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Top Rezension
Gerlinde is back in town
"Mensch Gerlinde, dass ich dich hier beim Lidl treffe, is ja toll, hab dich ja schon echt lange nicht mehr geseh'n...warste im Urlaub? "
"Ja, Helga, halt mal'n Arm ran, ich bin viel breuner wie du! Horst-Holger und ich war'n in Antalya, 3 Wochen, All-In für 199 €!"
"Ach, klingt ja super! "
"Ne, du, für den Preis hatte ich eigentlich mehr erwartet. Die Badleuchte brummte und auf'm Balkon war'n Ameisen, aber wir haben's nicht gemeldet, andere Länder...naja, weißt ja."
"Ähm, ja. Und neue Klamotten haste auch? Was steht auf dem Shirt? Dolce und Gardena? "
"Ja, is'n original Designerteil, mit Glam-Druck. Ich hab auch ne neue Tasche, braunes Leder, Luxus pur. Ich hätte gerne noch viel mehr geschoppt, aber Horst-Holger is nicht so'n Leifsteil-Typ. Der hat immer vorm Laden gewartet- und bei dem Druck bin ich nach ein, zwei Stunden auch schon wieder raus, man hat dann keine Ruhe."
" Verstehe..."
" Bei meine Tasche, da war'n Duft dabei, den bring ich dir die Tage mal rum, kleines Mitbringsel von mir."
"Oh, da bin ich aber gespannt, dann sehen wir uns ja bald, bis dennchen! "
" Bis dennchen! "
Helga hört ja gerade nicht zu, deshalb kann ich euch verraten, dass Gerlinde ihr 'Obelisk' von MCM mitbringen wird. Ich selbst habe diesen Duft neulich auf dem Flohmarkt gekauft. Runtergehandelt von 5 € auf 2 €, stolz wie Oskar nach Hause getragen, nur um dann zu erfahren, dass er in jeder Drogerie günstig zu haben und mit dem Schriftzug 'Obelisk' statt 'MCM' nicht mal vintage ist...tja.
Aber es geht ja letztendlich um den Duft, nicht wahr? Und der ist wirklich schön!
Obelisk ist ein würzig/vanilliger Duft. Er startet mit Galbanum und Bergamotte, trägt allerlei zimtiges Steinobst im Herzen und klingt vanillig ambriert auf Hölzern gebettet aus. Nie zu blumig, nie zu süß. Man merkt die 80er, wird aber nicht umgehauen, präsent aber nicht penetrant. Ein wirklich schöner Würzling für einen Minipreis.
Das Beste an meinem Flohmarktfund ist aber, dass ich durchs Recherchieren zum Duft auf die 'MCM- Story' gestoßen bin. Die bewegende Geschichte (Hallo, Netflix, vergiss Halston - hier is die wirklich spannende Story) des Krefelder Gelegenheits-Schauspieler Michael Cromer, der 1972 von München aus mit seinen Taschen- und Kofferdesigns die Welt eroberte. Im Frisörsalon seiner Frau Mara entstand die Marke 'Modern-Creation-München', die als die deutsche Antwort auf Louis Vuitton galt. Bussi Bussi, schnelle Autos und ein extrovertierter Lifestyle werden Cromers Alltag.
1998 geriet der Designer - durch einen anonymen Hinweis eines Neiders - ins Visier der Steuerfahndung. Das war der Anfang vom Ende. Verrat, Neid, Naivität und schlechte Berater führten zum Untergang. Plagiate kosteten das Unternehmen Unsummen, so dass der Verkauf der Marke durch die Banken nicht aufgehalten werden konnte. Michael Cromer verliert alles, seinen Ruf, sein Lebenswerk, seine Gesundheit und 2007 sein Leben. Nachdem er zehn Jahre lang versuchte, zu seinem Recht zu kommen, schreibt er in seiner Biographie "Man hat mir alles genommen, ich habe alles verloren. Nur alles, was ich jemals erlebt hatte, das können sie mir nicht wegnehmen."
Daran will ich denken, wenn ich Obelisk auflege und dem MCM-Logo mit Lorbeerkranz zuzwinkern, egal wo ich's sehe und wem die Firma jetzt gehört. Das Design, in den 70er am Küchentisch entworfen, hat überlebt.
Die spannende Biographie lautet 'Von Haien umgeben von Neidern hintergangen.'
"Ja, Helga, halt mal'n Arm ran, ich bin viel breuner wie du! Horst-Holger und ich war'n in Antalya, 3 Wochen, All-In für 199 €!"
"Ach, klingt ja super! "
"Ne, du, für den Preis hatte ich eigentlich mehr erwartet. Die Badleuchte brummte und auf'm Balkon war'n Ameisen, aber wir haben's nicht gemeldet, andere Länder...naja, weißt ja."
"Ähm, ja. Und neue Klamotten haste auch? Was steht auf dem Shirt? Dolce und Gardena? "
"Ja, is'n original Designerteil, mit Glam-Druck. Ich hab auch ne neue Tasche, braunes Leder, Luxus pur. Ich hätte gerne noch viel mehr geschoppt, aber Horst-Holger is nicht so'n Leifsteil-Typ. Der hat immer vorm Laden gewartet- und bei dem Druck bin ich nach ein, zwei Stunden auch schon wieder raus, man hat dann keine Ruhe."
" Verstehe..."
" Bei meine Tasche, da war'n Duft dabei, den bring ich dir die Tage mal rum, kleines Mitbringsel von mir."
"Oh, da bin ich aber gespannt, dann sehen wir uns ja bald, bis dennchen! "
" Bis dennchen! "
Helga hört ja gerade nicht zu, deshalb kann ich euch verraten, dass Gerlinde ihr 'Obelisk' von MCM mitbringen wird. Ich selbst habe diesen Duft neulich auf dem Flohmarkt gekauft. Runtergehandelt von 5 € auf 2 €, stolz wie Oskar nach Hause getragen, nur um dann zu erfahren, dass er in jeder Drogerie günstig zu haben und mit dem Schriftzug 'Obelisk' statt 'MCM' nicht mal vintage ist...tja.
Aber es geht ja letztendlich um den Duft, nicht wahr? Und der ist wirklich schön!
Obelisk ist ein würzig/vanilliger Duft. Er startet mit Galbanum und Bergamotte, trägt allerlei zimtiges Steinobst im Herzen und klingt vanillig ambriert auf Hölzern gebettet aus. Nie zu blumig, nie zu süß. Man merkt die 80er, wird aber nicht umgehauen, präsent aber nicht penetrant. Ein wirklich schöner Würzling für einen Minipreis.
Das Beste an meinem Flohmarktfund ist aber, dass ich durchs Recherchieren zum Duft auf die 'MCM- Story' gestoßen bin. Die bewegende Geschichte (Hallo, Netflix, vergiss Halston - hier is die wirklich spannende Story) des Krefelder Gelegenheits-Schauspieler Michael Cromer, der 1972 von München aus mit seinen Taschen- und Kofferdesigns die Welt eroberte. Im Frisörsalon seiner Frau Mara entstand die Marke 'Modern-Creation-München', die als die deutsche Antwort auf Louis Vuitton galt. Bussi Bussi, schnelle Autos und ein extrovertierter Lifestyle werden Cromers Alltag.
1998 geriet der Designer - durch einen anonymen Hinweis eines Neiders - ins Visier der Steuerfahndung. Das war der Anfang vom Ende. Verrat, Neid, Naivität und schlechte Berater führten zum Untergang. Plagiate kosteten das Unternehmen Unsummen, so dass der Verkauf der Marke durch die Banken nicht aufgehalten werden konnte. Michael Cromer verliert alles, seinen Ruf, sein Lebenswerk, seine Gesundheit und 2007 sein Leben. Nachdem er zehn Jahre lang versuchte, zu seinem Recht zu kommen, schreibt er in seiner Biographie "Man hat mir alles genommen, ich habe alles verloren. Nur alles, was ich jemals erlebt hatte, das können sie mir nicht wegnehmen."
Daran will ich denken, wenn ich Obelisk auflege und dem MCM-Logo mit Lorbeerkranz zuzwinkern, egal wo ich's sehe und wem die Firma jetzt gehört. Das Design, in den 70er am Küchentisch entworfen, hat überlebt.
Die spannende Biographie lautet 'Von Haien umgeben von Neidern hintergangen.'
36 Antworten


haben mir aber nie gefallen.
Klingt nach einem feinen Düftchen..!
Über ein neues Helga & Gerlinde-Kapitel freu ich mich ja immer riesig und der kleine skandalöse Exkurs war auch klasse.
Eine lustige, informative und spannende Rezension!
Dieser MCM Duft klingt toll gemacht und scheint auch nicht so üppig zu sein, wie ich es erst vermutet habe.
Auf Flohmärkte möchte ich in Zukunft auch mal gehen. Da verstecken sich mit Sicherheit so einige Schätze :-)
Wunderbar, meine Liebe! Ganz wunderbar!
MCM Taschen fand ich immer schrecklich (ECM statt MCM!)...
Von deren Parföngs sind ein paar Minis im Anflug, auf die ich mich freue.
(Als abgebrochener VWL Student hätte Cromer - vor Hoeneß - wissen können, dass Steuerbetrug KEIN Kavaliersdelikt ist... und bei Memoiren bleiben wir besser bei Marc Aurel, Goethe, Stendhal und Knausgaard ?).
PS: Schicke(ria) Rezension ! :-))
War ich doch in meinen frühen 20 er ein grosser Obelisk Fan. Die Taschen konnte ich mir leider nicht leisten. Nun ja, sie waren auch ziemlich überteuert. Aber das Beste daran, eben habe ich meine Schublade mit den alten Schätzen durchstöbert, da am Wochenende meine Nichte kommt und sich immer wieder durch meine Sammlung schnuppert. Dabei bekam ich die beiden Obelisk Düfte in die Hand und sprühte sie in die Luft
L
A
S
S
E
Friher gab es Obelisk in einem Flakon in Form eines Obelisken. Den hatte ich immer. Super Rezension
Ach, was war das für ein Fressen für die "Yellow Press"; selbst seriöse Magazine kamen nicht um diese Story herum.
Und was die Taschen angeht: ich hatte nie eine; sie waren mir zu robust und übrigens hat "Hasi" hier recht.
Schließlich musste ich nicht unbedingt ein "A'dabei" sein!