnoten-Angaben lassen sich zumeist gut nachvollziehen, obwohl ich die wenigsten davon selbst erkannt hätte.

Eine winzige, kaum bemerkbare Spur Süße mildert im Laufe des Vormittags. Die Tuberose setzt auf Aromen-Vielfalt statt auf Lautstärke. Sie hat sich mittlerweile ins Glied eingereiht und cremt einträchtig gemeinsam mit dem Moschus. Von der Art her könnte das in seiner geradlinig-seriösen Cremigkeit und insbesondere wegen der verantwortungsbewusst-einend agierenden Tuberose sozusagen ein Damen-Pendant (keineswegs Zwilling!) zu Barutis Voyance sein. Denn erfreulicherweise findet die relative tuberosale Zurückhaltung ihren Ausdruck nicht in jener seltsamen Larifari-Bonbon-Richtung, die gelegentlich die charaktervolle Stinkerin zwar unleugbar zähmt, sie allerdings zugleich ihrer… na ja, „Eier“ passt jetzt nicht recht, sagen wir: jeglicher Würde und Grandezza beraubt. Das ist hier besser gelungen - wunderbar stilvolle, cremig-wächserne Floralität. Wie sie halt rein vom Auftritt her auch den Baruti auszeichnet.

Apropos Eier: Da geht plötzlich noch was - metaphorisch, versteht sich. Am Nachmittag entwickelt die Dame eine verblüffend animalische Anmutung, vor allem direkt auf der Haut, angeriechts derer ich für den behutsamen Auftrag am Morgen rückblickend sehr dankbar bin. Die Begleiter legen an Strenge zu, die ohnehin nur angedeutete Süße weicht. Überdies bilde ich mir einen irgendwie näher am Holz befindlichen Aspekt ein. Es bleibt jedenfalls selbstbewusst! Meine Lieblings-Kollegin, erklärte und anspruchsvolle Tuberosen-Liebhaberin, war außerordentlich angetan. Das will was heißen.

Ich sehe Carnal Flower im Habitus nahe an Une Fleur de Cassie aus demselben Hause, wohl kaum zufälligerweise ebenfalls aus der Hand Dominique Ropions. Zwar darf ich wahrlich nicht als Experte für altehrwürdige Damendüfte gelten und bitte die Leute mit mehr Erfahrung ggf. um Widerspruch - aber mir scheint, dass Herr Ropion womöglich ein Händchen dafür hat, üppige Floralität alter Schule ins Heute zu transponieren. Und so empfinde ich beide Kreationen als wuchtig-floral einerseits und doch transparent-modern andererseits.

Ich bedanke mich bei MisterE für die Probe.
16 Antworten
Medusa00

802 Rezensionen
Medusa00
Medusa00
25  
Sumpfgase!Oder der große Blubb!
Der reinste Tuberosenduft? Ein Soliflor? Wenn es nur das wäre, dann wär´s halb so schlimm, denn in einigen Düften mag ich Tuberosen sogar und ihre üppige und süße Schwülstigkeit. Doch dieser Carnal Flower setzt auf meiner Haut eine chemische Reaktion in Gang, von der mir übel wurde. Dabei habe ich die ganze Zeit darüber nachgedacht:"Woran erinnert dich dieser Gesta... äh komische Geruch?"

Sumpfgase!In der Natur entsteht Faulgas vor allem in Sümpfen und anderen stehenden Gewässern unter Sauerstoffabschluss, da für die anaeroben Methanbildner (Archaeen) Sauerstoff ein tödliches Gift ist. Aufgrund dieser Entstehung wird es auch Sumpfgas genannt.

Faulgas wird jedoch nicht nur in Gewässern, sondern auch im Darm von Menschen und Tieren und im Pansen von Wiederkäuern (prominentes Beispiel sind Rinder) von Archaeen erzeugt, wo sie neben der Methanproduktion bei der Verdauung der Nahrung eine wichtige Rolle spielen. Wenn Topfpflanzen ständig im Wasser stehen, kann es ebenfalls zu Faulgasbildung kommen.
Blubb!

Wir haben hier in der näheren Umgebung viele Feuchtgebiete (bitte nicht an das versaute Buch denken), also Sümpfe, Weiher und Tümpel. Ein Paradies für Vögel, Salamander, Molche und Biber. Besonders an heißen Sommertagen riecht es dort wie Carnal Flower. Blubb, blubb!
Grün faulig! Und sorry o.g. Pyramide erschließt sich mir mit keiner ihrer Bestandteile.
Carnal Flower riecht für mich wie ein Biotop mit Entengrütze, an dessen Tümpeln verwelkte Wasserlilien stehen. Auf dem Grund des benachbarten Sumpfes liegt ein prähistorischer Riesenmolch und hat seit tausend Jahren Blähungen. Das sind die dicken Gasblasen, welche nach oben steigen und diesen schmierig, ölig, grünen Gest.. äh Geruch verbreiten.
Na, vielleicht bin ich auch von einem anderen Stern.
17 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

93 kurze Meinungen zum Parfum
VerbenaVerbena vor 3 Jahren
8
Flakon
9
Sillage
9
Haltbarkeit
9
Duft
Die Göttin thront. Mit offenen Schenkeln. Perlmuttglanz und Moschusdunst. Feucht wabernde Blütenorgie. Schwüle Seufzer. Sie will Fleisch.
28 Antworten
MarieposaMarieposa vor 3 Monaten
9
Sillage
8
Haltbarkeit
8
Duft
Kampferglitzern
meiner Tropenträume in grüner Seide
Eiskristalle auf warmem Fleisch
weiße Blüten feucht von Tau
und erhitzten Seufzern
49 Antworten
SchatzSucherSchatzSucher vor 3 Jahren
8
Sillage
9
Haltbarkeit
8.5
Duft
Daß mir mal ein Malle gefällt... Blumig-grün, wie ich es mag. Weißblüher en Masse, ein wenig schwül, aber mit kühlen Noten abgemildert.
19 Antworten
ElAttarineElAttarine vor 2 Monaten
8
Sillage
9
Haltbarkeit
8
Duft
Grünkühle Glitzeraugen tief in
weißen Blüten rufen… Komm zu mir! Ich kenne Dein Geheimnis weiß Dein Herz ist krank ... ich küsse Dich gesund
41 Antworten
GoldGold vor 3 Jahren
5
Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
8.5
Duft
Noch nie einen schöneren Tuberose-Jasmin-Duft gerochen. Meisterlich komponiert. Du spürst die Blumen körperlich.
15 Antworten
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