R'oud Elements 2012

R'oud Elements von Kerosene
Flakondesign John Pegg
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7.3 / 10 102 Bewertungen
Ein Parfum von Kerosene für Herren, erschienen im Jahr 2012. Der Duft ist holzig-würzig. Die Haltbarkeit ist überdurchschnittlich. Es wird noch produziert.
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Duftrichtung

Holzig
Würzig
Harzig
Rauchig
Zitrus

Duftnoten

OudOud BitterorangeBitterorange SandelholzSandelholz AmberAmber VanilleVanille ZederZeder IrisIris LavendelLavendel

Parfümeur & kreative Köpfe

Bewertungen
Duft
7.3102 Bewertungen
Haltbarkeit
8.079 Bewertungen
Sillage
6.979 Bewertungen
Flakon
7.873 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
6.410 Bewertungen
Eingetragen von Kankuro, letzte Aktualisierung am 18.06.2024.

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Rezensionen

8 ausführliche Duftbeschreibungen
10
Flakon
5
Sillage
2.5
Haltbarkeit
7
Duft
Apicius

1106 Rezensionen
Apicius
Apicius
Top Rezension 17  
Aller Anfang ist schwierig
Ist es eigentlich förderlich oder schädlich, sich als Parfumeur das Image des Quereinsteigers zuzulegen? Hat jemand, der wie wir sich zunächst als Blogger und Parfumkritiker betätigt hat, Anspruch auf besonderes Wohlwollen, oder begegnen wir ihm, der sich so weit vorwagt, unnachsichtiger als anderen? Angesichts der heftigen Kritik, die John Pegg hier bereits einstecken musste, gehört eines mal gesagt: ausgebildete Parfümeure haben im Nischenbereich schon deutlich Schlechteres abgeliefert als John Pegg mit R'oud Elements – was nicht bedeutet, das man dieses Parfum mögen muss.

Auch ich gehe mit Befürchtungen und Klischees an so etwas heran – von Amateuren und allzu ambitionierten Hobbyparfümeuren aus dem Umfeld US-amerikanischer Duftvorlieben befürchte ich vor allem eines: Mangel an Feinheit und Eleganz, selbstverliebtes Auftrumpfen mit allzu robusten und kräftigen Noten, vielleicht auch fehlende Bescheidenheit und mangelnde Distanz zum eigenen Schaffen. Tja – mit R'oud Elements hat John Pegg gerade noch die Kurve gekriegt.

Ganz ehrlich ist dieses Parfum nicht. Das fängt schon an mit dem Bezug zum Oud. Auch ich rieche es nicht – weder den Muff der künstlichen Oud-Noten, noch die animalisch-fäkalen Aspekte natürlichen Öls. Natürliches Oud-Öl hat eine große Variationsbreite, u.a. kommen wohl auch kampferartige und an Piniennadel erinnernde Anklänge vor. Die kann man in der krautigen Seite von R'oud Elements entdecken und mit etwas Wohlwollen dem behaupteten Oud zuordnen. Neben Lavendel vermute ich auch Salbei – dafür aber nicht die ausgewiesene Iriswurzel. Weihrauch scheint hier und da mal kurz durch.

Die Krautigkeit ist bei diesem Parfum das Salz in der Suppe, eine Nebenlinie, die den eigentlichen Dialog begleitet. Und der besteht nach meinem Empfinden in einer sehr attraktiven, dunkel getönten Fruchtnote, die mich eher an reife, saftige Blutorangen erinnert denn an bittere Orangennoten. Der gleich starke Gegenspieler dieser Fruchtnoten ist ein harzig-würziger Akkord, der in etwa dem in Francis Kurkdjians Absolue pour le Soir ähnelt, mehr aber noch der Basis des neuen Indisch Leder von Wiener Blut, für das Pierre Guillaume als Schöpfer angeführt wird.

Um es klar zu sagen: diese Art harziger Noten mag ich persönlich nicht besonders, und es ist mir unverständlich, wie man sie ins Zentrum eines Dufts stellen kann (Absolue pour le Soir). Der Ansatz von John Pegg gefällt mir da schon besser. Vor allem die begleitende Krautigkeit lässt diesen Dialog lebendig wirken.

Natürlich ist die Fruchtnote flüchtig – nach etwa 45 Minuten ist die weg. Und nach einer guten Stunde zieht sich R'oud Elements stark auf die Haut zurück und wird bitter: die Bezeichnung Duftrest ist dafür durchaus zulässig. Man mag es als Anfängerfehler werten, dass R'oud Elements die Spannung des Auftakts nicht sehr lange durchhält. Aber eine Bemerkung sei erlaubt: tolle Kopf- und maximal Herznoten mit nicht viel dahinter kann man schon fast als Markenzeichen von Massenproduktionen wie der Serge Lutens und Tom Ford Duftserien sehen.

Natürlich reicht es im Allgemeinen nicht, tolle Dufterlebnisse zu kreieren, die mangels wirksamer Fixierung sofort zerfallen. Dass ich John Pegg diesen handwerklichen Fehler nicht so übel nehme wie anderen liegt schlicht an der Exotik dieses Dufts. Harzige Noten dieser Art können den Träger und vor allem seine Umwelt treffen wie ein Vorschlaghammer – die Reduzierung von R'oud Elements auf nahezu Eau de Cologne Stärke ist da für mich eine Möglichkeit, mich dieser Duftrichtung anzunähern, ohne dass mir davon übel wird. Natürlich werde ich mir R'oud Elements nicht kaufen, soweit reicht meine Bewunderung nicht. Aber ich habe das Gefühl, diesen Duft zu verstehen. Die Zurücknahme der Intensität eines ansonsten allzu merkwürdigen Parfums ist ein akzeptables Mittel, und so manchem teuren, verstiegenen Nischenduft würde man genau das wünschen.

So widerlegt John Pegg – beabsichtigt oder nicht – mein Vorurteil gegenüber Hobbyparfümeuren, für die es vor lauter Begeisterung kein Halten gibt. Maßhalten kann ein Mittel sein, starke Reize genießen zu können. So gesehen erfordert R'oud Elements vom Träger etwas Disziplin.
3 Antworten
4
Duft
Profumo

284 Rezensionen
Profumo
Profumo
Top Rezension 16  
Rüde zusammengeschraubt
Tja, haben wir Parfum-Verrückten nicht alle irgendwann den Wunsch einmal selbst einen Duft zu kreieren? Einen, der so ganz und gar der nach unseren Vorstellungen geschaffen wurde; einen, den wir uns schon immer erhofften?
Bei manchen steigert sich dieser Wunsch zu einem dringenden Verlangen, bei anderen gar zu einer Obsession.
John Pegg ist nun so ein Enthusiast, der nach einer ganzen Reihe von kleinen Youtube-Filmchen, in welchen er Düfte besprach die ihm am Herzen lagen, nun den entscheidenden Schritt weitergegangen ist – er hat seine eigenen Düfte geschaffen, und jener von dem hier die Rede sein soll, war sein erster: „R’oud Elements“.
„R’oud“ soll vermutlich ein Wortspiel auf „rude“ sein, dessen deutschsprachige Bedeutung – wie uns LEO belehrt - grob, unhöflich, gemein, krud (auch: krude), roh, rüde, unanständig, ungezogen und unverschämt entspricht.
Nun denn – ein Wässerchen aus rüden Elementen gebraut, dessen eine, derzeit überaus beliebte Ingredienz gleich einmal herausgestrichen wird, noch bevor die anderen rohen Gesellen (sprich: edlen Öle, wie uns versichert wird), unsere geneigte Haut zu benetzten geruhen.
Das charmant-nischige Beutelchen also geöffnet, den etwas klobigen, dafür mit chic-nischigen, scheinbar selbst gedengelten Kupferlabel versehenen Flakon herausgeholt, den Sprühkopf betätigt, und schon entweicht das gemeine, ungezogene, ja unverschämte Nischen-Werk. Überhaupt das Wörtchen „Nische“ - in Zusammenhang mit Kerosene, alias John Pegg, ist es doch arg strapaziert worden. Aber „Nische“ ist halt immer das Andere, der Anti-Massenmarkt, der Anti-Kommerz, das Unkonventionelle, das Besondere, die irgendwie heile Parfumwelt eben.
In mancherlei Hinsicht verdient „R’oud Elements“ nun tatsächlich dieses Attribut: der Duft ist einigermaßen unkonventionell und den Massenmarkt wird er vermutlich nie erreichen. Einer heilen Parfumwelt entspringt er damit allerdings noch lange nicht, denn bei aller Bewunderung für die Chuzpe, die jemand aufbringen muss um von sich zu behaupten, er habe ein komplexes, reichhaltiges Eau de Parfum komponiert und für die Feinabstimmung ein ganzes Jahr benötigt, ist Mr. Pegg mit ‚R’oud Elements’ ein ziemlich schlecht gemachter Duft gelungen.
Sicherlich hätte er besagtes Jahr eher dazu nutzen sollen die Grundlagen der Parfumkunst an einer der einschlägigen französischen Duft-Akademien zu studieren, doch vermutlich wäre selbst dann kein entscheidend besserer Duft entstanden, allenfalls ein etwas besser komponierter.
Aber wer meint ein überaus kompliziertes und komplexes Handwerk, für dessen Ausübung andere jahrelang ausgebildet und trainiert werden, sozusagen im Handumdrehen zu beherrschen, oder wie John Pegg sich ausdrückt: „In being self-taught, I happen to like the raw style I have developed. In all of my failed initial experiments, I learned so much, and am still learning....“, von dem ist im Grunde auch nichts anderes zu erwarten als eine ziemlich rüde zusammengezimmerte Komposition (die ihm vermutlich von jedem Lehrer um die Ohren gehauen würde...).

Doch wonach riecht „R’oud Elements“ nun?
Zunächst entfaltet sich ein deutlicher Aoud/Oud-Akkord, begleitet von einer Brot-artigen Nuance, die John Pegg offenbar recht gerne mag (noch deutlicher in ‚Copper Skies’), oder nicht zu verhindern wusste. Ziemlich bald übernehmen Bitterorangen-Noten das Szepter, akzentuiert mit etwas Iris. Lavendel soll auch drin sein, kann ich allerdings nicht erkennen, dafür nehme ich jede Menge Weihrauch wahr, der wiederum nicht genannt wird. Ganz zum Ende hin - der Duft ist wirklich sehr langanhaltend, allerdings mit bescheidener Projektion - werden schließlich Spuren von Sandelholz und Vanille erkennbar, doch noch immer im Verbund mit Bitterorange und Weihrauch (oder sollte es doch Oud sein – so recht kann ich mich nicht entscheiden...), die den Duft dominieren. Ein Pas-de-deux also von einem harzig-weihrauchigem Element und einem fruchtig-bitterem, mit ein bisschen drumherum – auf diesen Nenner lässt sich ‚R’oud Elements’ bringen, aber das war´s dann auch schon. Keine Tiefe, kaum Volumen - ein flacher Duft ohne nennenswerte Raffinesse.

Dabei kann ich der Kombination von Bitterorange und Oud durchaus etwas abgewinnen – aber was hätte unter den Händen eines Ropion oder Kurkdjian daraus entstehen können?! Gut, nicht jeder ist ein solcher Könner, aber gewisse handwerkliche Voraussetzungen scheinen mir doch vonnöten, soll aus einer guten Idee (nebst guten Materialien) auch ein guter Duft werden.
Vergleiche ich allein Kurkdjians letzten Duft - sein ‚Oud’ – mit John Peggs ‚R’oud Elements’, so wird das Missverhältnis besonders deutlich: hier ein - wie ich finde - Wunder an Eleganz und Raffinesse, dort ein mehr als rauer Geselle, dem man leider noch nicht einmal den Charme des Burschikosen und Hemdsärmeligen zugestehen kann, zu stümperhaft ist er schlicht und ergreifend zusammengeschraubt.

So enthüllt sich hinter der Rebellen-Pose des „Hab ich gar nicht nötig!“ und „Wozu lernen – kann ich eh!“, einmal mehr Anmaßung und Unvermögen.
Ein anderer, von dem man leider gar nichts mehr hört: Armando Martinez, hatte da wesentlich mehr Geschick und Geschmack mitgebracht - von Andy Tauer ganz zu schweigen.
Aber das sind Ausnahmen, denen man nicht nacheifern sollte.
Meiner Meinung nach.
2 Antworten
10
Flakon
5
Sillage
10
Haltbarkeit
8
Duft
Leimbacher

2782 Rezensionen
Leimbacher
Leimbacher
Top Rezension 11  
Vorbildliches Debüt & Everyday-Oud
Würde mir eine Parfum- oder Modefirma einen Job im Parfumbereich anbieten, würde ich glaube ich nicht lange zögern. Hätte ich genug Erfahrung, Eier & Moneytoes würde dies nur getoppt von einer eigenen Parfumlinie. Und ich denke mit solchen Träumen bin ich hier auf Parfumo oder auch bei allen Duft-Enthusiasten weltweit nicht alleine. Aber die wenigsten erfüllen sich solche Träume, trauen sich, geschweige haben damit Erfolg. Anders John Pegg, der mit Kerosene seine eigene Parfumlinie schuf, unter dem gleichen Namen wie sein unterhaltsamer YouTube-Account als Kritiker bekannter Düfte. Dafür erstmal ein riesiges Lob & großen Respekt. Aber das musste ich bei den Tests seiner Kollektion natürlich abschalten, um die vielen Düfte so objektiv & unvoreingenommen wie möglich zu bewerten. Anders als bei vielen Vorredner ging ich also nicht skeptisch & überkritisch an die Sache ran, sondern eher positiv & mit einem gewissen Respekt und sogar Euphorie. Und ich muss sagen: da sind viele klasse Düfte entstanden. Beeindruckend & mutmachend für einen Senkrechtstarter!

R'Oud Elements als erste Schöpfung ist da ein perfektes Beispiel und gefällt mir richtig gut. Anscheinend zwar ein Parfum, das etwas polarisiert und vom qualitativen Standpunkt kritisch betrachtet werden kann, welches mich jedoch schnell für sich gewinnen konnte. Und noch dazu für ein Debüt keine sichere Nummer, kein vorgepflasterter Weg. Ein mutiger Neuling im Business, der was wagt & äußerst symphatisch mal eine ganz andere, helle Seite des Adlerholzes zeigt. Oud ist hier nämlich höchstens der holzige Kern der Sache - tief vergraben unter vielen, nicht schlecht in einander verwobenen Schichten. Das der Duft billig, eintönig oder gar amateurhaft wirkt - da muss ich wiedersprechen und etwas die Neid- & Vorurteilskarte ziehen. Richtig komplex ist er nicht, das stimmt, aber ich würde trotzdem auf Anhieb dutzende Nischenparfums nennen können, die laienhafter & unnötiger daher kommen - auch von etablierten Nasen. Daher ist dieses besondere Büro-Oud sicherlich nicht überteuert oder überhyped. Zum Duft selber wurde in den Kommentaren schon alles richtig beschrieben, meine Einschätzung: ein pudrig-zitrischer Mantel um einen Kern aus Oud & Weihrauch garniert mit einem seltsamen Lavendel & unsüßer Vanille.

Flakon: die alten waren zwar noch schöner - aber auch so klasse individuell.
Sillage: dezent, fast sommertauglich.
Haltbarkeit: nach 6 Stunden geht ihm die Luft allmählich aus.

Fazit: Oud mal anders & so dezent, kampferfrisch & alltäglich, dass man ihn nur mögen kann. Ein Auftakt nach Maß! Ich hoffe die Spenderin der vielen Kerosene-Proben merkt, was für eine große Freude sie mir damit gemacht hat!
0 Antworten
5
Sillage
2.5
Haltbarkeit
3
Duft
Unterholz

54 Rezensionen
Unterholz
Unterholz
Sehr hilfreiche Rezension 10  
Kr(oud)e Melange
Der Flakon von „R’oud Elements“ ist unabhängig von der damit zusammenhängenden Dufterfahrung ein echter Hingucker. Das Erscheinungsbild der gesamten Kerosene-Linie ist doch ziemlich nischig. Besonders gefallen mir persönlich die selber gestanzten Plaketten aus Kupfer vorne drauf. Dabei wird jede Flasche zum Unikat, ein schöner Gedanke gerade bei Luxus-Parfums, wo das Exklusive doch auch immer zum Gesamtpaket „Duft“ beiträgt. Gewöhnungsbedürftig im speziellen Fall von „Creature“ fand ich allerdings die gallegrüne Lackierung, die mich dann doch eher abschreckte. Da ich bei der Wahl meiner Testkandidaten öfters auch von der Optik beeinflusst werde und weil mich das Schlagwort Oud, das im Titel von „R’oud Elements“ enthalten ist, sowieso neugierig machte, war es naheliegend, dass ich mir eine Probe bestellte.

Der Duft ist, wie Profumo schon sehr treffend dargelegt hat, eine einzige Enttäuschung. Ich habe erst durch seinen Kommentar erfahren, dass der Parfumeur Pegg Laie (oder sagen wir schöner: Amateur) ist und sich mit der Kerosene-Linie offenbar den Traum vom eigenen Parfum erfüllt hat. Das mag man ihm neidlos gönnen.
Hat mich nun Profumos Kritik beeinflusst? Stand ich diesem Werk nun nicht mehr ganz unbefangen gegenüber? Schwierig zu beantworten, aber ich denke: Nein. Wenn ich auch zugeben muss, dass mich „R’oud Elements“ beim Aufsprühen noch recht interessant dünkte. Das Oud ist schön da, zusammen mit etwas frisch Zitrischem und einem Hauch Lavendel. Und irgendetwas Unkonventionelles schwingt mit, das für mich nach Kartoffelkeller roch. Ist das jetzt der raue Kerl, der hier eingefangen worden sein soll? Bald kommt auch noch ein bisschen Weihrauch heraus, der die gesamte Komposition meiner Ansicht nach schon wieder etwas zähmt: das ist noch lange kein Kerl, ein grüner Messdiener vielleicht, der dem Pfarrer die Monstranz voranträgt, also absolut harmlos. Das ist ja tatsächlich alles nur halb so wild, dachte ich, aber muss der Duft deshalb gerade die Abstempelung als Amateurwerk erfahren?

Diese Frage musste ich schon nach etwa einer Dreiviertelstunde mit JA beantworten. Der Duft ist jetzt regelrecht auseinander gefallen und offenbart seine tatsächlich irgendwie hilflos wirkenden Einzelbestandteile.
Das eigentliche Debakel geschah dann aber noch etwas später, als sich der Kirchenweihrauch verabschiedet hatte und nur noch eine gruselige Vanille zurückblieb. Was ist denn aus dem Jungelchen von vorhin geworden? Bloss ein laues Synthetikwölkchen am Parfümhimmel… entfesselte Elemente? Nichts da! Hier gibt’s höchstens ein Ringen meiner Geruchssensorien mit diesem dünnen Brodem.
Tut mir leid, das hier zu schreiben, aber dieser Duft ist einfach nur unausgegoren. Ich behaupte jetzt mal ganz naseweis, dass es jeder einigermassen an der Materie Interessierte tatsächlich schaffen könnte, ein Parfüm zu entwerfen. Man müsste sich vielleicht an einem guten Duft orientieren und schauen, wie der gemacht ist. Und dann versucht man vielleicht auf Basis dieses Nachbaus ein wenig zu experimentieren. Im besten Fall kommt dann möglicherweise so etwas wie ein Parfum heraus. Von einem eigenständigen Meisterwerk reden wir hier noch längst nicht. Dafür gibt es ja unter all den geschulten Nasen, wie Profumo richtig festgestellt hat, selbst nur ein paar wirkliche Genies, die die Parfumwelt in Regelmässigkeit mit ihren Kreationen entzücken.
Allerdings verliert auch ein Amateur-Duft wie „R’oud Elements“ (dessen ‚Selbstgebastelt-Status‘ man dank selbstgedrehter Youtube-Videos durchaus sympathisch finden mag) spätestens wenn er im Laden steht seine Unschuld. Dann muss sich der Duft den hohen Ansprüchen von Kritik und Endverbrauchern stellen.
Und da kann sich „R’oud Elements“ einfach nicht mit professioneller Ware messen.
4 Antworten
7.5
Sillage
7.5
Haltbarkeit
6
Duft
Seerose

682 Rezensionen
Seerose
Seerose
Top Rezension 6  
Pinocchio hat gekokelt
Dieses ist ein Duft für Mutige, zumindest was Frauen angeht. Die bisherigen Kommentatoren und -innen haben alle Recht. Da poltert erstmal Pinocchio herein. Wie heißt das schöne italienische Sprichwort: "Holzköpfe machen immer Krach!". Und dann platzen nur so die Terpenharztropfen, die Blüten kann man allenfalls wie fast schwarz gebruzzelt erahnen. Der Lavendel ist nur als Räucherstäbchen wahrzunehmen und vergeht. Das Oud wird, da er ja von einer Art Schwamm gebildet wird, von diesen Holzschutzmitteln fast vernichtet. Dies ist kein komtemplativer Duft. Mir fällt nur die Holzwerkstatt ein und Holzteer, Karbolineum, Holzbeizen, Holzöle zum Imprägnieren der Hölzer. Mit Karbolineum habe ich öfter mal früher - in einem anderen Lebensabschnitt und an heißen Sommertagen - Holz in einem Pferdestall eingepinselt. Hinterher konnte ich mir die Haut fast von dem Armen und vom Gesicht ziehen. However: Ich mag solche Gerüche. Dieses Spektakel dauert bei mir etwa eine Stunde, während ich schon mal den Feuerlöscher suche - vorsichtshalber und überlege, ob die Telefonnumer der Feuerwehr 110 oder 112 ist, dieser Duft macht einen etwas durcheinander und ich kann zwar ganz gut Mathe und rechnen, aber ich kann mir keine Zahlen merken - da hört das Schwelen auf, es bleibt ein immer noch brenzlicher Geruch. Aber da trauen sich Iris, Ambra und Vanille aus den verbrannten Resten und werden so zart, etwas grün, auch etwas karamellisiert und nun kann man auch das Oud richtig wahrnehmen, Pilzmyzele sind nicht so leicht totzukriegen. Die Flamme hat die Bitterorange anscheinend niedergemacht.
Ich bin entzückt. Das ist ein provozierender Duft. Sowas muss ich ab und zu auch mal um mich haben. Vermutlich vertreibt dieser Duft, ich habe es unten geschrieben, lästige Insekten wie Mücken, sowie im Sommer draußen die Wespen und Bienen.
Pinocchio guckt leer in den Raum, er hat mit nichts etwas zu tun an seinem Haken. Man könnte es ihm glauben, wenn seine Nase nicht so verkohlt wäre.
3 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

29 kurze Meinungen zum Parfum
FloydFloyd vor 2 Jahren
8
Flakon
6
Sillage
7
Haltbarkeit
7.5
Duft
Orangenbogen
Im Heilmittelraum
Morscher umgestürzter Baum
In seinem violetten Schatten
Lavendelkraut und Wurzelblüten
Harzige Sandelfasern
20 Antworten
BastianBastian vor 2 Jahren
7
Sillage
8
Haltbarkeit
5.5
Duft
Der raucht und raucht und raucht..
Für mich Weihrauch ohne Ende..
Wo sind die anderen Essenzen?
Ich rieche nur sakralen Weihrauch.
AMEN...*
18 Antworten
GandixGandix vor 3 Jahren
8
Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
7.5
Duft
Weihrauch-Myrrhe schlägt mir entgegen
Paart sich zwischendurch
Paar mal mit Bitterorange
Die Affäre ist schnell vorbei
Dann Weihrauch und..
12 Antworten
YataganYatagan vor 8 Jahren
9
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
8.5
Duft
Oud mal anders und darum sehr gut! Alkoholische Note, fruchtige Säure, bitterer Lavendel, staubige Iris. Und Oud. Postmodern Orient Express.
5 Antworten
VerbenaVerbena vor 7 Jahren
8
Flakon
7
Sillage
9
Haltbarkeit
9
Duft
Bärtige Waldschrate, plumpe Trolle und kichernde Gnomen tanzen unter dunkel rauschenden Tannenwipfeln. Vollmond erhellt die magische Nacht.
6 Antworten
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Themen zum Parfum im Forum
Franfan20Franfan20 vor 8 Jahren
Parfum allgemein
Kerosene Fragrances
Stimmt.Lulua hat R'Ouds Elements wieder im Sortiment.

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