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Tabac Blond (1919) (Parfum) von Caron

Tabac Blond 1919 Parfum

Version von 1919
Yatagan
16.05.2019 - 07:52 Uhr
53
Top Rezension
8Duft 8Haltbarkeit 8Sillage 9Flakon

Emanzipation

Unkommentierte Duft No. 136

Ich lasse hier mal die Diskussion um die Reformulierung und den angeblich viel besseren ursprünglichen Duft außen vor, da ich das Original zwar vermutlich kenne (vor 15 Jahren getestet), aber weder eine Abfüllung in meiner Duftorgel noch eine Erinnerung in meinem Hirn gespeichert habe. Insofern beteilige ich mich ausdrücklich auch nicht an der Diskussion um die angebliche Schwäche der neuen Version, die bis hin zu Luca Turins erstem Guide Wellen schlug und der der Version von 2008 nur einen Stern gönnte. Ich will auch nicht mutmaßen, ob es Caron inzwischen gelungen ist, wieder an die alte Größe anzuknüpfen und den Duft wieder aufzupimpen. Immerhin gehört Caron zu den Häusern, die, ähnlich wie Guerlain, etwas sorgfältiger mit Reformulierungen umgehen, was angesichts der beschränkten Möglichkeiten nur heißen kann, nicht gleich aus der Hüfte zu schießen und stattdessen ein wenig Wartezeit verstreichen zu lassen, bevor man neue Formeln auf den Markt wirft.

Entgegen meiner Behauptung im Statement finde ich inzwischen auch nicht mehr, dass Tabac Blond (Parfum) in der Version von 2019 ein dominanter Lederduft (Damensattel) ist, sondern würde mich von der Assoziation leiten lassen wollen, die der Name nahe legt, nämlich durch die Idee von hellem Tabak. Zwar erinnert Tabac Blond auch stark an traditionelle Lederdüfte wie Knize Ten und Bel Ami (also nicht an diese unsäglichen Synthetik-Leder-Parfums der neuen Generation von Tom Ford & Co., die alle diese Velours-Leder-Note enthalten): süßlich, animalisch, mit Sandelholz, Ambra, Bibergeil und oder Zibet, würzigen Blütennoten etc. wie man sie früher verwendete, um den infernalisch animalischen Geruch von gegerbtem Leder zu überdecken. Tabac Blond gehört irgendwie immer noch in diese Kategorie, auch wenn mir da Knize Ten einfach lieber ist.

Noch stärker erinnert mich der Duft aber auch an aromatisierten Pfeifentabak, der einen Cognacton enthält und mit Vanille süß gewürzt wurde. Das ist nicht schlecht, aber auch nichts, was ich ständig tragen wollte. Dazu braucht es schon eine gewisse Stimmung. Ich vermute auch hier Sandelholz, Ambra, Vanille und eine animalische Komponente. Dazu etwas Florales, sicherlich Iris, aber auch Rose und Weißblüher. Die einzelnen Komponenten sind aber nicht zu trennen, sondern ergeben einen dunklen, cognacartigen, etwas rauchigen, warmen, süßlichen Gesamtton.

Die Idee dahinter passt ganz gut zum Jahr 1919, ein Jahr nach den Schrecken des Ersten Weltkrieges und wiederum ein Jahr vor Beginn der Roaring Twenties, in denen Frauen im Kontext von Emanzipation das Rauchen entdeckten, verstanden als Zeichen der Gleichberechtigung und dem erstarkenden Willen zu gesellschaftlicher Beteiligung. So gesehen hat der Duft auch heute noch was, weil er trotz mehr oder minder vielleicht weniger gut gelungener Reformulierung ein duftendes Symbol ist. Und wo gäbe es das sonst noch!

Aktualisiert am 16.05.2019 - 07:56 Uhr
32 Antworten
ChizzaChizza vor 5 Jahren
Ich finde ja dass das EdP wirklich den von dir genannten Lederdüften ähnelt und damit auch für den Mann tragbar ist, das Parfum ist da aber eine andere Klasse. Viel schöner und viel femininer. Toller Duft!
StanzeStanze vor 6 Jahren
1
Was mich angeht, passt das mit dem Damensattel schon. ;)
Melisse2Melisse2 vor 6 Jahren
Genau diese cognacartige Pfeifentabaknote versetzt mich gerade wieder in Entzücken. Leder und Tabak gehen hier eine einmalig weiche gefällige Verbindung ein. Ich kann nicht glauben, dass Luca Turin diesen Duft unter der Nase hatte, als er ihn mit nur einem Stern bewertet hat.
Melisse2Melisse2 vor 6 Jahren
Sehr guter Kommentar, der Duft ist treffend beschrieben.
Sweetsmell75Sweetsmell75 vor 6 Jahren
sicherlich ein spannender Damenduft ... schöner Kommi
PaloneraPalonera vor 6 Jahren
Der Damensattel mußte bei Dir aber schnell dran glauben, zwischen Statement und Kommentar liegen doch nur wenige Tage... Nach vielen rauchenden Jahren mit wie ohne Hosen ist mir ungerauchter Tabak heute der liebste, wenngleich - wie Dir - nicht jeden Tag.
ParmaParma vor 6 Jahren
Aromatisierter Pfeiffentabak mit Cognacnote und Vanillesüße klingt toll. Und das als Damenduft. Spannend!
ShamisShamis vor 6 Jahren
Ein Duft mit Geschichte... Klingt wirklich schön, auch wenn ich ihn wohl ebenfalls nur selten und für mich tragen würde. Danke für den emanzipierten Kommentar dazu :)))
SiebenkäsSiebenkäs vor 6 Jahren
Sehr famos beschrieben und elegant den Zeitgeist mit einbezogen, der Bezug zum Knize ist mehr als plausibel und passt auch zur Paris/Wien-Achse der Epoche.
JennytammyJennytammy vor 6 Jahren
.....aromatisierten Pfeifentabak, der einen Cognacton enthält und mit Vanille süß gewürzt wurde...... Wow, das klingt so fantastisch schön! Den muss ich testen! Super Kommi! :)
JennytammyJennytammy vor 6 Jahren
.....aromatisierten Pfeifentabak, der einen Cognacton enthält und mit Vanille süß gewürzt wurde...... Wow, das klingt so fantastisch schön! Den muss ich testen! Super Kommi! :)
PlutoPluto vor 6 Jahren
Ich kenne weder alt noch neu, finde deine Beschreibung aber spannend.
ParfumAholicParfumAholic vor 6 Jahren
Ich mag und kenne nur das EDP, das ich allerdings - wie Du hier das Parfum - nicht immer würde tragen wollen. Mir gefällt aber die Grundstimmung des Dufts insgesamt sehr gut. Und da ich die "alten" Versionen nicht kenne, kann ich da zum Thema Reformulierungen auch nichts vergleichen. Ist manchmal wahrscheinlich auch besser ;-))
ProfumoProfumo vor 6 Jahren
Mir geht es wie Kankuro, ich finde die neue Version auch nicht so dramatisch schlechter. Sie hat etwas Volumen und Grandeur eingebüßt (aber welcher alte Duft hat das nicht?!), ist aber noch immer TB. Könnte durchaus ein 'pour homme' Label tragen, oder aber ein ,Knize Ten pour femme', denn so 'butch' ist TB dann doch auch wieder nicht...
GoldGold vor 6 Jahren
1
Eine gute Freundin trug diesen Duft gefühlt "ewig", konnte dann aber wegen der Reformulierung nichts mehr mit ihm anfangen. Ich persönlich kenne den jetzt gerade erhältlichen Duft nicht, aber von der Idee her spricht er mich sehr an. Ich vermute, dass er besser ist als viele andere... zumindest lese ich dies aus Deinem Kommentar heraus.
Can777Can777 vor 6 Jahren
Ich mochte den Duft schon vor dreißig Jahren. Immer noch ein Meilenstein in der Geschichte von Caron. Großartiger Kommentar!
KylesaKylesa vor 6 Jahren
Ein wirklich toller Kommentar. Das klingt sehr fein...besonders der Pfeifentabak.
ZoraZora vor 6 Jahren
Toller Kommentar. Den würde ich aber lieber dampfen als tragen:).
KovexKovex vor 6 Jahren
Toller Kommentar der mich sehr neugierig macht! Gerade weil ich mich mit der Kombi Blume -Leder schwer tue. Dein Verhältnis zu den aktuellen Leder-Imitationen teile ich uneingeschränkt.
ErgoproxyErgoproxy vor 6 Jahren
Das EdP, welches ich testen konnte mochte ich, wäre aber ebenfalls kein Duft den ich oft tragen wollen würde.
StanzeStanze vor 6 Jahren
Jedenfalls kulturhistorisch wertvoll.
SeeroseSeerose vor 6 Jahren
Ich mag die neuen Carons wie auch einige Ältere Versionen.
KonsalikKonsalik vor 6 Jahren
Wie immer ein sehr ausgewogener Kommentar, ohne "Gut-weil-alt"-Hype bzw. Anti-Reformulierungs-Lamento. Klingt trotz aller Einschränkungen nach einem Testbefehl für mich - zumal ich die Marke Caron einfach mag.
SeejungfrauSeejungfrau vor 6 Jahren
Heller Pfeiffentabak kann sehr,sehr angenehm duften.
KleopatraKleopatra vor 6 Jahren
Der Duft dürfte zwar nicht so mein Fall sein, aber er ist ganz bestimmt ein schöner Klassiker.
MetalfanMetalfan vor 6 Jahren
1
Hätte Caron dem reformulierten Kind einen neuen Namen verpasst, und sei es in "Tabac Blond 2", wäre die "Strafe" von Turin & Co. sicher milder ausgefallen. Das ist aber Spekulation, zumal ich weder den alten, noch den neuen Duft kenne.
AugustoAugusto vor 6 Jahren
Deine sozial-historische Einbettung ist interessant, auch wenn das sicher kein Duft für uns ist. Daran schließt sich als Testempfehlung eigentlich bestens Jardins d'Écrivains' "George" an, der wohl von der rauchenden und Hosen tragenden Schriftstellerin George Sand inspiriert wurde und auch eine entsprechende Tabak-Leder-Note hat, findet AugustA.
RivegaucheRivegauche vor 6 Jahren
Ich habe noch einen kleinen Rest eines EdT von 1995, welches weicher & samtiger ist als mein Extrait von 2017...von dem ich mir dann leider 100 ml anschaffen musste...weil es so gut ist. Zugegebenermaßen möchte man den Duft aber nicht täglich tragen :-)
SchatzSucherSchatzSucher vor 6 Jahren
Ein prima Kommentar, der auch zum Nachdenken anregt. Nicht jede Überarbeitung ist komplett danebengegangen. Ich muß aber gestehen, daß ich von Caron zu wenig Düfte kenne, um da wirklich vergleichen zu können. Auffällig ist aber, daß mich ledrige Noten in älteren Düften oftmals weniger stören als in modernen. Meine Lieblingsnote wird es dennoch nicht werden.
GelisGelis vor 6 Jahren
Ich mag aromatisierten Pfeifentabak gern riechen. Bin ganz bei dir, dass man das nicht immer tragen will/kann, aber an manchen Tagen schwelge ich darin. Merkliste
KankuroKankuro vor 6 Jahren
Deine Beschreibung von Tabac Blond kann ich so nur unterschreiben, du hast den Duft bestens erfasst! Mir wurden vor einigen Jahren mal verschiedene Abfüllungen von Tabac Blond geschenkt. Darunter das original Extrait aus 1919 und die "böse" Version von 2008. Ich konnte beim besten Willen keine so großen Unterschiede feststellen, wie von zahlreichen Parfumliebhabern behauptet. Die verschiedenen Varianten waren sich zum Verwechseln ähnlich. Wie das heutige TB duftet, weiß ich leider nicht.
FvSpeeFvSpee vor 6 Jahren
Eine schöne runde Beschreibung. Bei einem kurzen Test vor einem Jahr in meiner Brüsseler Lieblingsparfümerie fand ich diesen Duft scheußlich, aber ich sollte ihm wohl eine zweite Chance geben. Und ich muss mir endlich Knize Ten zulegen. Der ist nun wirklich fantastisch.