Die französische Parfümeurin Olivia Giacobetti besitzt ein so wunderbares Talent: Sie schafft es, mir Noten näherzubringen, bei denen ich gewöhnlich Reißaus nehme. Ihre Handwerkskunst ist geprägt durch besonders fein miteinander verwobene Duftnoten. Nichts sticht unangenehm heraus. Ihre Werke sind stets in sich wunderbar rund. Ein weiteres, typisches Merkmal für Giacobettis Düfte ist die Zurückhaltung. Giacobetti kreiert fast immer Parfums mit einem gewissen Understatement. Ihre Düfte können aufgrund der großen Klasse, die sie haben, auf immense Duftfahnen auch verzichten. Sie fallen durch ihre subtile Schönheit auf, nicht durch ihr Volumen. Körpernah, aber dabei zauberhaft. Das ist Giacobetti. Und dafür liebe ich sie!
Mit Black, dem zweiten Duft, den sie für das Pariser Hotel Costes kreiert hat, konnte ich kürzlich wieder ihre Handwerkskunst genießen. Hier haben wir erneut einen Rosenduft und mit Rosen im Parfum habe ich es ja bekanntlich nicht so sehr. Und genau hier macht Frau Giacobetti eben den Unterschied. Denn auch mein heißgeliebter, ebenfalls von ihr geschaffener L’Ether, rankt sich um die Rose. Während sie bei L’Ether von Rauchschwaden umgeben ist, haben wir hier eine Rose im herbstlichen, ja, fast schon weihnachtlichen Gewand. Im Zusammenspiel mit Benzoe, Zimt, Guajak und der Rosengeranie ergibt sich ein Duftbild, das an L’Occitanes Eau de Baux erinnert. Eau de Baux finde ich zweifellos sehr schön, ich mag ihn allerdings selber nicht so gerne tragen. Bei Black ist das anders. Dieser fühlt sich an mir unmittelbar sehr harmonisch an. Und das trotz Zimt. Eine Note, mit der ich persönlich im Parfum oft noch viel größere Schwierigkeiten habe als mit der Rose.
Wie von der Meisterin des Understatement gewohnt, ist dieser Duft relativ zart und bleibt eher körpernah, während Eau de Baux zu den Parfums mit kräftiger Sillage zählt. Und da bevorzuge ich eindeutig die leise Variante. Halten tut er allerdings den ganzen Tag. Die schwache Haltbarkeit, die ihm einige hier attestiert haben, kann ich so nicht bestätigen. Es ist einfach die Sorte Duft, bei der man dem Träger schon etwas näher kommen muss, um ihn wahrzunehmen. Aber der Duft ist definitiv da.
Ich habe hin- und her überlegt, ob ich mir diesen Duft sogar kaufen soll, auch wenn er mit dem Zimt so überhaupt nicht meinem Beuteschema entspricht. Leider stört sich mein Mann auch etwas an der doch recht dominanten Rose, weshalb es am Ende wohl doch nicht ganz für einen Kauf reicht. Ich bin einfach eher die Fraktion Weihrauch statt Blüten.
Dennoch würde ich Costes II Black nicht nur Rosenliebhabern ans Herz legen. Er verzaubert auch dann, wenn man Rosen, so wie ich, im Parfum nicht allzu viel abgewinnen kann.
Ich habe diesen Duft als wunderbare Beigabe bekommen. Morgen werde ich ihn tragen. Ich habe ihn mir bereits hingestellt und jetzt bin ich an deinem Kommentar hängen geblieben. Jetzt freue ich mich noch mehr darauf, ihn morgen zu probieren. Schön geschrieben und sehr informativ für mich! Dankeschön!
Dein Kommentar trifft ins Schwarze.
Ich liebe Rosenparfums und der hier ist etwas ganz Besonderes. Bei ihm wurde auf die übliche Basis verzichtet und lediglich nur Guajakholz vorwendet.
Alle Ingredienzien sind dadurch warm und weich ausbalanciert. Manchmal ist das einfache das Beste.
Lieben Dank, liebe Pollita für den Tester.
Klingt wirklich merklistenfähig. Deine Charakterisierung von Giacobettis Düften trifft es aus meiner Sicht sehr gut. Mit Zimt habe ich es auch nicht sooo sehr, aber Rose ... finde ich meist sehr anheimelnd, wenn's gut gemacht ist.
Sehr interessant zu lesen! Für Rosen bin ich immer zu haben und Eau des Baux mag ich auch, Zimt allerdings weniger - klingt sehr spannend und könnte mir durchaus gefallen.
Das hast du schön geschrieben. Ich bewundere Parfümeure, die ihre Ingredenzien fein und raffiniert zu einem
Gesamtkunstwerk verweben können.
Ich finde Rosen auch schwierig, mag sie mit Gewürz drumherum am liebsten. Gerne auch Zimt. Zuviel Understatement ist jedoch nichts für mich, ein kleines "Wölckchen" muss sein.
Von Frau Giacobetti hatte ich noch keinen Duft unter der Nase, zumindest nicht bewusst. Nach deinem Kommentar sollte ich das schleunigst ändern, denn Black könnte mir, so wie du ihn beschreibst, sehr gefallen.
Wie immer toll geschildert und auch kurz „angefixt“ - allerdings beim Eaux de Baux- Vergleich legt sich das eher wieder bei mir. Der hat mir persönlich zu viel Tonka-Übergewicht. Nixdestotrotz natürlich ein schöner Rosen-Pokal für dich!
Spitzenkommentar !! Bei Zimt spitz ich ja gleich mal die Ohren , ob mir die Kombi mit Rose aber auch zusagen würd ist doch eher fraglich .. allerdings werd ich mir die Dame merken - fein verwobene Dufthandwerkskunst schätze ich auch sehr :)
Ja, genau dafür schätze ich Frau Giacobetti auch.
Ich versuche mir eben vorzustellen wie andere ungeliebte Duftrichtungen in dezent und harmonisch verblendet riechen würden.
Ein schöner und sehr exakt beschreibender Kommentar von dir. Da ich mir mit Rose in Düften auch oft schwer tue, hört sich dieser hier sehr ausgewogen und wenig aufdringlich an.
Volle Zustimmung zur Handschrift von Frau Giacobetti. Ich mag ihre Kreationen auch sehr gern. Dieser Duft würde mich wohl auch ansprechen. Tolle und ansprechende Beschreibung wieder einmal von dir.
Du hast den Arbeitsstil von Giacobetti perfekt charakterisiert. Aufgrund ihres Mitwirkens, meiner Affinität zu Rosendüften und deiner gut nachvollziehbaren, feinen Duftbeschreibung landet der auf meiner Merkliste.
Meisterin des Understatement trifft es sehr schön. Auch wenn Frau Giacobetti auch ganz schön frech sein kann. Dzing! und Elixir sind nicht mehr ganz so brav und können den einen oder anderen irritierten Blick provozieren. Würde doch auch zu Polly passen :)
Da bekommst Du einen Extrapokal für! Nicht für die wie gewohnt tolle Beschreibung, oder die Informationen, oder das Bekenntnis, daß Monstersilagen nicht nötig sind, sondern vielmehr für die Rücksichtnahme Deinem Mann gegenüber!
Ich liebe Rosenparfums und der hier ist etwas ganz Besonderes. Bei ihm wurde auf die übliche Basis verzichtet und lediglich nur Guajakholz vorwendet.
Alle Ingredienzien sind dadurch warm und weich ausbalanciert. Manchmal ist das einfache das Beste.
Lieben Dank, liebe Pollita für den Tester.
Gesamtkunstwerk verweben können.
Ich finde Rosen auch schwierig, mag sie mit Gewürz drumherum am liebsten. Gerne auch Zimt. Zuviel Understatement ist jedoch nichts für mich, ein kleines "Wölckchen" muss sein.
Ich versuche mir eben vorzustellen wie andere ungeliebte Duftrichtungen in dezent und harmonisch verblendet riechen würden.
Feiner Kommentar, sehr gut beschrieben.