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Muscs Koublaï Khän 1998

7.6 / 10 325 Bewertungen
Ein beliebtes Parfum von Serge Lutens für Damen und Herren, erschienen im Jahr 1998. Der Duft ist animalisch-würzig. Die Haltbarkeit ist überdurchschnittlich. Es wird noch produziert.
Aussprache Vergleich
Ähnliche Düfte
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Duftrichtung

Animalisch
Würzig
Orientalisch
Harzig
Ledrig

Duftnoten

MoschusMoschus BibergeilBibergeil AmbretteAmbrette BienenwachsBienenwachs LabdanumLabdanum ZibetZibet AmbraAmbra KostuswurzelKostuswurzel KümmelKümmel PatchouliPatchouli RoseRose VanilleVanille

Parfümeure

Bewertungen
Duft
7.6325 Bewertungen
Haltbarkeit
8.4248 Bewertungen
Sillage
7.0216 Bewertungen
Flakon
8.2209 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
7.066 Bewertungen
Eingetragen von Kankuro · letzte Aktualisierung am 05.02.2026.
Quellenbasiert & geprüft

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Rezensionen

37 ausführliche Duftbeschreibungen
10Duft 10Haltbarkeit 7Sillage
Couchlock

52 Rezensionen
Couchlock
Couchlock
Top Rezension 89  
Die olfaktorische Heimreise: Geborgenheit aus einem Flakon
Muscs Koublaï Khän ist die wundervollste Entdeckung, die ich durch Parfumo machte, und die größte olfaktorische Überraschung, hatte ich doch beim erstem Test Raubtierfütterungen, das letzte Hemd eines Obdachlosen, tote Tiere und Schlimmeres im Hinterkopf! Doch es kam ganz anders...

Moschus in der Duftpyramide ist eine schwammige Angabe, gibt es doch viele synthetische Riechstoffe, die unter diesem Namen gelistet werden. Es gibt den sauberen weißen Moschus, den extrem intensiven schwarzen Moschus, den "Jovan Musk" usw.

Der echte Moschus aus der Duftdrüse des Moschushirsches ist ein extrem teurer Duftstoff, man findet ihn heutzutage fast nur noch in exklusiven arabischen Parfums, die keinen Regulationen unterworfen sind. Und dann gibt es die Nische der Nische, die Natural Parfumery. Wer im Netz sucht, findet kleine Firmen, die in Kleinstmargen Duftöle anbieten, die ausschliesslich hochwertige Naturstoffe wie echtem Ambergris, Sandelholz- und Oudöl und Hirschmoschus enthalten und pro ml oft mehr kosten als ein Nischenflakon.

Meinen ersten Kontakt mit Hirschmoschus hatte ich in Manali, als ich 1992 während einer halbjährigen Indienreise 2 Monate in Himachal Pradesh verbrachte. Manali liegt auf ca. 3000m Höhe im Kulutal in den Ausläufern des Himalaya und ist ein beliebtes Ziel für Inder, die der Hitze des Subkontinents entfliehen möchten und ein Mekka für Kiffer. Cannabis wächst dort ÜBERALL und man kann handgeriebenes schwarzes Hasch von höchster Qualität (Charas) problemlos zu für uns lächerlichen Preisen erwerben, zufällig war ich dort während der Erntezeit:-) (Für Interessierte: Die beste Qualität (Malana Cream) gibt es im nahe und seehr abgelegenen Bergdorf Malana, das man nur durch einen beschwerlichen und abenteuerlichen Aufstieg auf 4500m Höhe erreichen kann, die Strapaze lohnte sich aber...)
Nach ein paar Tagen entfloh ich dem Trubel und fuhr weiter in das viel ruhigere Parvatital, dort verbrachte ich in der kleinen Pension eines Lehrers in einem wunderschönen kleinem Dorf wundervolle 2 Monate.

Ich schweife ab...in Manali bot mir ein Junge mal zur Abwechselung kein Dope, sondern ein rundliches und leicht behaartes Objekt an, das ich damals irrtümlich für einen Tierhoden hielt. Ich muß ihn wohl sehr irritiert angesehen haben und er sagte "Good Smell". Er nahm das Teil in seine Faust und strich mit seinem Handrücken über meinen Arm, was einen wunderschönen Duft auf meiner Haut hinterliess. Ich dachte natürlich, daß er ein Parfum auf seiner Hand hatte und probierte es selbst aus, es hatte den gleichen Effekt! Es klingt verrückt und ich weiß bis heute nicht, wie es funktionierte...

Der Duft faszinierte mich und ich kaufte es ihm für 1,50 DM ab. Heute weiß ich, daß es die Duftdrüse eines Moschushirsches war, diese enthält durchschnittlich 30 gr des Moschusgranulates. Ein Jäger bekommt aktuell ca.1500 Euro dafür, weit mehr als ein indischer Jahreslohn. Wahrscheinlich war die Drüse "abgeernetet" und wieder zugenäht. Die Preise waren damals wohl niedriger, aber er hätte bestimmt viel mehr dafür bekommen können.

Dann bekam ich letztes Jahr von einem sehr großzügigen Parfumeur, der auch Parfumomitglied ist (danke nochmal, wenn du das liest!), Miniproben von Ölen mit echtem Ambergris und Hirschmoschus. Zudem lernte ich durch einen Ebay-Kauf einen lieben Menschen kennen, der sich mit dem Handel mit Duftstoffen sein Studium in Pakistan, nahe der indischen Grenze und dem Gebiet im Himalaya, in dem ich mich Jahre vorher aufhielt, finanziert. Bei einem Besuch brachte er neben Oudölen und Amberbris Hirschmoschusgranulat mit, einen Teil hatte er in Sandelholzöl und einem White Musk Parfum eingelegt.

Purer Moschus riecht nicht gerade lecker, erst durch Verdünnung oder Kombination mit anderen Duftstoffen wird es für viele Menschen angenehm. Zumeist wird es in Parfums benutzt, um die Haltbarkeit anderer Duftstoffe zu erhöhen und dem Parfum das "gewisse etwas" zu geben. Es ist einer der komplexesten natürlichen Duftstoffe und der am stärksten duftende.

Nach diesem langen Intro komme ich nun endlich zum eigentlichen Thema, dem Muscs Koublaï Khän:

Der erste Test ist mir noch in sehr guter Erinnerung: Ich saß in unserer Küche, nicht weit von Waschbecken und Seife entfernt, hatte ich doch aufgrund der Kommentare wirklich böses erwartet. Ich hatte mir fest vorgenommen, dem Parfum eine Chance zu geben und es zumindest 1-2 Stunden auf der Haut zu lassen, da in einigen Kommentaren zu lesen ist, daß das Parfum nach krassem Start schöner wird.

Mutig aufgesprüht...den Arm langsam der Nase genähert...und ein wundervoller Duft stieg in meine Nase, mehr noch: ich spürte sofort, daß ich olfaktorisch zu Hause war. Dies war der Duft, den ich nie bewusst gesucht, aber lange herbeigesehnt hatte. Es roch unglaublich vertraut, ein Gefühl von tiefer Geborgenheit überkam mich... ich war beschützt, getragen und von Wärme umhüllt. Und dann wurde der Duft immer schöner, nicht unangehmes oder gar ekliges konnte ich wahrnehmen, nur olfaktorische Schönheit.

Ich bin nicht gut in der Analyse von Düften. Original Musk Blend No. 1 von Kiehls's ist hier als Duftzwilling aufgeführt, dem ich eine gewisse Ähnlichkeit attestieren würde. Am ehesten erinnert es mich bei allen Unterschieden an das Absolue Pour le Soir. Jemand schrieb in einem Kommentar auf Fragrantica, daß Muscs Koublaï Khän "Jovan in a limousine" ist, was ich nachvollziehen kann, das Jovan Musk geht gaaanz grob in eine ähnliche Richtung.
Es gibt aber doch einen Duftzwilling: es ist die Hirschmoschusprobe, die ich von dem lieben Parfumeur bekam. Es ist nicht nur der Moschus im Muscs Koublaï Khän, das dieser Probe gleicht, der Hirschmoschus weist fast alle Facetten dieses Parfums auf. Hier wurden alle Duftstoffe so kombiniert, um eine verblüffende Annäherung an den Orginalstoff zu erzielen, für mich eine absolute Meisterleistung der Parfumeure!

Muscs Koublaï Khän polarisiert wie kaum ein anderes Parfum. Ich glaube, daß hier die Hautchemie eine große Rolle spielt. Das Thema ist umstritten, aber ich konnte schon oft feststellen, daß ein Parfum auf der Haut eines Freundes anders duftet als auf meiner eigenen. Ich bin blond, meine Haut ist hell, er ist ein dunkler Typ. Vielleicht besänftigt meine Hautchemie Zibet und Bibergeil, ich mag auch andere Parfums mit diesen Duftstoffen.

Für mich ist dieses Parfum absolut tragbar, ich benutze es sogar in der Arbeit, keiner meiner Kollegen sah mich komisch an oder sagte mir, daß ich wie ein ungewaschener Mongolenkrieger dufte. Meine Gattin mag Muscs Koublaï Khän ebenfalls an mir und sie ist kein Freund krasser Düfte.

Es gibt kein anderes Parfum, daß ein solch tiefes Wohlgefühl in mir auslöst. Vielleicht roch die Haut meiner Mutter ähnlich, als ich ein Baby war, vielleicht trug sie ein Parfum, da ähnlich roch...irgendetwas ist olfaktorisch in meiner Vergangenheit verankert, das diese positiven Gefühle in mir auslöst, dieses zutiefst vertraute. Ich schätze alle Düfte meiner Sammlung, viele liebe ich wirklich, aber es sind höchstens eine Handvoll Parfums dabei, die mich ganz tief ansprechen und mich wirklich in meiner Seele berühren. Muscs Koublaï Khän schafft dieses am intensivsten und so ist es in dieser Hinsicht wirklich essentiell für mich.

Die Haltbarkeit auf meiner Haut ist übrigens extrem: Auf dem Handgelenk kann ich es noch nach 40 Stunden wahrnehmen!Die Sillage ist perfekt für mich, wahrnehmbar, aber nicht raumfüllend.

Lasst Euch nicht abschrecken und testet den Mongolen selbst!
29 Antworten
9.5Duft 8Haltbarkeit 8Sillage
Azahar

16 Rezensionen
Azahar
Azahar
Top Rezension 36  
Die Sage von Khan
Wie so oft in Liedern, Geschichten und Sagen kann nicht jeder das Schwert aus dem Stein ziehen, das Tor durchschreiten, die Prinzessin retten oder den Duft tragen.
Khan muss einen mögen. Das hat allerdings nichts damit zu tun, ob man der nächste König sein soll, ein reines, kindliches Herz hat, oder einfach nur Mut.
Mit Khan ist es wie in der Liebe: entweder stimmt die Chemie oder eben nicht. Aber Test-Mut ist natürlich die allererste Voraussetzung, also fasst Euch ein Herz!

Khan zu besuchen erfordert Geduld. Direkt nach dem Aufsprühen tobt er. Sofort steht man in einem Stall, zusammen mit einem riesigen (ich meine wirklich enormen) und wirklich bös gelaunten Pferd.

Es schnaubt und wiehert und macht sehr deutlich: Ich bin da! Was willst Du hier? Wer aufmerksam ist merkt, dass er das Riesenpferd durch seinen Besuch erschreckt hat. Am besten nähert man sich sehr langsam, zeigt ihm, dass man nichts Böses von ihm will, es hat einen schließlich auch einfach hierhin katapultiert.
Khan ist misstrauisch. Das kann ist nachvollziehbar. Ist ja auch sein Stall hier, aber nun ist man hier eben zusammen. Khan scheint das auch zu verstehen und wird ein wenig ruhiger.

Da muss man sich dann erstmal orientieren, selber Ruhe bewahren und sich umschauen. Es ist sauber hier, keine Pferdeexkremente überall. Heu, ein paar mit Wachs behandelte Sättel, auch andere Tiere (Katzen und Biber) scheinen hier zu leben. Und jemand hat offensichtlich ein Picknick gemacht, mit Kümmelroggenbrot und Vanille-Tee.

So kann man also auch erstmal ein Picknick machen, gern auch in der Nähe von Khan, der sich inzwischen ziemlich beruhigt hat. Wenn man sich ihm vorsichtig nähert lässt er einen sein schönes Fell streicheln, schnaubt leise und schaut einen aus großen Pferdeaugen an.

Und dann, nach etwa einer Stunde, geschieht etwas Unglaubliches: Khan verwandelt sich! Aus dem Pferd wird ein Mensch! (Für mich ist es ein Mann, aber es kann für jemand anderen auch eine Frau sein.) Ein sehr sehr gut riechender Mensch!
Das ist wirklich ganz erstaunlich und wundervoll, denn welcher Duft schafft es schon den wunderbaren Menschengeruch nachzuempfinden…
Khan ist ein Zentaur!
Und dieser Zentaur nimmt einen mit, auf eine ganz wunderbare, sinnliche und freudvolle Reise…

Über Zentauren

Es reiben die Verse sich, Reim an Reim rasselnd geschliffen
Vertraue nicht klaren Gedanken, laß Dich durch sie nicht betören,
vertrau nicht wie Blinde den Fingern,
nicht den Augen, wie handlose Eulen.
Ich predige Klugheit und Leidenschaft,
fest in der Taille zusammengewachsen
wie ein Zentaur.
Ich bekenne mich zur Harmonie von Männerbrust und Kopf
Mit dem kraftvollen Leib und der schlanken Fessel des Hengstes.
(Zuzana Ginczanka)
21 Antworten
1Duft
Positron

72 Rezensionen
Positron
Positron
Top Rezension 45  
Auf der Schwelle zur Sodomie.
An welchen Drüsen muss man die oben beschriebenen Tiere eigentlich melken, um damit die Ausdünstungen bei menschlichen Fortpflanzungspraktiken zu parodieren?
Muscs Koublaï Khän beginnt am After der Katze, beschreibt einen Umweg über das letzte Hemd eines Obdachlosen, um dann wieder an zum Beginn der zoologischen Fäkalienkunde zurückzukehren. Das wohlwollendste Bild, was dieses Sekret in mir hervorruft, ist die Fütterung im Raubtierhaus - ein Anlass, bei dem ich als Kind ausschlich durch den Mund zu atmen wagte.
Ach, wäre dieser animalischen Abart doch nur die versprochene Vanille oder ein zartes Röslein zur Hilfe gekommen. Aber auf meinem Handgelenk blieb es bei einer allzu intimen Safari.
Und ich möchte nicht wissen, über was für eine Körperchemie jemand verfügen muss, damit Muscs Koublaï Khän als angenehmes Parfum, geschweige denn als Büro-Duft erscheint. Lieber Vorredner, verzeih mir bitte diese zynische Frage. Aber bist du vielleicht Zoo-Direktor?
12 Antworten
6Duft 8Haltbarkeit 8Sillage
Meggi

1018 Rezensionen
Meggi
Meggi
Top Rezension 30  
36-Stunden-Übung
Wie viele andere meines Alters habe ich als junger Mann zwangsweise ein Jahr meines Lebens bei der größten Real-Satire unseres Landes zugebracht: der Bundeswehr. Auch für „Kopfgesteuerte“ (ich war Tast-Funker) bei der Marine gehörte dazu ein gewisses Maß an Rödelei in olivgrüner Kluft. Sie kulminierte in der sogenannten „36-Stunden-Übung“. Morgens los, abends am nächsten Tag zurück.

Wahrscheinlich ahnen jetzt alle schon, worauf ich hinaus will. Was ist schließlich von einem Duft zu erwarten, der angabegemäß praktisch alles enthält, was viehisch stinkt? Na ja, ganz so einfach ist es dann doch nicht.

Klar, da ist ordentlich Gestank: Vornean Ambra plus was Ungewaschenes nebst einer Ecke voller Katzenpisse. Eine Lage flüssigen Honigs hilft nicht, der zieht nämlich seinerseits alle diesbezüglichen Register. Insofern besteht – wie bereits diagnostiziert – in der Tat alsbald eine Art Seelenverwandtschaft zu Kurkdjians Absolue pur le Soir, nur geht es heute weit, weit stinkiger zu, weil sich selbst der Honig-Geruch im Dreck suhlt und nicht bloß ’ne Stange Wasser in der Ecke stehen hat. MFK wahrt schlichtweg etwas mehr Contenance und das Absolue vermag bei mir mithin durchaus Assoziationen an einen weihnachtlichen Waldorf-Markt zu wecken.

Mein Problem mit dem Lutens ist dadurch freilich immer noch nicht auf dem Punkt, denn auch der Fortgang ist mitnichten unrund im Sinne von ‚unlogisch‘ - eine Entwicklung aus der Animalik heraus in Richtung Gewürz im Laufe des Vormittags. Am Nachmittag kriegt die Würznote sogar was Metallisches. Die Animalik spielt nun die zweite Geige und teilt sich in vanillige Ambra auf der einen und (vermutlich) Labdanum-Stink auf der anderen Seite.

Aber ungeachtet dieser Schwerpunktverschiebung bleibt der Duft sehr vereinnahmend und das in einer Weise, die mich stört. Schon gegen Ende der ersten Stunde hat sich eine schmierige Grundstimmung gleichsam an mir festgekrallt. Derlei mag ich allemal bei allzu ungewaschen-dreckig angehauchten Sachen nicht. Der Lutens erinnert mich in seinem kompromisslosen Besitz-Anspruch leider an meine beiden E99-EsAns-Tests (Ambra Andalus, Green Tabak), wobei Letztere, das sei ausdrücklich betont, nicht annähernd so schmutzig daherkamen wie der heutige Kandidat.

Mit Düften wie Ambrarem – wahrlich ein Stinker! - komme ich besser zurecht. Der ähnelt mehr einem Kneipen-Besuch von vor 2008. Wer damals aus der Tür trat, wusste: Ein Spaziergang an der frischen Luft nach Hause und gut ist. Bei Muscs Koublaï Khän komme ich hingegen von sonstwoher, fühle mich selbst dreckig und weiß, die Dusche ist weit weg. Dass der Duft auf die Umgebung keineswegs dermaßen schlimm wirkt, hilft mir auch nicht.

Und folglich bin ich wieder auf der 36-Stunden-Übung. Duschen? Wo denn? Ich hatte sogar noch Glück gehabt, weil ich wegen einer Zerrung die schweißtreibenderen Rödeleien gar nicht mitmachen musste. Und trotzdem kam ich mir versifft vor. Ein schmieriger, kleiner, müder Matrose, Lichtjahre entfernt von der stinkenden (Womöglich)-Grandezza eines Mongolen-Herrschers.

Fazit: Mir ist da zu viel reingepackt. Ich passe.

Ich bedanke mich bei 0815abc für die Probe.
23 Antworten
9Duft 8Haltbarkeit 7Sillage
ElAttarine

95 Rezensionen
ElAttarine
ElAttarine
Top Rezension 36  
Die unsichtbaren Städte – Melancholie der Weite
Pferde, von irgendwoher weht Rosenduft. Weite der Steppe. Immer wieder Pferde. Andere Tiere huschen vorbei, Katzen, felliges Getier. Sitzen auf wertvollen Fellen. Der Wind weht von Zeit zu Zeit Harziges heran, manchmal eher süßlich, manchmal herbwürzig, manchmal den Duft anderer Menschen aus der Ferne. Diese Weite…
„Im Leben der Kaiser gibt es einen Augenblick, der nach dem Stolz auf die grenzenlose Weite der eroberten Gebiete eintritt, nach Wehmut und Trost über das Wissen, daß man bald verzichten wird, sie kennen und verstehen zu lernen; wie ein Leergefühl, das eines Abends von uns Besitz ergreift, gleichzeitig mit dem Geruch von Elefanten nach dem Regen und von Sandelholzasche, die in den Glutbecken erkaltet“ –
Italo Calvino lässt in „Die unsichtbaren Städte“ das Gespräch zwischen Marco Polo und dem Kublai Khan imaginär aufleben. Und zwar bittet der Khan Marco Polo, ihm von den auf seinen weiten Reisen gesehenen Städten zu erzählen, worauf Marco ihm 55 Porträts komplett imaginärer Städte liefert. Das Gespräch ist gezeichnet von großer Melancholie des mächtigen Khan, der doch darum weiß, dass sich ein solch riesiges Reich gar nicht regieren lässt, und vor allem, dass er an seinem Höhepunkt angekommen ist und es für ihn nicht weiter aufwärts gehen kann... Solch ein Reich lässt sich auch nicht von einem einzelnen Herrscher kennenlernen oder gar verstehen. Aber es lässt sich immer noch imaginieren, mit all den Städten, Regionen und Gewürzen, den Menschen und Tieren und ihren Düften…
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Die für einen einzelnen Menschen unermessliche Weite der Steppe mit all diesen imaginären Orten und Düften, und die dazugehörige Melancholie in der Einsicht, die Weite nicht bewältigen zu können und doch ihr Herrscher sein zu müssen, dass es nicht noch weiter mehr werden kann – all das transportiert für mich dieser einzigartige Duft, blumig, tierisch und voller Weite… Endlich habe auch ich ihn kennenlernen können.
Nach dem Aufsprühen startet er bei mir meist mit zartsüßer frischer Rose. Je nach Körperstelle, Dosierung und Zeitpunkt (das macht bei mir hier extrem viel aus) kommt schneller und stärker oder weniger stark die Animalik durch, vor allem Castoreum. Das ist schon recht deutlich, und ich verstehe, dass das manche zu stark finden und nicht mögen. Aber das Ganze ist extrem gut gemacht und miteinander verbunden. Derart eingebunden mag ich Rosenskeptikerin sogar die Rose hier. Nach und nach wird hier so ziemlich alles aufgefahren, was an tierischer und pflanzlicher Animalik möglich ist: Castoreum, dann auch Moschus und Zibet, von pflanzlicher Seite Ambrette, Labdanum, Kostus und Kümmel. Gerade am Anfang habe ich den starken Dufteindruck warmer Pferde, aber auch das wechselt und wird phasenweise felliger oder schwitziger und später menschelnder. Ich finde diese Animalik nicht wild, sondern sehr kaiserlich-erhaben und melancholisch zugleich, auch wenn das ein Widerspruch ist. Dazu treten süßlich-würzige Noten von Vanille und Patchouli in der Basis, und bis zum Schluss bleibt etwas weich-Animalisches dabei.
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Imaginäre Vertrautheit mit allem, was je existiert hat… der Duft nimmt mich mit auf eine Reise durch die Weite der Steppe… Und die Melancholie des Erreichten…
Er ist all das und dazu wie eine reale Person, ein echtes Gegenüber, das mir immer wieder anders begegnet. Er duftet jedesmal anders! So stark habe ich das bei keinem anderen Duft. Der antwortet mir und meiner jeweiligen Gemütslage. Und duftet auch an jeder Haustelle anders…Jetzt möchte ich das am liebsten überall ausprobieren…und noch viel lieber nicht alleine…

„His flashing eyes, his floating hair!
Weave a circle round him thrice,
And close your eyes with holy dread,
For he on honey-dew hath fed,
And drunk the milk of Paradise.“
Quellen:
Italo Calvino, Die unsichtbaren Städte (Le città invisibili, 1972)
John Man: Kublai Khan. The Man who Remade China. (2007)
Samuel T. Coleridge: Kubla Khan. A Vision in a Dream (1797)

55 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

42 kurze Meinungen zum Parfum
47
54
Erotik in Glasflasche eingefangen
Geil wie ein Biber
Bis in die Kostuswurzeln
Sabber tropft wie Bienenwachs
Schweißperle auf Stirn vor Hitze
54 Antworten
vor 1 Jahr
25
42
Liebesmoschus. Wilde, verschwitzte Nächte, Besinnungslosigkeit, sich fallen lassen - so etwas duftet halt weder nach Duschbad noch nach°°°
42 Antworten
23
19
Leicht kümmeligen Honig
gibt's im Streichelzoo.
Vorsicht Rutschgefahr,
wird leicht seifig.
19 Antworten
21
10
Als hätten Kouros und Musc Ravageur ein Kind gezeugt, das -von den Eltern strikt getrennt- in einem privaten Eliteinternat erzogen wurde.
10 Antworten
19
10
Süße Honighaut.
Zart balsamisch gebräunt, saubergeschwitzt, kümmelgeduscht,
am Ende eines warmen, hellen, glücklichen Hochsommertages.
10 Antworten
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Diskussionen

Themen zum Parfum im Forum
MrWhiteMrWhite vor 11 Jahren
Unisex-Parfum
Ist Muscs Koublaï Khän eingestellt?
Habe gerade einen 50 ml Flakon entdeckt. Preisreduziert auf 60,00 €. Falls also jemand Interesse hat bitte via PN melden.
DonVanVlietDonVanVliet vor 15 Jahren
Herren-Parfum
Muscs Koublaï Khän von Serge Lutens
Fran:Kankuro:als sei ich total von SinnenJa! :shock: :lol:Nein. Da hat er mal ausnahmsweise...

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