Opium Yves Saint Laurent 1992 Secret de Parfum
58
Top Rezension
hier eine Narbe, dort ein Mal
Es ist noch nicht so lange her, da hätte ich das Tragen, vielleicht sogar das Testen bestimmter Düfte mit Vehemenz ausgeschlossen.
Dann, wenn ich ganz sicher wußte: Das bin nicht ich, kein Teil von mir, nicht eine meiner vielerlei Facetten – dieser Duft ist nicht für mich gemacht.
Düfte wie "Trésor", wie "Poison" – wiewohl bereits getragen -, der alte "Fahrenheit" und natürlich "Opium".
Jene überdimensionierten Kracher, die den Atem raubten und die Sinne in einer Zeit lang vor dieser Zeit.
Als noch kein Mensch an Leichtgewichte dachte, die "CK One" hießen, Giòs diverse Acquas und "Light Blue".
Die schmal wirkten, blaß und ein wenig unterernährt wie Kate Moss und all die Jungs und Mädels, die sie trugen im Bewußtsein ihrer Anders-Art, die per se ja nichts Schlechtes ist – solange mensch sie überlebt.
Für die Kracher viel zu schwach, für die Magermodels nicht flachbrüstig genug, suchte ich mein Glück in olfaktorischen Gefilden, die sich "Senso" nannten und "Moschino", "Azzaro 9" und wie sie alle hießen, die More-or-less-signatures jener Zeit.
Mit ihnen fühlte ich mich gut gekleidet in Jeans, im Anzug oder auch in nichts, sie waren nie zu viel und nie zu wenig.
"Du riechst so gut!" bekam ich oft gesagt, nur selten "Man riecht Dich im Treppenhaus."
Zwei Sprüher, höchstens drei, mehr mußten es nicht sein.
Mehr durften es nicht sein, sonst stieg er mir zu Kopf, der Duft, und stach mir in die Nase, boxte in den Bauch und war gar nicht mehr schön.
Daß genau dies der Grund sein mochte für mein Problem mit "Opium", mit "Fahrenheit" und Co., kam mir erst später in den Sinn, erst viele Jahre später.
In einer Zeit, in der kaum jemand diese Düfte trägt, in der die Luft geschwängert ist von zuckersüßem Leben, "Hypnotic Poison" und schwarzem Opium.
Und von alledem meist wieder viel zu viel.
Vielleicht mußte ich auch wachsen erst und reifen, verstehen lernen die Geschichten, die ein Leben schreibt, und mit ihm die Düfte, die wir tragen dann und dort.
Mußte wacher werden und gelassener, bis die Tür sich öffnete und aus irgendeiner Quelle, die sich nicht mehr finden läßt, "Opium" in meine Höhle fand – nicht jenes neue Opium, nicht jenes schwarze, das heute allenthalben in den Läden steht.
Ein Röhrchen "Secret de Parfum" fand seinen Weg zu mir – ein Sprüh-mich-nicht, ein Tupf-mich-auf mit langem, schmalem Stab.
Das traf sich gut, so konnte ich mich vorwärts tasten in Dosierung wie im Test, der lange währte, viele Tage, und doch des Röhrchens Inhalt kaum merklich schwinden ließ.
Es war ein "Hello again!" auf den ersten Atemzug – wer einmal "Opium" erlebt hat, dem bleibt es stets vertraut.
Ein "Hello again" mit den frühen Neunzigern, mit aufgeregten, langen Nächten, mit zu viel Zigarettenrauch und viel zu wenig Schlaf.
Schwarzrotdunkelgold'ne Glut, tief und herb und würzigkühl.
Ernst und dicht und laßmichlos.
"Ein Chypre!" kommt mir in den Sinn – ein Chypre ohne frisches Grün, fern von Paris und von der Insel, ein Chypre irgendwo in Bangladesch.
Dunkle Erde, dichtes Grün, ein tiefer Splitter Holz, darüber schwebend trockenstaubig Zimt.
Sehr schwer, sehr schwarz, doch düster nicht – ein Herz aus altem, schwerem Gold.
Dichter, dunkler Samt auf weißer Haut, brokatbestickt - umkohlt der Blick, tiefrot der Mund.
Und spröde doch, halt fern dich, distanziert.
Gelebte Zeit und ihre Spuren, hier eine Narbe, dort ein Mal.
Ein wenig Bitterkeit, ein Hauch Melancholie.
Picassos Tochter hätte ihn geliebt.
Wir sind nicht eins geworden mit der Zeit, nicht "Opium" und ich.
Ich finde mich nicht wieder in dem Duft, finde "Opium" nicht in meinem Spiegel.
Doch das muß auch gar nicht sein – es ist nicht nötig, um den Duft zu mögen, zu verstehen, zu respektieren mittlerweile auch.
All die Tage war es nur ein Hauch, der uns verbunden, der mich hat lauschen lassen, sehen lassen, spüren lassen die Geschichten, die in diesem Röhrchen sind, darauf wartend, angehört, erzählt zu werden.
Von Frauen, von Männern, von mir und bald von Dir.
Dann, wenn ich ganz sicher wußte: Das bin nicht ich, kein Teil von mir, nicht eine meiner vielerlei Facetten – dieser Duft ist nicht für mich gemacht.
Düfte wie "Trésor", wie "Poison" – wiewohl bereits getragen -, der alte "Fahrenheit" und natürlich "Opium".
Jene überdimensionierten Kracher, die den Atem raubten und die Sinne in einer Zeit lang vor dieser Zeit.
Als noch kein Mensch an Leichtgewichte dachte, die "CK One" hießen, Giòs diverse Acquas und "Light Blue".
Die schmal wirkten, blaß und ein wenig unterernährt wie Kate Moss und all die Jungs und Mädels, die sie trugen im Bewußtsein ihrer Anders-Art, die per se ja nichts Schlechtes ist – solange mensch sie überlebt.
Für die Kracher viel zu schwach, für die Magermodels nicht flachbrüstig genug, suchte ich mein Glück in olfaktorischen Gefilden, die sich "Senso" nannten und "Moschino", "Azzaro 9" und wie sie alle hießen, die More-or-less-signatures jener Zeit.
Mit ihnen fühlte ich mich gut gekleidet in Jeans, im Anzug oder auch in nichts, sie waren nie zu viel und nie zu wenig.
"Du riechst so gut!" bekam ich oft gesagt, nur selten "Man riecht Dich im Treppenhaus."
Zwei Sprüher, höchstens drei, mehr mußten es nicht sein.
Mehr durften es nicht sein, sonst stieg er mir zu Kopf, der Duft, und stach mir in die Nase, boxte in den Bauch und war gar nicht mehr schön.
Daß genau dies der Grund sein mochte für mein Problem mit "Opium", mit "Fahrenheit" und Co., kam mir erst später in den Sinn, erst viele Jahre später.
In einer Zeit, in der kaum jemand diese Düfte trägt, in der die Luft geschwängert ist von zuckersüßem Leben, "Hypnotic Poison" und schwarzem Opium.
Und von alledem meist wieder viel zu viel.
Vielleicht mußte ich auch wachsen erst und reifen, verstehen lernen die Geschichten, die ein Leben schreibt, und mit ihm die Düfte, die wir tragen dann und dort.
Mußte wacher werden und gelassener, bis die Tür sich öffnete und aus irgendeiner Quelle, die sich nicht mehr finden läßt, "Opium" in meine Höhle fand – nicht jenes neue Opium, nicht jenes schwarze, das heute allenthalben in den Läden steht.
Ein Röhrchen "Secret de Parfum" fand seinen Weg zu mir – ein Sprüh-mich-nicht, ein Tupf-mich-auf mit langem, schmalem Stab.
Das traf sich gut, so konnte ich mich vorwärts tasten in Dosierung wie im Test, der lange währte, viele Tage, und doch des Röhrchens Inhalt kaum merklich schwinden ließ.
Es war ein "Hello again!" auf den ersten Atemzug – wer einmal "Opium" erlebt hat, dem bleibt es stets vertraut.
Ein "Hello again" mit den frühen Neunzigern, mit aufgeregten, langen Nächten, mit zu viel Zigarettenrauch und viel zu wenig Schlaf.
Schwarzrotdunkelgold'ne Glut, tief und herb und würzigkühl.
Ernst und dicht und laßmichlos.
"Ein Chypre!" kommt mir in den Sinn – ein Chypre ohne frisches Grün, fern von Paris und von der Insel, ein Chypre irgendwo in Bangladesch.
Dunkle Erde, dichtes Grün, ein tiefer Splitter Holz, darüber schwebend trockenstaubig Zimt.
Sehr schwer, sehr schwarz, doch düster nicht – ein Herz aus altem, schwerem Gold.
Dichter, dunkler Samt auf weißer Haut, brokatbestickt - umkohlt der Blick, tiefrot der Mund.
Und spröde doch, halt fern dich, distanziert.
Gelebte Zeit und ihre Spuren, hier eine Narbe, dort ein Mal.
Ein wenig Bitterkeit, ein Hauch Melancholie.
Picassos Tochter hätte ihn geliebt.
Wir sind nicht eins geworden mit der Zeit, nicht "Opium" und ich.
Ich finde mich nicht wieder in dem Duft, finde "Opium" nicht in meinem Spiegel.
Doch das muß auch gar nicht sein – es ist nicht nötig, um den Duft zu mögen, zu verstehen, zu respektieren mittlerweile auch.
All die Tage war es nur ein Hauch, der uns verbunden, der mich hat lauschen lassen, sehen lassen, spüren lassen die Geschichten, die in diesem Röhrchen sind, darauf wartend, angehört, erzählt zu werden.
Von Frauen, von Männern, von mir und bald von Dir.
32 Antworten


Mir war er immer zu wuchtig, aber ich werde ihm jetzt nochmal die Gelegenheit geben :)
Noch nie probiert, nicht gewagt. Vielleicht sollte ich testen. Vorsichtig zaghaft.
lang ists her.....:-)
Opium und ich waren auch nie sehr eng!Dennoch ein Meilenstein der mich nicht unberührt,kalt läßt.
eine kleine Zeitreise,
und der Duft steht/stand nicht jeder Frau, aber wenn, dann ...