Echt Kölnisch Wasser 1792 Eau de Cologne

Echt Kölnisch Wasser (Eau de Cologne) von 4711
Flakondesign Peter Heinrich Molanus
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6.9 / 10 875 Bewertungen
Echt Kölnisch Wasser (Eau de Cologne) ist ein Parfum von 4711 für Damen und Herren und erschien im Jahr 1792. Der Duft ist frisch-zitrisch. Es wird von Mäurer & Wirtz vermarktet.
Aussprache
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Duftrichtung

Frisch
Zitrus
Grün
Aquatisch
Blumig

Duftpyramide

Kopfnote Kopfnote
BergamotteBergamotte ZitroneZitrone OrangeOrange
Herznote Herznote
LavendelLavendel RosmarinRosmarin
Basisnote Basisnote
NeroliNeroli PetitgrainPetitgrain

Parfümeur

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Duft
6.9875 Bewertungen
Haltbarkeit
4.1760 Bewertungen
Sillage
4.4736 Bewertungen
Flakon
7.0769 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
8.3322 Bewertungen
Kosmetik zum Parfum bei Cosmetio
Eingetragen von DonVanVliet, letzte Aktualisierung am 14.04.2024.
Wissenswertes
"Echt Kölnisch Wasser“ geht auf eine spezielle Mixtur zurück, die ab 1709 unter dem Namen "Aqua Mirabilis“ als Heilmittel vertrieben wurde. Der Italiener Johann Maria Farina stand hinter dem Originalrezept. Bald gab es andere "Kölnisch Wasser", die den Namen "Farina“ benutzten und J.M. Farina musste sich gegen Plagiate wehren. 1792 kam eines von Georg Mühlens auf den Markt und der lange währende Streit um den Namen führte letztendlich dazu, dass dessen Produkt in "4711 - Echt Kölnisch Wasser” umbenannt wurde. Noch heute produzieren beide Firmen; “Farina Gegenüber” beruft sich darauf, noch das über 300 Jahre alte Originalrezept zu verwenden. Als Napoleon Köln einnahm, ließ er alle Häuser durchnummerieren. Das Haus in der Glockengasse, in dem Mülhens residiertem, bekam die Nummer 4711. Noch heute kann man auf einigen Geschenkpackungen eine Szene sehen, in der ein Reiter in Uniform mit Kreide die Zahl auf die Hauswand schreibt. Auch die Glocke ist im Firmenschriftzug noch immer präsent.

Rezensionen

75 ausführliche Duftbeschreibungen
7
Flakon
5
Sillage
2
Haltbarkeit
7.5
Duft
FvSpee

323 Rezensionen
FvSpee
FvSpee
Top Rezension 66  
Colonia statt Corona. No. 2: Ristretto.
Was gibt es für einen besseren Beleg für meine in No. 1 geäußerte These, dass Seuchenzeiten sich für Kölnischwässer eignen, als die Tatsache, dass dies der dritte 4711-Kommentar in einer Woche und fünfte in zwei Monaten ist? Davor war sechs Monate Ruhe. Das Zeug hat definitiv Konjunktur, die Zeiten inspirieren zum Colognieren (manchmal vielleicht auch mit dem Umweg übers Transpirieren).

Wenn das "Classique" von Alpa eine weichgeschliffene Bergamotte ist, dann ist 4711 eine Voll-auf-die-Fresse-Bergamotte, mit reichlich und reinlich spürbarer Zitrone. 4711 hat eine kompromisslose zitrische Härte und Schärfe, die fast metallisch schneidend ist. In diesem Anfang liegt der unverwechselbare Sound von 4711, den kein anderer Duft der Welt so hat.

Damit ist dieser Duft ein echter Frische-Shot. Wenn er ein Kaffee wäre, dann wäre es ein Espresso Ristretto Doppio. Aus 100% Robusta-Bohnen. Mit maximalem Röstgrad. Kochend heiß. Damit ist 4711 auch ein echtes Anti-Parfüm. Es hat nichts Schwelgerisches, Weiches, nicht von "ich mache mich schön und lasse es mir gutgehen".

Daher war 4711 auch in den Zeiten und bei den Zielgruppen immer möglich, in denen ein Parfüm nicht ging. Parfüm? Das ist doch für Frauen, ich bin ein Mann. Das ist für Franzosen, ich bin Deutscher. Das ist für junge Frauen, ich bin schon vierzig. Das ist etwas für glückliche Menschen, ich bin Witwe. Das ist doch höchstens für den Sonnabend, beim lustig sein. Aber heute ist Werktag und ich arbeite. Oder Sonntag und ich bin in der Kirche. Ja, da geht Parfüm nicht. Aber 4711, das ist etwas anderes, das geht natürlich immer. Das ist doch was Reelles. Ein Medizin. Ein Werkzeug! Wie Odol bei Mundgeruch. Wie Franzbranntwein bei Muskelkater. Wie Klosterfrau Melissengeist bei Katarrh.

Das ist auch alles wahr, und wegen dieser Härte und fast schon ungemütlichen Schnelligkeit dieses Duftes ist er auch heute noch passend für Situationen, in denen die Umwelt bei einem "echten" Parfüm vielleicht fragen würde: Hat der/die sie noch alle? JETZT nichts besseres zu tun zu haben, als ein Parfüm aufzulegen??? 4711 kann sich auch der Feuerwehrmann während eines Großeinsatzes am brennendes Haus auftupfen. Oder die Corona-Ärztin in einer kurzen Pause von der Intensivstation. Und genau dann passt 4711 vielleicht auch am Besten, denn es wirkt sofort, es stimuliert und weckt auf.

Aber ein ganz, ganz kleines bisschen war dieses "4711 ist doch kein Parfüm!" auch immer eine listige Selbsttäuschung und Camouflage vor der Umwelt. 4711 ist eben kein reines Zitronenwasser, mit dem man auch den Kühlschrank auswischen könnte. Die Kräuter und der Lavendel im Herz (soweit man hier überhaupt einen klassischen Verlauf postulieren will) geben eine doch irgendwie edle Eigenart und Stabilität, und ja, ja, in der Basis, die nach 15 Minuten beginnt, ist etwas Zartes, Feines, Weiches, kaum spürbar, aber es ist da. Keine Vanille, kein Jasmin, aber doch ein zart blütiges Neroli. Und damit ist es doch ein bisschen Parfüm.

Ich mag 4711 sehr. Und auch wenn ich weder dem Duft noch dem Flakon Höchstnoten gebe, hoffe ich, dass beide in genau der Form, ohne Veränderungen, noch lange existieren werden!

Für den ikonischen Namen gibt es natürlich 10 Punkte.

Das war der Duftkommentar, und nun kommen noch ein paar Nachgedanken (coronafrei, aber omahaltig):

4711 wird ständig als "Omaduft" wahrgenommen. Und, nicht identisch, aber damit zusammenhängend, er wird mit "demütigenden" Szenen verbunden, in denen wir als kleine Kinder mit Taschentüchern, die mit 4711 getränkt waren, den Kakaomund oder das blutige Knie abgewischt bekommen haben, was wir doof fanden. Warum betüttelt uns die Oma so, wir sind doch groß und stark.

Natürlich verurteile ich niemanden, der so empfindet und der 4711 deshalb kategorisch ablehnt. Trotzdem, ich meine, man sollte eine solche Ablehnung auch mal reflektieren. Ich teile sie jedenfalls für mich persönlich nicht.

Klar ist 4711 für uns Parfüm-Nutzer "in den besten Jahren" (heute Lebensalter 40 bis 60) schon irgendwie ein Oma-Duft. Denn die Generation unserer Großmütter hat sehr viel 4711 benutzt. In deren Jugend war Hitler und Krieg, und als der vorbei war, waren sie oft Witwen, Vergewaltigungsopfer, Trümmerfrauen. Und dann war der Wiederaufbau einer heilen Welt mit Heimatfilmen angesagt. Das war nicht die Zeit von Chanel No 5, das war die Zeit von 4711. Und dann waren sie alt und sind bei 4711 geblieben. Und, ist daran etwas verkehrt? Muss man 4711 deshalb ablehnen? Ok, es gab natürlich auch richtig böse Omas. Wer so eine hatte, der will dann vielleicht wirklich nicht via 4711 an sie erinnert werden. Meine Omas hatten ihre Abgründe und ihre merkwürdigen Seiten, aber insgesamt waren sie nicht verkehrt. Und zu mir sowieso gut. Und dass sie 4711-Omas waren, und keine Mitsouko-Omas, das hat Gründe, auf die man vielleicht oft eher mit Mitgefühl als mit Widerwillen schauen kann.

Und was das andere angeht: Ich finde, wenn die Ehefrau oder der Ehemann einem ungefragt den Mund abwischt ohne vorher ausdrücklich um Erlaubnis zu fragen, dann ist das, solange man noch nicht senil ist jedenfalls, unangemessenes Betütteln. Für Eltern und Großeltern gehört(e?) es zur Job-Beschreibung. Aus deren Sicht ist (war?) es ein Ausdruck von Liebe und davon, das Kind nicht verwahrlosen zu lassen, es nicht mit versabbertem Mund durch die Gegend rennen zu lassen. Zur Job-Beschreibung des Kindes gehört es, das doof zu finden. Und zur Job-Beschreibung des erwachsen gewordenen Kindes, reifer geworden zu sein und die Abwischwut der Eltern und Omas in milderem, vielleicht sogar jetzt zärtlichem Licht zu sehen.

Und darauf einen Klosterfrau Melissengeist!
34 Antworten
5
Flakon
2.5
Sillage
2.5
Haltbarkeit
10
Duft
Markyta

86 Rezensionen
Markyta
Markyta
Top Rezension 69  
4711, das Schreckgespenst der “es könnte ja einer Denken ich bin nicht cool Fraktion”
4711 ist 1792, wie bereits seine Vorgänger von Farina, als eine Art “Wundermedizin” auf den Markt gekommen, in einer Zeit, als die moderne Medizin noch weitestgehend in den Kinderschuhen steckte und sich Ärzte vor operativen Eingriffen meist nicht einmal die Hände wuschen.

Eau de Colognes wurden bei Kopfschmerzen auf die Stirn getupft, man rieb damit Schwellungen ein, benetzte Tücher wurden gegen Fieber auf die Stirn gelegt, innerlich sollten sie gegen Magenbeschwerden, innere Unruhe (Prösterchen….) und was weiß ich noch alles wirken. Wahrscheinlich halfen sie auch gegen Furunkeln und den bösen Blick.
Nach damaligen Maßstäben war 4711 ein Medikament.

“Häää?” (Übersetzungshilfe: “Entschuldigen Sie bitte, könnten Sie das vielleicht noch einmal Wiederholen, ich habe Sie nicht verstanden.”)

“Dat wor eh Medikament, du Tünnes”

“Ach, dann wor dat at jar ken Paföng?“

Enäääh! (In der hochdeutschen Übersetzung bedeutet dies - “Ich bewundere Ihre unglaubliche Auffassungsgabe und ihre deduktive Denkfähigkeit und muss Ihnen in allen Punkten vorbehaltlos zustimmen.“)

Bei 4711 freute man sich grade dumm und dusselig über die schöne neue Hausnummer, als Napoleon auch schon einen Wermutstropfen vorbei brachte, obwohl Mühlens für den sicher auch ein freies Fläschchen hatte ( Santé…).
Napoleon führte nämlich die Deklarationspflicht für innerlich anzuwendende Medikamente ein.

“Och Nääh, wat do drin es, dat jeit doch kinne Minsch jet aan”
Herr Mühlens wäre aber kein- kölscher Jung - gewesen, hätte er für dieses marginale Problemchen keine Lösung gefunden.
Kurzer Hand schrieb er “nur zur äußeren Anwendung” aufs Etikett, und wechselte die Flaschenform, - denn diese war nur “richtigen Medikamenten”, wie zum Beispiel dem etwas später auf dem Markt erschienenen Klosterfrau Melissengeist vorbehalten (Prösterchen….).

Trotz dieser Umdeklaration wurde 4711 zu einer beliebten Allzweckwaffe in so mancher Hausapotheke. Zum Fieber senken, gegen Kopfschmerzen, zur Wunddesinfektion, als “Waschersatz” (sauberes Wasser gab es ja auch lange nicht so wie heute aus der Leitung) und so blieb es bis weit in die sechziger Jahre.

Ja unsere Omas und Opas rochen oft nach 4711, ich glaube aber das hat kaum einer als “Paföng” betrachtet. “Paföng” war was für reiche Leute und französische Schauspielerinnen.

Seltsamer Weise finden einige erklärte Gegner den Geruch von 4711 sogar toll, so lange sie nicht wissen was es ist. Einem Kollegen hab ich mal erzählt, dass sei ein neuer Duft von Aqua di Parma, der war am nächsten Tag ganz Unglücklich darüber, dass sie den in seiner Stammparfumerie weder kannten noch hatten. Und auch du lieber Don, fändest den wahrscheinlich gar nicht soooo schlecht, würdest du ihn in einer schönen bunten Flasche von Bond No.9 riechen.

Letztendlich ist es aber Unsinn zu sagen, es ist nicht gut, weil es nicht so ist, wie ich es von einem Duftwasser erwarte. Ich kaufe mir doch keinen Diesel in der verbrauchsarmen Ökovariante und beschwere mich hinterher, dass der für die Formel 1 völlig ungeeignet ist (Eigentlich ein schlechter Vergleich, denn Autobild tut genau das).

Ja die Zitrusnote riecht am Anfang beißend wie Riechsalz, dazu wurde es doch genau so gemacht. Also ist das doch gut. Es erfüllt gestern wie heute immer noch genau den Zweck für den es hergestellt wurde. Deshalb ist es auch noch da. 4711 wird nicht getragen, man benutzt es. Es gehört zur kölschen Identität, wie der Dom und Tünnes und Schääl. Und der Erfolg gibt ihm eines, nämlich Recht.

Und beschwert euch auch nicht immer über eine zu geringe Silage und Haltbarkeit bei Colognes, egal ob jetzt dieses oder jedes andere. Dafür sind die Dinger nicht gemacht, im Gegenteil, ein Cologne mit großer Haltbarkeit würde seinem Zweck zu wider laufen. Sie dienen der Erfrischung, vielleicht hat ja der eine oder andere in der Schule aufgepasst und kann sich noch dunkel an das “Verdunstungsprinzip” erinnern. - Wenn auf einer Oberfläche eine Flüssigkeit verdunstet, das ist in diesem Fall auch gerne Mal der Alkohol, der macht das nämlich besonders schnell, dann kühlt die Unterseite ab. Viel hilft da zwar nicht immer viel, aber oft hilft oft, und wenn dann jedes Mal eine Riesenduftwolke zurück bliebe, würde man das bei großer Hitze nicht mehr so ganz angenehm finden.

“Ahsuuu” (Übersetzungshilfe: “Ich hab das zwar nicht so ganz verstanden, sage aber jetzt einfach Mal ja.”)
*

Und wenn in spätestens 20 Jahren auch die letzte Flasche Boss Bottled im Sumpf der Vergessenheit versunken ist, werden wahrscheinlich immer noch Heerscharen chinesischer, japanischer und amerikanischer Touristen in die Glockengasse pilgern und sich mit 4711 eindecken.
19 Antworten
7
Flakon
5
Sillage
5
Haltbarkeit
10
Duft
Tofuwachtel

34 Rezensionen
Tofuwachtel
Tofuwachtel
Top Rezension 66  
Gemeinsamkeiten
Lotti und Irmi. Schwestern. Aufgewachsen in Schlesien. Lotti wurde Schneiderin und Putzmacherin. Irmi übernahm den elterlichen Blumenstand auf dem Markt.

Nachdem sie monatelang getreckt waren und sie und die Pferde einfach zu erschöpft waren, um noch weiterzuziehen, wurde ihnen in einem kleinen norddeutschen Ort ein Zimmer bei einer Kriegswitwe zugewiesen. Willkommen, waren sie dort nicht.

Das änderte sich erst, nachdem Lotti anfing Kleidung aus alten Uniformen, Bettlaken und Wolldecken zu nähen. So langsam machte sie sich in dem Ort damit einen Namen. Zumal sie auch jede Art von Änderungen übernahm. Es dauerte nicht lange, da hatte Irmi auf dem Schwarzmarkt eine alte Nähmaschine für Lotti eingetauscht. Ihre Ohrringe hatte sie dafür gegeben.

Überhaupt hätten die Schwestern unterschiedlicher nicht sein können.

Lotti war immer elegant gekleidet. Kostüm, gern in einem Gelbton, passender Hut, Handschuhe. Auch im Sommer. Irmi liebte ihre alte Hose und die verwaschen grüne Joppe, die sie anfangs noch bei der Feldarbeit, die sie bei einem Bauern angenommen hatte, getragen hatte. Die eine grazil und klein, die andere groß und gestanden.

Nur zwei Dinge, die hatten beide gemein. Ihre fast wasserblauen Augen und die Vorliebe für 4711.

Nachdem Lotti eine kleine Schneiderei eröffnet hatte und auch wieder Hüte fertigte, bezogen die beiden ein winziges Häuschen.

Den Duft, wenn man eintrat, den vergesse ich nie. Überall in den kleinen Zimmern standen Schälchen, in den kleine Wattebausche lagen. Die wurden regelmäßig mit dem Cologne getränkt.

Diese herb frische, ein ganz klein wenig zart bittere Note nach Orange und Zitrone, diese fein krautige Würze, der leichte Hauch von Lavendel, umfing einen Sommer wie Winter.

Und auch die beiden dufteten immer danach. Lotti gab immer ein paar Spritzer auf ihr Taschentuch und betupfte sich dann die Stirn und den Hals. Irmi war da weniger kompliziert. Da wurde die Flasche genommen und dann gab´s ein paar reelle Spritzer ins Dekolleté. Und wenn dann nur noch ein weicher Nachhall auf der Haut lag, wurde gleich nachgelegt.

Wenn ich sie als Kind besuchte, wurde mir der Schokoladenmund damit abgewischt, bei Abschürfungen wurde damit die Wunde gereinigt und ich glaube, die beiden haben das auch als Mundwasserzusatz gebraucht. Auf jeden Fall wurde in das Schälchen mit dem Bügelwasser immer ein guter Schuss davon hineingetan.

Das ist lange her, aber wenn ich heute den Duft rieche, mich damit im Sommer so richtig erfrische, dann ist das ein unglaublich schönes Gefühl. Und dann sind da irgendwo auch Lotti und Irmi.
37 Antworten
5
Flakon
5
Sillage
5
Haltbarkeit
9
Duft
Fittleworth

89 Rezensionen
Fittleworth
Fittleworth
Top Rezension 42  
Dit is een Klassiker!
Nehmse Platz, Herr Jeheimrat! Immer rin in die jute Stube!
Fühlnse sich wie zehause! Wat dürf et denn sein?
Wie imma? Fassongk? Rasur jefällich?
Käffchen ...?
Abe jern, aba jleich ...

Bei Sie zehause allet jesund? Na dit freut mir aba zu hörn!
Jaaaa, ick hab nu mein kleen Salongk wieda eröffnet. Sah ja eene Zeit langk nich so jut aus ... abe nu is allet wie imma.
Korianke stets zu Diensten!
Wie belieben, Herr Jeheimrat? Na dit freut mir aba! Ick dürf Sie vasichern, dit ick Ihnen ooch vamisst hab ...

So, nu stell ick Sie erstma een jroßet Stücke Stachelbeerkuchen vor die Neese. Hat Trudchen wieda selba jebacken! Köstlich, dit kann ick Sie flüstan ...
Noch'n Käffchen?
Kommt sofort, der Herr ...

Sehnse, dit janze Mahlör mit die Kwarantähne hat ja ooch sein Jutet, saach ick imma.
Korianke, saach ick imma, in solche Zeiten kommt der Mensch ooch ma dazu, sich wieda uff sich selba zu besinnen. Stimmse mir da zu, Herr Jeheimrat? Dit hab ick mir jedacht ...

So, nehmse nu bitte ma Ihrn edlen Karakterkopp bißken nach die andre Seite, denn kann ick hier bessa mit die Schere ...
Wo war ick?
Ach so, uff sich selba besinnen und derjleichen ...
Ja, sehnse, man kommt ja da janz wie von alleene druff, dit der Mensch nu nich unbedingt un imma jeden neumodischen Kram braucht. Et jibt ja ooch bewährte Sachen, die nich mehr vabessert wern könn. Und da saach ick mir immer, Korianke, saach ick mir imma, wenn wat richtich jut is, denn soll der Mensch da nich dran rumschrauben.
Sehnse, un ick bin ja nu so'n bißken altmodisch ...

Ach, dit hamse sich schon jedacht ...?
Komplimang, Herr Jeheimrat, an Sie is een Menschenkenner valorn jejangen!
Jaaaaa, der olle Korianke hat's halt jerne son bißken tradizjonell, wenn Herr Jeheimrat vastehn.
Nee, ick hab ja an sich nüscht jejen den Fortschritt, bewahre! Aba et muss ehmt ooch Fortschritt sein, nich wahr, un nich einfach nur irjendwelche Vaänderungen, weil irjendwer nu meint, irjendwat vaändern zu müssen.
Kiek an, Herr Jeheimrat sehn dit ooch so? Dit freut mir aba!

Sehnse, nur so als Beispiel – dit Frisörhandwerk könnse nich mehr wirklich weitaentwickeln. Jute Handwerkskunst macht die Kunden zufrieden, und dazu braucht et ehmt solide Ausbildungk un Erfahrungk. Dit könnse nich ersetzen durch bißken bunte Farbe un schrille Menkenke.
Wie meinen?
Jott bewahre, Herr Jeheimrat, beim ollen Korianke wernse nie sowat finden! Nee, sowat is nich orijinell, sowat is einfach nur albern. Dit meent ooch Trudchen, un ick werd den Teufel tun un Trudchen widasprechen ...

Sehnse, un so is dit ooch mit die Düfte. Alle Neese langk kommt da wat Neuet raus, un janz oft isset nüscht, wat sich een Herr von Welt uff dit Schemisett kippen würde. Dat meiste is ja ville zu süß un ville zu übawältijend. Dit is eene olfaktorische Belästijungk von die Umwelt! Nee, dit is nüscht for een Schäntelmänn!

Aba et jibt ja imma noch dit Feine, Dezente, dit Jute un dit Bewährte. Ooch wenn ma sich da imma ma wieda erst druff besinnen muss.
Klar, dit wird heute oft verachtet un jilt als altmodisch.

So, wenn Herr Jeheimrat nu bitte ma die Neese een bißken höher ... ick will den Rasierschaum ja nich uff dit edle Hemde kleckern.
Feinet Stöffchen, und die Passform allabonnöhr, da muss ick Sie schon wieda een Komplimang machen!

Wo war ick? Ach so, Jutet un Feinet.
Jaaa, dit jilt ja oft als altmodisch, aber ick finde, dit is sozusagen der Rittaschlag. Altmodisch heeßt für den ollen Korianke, dit is bewährt, dit jibt et schon lange, un dit hat Kwallitäht. Denn kann dit einfach so bleiben, da muss nüscht dran jeändat wern ...
Nehmse nur ma een richtijen Klassiker. Bei die Düfte is dit ja ohne Zweifel dit Oh de Kolonnsch.
Un zwar dit Orijinal!
Jaa, jenau dit meine ick.
Siemunfirrzichällf.
Ick vastehe nich, wie man dit als Omaduft herabwürdijen kann.
Ick bitte Ihnen – een Duft, der so ne lange Tradizion hat! Schon der olle Jöhte hat sich rejelmäßich damit bekippt un dit eene oda andre Pülleken vabraucht.
Soja der olle Napolium war bekannt dafür, in dit Wässerken rejelrecht zu baden!
Un ick kann dit jut vastehn ... et is un bleibt nu ma der frischeste un feinste Duft für die warme Zeit von dit Jahr.
Alle hamse späta davon abjekupfert, nur zujeehm will dit keena mehr ...

Sehnse, der olle Farina hatte da ne richtich jute Idee, als er dit Wässerken erfunden un als Akkwa Mirabilis vakooft hat. War schon anno Hosenknopp een Knülla!
Klar, et war nu nich nett von Herrn Mühlens, dit er die Rezeptur jeklaut un als sein eijenet Parföngk vakooft hat ... aba dit is lange her, un der Duft is nach wie vor richtich knorke!

Dit jeht ja schon mit die strahlende Koppnote los. Berjamotte, Orangksche un Zitrone hat der olle Farina anjerührt – un seitdem is dit in die meisten frischen Parföngks drinne!
Zitrisch, wie wir Konnassöhre dit nenn.
Wie belieben?
Jaaaa, Herr Jeheimrat, dit hat nu ma so jar nüscht von Oma, dit is einfach nur klassisch und zeitlos jut.
Freut mir, dit Sie dit jenauso sehn!

Ja, un denn die Herznote, wie wir Kenna dit benamsen. Lavendel un Rosmarin! Dit is jroßartich, dit is rejelrecht extraorijinal!
Et mischt sich so herrlich mit dit Zitrische, und dit is et, wat den Duft so unvawechselbar macht.
Da hammse den Somma, da hammse blauen Himmel un stehn rejelrecht mittenmang int Jrüne ...
Herrlich!
Un bei mieset Wetta jibt dieset Jebräu dem Menschen eene Ahnungk davon, dit et ja nu nich imma rejnet.
So jesehn isset ja een Seelentrösta, wennse mir die Anmerkungk vazeihn weolln.

Un uffjehübscht un zusammjehalten wird dit allet von een strahlendet Neroli. Aba dit wussten Herr Jeheimrat natürlich schon ...

Sehnse, nu isset ja een Oh de Kollonsch. Hält nich so unendlich lange, weil et ja für die Afrischungk jedacht is. Jaaaa, da stimme ick Sie zu, Herr Jeheimrat. Ick würde mir manchma ooch wünschen, dit Wässerken hielte so lange wie manchet neumodische Parföngk.
Aba uff die andre Seite isset doch nich schwierich, sich da imma ma son bißken nachzuträufeln. Un et hat ja ooch sein Jutet, denn so, wie et is, könnse Ihre Umwelt nich uff den Senkel jehn, weil et ehmt nich uffdringlich is.
Wenn ick da an so manchet sojenannte moderne Parföngk denke, det wie eene klebrije Wolke aus allasüßeste Zuckawatte durch die Botanik wabert und einfach nich wieda zu vatreiben is ...

Dit freut mir, dit wir uns da einich sind, Herr Jeheimrat.
Aba selbstmurmelnd hab ich een Pülleken Siehmunfirrzichällf zur Hand!
Bei dit Wetta passt et janz schnieke zu Ihre neue Frisur und zu dit edle helle Schackett.
Noch'n Spritzerken mehr ...?
Aba jern, aba jleich ...

Sehnse, Herr Jeheimrat, dit Klassische, wat sich üba ville Jahre bewährt hat, is ehmt doch dit Beste.

Vabindlichsten Dank, Herr Jeheimrat!
Beehrnse mir bald wieda in mein kleen Salongk!
Un Jrüße an die Frau Jemahlte!
29 Antworten
7.5
Flakon
2.5
Sillage
2.5
Haltbarkeit
4
Duft
Buchmensch

20 Rezensionen
Buchmensch
Buchmensch
Top Rezension 62  
Abschied von Oma
In vielen Rezensionen klassischer Parfüms finde ich die Bemerkung »Das war der Duft meiner Oma!«, und in den allermeisten Fällen bedeutete das für den Rezensenten etwas Positives, eine schöne Erinnerung. 4711, echt Kölnisch Wasser, war das Parfum meiner Oma. Und die Erinnerungen daran sind für mich ziemlich traurige.

Meine Oma war eine kinderliebe, herzensgute Frau und ne eschte kölsche Mädsche. Ganz selbstverständlich pilgerte sie mit uns Kindern, wenn wir bei ihr zu Besuch waren, zum 4711-Haus in der Glockengasse, wo wir das Glockenspiel bestaunen und Zweipfenningstücke zu echten Medaillen prägen lassen konnten, und über allem lag der Geruch von Kölnisch Wasser. Bevor ich irgendwelches Parfüm besaß, hatte ich doch schon als Grundschülerin mein erstes 5ml-Fläschchen 4711, dazu kamen die allseits beliebten Erfrischungstücher, und ich wollte immer so einen schicken Erfrischungsstick haben …

Wenn ich den Geruch von Kölnisch Wasser beschreiben müsste, komme ich ins Schwimmen. Nach was riecht es? Nach Kölnisch Wasser, was sonst! Das hat sich so fest in meiner Nase festgefressen - stechend, zitronig, mit einem Hauch von Bergamotte, die man nur als passionierter Earl-Grey-Trinker identifizieren lernt, und alles in allem mehr wie ein Putzmittel als mit etwas, mit dem man sich zu Duftzwecken einsprüht. Ich habe 4711 nie als Parfüm empfunden, sondern mehr als ein übermächtiges Deodorant, mit dem erhitzte Haut im Sommer schön abgekühlt werden konnte, und es half auch gegen Mücken- und Bienenstiche, Brennesseln, Sonnenbrand (*schmerz*) und zur Desinfektion von Schürfwunden (*brüll!* *kreisch!*). Oma schwor auf ihr 4711, und was für Oma gut war, das konnte auch den Enkeln nicht schaden.

Aber meine Oma war nicht nur der liebste Mensch der Welt - sie war auch buchstäblich eine Frau ohne Eigenschaften, Interessen oder Hobbies. Ihr ganzes Leben lang war sie immer nur für andere da - hat nach dem Tod der Mutter den Stiefvater versorgt, verheiratet, verwitwet, zwei Kinder großgezogen und sich die nächsten dreißig Jahre lang von der eigenen großen Schwester und deren Mann terrorisieren lassen, immer getan, was von ihr verlangt wurde, und nie an sich gedacht. Und das ist längst nicht so positiv, wie das klingt. Als auf einmal die Schwester tot war, die Kinder aus dem Haus, der Schwager ein Pflegefall und selbst die Enkel groß, war niemand mehr da, der meine Oma brauchte, so wie sie gebraucht werden musste, und sich selbst zu brauchen hatte sie nie gelernt. Sie erkrankte an schweren Altersdepressionen, war lange in der Psychiatrie, und selbst hinterher, trotz Seniorentreff und Beschäftigungstherapie, war sie außerstande, ihr eigener Mensch zu sein.

Und am schlimmsten merkten wir das, wenn sie Geburtstag hatte. Sie ist sehr alt geworden - 95 Jahre - und ihre Geburtstage mussten immer groß gefeiert werden, obwohl sie meistens nur dabeisaß und seufzte und sagte »Mich hat der liebe Gott wohl vergessen.« Was soll man Oma schenken? Sie interessiert sich für nichts. Sie liest nicht. Sie hört keine Musik. Geht nicht aus, ins Kino, Theater, Oper. Und Blumen? Damit ist doch schon der Garten voll, und der macht so viel Arbeit … Fragte man Oma, über was sie sich freuen würde, fiel ihr immer nur eine Sache ein: Eine Kleinigkeit von 4711. Sonst nichts. Und so eilten mein Vater, seine Schwester, meine Cousine und mein Cousin, meine Geschwister und ich in die Glockengasse oder zum Douglas im Kölner Hauptbahnhof und kauften Kölnisch Wasser. Erfrischungstücher, Erfrischungssticks, Flaschen über Flaschen mit Kölnisch Wasser, die meine Oma dann in ihre Schublade legte. Sie bekam genug Kölnisch Wasser von uns, um darin Vollbäder nehmen zu können (nicht nötig, sie bekam ja auch den 4711-Badezusatz), aber ich kann mich nicht erinnern, dass sie jemals danach gerochen hätte.

Sie bekam jedes Jahr Kölnisch Wasser von mir, bis zu ihrem 90. Geburtstag. Das war das Jahr, in dem meine Vater die Riesenflasche mitbrachte. 800 ml in der Molanusflasche - das war Overkill, zum einen für uns andere Gäste, die wir da mit unseren bescheidenen 100 ml-Fläschchen standen, aber vor allem für meine Oma.Sie starrte die Flasche an, und in ihrem Gesicht las ich das Wissen, dass sie nicht mehr lange genug leben würde, um das Ende dieser Flasche zu sehen, und es war ein unglaublich trauriger Moment. Danach wünschte sich Oma zum Geburtstag lieber gar nichts mehr, und ich suchte Ausreden, um mich vor diesen entsetzlich beklemmenden, vorwurfsbelasteten Familienfesten zu drücken und besuchte meine Oma lieber unter dem Jahr, was ihr auch lieber war, denn der Trubel war ihr selbst viel zu viel.

Sie starb 2008, im November. Ziemlich genau fünf Jahre ist das jetzt her. Und ich kann bis heute kein Kölnisch Wasser riechen, ohne weinen zu müssen. Weniger um meine Oma. Als mehr um das Leben, das sie niemals hatte.
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Statements

151 kurze Meinungen zum Parfum
VerbenaVerbena vor 4 Jahren
10
Flakon
4
Sillage
4
Haltbarkeit
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Duft
Wie oft du diese Waffe zogst. Nie hatte ich ne Chance. Ach könnte ich sie dir nur einmal noch entgegenrecken, die eisverschmierte Schnute...
23 Antworten
PinseltownPinseltown vor 3 Jahren
10
Flakon
5
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5
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9
Duft
Die goldene Uhr tickt
wenn Vergangenheit Gegenwart trifft
Meine Oma stündlich ihr Kinderpfefferspray versprüht
Liebe Oma, ich verstehe jetzt
25 Antworten
SalvaSalva vor 3 Jahren
7
Flakon
4
Sillage
3
Haltbarkeit
8
Duft
Mutter, Omi, Ur-Omi
Sie wissen‘s eben
Mit das beste für‘s aktuelle Wetter
So alt&so gut
Einfach alle 30 min nachsprühen
&genießen
20 Antworten
StinkiwinkiStinkiwinki vor 8 Jahren
8
Flakon
6
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5
Haltbarkeit
10
Duft
Ein Duft, der sich über 200 Jahre auf dem Markt hält, ist über jede Kritik erhaben.
0 Antworten
SchoeibksrSchoeibksr vor 9 Monaten
8
Flakon
4
Sillage
4
Haltbarkeit
7.5
Duft
Lieber rieche ich wie eine “Omi“,
als künstlich überzuckert oder duschgelig.
Authentische Zitrusfrische mit klassisch-floralen Unterbau.*
29 Antworten
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So ordnet die Community den Duft ein.
Torten Radar

Diskussionen zu Echt Kölnisch Wasser (Eau de Cologne)

AOther in Unisex-Parfum
Hallo meine Lieben,ich hoffe ich habe das richtige Unterforum gewählt...Heute bräuchte ich mal euer Schwarmwissen zum Thema "Echt Kölnisch...
Das Haus in der Glockengasse ist, denke ich, sehenswert. Ich war selbst noch nicht dort, aber mein Bruder, der eigentlich nur zur Gamescom im letzten Jahr...
DonVanVliet in Unisex-Parfum
Beischlafverhinderungsmittel :lol: gut dafür kann man es auch einsetzen, auch da sehr wirksam. Aber es ist kein Mittel um Katzen fernzuhalten,...

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