Viele, die mich hier kennen wissen, dass ich eine große Klappe habe und um die ein oder andere schlagfertige Antwort nicht verlegen bin.
Woher kommt das?
Nun, ich bin mit Jungs aufgewachsen, war in einer fast reinen Jungsklasse und habe nicht zuletzt viele Jahre im Fitnessstudio trainiert, zu einer Zeit, wo noch ernsthaft Bodybuilding betrieben wurde. (Ja, ich war mal sehr sportlich)
Wenn dann mal einer seine Bauchmuckis zeigte, und fragte, ob die auch schön definiert seien, dann ist es schon ok, da mal kurz hinzufassen.
Der Typ sucht vielleicht gerade Bestätigung für das geleistete Training und den daraus hoffentlich resultierenden Erfolg.
Aber auf Einladung, und nur dann. Jeder Mensch hat seinen Distanzkreis, den man wirklich nur auf Einladung überschreiten sollte.
Als Gegenkompliment kam dann vielleicht irgendwann mal ein neidischer Blick auf die eigenen Waden, oder ein :"Du bist wahrscheinlich die einzige Frau, die ihre Krampfadern in den Oberarmen sucht."
(Ja, wenn man gut genug durchtrainiert ist und definiert, treten an den Oberarmen die Adern hervor. Bitte schreckt euch nicht, ich hatte mir auch damals meine Weiblichkeit bewahrt und es nicht übertrieben)
Und das ist von einem Bodybuilder ein wahrhaft großes und respektvolles Kompliment. Wenn auch etwas derb vielleicht.
So, jetzt muss ich die Kurve kriegen, aber das Fitnessstudio brauchte ich.
Da war dann nämlich später mal diese Frau, die nach Lust und Laune den Männern ungefragt an den Po fasste. Das finde ich ziemlich unmöglich, und würde es niemals machen,es entspricht in etwa Busengrapschern. Und es nimmt den Männern die Möglichkeit, die Regie zu übernehmen. Eine unschöne Begleiterscheinung der Emanzipation.
Es ist prima und wundervoll, dass Frauen heutzutage fest im Beruf stehen und nicht finanziell von Männern abhängig sind und gehen können, wenn die Beziehung partout nicht mehr läuft.
Nur, mit diesem "Aufreißverhalten" berauben sich die Frauen um einen ganz wesentlichen Teil der Frau-Mann-Beziehung. Wie schön ist es doch, von einem Mann umworben und umsorgt zu werden.
Ich bin ja in einer Zeit aufgewachsen, da gehörte sich sowas nicht. Und, wenn ich heute an meine Jugend zurückdenke, war das ganz wunderbar so.
Es gab Orte, wo man sich mit Freunden traf, Tanzlokal, Café, etc... Da war man da, im Schutz der Freunde.
Gab es dann erstmal den Einen, der einem gefiel, dann riskierte man den ein oder anderen heimlichen Blick,
und die Schmetterlinge flatterten im Bauch, wenn ein Blick zurück kam und sich die Augen trafen....
kurz nur,
Sekunden,
aber doch einen Augenblick länger, als bei jemand x-beliebigen.
Dann kam die spannende Zeit...
die, des 'Sich-Fragens', ...könnte er mich vielleicht auch mögen?
Häufigere Blickkontakte,
Herzklopfen,
eine erste Aufforderung zum Tanz,
ein unschuldiges Nach-Hause-Begleiten,
ein respektvolles Öffnen der Wagentüre ,
und irgendwann, ein zaghafter erster Kuss....
Nun, es gibt sie kaum noch, diese Orte des langsamen Kennenlernens,
zumindest nicht mehr, wenn die Schulzeit vorüber ist.
Laute Discos, Bierzelte und nicht zuletzt das Internet.
Gerade mit dem Internet muss man sich gleich zu Beginn bewusst mit jemandem verabreden...
Mir tun unsere Kinder leid, dass sie diese alte Form des Umwerbens kaum noch kennenlernen.
Des Werbens des Mannes um die Frau, und eben nicht umgekehrt.
Es wäre schön, könnte man hier das Rad wieder ein wenig zurück drehen, den Männern wieder ein wenig mehr ihren Part in diesem wundervollen Spiel zwischen Mann und Frau übernehmen lassen.
Wie komme ich jetzt auf solche Gedanken?
Es ist dieser Duft.
Er ist einmalig schön.
Seit Tagen schleiche ich um ihn herum, schnuppere, lege ihn zur Seite, schnuppere..
Er hat etwas an sich, dass ich sagen möchte, auch manche Düfte sollten wir Frauen, um unser selbst willen, den Männern überlassen.
Ein Duft, den ich einfach lieber an einem Mann schnuppern und erforschen würde...
Die Nase in seiner Halsbeuge,
die Lippen auf seiner Haut...
Nein, nein, ich hör schon auf, sonst wird das hier wieder eine Liebesgeschichte.
Dieser Duft ist so einmalig schön,
ein Kunstwerk, als wäre es ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit,
in der Düfte noch gelebt wurden.
Jedes Detail mit Sorgfalt gewählt,
für sich wahrnehmbar,
doch zu einem wundervollen Ganzen verwoben.
Verführerisch und verführend,
stark und beschützend.
Ein Traum von einem Mann, äääähhhmmm Duft.
Ein zarter Hauch Lavendel,
schon zu Beginn balsamisch unterlegt.
Leichte Süße, anziehend, nicht gourmandig.
Eine Spur frische Limette, wie Bergamotte anmutend,
die eine gewisse Leichtigkeit ins Spiel bringt.
Sanfte bodenständige Erde, dieses weiche Bett aus Amber.
Ein Wald in weiter Ferne, doch auch das Element Wasser wurde
durch eine minimale Prise Alge nicht vergessen.
Vielleicht echter Amber vom Wal? (soll es ja manchmal noch geben, von gestrandeten Tieren)
Das bringt eine winzige Spur Animalik mit sich, die hier sehr gut passt.
Eine wunderschöne, ganz sanfte Würze vom Muskatersalbei, genau im rechten Maße.
Lasst euch nicht von den Maiglöckchen abschrecken,
die sind hier nur dazu da, die weiche Seite des Mannes zum Vorschein kommen zu lassen.
Der Duft wird immer wärmer, nicht zu dunkel, eher bernsteinfarben.
Das wunderbare Harz des Benzoe tropft wie dickflüssiger Honig.
(nein, nach Honig riecht es nicht, nur die Konsistenz)
Das Ganze ruht auf dem feinsten, weichesten, pudrig-balsamischen Wildleder,
untergründig,
sich nicht aufspielend.
Es lässt dem Amber viel Raum.
Eigentlich ist dieser Duft haargenau das, was ich liebe,
ein ganz dringendes Must-Have,
und doch finde ich, er ist für Männer bestimmt.
Vielleicht nur,
weil ich meine Nase gerne in der Halsbeuge vergraben würde....
Oder auch aus Eigenschutz ob des horrenden Preises.
Ja, er ist schweineteuer, aber jeder, der die Gelegenheit hat, ein Pröbchen zu ergattern ( und Amber mag), sollte es sich gestatten, dieses Meisterwerk kennenzulernen.
So, und ich gehe jetzt putzen und meine Sinne beruhigen.
Noch eine kleine Anmerkung : Dieser Kommi soll keinerlei Diskussionen bezüglich der Geschichte drumrum auslösen und ganz gewiss nicht irgendjemandem auf den Schlips treten. Es ist lediglich eine Geschichte, etwas sentimental behaftet, um den Duft herum. Und es ist in jeder Beziehung, egal welcher Art schön, umworben und umsorgt zu werden.
...ich habe wegen deines phantastischen Beitrags nun gerade den Bus verpasst. Ich blieb so an Deinen Bildern kleben, das alles andere egal war. Wunderbar, danke dafür!!
Manche Henry Jacques' Düfte besitzen eben diese Eigenschaft, Dich nicht mehr loszulassen. Schön, dass dieser so viele Erinnerungen in Dir geweckt hat. Schön geschrieben.
Ein schöner nostalgischer Kommentar, der sicher gut zum Duft passt! Salbei empfinde ich auch als maskulin. Ich weiß allerdings gar nicht, ob es was mit Emanzipation zu tun hat, wenn eine Frau einem Mann an den Hintern greift. Es ist ja umgekehrt genauso übergriffig und belästigend und für mich auch nicht Teil zarter Balzrituale. Und romantische Anbahnungen gibt es sicher heute aber auch noch, so wie es Schulhöfe, Tanzschulen und Co gibt und auch ein über Internet initiiertes Date kann zart sein.
Deine Beschreibung der ersten Momente des Kennenlernens und des ersten Dates ist ganz wunderbar treffend! Ich bin ja auch in dieser Zeit aufgewachsen und konnte mich in vielem wiederfinden. Toll geschrieben! Aber ganz ehrlich - auch wenn ich neugierig geworden bin - bei solchen Preisen bin ich raus.....
Deine Begeisterung kann ich absolut verstehen bzw. nachvollziehen, denn er hat mich auch direkt in seinen Bann gezogen. Nichts Lautes, Marktschreierisches, eher ein selbstverständliches Dasein. Das ist für mich großes Parfum-Kino, das man beiliebe nicht sooo oft findet. OK, der Preis ist jenseits von Gut und Böse, ABER der Duft ist auch ein Ausnahmeduft. Und Dein "Drumherum" zum Duft finde ich super, ich mag so persönliche Verquickungen mit Düften. Beide Daumen hoch!!
Interessanter Kommentar. Unisexdüfte trage ich gern. Aber hier geht es um ein reines Herrenparfum. Da herrscht bei mir doch eine gewisse irrationale Schwellenangst. Von Maiglöckchen hab ich mich dafür noch nie abschrecken lassen ...
Ja Gabi, so war das früher. Sich in die Augen schauen und miteinander reden. Das können viele Leute heute garnicht mehr. Das ist schon echt eine Schande. Guter Kommentar.
Danke dir für diesen wunderschönen Kommentar!! Sowas lese ich hier so gerne... So wie du den Duft beschreibst, muss ich ihn testen...
Einen Pokal lasse ich dir natürlich da...
Ich habe 50ml vintage Lavande Homme direkt von der Nase selbst - dem Herrn Monsieur Laurent Smal, der mittlerweile in Eigenregie unterwegs ist und meiner Meinung nach den etwas abgeflachten HJ in den Schatten stellt. Vieles von HJ wurde im letzten Jahr eingestellt und es gibt momentan kaum noch was ausserhalb den Classics und den Sprays.
Wer HJ von Harrods beziehen moechte kann sich gerne mal bei mir melden. Kann von Uk aus ueber UPS zukommen lassen (€25).
Ich wusste, dass du ihn zu schätzen weißt, Yatagan. Es war bestimmt der Amber, den du ja nicht so gerne magst, der dich von der Höchstpunktzahl abgehalten hat.
Die Originalversion dieses Duftes hiess Lavande Homme und war des weiteren mit Orrisbutter, Ambrette und Vanille angereichert. Et Pourtant - speziell das EdP - kommt leider nur ansatzweise ans Original ran. Trotzdem noch ein guter Duft. So ungefaehr da wo Roja mal war. Ich empfehle grundsaetzlich HJ Oels und weniger die schwaecheren Lifestyle EdPs.
Ach Schatzi, manchmal ist es auch einfach schön, ein kleines Pröbchen zu haben und zu träumen. Gerade bei unserer Liebe zu Vintagedüften haben wir das ja oft, dass ein Duft unerreichbar ist. Und der teuerste der Marke ist der hier nicht ;)
Ich mag Schlagfertigkeit sehr, leider verläßt sie mich im entsprechenden Moment sehr oft. Und ich mag auch lieber das subtile und zurückhaltende Herantasten an Mitmenschen, mit der Tür ins Haus oder noch besser gleich mit der Abrißbirne liegt mir gar nicht. Auch bei Düften nicht. Deine Beschreibung ist toll, die Begeisterung ist ansteckend. Aber wenn man so schwer an die Düfte rankommt und sie auch noch mind. eine Nettokaltmiete kosten, setze ich diesen mal nicht auf die Merkliste.
Denkst Du Nui, dass solche Düfte jemals erschwinglich sein werden? Ich werde kaum nach England kommen und dann käme die EUST und Zoll drauf , noch teurer. Und liefern tun die Engländer solch Düfte vielleicht auch nicht mehr nach Deutschland.
Angenehm, sag das nicht...jetzt kenne ich nur den Einen erst und bin hin und weg. Und die Art, wie der Duft gemacht ist, sagt mir, dass sich bei der Marke viele Schätze verbergen, die mir gefällen würden. Aber die Preise, da wird mir fast schlecht.
Ein sehr intimer einblick in Deinen... Duft! Und irgendwann kann man den sicher wieder testen, wenn GB ganz draußen ist, man wieder reisen kann und das Pfund soweit gefallen, daß er vielleicht sogar erschwinglich wird...
Ja Smellie, 2 Tatsachen.. zum einen, weil man mit dem Duft die Nase nicht mehr von 'ihm' weg bekommen würde, und trüge man ihn selbst, die Spannung weg wäre. Die Andere ist vielleicht wirklich, sich das aus Selbstschutz einzureden, weil sonst die Geldbörse ächzende Laute von sich geben würde.
Schöne Rahmengeschichte und spannende Einblicke in die "jungen Jahre der Gandix" ;-) Ich hatte leider noch keine Gelegenheit, "einen" Henry Jacques zu schnüffeln, aber es scheinen Kunstwerke zu sein. Was du meinst mit Must - Have, aber eigentlich passt es besser einem Mann, kann ich gut nachvollziehen. Ein gewisses Dilemma, aber zumindest die Brieftasche freut sich in dem Fall.
Witzigerweise habe ich eben - genau in diesem Moment - den Duft im Souk entdeckt....und ZACK...war da dein Kommentar :-D..!! Ich kenne ihn zwar nicht, aber du beschreibst ihn ganz wundervoll....und auch in allen anderen Punkten bin ich ganz bei dir ;-).....schade, dass es kaum eine Möglichkeit gibt, Henry Jacques Düfte zu testen.....
.. Das klingt wundertoll
Gut, dass ich jetzt auch weiß mit wem ich mich besser nicht anlegen sollte ;-)
Einen Pokal lasse ich dir natürlich da...
Wer HJ von Harrods beziehen moechte kann sich gerne mal bei mir melden. Kann von Uk aus ueber UPS zukommen lassen (€25).