Joop! Homme 1989 Eau de Toilette

Joop! Homme (Eau de Toilette) von Joop!
Flakondesign Peter Schmidt, Lutz Herrmann
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6.9 / 10 2628 Bewertungen
Joop! Homme (Eau de Toilette) ist ein Parfum von Joop! für Herren und erschien im Jahr 1989. Der Duft ist süß-orientalisch. Haltbarkeit und Sillage sind überdurchschnittlich. Es wird von Coty vermarktet.
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Duftrichtung

Süß
Orientalisch
Synthetisch
Würzig
Fruchtig

Duftpyramide

Kopfnote Kopfnote
OrangenblüteOrangenblüte BergamotteBergamotte MandarineMandarine ZitroneZitrone
Herznote Herznote
HeliotropHeliotrop ZimtZimt MaiglöckchenMaiglöckchen JasminJasmin
Basisnote Basisnote
VanilleVanille TonkabohneTonkabohne SandelholzSandelholz PatchouliPatchouli

Parfümeur

Bewertungen
Duft
6.92628 Bewertungen
Haltbarkeit
8.72278 Bewertungen
Sillage
8.52260 Bewertungen
Flakon
6.52250 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
8.61268 Bewertungen
Eingetragen von DonVanVliet, letzte Aktualisierung am 11.04.2024.

Rezensionen

191 ausführliche Duftbeschreibungen
7
Preis
7
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
7
Duft
Ponticus

63 Rezensionen
Ponticus
Ponticus
Top Rezension 76  
Frauenabend – dicke Luft auf dem Weihnachtsmarkt
Der diesjährigen Weihnachtsmarkt wurde von unserer wartsab-Gruppe „Mädels- äh Frauenabend“ schon sehnsüchtig erwartet. Nach dem Coronafiasko der letzten beiden Jahre wollten wir es dieses Jahr richtig krachen lassen. Zu organisieren gab es nichts, alle hatten ihr Kommen zugesagt und so vereinbarten wir unser Treffen am ersten Glühweinstand gleich am Eingang des Marktes.

Der Weihnachtsmarkt, das Lichterfest der Sinne, Musik und Glöckchen klingen, Fahrgeschäfte, Krippenspiele, drängende Menschen, buntes flimmern, schreien, lachen. Ein Platz des Vergnügens und des Kommerzes, von Genuss, Rausch und Völlerei sowie von wunderbaren Düften. Wein und Rum gemischt mit orientalischen Gewürzen bei Glühwein, Grog und Eierpunsch, Vanille und Karamell aus der Weihnachtsbäckerei, dazu Schokolade, gebrannte Mandeln, glasierte Äpfel und schließlich die Grill-, Brat- und Rauchnoten an den vielen Bruzzelbuden um nur einige duftige Leckerlis zu nennen.

Frau Dipl.-Psych. Anna Lühse war die Letzte am Treffpunkt und wurde überschwenglich begrüßt. Sie liebt den großen Auftritt, denn sie fühlt sich, was die Liebe anbelangt, vom Leben etwas vernachlässigt. Zwar hübsch an inneren Werten wähnt sie sich dennoch auf der Resterampe der Liebe, wenig wertgeschätzt, zwar vom Leben noch nicht ganz vergessen, aber im Abseits stehengelassen. Als Kind der 80er Jahre ist sie dieser Zeit und der Mode verfallen und trug auch heute „Retrolook“ wie Dauerwelle, leichte Schulterpolster, Mom Jeans und eine Blazerjacke aus Leder! Schick wie sie war, umgab sie auch eine dichte Wolke eines Parfüms jener Jahre. Ihr müßt raten, rief sie mit einem gewinnenden Lachen und versicherte gleichzeitig, jeder würde es kennen!

Das kräftige, fruchtig-blumige Aroma nach Weingummi und Kirschlolli tief in der Nase, seufzte Augenoptkerin Klara Sicht laut und vernehmlich. Sie sei nun etwas beruhigt, denn sie hatte den Verdacht, ihr zweites Glas Glühwein sei verdorben, so süßlich und überzuckert es jetzt hier riecht. Der schwere Duft süß-blumiger Bonbons mischte sich schnell und intensiv mit zimtigen Vanille-, Mandel- und Honignoten, ohne daß der Stand der Weihnachtsbäckerei schon in Sicht war. Der süße Duft machte aber Appetit auf Schmalzgebäck und mahnte zum Aufbruch.

Hier sind wir richtig, rief Melody Vögele-Schmitz, jung gebliebene alt 68erin, Veganerin und heute ohne ihr Elektrofahrrad. Sie zeigte auf die vielen Blüten und Blumen der Schießbude und erinnerte an die blümeligen Akkorde der mitgezogenen Duftblase. Erwartungsgemäß waren jedoch alle Pflanzen aus Stoff oder Plaste, der Hunger aber groß und schießen wollte auch keiner, also zogen alle weiter.

Gleich am nächsten Stand stärkte man sich mit Waffeln, Fettkrapfen, Gebäck und Zuckerwatte. Nur Bärbel, Fleischereifachverkäuferin und Gspusi von Metzger Axthelm, hielt sich zurück und gemahnte an den kommenden Besuch der Grill- und Bratwurstbuden. Noch einen Jägertee zum Abschluss und auch wegen der Kälte und weiter ging es. Unsere mitgebrachte süß-würzige Duftaura begleitete uns weiterhin und schlug, gemeinsam mit den Fettkrapfen etwas auf den Magen.

Ein Höhepunkt des Rummelbesuches lag vor uns, die Geisterbahn. Mit leicht flauem Gefühl reihten wir uns hinter Anna Lühse und der ihr fest anhaftenden vanilligen, dunkelschweren und honigsüßen Wolke in die Wägelchen ein. Die Fahrt dauerte nicht lange, aber Gerippe, Leichen, Kadaver und Bösewichte säumten den Weg. Susi, unsere Apothekerin Frau Dr.Pille war hin und weg. Selten war eine Geisterbahnfahrt so authentisch, brach es aus ihr hervor, als hier gerade im Schlepp der dumpfen, erdig-würzigen, aufdringlich-zuckersüßen Duftwolke zwischen all den Geistern, Toten und Kreaturen. Susi kennt sich als Apothekerin aus mit Düften aus Grüften, dennoch fanden alle anderen, so schlimm war es dann doch nicht. Trotzdem lallte sie, dies müßt ihr doch zugeben, hat diese penetrante Honigsüße doch etwas provokant Perverses. Bevor alle versöhnlich, zustimmend nicken konnten, hatten Süße und Krapfen die Oberhand gewonnen und sie mußte sich Kopf voran erleichtern.

Darauf tranken alle einen Eierpunsch, nur die Susi nahm einen leichten Grog zur Stärkung. So im weiteren schlendern, gleich hinter den Losbuden, blieb Jackie, alias Jacques Gelee und unser aller Coiffeur, abrupt stehen und bekleckerte sich dabei total mit Punsch. Dem keine Beachtung schenkend, aber immer wieder „ich weiß es, ich weiß es“ rufen, zeigte er auf ein Werbebanner der Telekom. Magenta, es ist magenta das Parfüm oder auch pink und Joop steht drauf. Joop, ist das etwa der Wäschemodenfuzzi, fragte die Bärbel in die verdutzte Runde? Ja genau und von dem ist das Parfüm erwiderte Jackie. Ende der 90er Jahre hatte ich meine Veträge mit der Telekom für Laden und privat nicht ohne Probleme gekündigt. Ein paar Wochen später schenkte mir ein guter Kunde ein kleines Fläschchen mit rosa Parfüm. Es war Joop homme EdT. Nach dem ersten Sprühen gingen meine Umsätze für diesen Tag merklich zurück und ich bin bis heute der Meinung, das es sich um einen nachtragenden „Anschlag“ der Telekom handelte, ganz nach dem Motto „Rache ist süß“.

Der bekleckerte, aber gefeierte Jackie bestellte noch eine Runde Punsch, das Parfüm duftete mittlerweile recht erträglich mit einer süß-dunklen Würzorientalik und die Marktausflügler waren in versöhnlicher Stimmung. Die Meinung war einhellig, ein Duft der gegen einen ganzen Weihnachtsmarkt anstinken kann, kann nicht schlecht sein. Dennoch bleibt das Gefühl, es sind eher die nostalgische Erinnerungen, die Joop homme am Leben erhalten. Das wäre auf alle Fälle ein sehr guter Grund.

Viel Spass beim Besuch Eurer eigenen Adventsmärkte und eine schöne Zeit dabei!
68 Antworten
6
Flakon
10
Sillage
10
Haltbarkeit
8
Duft
Pollita

344 Rezensionen
Pollita
Pollita
Top Rezension 45  
Die kontaminierte Reithalle
Zum ersten Mal schnupperte ich Joop Homme im zarten Alter von 16 Jahren. Und ich fand den erstmal richtig gut. Der war süß, ok, aber in einer vernünftigen Dosis konnte der echt angenehm sein mit seinen vanillig-holzigen Tönen. Ein ebenso junges Kerlchen trug diesen Duft, ganz dezent dosiert und natürlich nur zum abendlichen Ausgehen. Gefiel mir (der Duft, der verschüchterte Junge irgendwann nicht mehr). Süß, kuschlig, anschmiegsam. Ein guter Duft aus dem Hause Joop halt, genauso wie Nuit d’Eté und Berlin, die ich damals so auf der Wunschliste hatte.

Lange Jahre lief ich bewusst keinem Träger dieses Dufts mehr über den Weg, bis ich – es muss 2003 oder 2004 gewesen sein – mit meinem damaligen Reitbeteiligungspferdchen in einen neuen Stall umziehen musste. Dort gab es einen Reitlehrer, der in Joop Homme badete. Solche olfaktorischen Kampfstoffe, die sich mir dort beim sportlichen Freizeitvergnügen offenbarten, waren mir bis dato unbekannt. Und das einer Studentin, die fünf Semester Chemie auf dem Buckel hat. Und glaubt mir, da riecht auch nicht alles nach Veilchen – von kräftiger Sillage mancher Kochexperimente im Labor ganz zu schweigen.

Gegen diese olfaktorischen Granaten kam jedoch nichts anderes an. Der Mann, ein älterer Herr, der schon die 60 überschritten hatte, betrat die Reithalle und innerhalb von Sekunden war diese kontaminiert. Normalerweise war ich es gewohnt, dass Reitlehrer es stets schafften, ihre Eleven zu Pferd mit bundeswehrhaft lautem Organ dazu zu bringen, sich zu konzentrieren. Bei Herrn P. hingegen gab es olfaktorische Dröhnungen. Und wir reden von einer Reithalle, 20 x 40 Meter. Da p* und k* Pferde rein, da riechts eigentlich nach Stall, nach Pferd und geraucht wurde obendrein damals in Reithallen auch noch und das nicht zu knapp. All diese Gerüche hatten gegen Joop Homme von Herrn P. keine Chance. Sogar dann, wenn er Unterricht auf dem Außenreitplatz gab, hatten wir noch das Bedürfnis, zu lüften. Erschlagen mit der Heliotropschleuder. Angebrüllt von Jasmin und Zimt, die permanent gegeneinander anstanken und insbesondere die Vanille war in diesem für die Nase stets anstrengendem Umfeld des Bauernhofs auch nicht die allerbeste Freundin. Tonka konnte auch nichts mehr retten und Patchouli versank im olfaktorischen Stall-Allerlei.

Das habe ich niemals verarbeitet! Wenn ich heute diesen Duft wahrnehme, will ich weglaufen. Weit, weit weg. Am besten im gestreckten Galopp. Hüa!
41 Antworten
7
Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
9
Duft
Tomek26

14 Rezensionen
Tomek26
Tomek26
Top Rezension 33  
Neu denken.
"Ausgelutscht, an Glanz verloren, kastriert, reformuliert, alt, von Massen benutzt, verhökert, von vielen Missbraucht, hier Pantydropper, da Clubduft, zu süß, zu pink, zu billig, von allem zu viel, dennoch schwach bzw. schwächer als vorher, ..."
Der Kanon der Kritik singt lang und laut.

Aber tragbar?

Schwer zu beantworten.

Man muss viel wegstecken, wenn man ihn tragen möchte. Einen Auszug aus dem Kanon der Kritik habe ich bereits aufgeschrieben. Die Liste ließe sich noch weiter ergänzen. Man muss die laute Kritik in Kauf nehmen; die Kritiker schweigen nicht.

Lohnt sich das?

Auch schwer zu beantworten.

Für viele ist der Duft totreformuliert. Ich kenne den Duft nicht aus der Zeit vor der Reformulierung, deshalb finde ich, so wie er ist,hervorragend. Ich liebe diese Komposition. Auch die Sillage und Haltbarkeit sind für mich super. M.E. lohnt sich das Tragen dieses Duftes, allerdings tue ich das meist nur für mich, auch wenn das in einem großen Widerspruch zur Lautstärke des Duftes steht.

Was tun?

Ich denke, dass der Schlüssel zum Tragen des Duftes darin liegt, ihn neu zu denken. Alte Images beiseite schieben, Vorurteile abbauen, Floskeln relativieren, ihm Stil verleihen, den Namen, der dahinter steckt, kurz vergessen, aufsprühen, riechen, neu entdecken und neu denken.

10 Antworten
10
Preis
8
Flakon
9
Sillage
9
Haltbarkeit
5.5
Duft
Axiomatic

99 Rezensionen
Axiomatic
Axiomatic
Top Rezension 44  
Jenseits des Violetts
Es geht um Vergangenes und dennoch Beständiges.
Violett ist es und polarisierend wie am ersten Tag.
Michel Almairac hat etwas in die Welt gesetzt, das ihn wahrscheinlich überleben wird. Magie? Okkultes Wissen?
Es wurde mit Erfolg gekrönt. Doch worauf basiert dieser?
Ich habe mich dem Fair Play verpflichtet und werde diese Auseinandersetzung, so weit es geht, ausgewogen zu halten versuchen. Dabei werde ich systematisch vorgehen und zunächst auf das Technische eingehen, das Erlebte wird dann anschließend folgen. Hoffentlich hat die Zeit die Wunden verheilen lassen.

1989. Das letzte Jahr der alten BRD. Bonn immer noch Hauptstadt. München und Hamburg kämpfen um die Vorherrschaft im weltgewandten Diskurs und haben einfaches Spiel gegen Westberlin. Eine leidenschaftliche Sehnsucht nach modischer Geltung auf internationaler Ebene kocht über und alle warten ungeduldig seit mindestens zwei Jahren auf das eine Signal.
Die Männer-Vogue erscheint, und da ist die seitengroße Werbung mit dem einzigen Wort und Ausrufezeichen.
„Endlich!“
Darunter ein schlichter Flakon in violett mit perfektem Sprühkopf von Peter Schmidt, dem bisherigen Jil Sander Flakon-Ausstatter, und Lutz Herrmann, Flakon-Designer und Jahre später tragende Säule bei Schwarzlose.
Es folgt ein hysterisches Aufsuchen der Parfümerien mit Vertriebslizenz. Vor dem Tester steht man in der Schlange.

Der erste Sprüher.

Ich war gerade volljährig und nachsichtig.

Sollten sich etwa die klassischen Hesperiden hier entfalten, wie seit jeher? Nein, mein Schatz, vergiss Althergebrachtes. Süß und geltungssüchtig wird er eröffnen, der Homme.
Die Zitrik wird sogleich von Heliotrop und Mengen an Jasmin begleitet, keine Zeit für ein zeitraubendes Vorspiel.
Den Übergang zur Herznote hat man sich gespart.
Blumig und süß posaunt der Hauptakt in der Nase.
Überhaupt hat man es eilig hier, Vanille und Zimt gesellen sich schnell dazu und schaffen eine, mit Verlaub, Boudoir-Stimmung.
Auf Pflaume und Tuberose hat man wegen der Urheberrechte verzichtet, sonst hätte man eine Version von Poison Eau de Toilette an den Mann gebracht.
Das Farnesol überdreht den Maiglöckchen-Eindruck aufs Äußerste und beschert dem Duft das charakteristische metallisch Helle im gesamten Verlauf.
Was sich in der mittleren Phase einem bietet, ist das hedonistische Zusammenspiel brachialer Konzentrationen.
Das Narkotisierende des Heliotrops überdeckt geschickt das Animalische des Jasmins, welches aber beständig dagegen pocht.

Und ja, es gibt auch so etwas wie eine Basis hier. Beim näheren Schnuppern erdet Patchouli wie eh und je, Sandelholz und Tonka gleiten cremig darüber. Aber keine Sorge, der Duft läßt das Fundament schön versteckt bis zum Verabschieden.
Eine gegliederte Duftentwicklung sucht man hier vergebens. Nach den ersten paar Minuten schaltet die Komposition auf Dauerschleife ohne Erwartungshorizont.
Ihr wolltet ein Signal? Hier ist es in reinster Form!
Ihr werdet stundenlang mit dem Hauptakkord beglückt!

Bezüglich Haltbarkeit gibt es keine Überraschungen. Eine Bahnfahrt im Regionalexpress von Hamburg nach München wird mit Bravour bestanden.
Die Sillage hätte beide Städte verbinden können, von München aus schafft man es aber leider nur bis Hannover, so ausgetüftelt war die Technik noch nicht.

Dieser neo / synthi / proto / steroid Orientale wird, so lange er auf Erden verweilen darf, kein annähernd ähnliches Pendant haben. Das Alleinstellungsmerkmal wird ihm so schnell keiner streitig machen. Das Schicksal eines Dorian Gray.

Und nun zur empirischen Feldforschung.

Zwei Abende, zwei soziale Aggregate.

In der erfolgversprechenden Gleichung lerne ich y über x kennen. Die Kurvenmaximierung wird durch den Standesfaktor erreicht, eine Präposition ist seinem Namen vorangestellt.
Einschränkende Bedingung: sollten Fragen an mich gestellt, werden diese für mich beantwortet. Ich habe meinen Mund zu halten.
Dunkelblauer Blazer, weißes Hemd, schrittbetonte Jeans. Alles trägt ein Ausrufezeichen. Lediglich die Lederschuhe in Bordeaux sind von Antica Cuoieria.

Während der Fahrt darf ich nicht das Fenster öffnen, Homme soll meine Lungen betäuben. Geduldig wärmen sich die anderen zu „Love is“ von Alannah Myles auf.
Der Parkplatz gleicht einem Stuttgarter Sportwagen-Händler.
Diskreter Einlass, prächtige Ausstattung mit Blick auf den Park.
Die Tanzfläche wird von etlichen Bildschirmen flankiert. Alles sehr elegant dunkel gehalten.
Violett eingenebelt üben sich die oberen Etagen der Deutschland AG in verhaltene Laufsteg-Bewegungen. „Deep in Vogue“ von Malcom McLaren and the Bootzilla Orchestra erfüllt medial den Raum, von den Lautsprechern wie auch als Video auf den Bildschirmen.
Kurze Verschnaufpause. Obwohl Jean Paul Gaultier erst viele Jahre später eine Make Up Linie für Männer auf den Markt bringen wird, scheinen an diesem Abend mutige Vorreiter Stil zu wahren. Nach etwas Nachbessern und auffrischendem Pudern der Wangen und besonders der Nasenpartie, kehren sie aufgeheitert rechtzeitig auf die Tanzfläche zurück.
Die heutige Hymne läuft bereits in extra long Version. „French Kiss“ von Lil Louis läßt Trennendes schmelzen. Im perfekt arrangierten Nebel fassen Hände, gleiten Körper, entrücken Blicke.
Heliotrop an Vanille schafft dank des Hedions die Botenstoffe gnädig zu stimmen.
Aber nicht bei mir.

Zweiter Abend.

Ehemalige Lagerhalle. Karge Wände, nette Waschräume, sympathische Bar.
Peer Group beschließt Gegenmaßnahme. Second Hand mit Ausrufezeichen. Jeder hält eine violette Pulle in der Hand. Unser Laufsteg wird flackernd mit Blitzgewitter inszeniert.
Clock DVA „Sound Mirror“.

Here the mirror of dreams and beauty
Here the looking glass of pride and ruined vanity

Dieses Mal schafft das ironische Maiglöckchen den Trick, wir lachen alle.
Anschließend tanzen wir uns den Frust aus der Seele.
Zu „Good Life“ von Inner City gibt es kein Halten mehr.
Detroit-Techno Klänge lassen Homme leuchten und menschliche Züge annehmen.

Am Ende verabschieden wir in ausgelassener Tanzstimmung die alte Republik und das narzisstische Jahrzehnt mit „The Only Way Is Up“ von Yazz.
Die typische Geste, das Strecken des Victory-Zeichens hoch in die Lüfte zum Refrain, werden wir uns als Erkennungszeichen bei Revivals erhalten.
Wir haben die violette Grenze überschritten.

Wolfgang!

Danke!

!

28 Antworten
10
Preis
8
Flakon
10
Sillage
10
Haltbarkeit
10
Duft
ParfumAholic

252 Rezensionen
ParfumAholic
ParfumAholic
Top Rezension 42  
Versuch der Ehren-Rettung eines Duft-Klassikers
Ist ein 52. Kommentar zu diesem Ausnahme-Duft namens "Joop! Homme" wirklich notwendig? Wahrscheinlich nicht, oder doch?

Muss in den 51 vorangegangenen Kommentaren nicht bereits alles erdenklich Mögliche über Joop! Homme gesagt / geschrieben worden sein? Wahrscheinlich ja, oder doch nicht?

Ich habe für mich beschlossen, die 51 Vorgänger-Kommentare jetzt einfach mal auszublenden und meine eigene Sicht der Dinge zum besten zu geben.

Eine Duftbeschreibung ist hier wirklich nicht mehr notwendig, da diese wahrscheinlich von jedem heruntergebetet werden kann, der diesen Duft jemals unter die Nase bekommen hat.

Worüber dann noch Worte verlieren? Über die Einmaligkeit und Missverständlichkeit dieses Parfums!

Die 80er Jahre waren meine Teenie-Zeit: Schulterpolster, Vanilla-Hosen, Adidas Turnschuhe (die weißen hohen), Lacoste-Polos und die damals Neue Deutsche Welle, Denver-Clan und Dalls haben mich u.a. durch meine Jugend begleitet.

Irgendwann kam dann die Lust auf Düfte dazu: Jil Sander (Feeling Man, Man III), Davidoff's Zino und eben besagter Joop! Homme waren angesagte Begleiter. Dadurch, dass meine Ma ebenfalls ein Faible für Parfums hatte und hat, war das Verständnis da, so dass ich bereits als Teenie in Düften schwelgen konnte.

Zu der Zeit war auch noch Joop! drin, wenn Joop! draufstand. Wolfgang Joop höchstpersönlich stand hinter allem, was unter seinem Namen reißenden Absatz fand.

Auf jeden Fall hat mich Joop! Homme zu der Zeit total begeistert! Über Duftbestandteile oder wie stark ein Duft ist, habe ich mir keine Gedanken gemacht. Es roch einfach sagenhaft lecker, ich fühlte mich pudelwohl damit und bekam Komplimente. Auf den Sprüher, fertig, los.....die 80er waren schließlich ein Jahrzehnt der Oppulenz!

Irgendwann kam dann die Zeit, als mir Joop! Homme in jeder Innenstadt, in jedem Kaufhaus, in jeder Lokalität und eigentlich überall als fieser Duft entgegen wehte. Die wirklich breite Masse hatte Joop! Homme für sich entdeckt und sprühte, was das Zeug hielt, missbrauchte ihn regelrecht. Der Preisverfall hat dann sein Übriges dazugetan.

So verlor ich für ca. 20 Jahre kpl. das Interesse an meinem einstigen "Duft-Star". Hin und wieder habe ich es mal wieder probiert - erfolglos. Die Flaschen sind regelmäßig in der Bucht gelandet und fanden dort auch reißenden Absatz.

Dadurch, dass ich Joop! Homme hier bei Parfumo in meiner Sammlung unter "Hatte ich" gelistet habe, bekomme ich auch immer eine Info, wenn ein neuer Kommi zum Duft eingestellt wurde. Ich habe mich eigentlich immer gewundert, wieviel Interesse dieses Parfum heute noch weckt.

Die Meinungen gehen weit auseinander. Eigentlich ein gutes Zeichen, denn wirklich tolle und gelungene Düfte polarisieren meiner Meinung nach. Joop! Homme polarisiert.

Ich bin mittlerweile zu der Überzeugung gekommen, dass viele diesen Duft einfach nicht so recht begreifen. Und vielleicht auch nicht das, was der Schöngeist Wolfgang Joop mit ihm zum Ausdruck bringen wollte. Nämlich einen oppulenten Duft für Männer zu schaffen, der die Eleganz und Unverwechselbarkeit eines jeden Menschen unterstreichen sollte. Ein Statement-Duft, der selbstbewusst und stilvoll getragen werden sollte.

Man(n) muss ihn zu handhaben wissen.

Bei Joop! Homme entscheidet einzig und allein die Menge der Sprühstöße über Sieg oder Niederlage:

Ein Zuviel lässt den Träger in eine bestimmte, fast schon unangenehme Richtung abdriften. Er (der Duft) wirkt dann billig, völlig überfordernd, nervig, mehr als raumgreifend, unangenehm und unästhetisch. Er (der Duft) verliert jeden Zauber, seine ganz eigene Strahlkraft und das überträgt sich dann leider auch auf den Träger.

Ein Zuwenig...gibt es bei Joop! Homme nicht! Denn ein paar Tröpfchen reichen völlig aus, um den Träger ein sattes, edles, reiches, ausbalanciertes, warmes und aussagekräftiges Dufterlebnis zu bescheren.
Trägt man dazu einen Anzug, schmälert es keinesfalls die Seriösität. Kombiniert man Joop! Homme hingegen mit Jeans (oder Freizeit-Kleidung allgemein, hier sind keine Sportsachen gemeint!), verändert sich auch die Duft-Aussage. Sie wird dann etwas frecher und kommt mit einem Augenzwinkern daher.

Aufgrund der äußerst heftigen Sillage ist hier also Vorsicht am Sprüher geboten! Zuviel des Guten und der Abend im Restaurant, Kino, Theater oder sonstwo, wo man nicht alleine ist, könnte ein Fiasko werden, weil dieser Duft dann seine Umwelt regelrecht nervt.

Ich habe zur Zeit nur noch eine Probe von Joop! Homme. Um der "Überdieselung" zu entgehen, sprühe ich quasi nur noch über meinem Kopf und laufe dann durch den Duft-Schleier. Klappt prima! Es bleibt gerade soviel hängen, dass man einen Hauch des Dufts wahrnimmt und trotzdem für den Rest des Tages bestens versorgt ist.

Ich glaube, die Zeit ist wieder reif für (m)einen Duft-Klassiker, eine kleine Flasche Joop! Homme ;-)
17 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

448 kurze Meinungen zum Parfum
PinseltownPinseltown vor 2 Jahren
7
Flakon
9
Sillage
9
Haltbarkeit
8.5
Duft
Joopi
Hast Lob & Häme erlangt für diesen Duft
Aber auch du bist ein Teil toller Parfumgeschichte
Lass dir mal danke sagen für
Sweet Memories
34 Antworten
Danny264Danny264 vor 7 Monaten
8
Sillage
9
Haltbarkeit
6.5
Duft
unangenehm
pink-Gummibär süß
mit etwas Synthetik
beginnst du, wirst dann
warm-orientalisch
zum alten Zeitgeist netter
69 Antworten
GoldGold vor 3 Jahren
6
Flakon
9
Sillage
9
Haltbarkeit
8
Duft
Wie der Haustürschüssel, der sich nach einem langen Tag im Schloss dreht: endlich daheim, ruhig, vertraut, verlässlich. German classic!
20 Antworten
Eggi37Eggi37 vor 2 Jahren
7
Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
7
Duft
Als Teenager habe ich den Duft gefeiert
Zuckersüßer Frauenmagnet
Heute würde ich damit nur Wespen anziehen
Das damalige BR540
ClubbingBeast
24 Antworten
SalvaSalva vor 2 Jahren
7
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
8
Duft
Mein erster Duft überhaupt!
Hach, Erinnerungen…
Pinker Verführer mit
Heliotrop-Vanille-Tonka
Damaliger pantydropper ;)
Immer noch gut!
22 Antworten
Weitere Statements

Diagramm

So ordnet die Community den Duft ein.
Torten Radar

Diskussionen zu Joop! Homme (Eau de Toilette)

Sniffler in Herren-Parfum
Hi,mal ne Frage.Habe mir 2 Vintage Joop Hommes gekauft. Einer aus dem Souk, einer von Ebay.Beides mit der Kornblume drauf, also erste Version.Beide...
Hab vor kurzem hier nen Vintage Joop Homme gekauft.30ml, quasi voll, es fehlen nur 0,5 bis max 1ml.Zweite Variante ohne Kornblumbe, aber Inhalt...
Stefan1307 in Herren-Parfum
Adan:Wenn ich "Original Santal" von Creed benutze, rieche ich nach einer halben Stunde NICHTS...
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