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Lyric Man 2008

Lyric Man von Amouage
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7.8 / 10 796 Bewertungen
Lyric Man ist ein beliebtes Parfum von Amouage für Herren und erschien im Jahr 2008. Der Duft ist blumig-würzig. Die Haltbarkeit ist überdurchschnittlich. Es wird von Sabco Group / Oman Perfumery vermarktet. Der Name bedeutet „Lyrik”.
Aussprache
Gut kombinierbar mit Oud Satin Mood (Eau de Parfum)
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Duftrichtung

Blumig
Würzig
Orientalisch
Holzig
Frisch

Duftpyramide

Kopfnote Kopfnote
LimetteLimette BergamotteBergamotte
Herznote Herznote
RoseRose AngelikaAngelika GalbanumGalbanum OrangenblüteOrangenblüte IngwerIngwer MuskatMuskat SafranSafran
Basisnote Basisnote
MoschusMoschus KieferKiefer SandelholzSandelholz VanilleVanille WeihrauchWeihrauch

Parfümeur

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Bewertungen
Duft
7.8796 Bewertungen
Haltbarkeit
8.4659 Bewertungen
Sillage
7.7642 Bewertungen
Flakon
8.8617 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
6.9241 Bewertungen
Eingetragen von Sani, letzte Aktualisierung am 20.04.2024.
Wissenswertes
Das Parfum ist Teil der Kollektion „Main”.

Rezensionen

43 ausführliche Duftbeschreibungen
7
Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
10
Duft
Mikadomann

11 Rezensionen
Mikadomann
Mikadomann
Top Rezension 33  
„L’important c’est la rose“
„L’important c’est la rose“

„Das was wirklich zählt, ist die Rose…“, so frei könnte man den Titel des Chanson von Louis Amade und Gilbert Bécaud aus dem Jahr 1967 übersetzen.
Liebesverlust, Erfolgsstreben und Einsamkeit skizziert der Text in wenigen Zeilen, nur um am Ende jeder Strophe zu konstatieren und der Tristesse entgegenzusetzen: „Das was wirklich zählt, ist die Rose…“.

„Lyric Man“ –
Für mich ist es von Beginn an: Rose!
Ja, man mag im Kopf ganz zu Beginn eine leichte zitrische Note wahrnehmen.
Vielleicht ist da eine Spur von Limette. Möglicherweise spielt Bergamotte in die Kopfnote mit hinein.
Aber das ist Nebensache.
Für mich ist es von Beginn an: Rose!
Und: für mich ist es von Beginn an Schönheit und pure Freude!
Und ich verstehe: „L’important c’est la rose…“

Obwohl die Referenznote, die Rose, so rasch in den Mittelpunkt rückt, bleibt sie für mich keinesfalls eindeutig. Der Duft ist herausfordernd, bleibt nicht flach und eindimensional. Denn da ist sofort etwas, dem man nachriechen muss.
Und während man sich in den Duft vertieft, entsteht - eine Rose.
Diese Rose blüht silberweiß und zart.
Ihre Blütenblätter sind durchscheinend, feinduftig, der Wind bewegt sie, wenn er lau über sie fährt und wenn man durch eines der Blütenblätter hindurchsieht, nimmt man noch die Umrisse der Dinge wahr.
Es ist in der Tat eine lyrische Rose.
Ich hole Atem und spüre: „L’important c’est la rose…“

In der Zartheit dieser Rose sind die Opulenz und die selbstverständliche Macht ihres Duftes stark, sind überraschend und atemberaubend.
Wie kann etwas so Vergängliches, Sanftes, Luftiges so verführerisch, kristallwasser-klar und selbstbewusst duften?
Durch den Duft hindurch wird die Rose.
Sie bringt sich in Position:
Ich bin da.
Riech mich!
Glaub nicht, dass Du mich so rasch verstehst.
Nimm mich wahr.
Nimm mich wirklich wahr!
Denn vergiss nicht:
„L’important c’est la rose!“
Und dann geschieht es:
In den silberweißen Blüten erscheinen plötzlich grüne Einsprengsel und diese manifestieren sich auch im Duft.
Kann das sein? Oder sind sind es die dunkelgrünen Blätter an den dunkelgrünen Stielen?
Plötzlich rückt die Opulenz des Rosenduftes in den Hintergrund.
Fast hat man den Eindruck, als sei dieser dunkelgrüne Duft noch einnehmender als der Rosenduft selbst.
Wie ein kongenialer Bruch, wie eine Antithese zur Rose entwickelt sich ein weiterer Grundton, der für sich einnimmt und die Zartheit der Rose überspielt und sie gleichzeitig wieder hervorhebt.
Denn diese Rose geht nie verloren.
Die beiden Noten kämpfen nicht miteinander, sie umschmeicheln sich eher, tanzen miteinander, sind bemüht, die jeweils andere zu unterstützen und strahlen zu lassen.
Silbriges Weiß und feuchtdunkles Grün: Ein Tanz der Düfte, ein Akkord von Farben.
In meinem Kopf entsteht ein Kaskadenfeuerwerk!
In der Luft explodierend, ergießt sich diese Kaskade in silbernen Fäden gen Boden, bis plötzlich an den Enden dieser Feuerfäden dunkelgrüne Spitzen aufblitzen.
Und noch eine!
Diesmal jedoch leuchtend-dunkelgrüne Lichtstreifen, die unvermutet silbern-glitzernd auslaufen. In der Funkenpracht ein farbiger Schleier.
Der Rhythmus wird schneller, sich abwechselnde Farben, nacheinander, miteinander, sich überdeckend.
Nur Augenblicke, Sekundenbruchteile oft. Anschwellen, Kippen, Crescendo, Harmonie, leise Töne…
Ein Feuerwerk aus Duft. Und Farben im Kopf. Und Klang.
Aber immer bleibt als Leitmotiv die Rose.
Denn:
„L’important c’est la rose!“

Und während man sich diesem Duftrausch ergibt, versteht man plötzlich, dass dieser Duft so viel komplexer ist, als zunächst geglaubt. Denn plötzlich wird die Kopfnote doch noch einmal wichtig, wenn nämlich die Limette auch in Herz und Basis immer wieder kurz durchscheint. Ob die dunkelgrünen Noten auf die Angelika oder das Galbanum zurückzuführen sind, weiß ich nicht. In der Herznote nehme ich sehr sanft noch Safran wahr.

Am Ende, bei mir nach etwa 8 Stunden, wird der Duft leise. Dann nehme ich eine sanfte, weiche Süße wahr, die mich an Amyris erinnert. Vielleicht ist es auch das Sandelholz.
Dann scheint die Rose dunkler zu werden.
Sie verändert nicht die Farbe. Nur den Ton.
Ganz am Ende spielt sie noch einmal ihre ganze Schönheit aus. In den letzten Momenten, ganz hautnah, wird sie noch einmal sanft.
Und in diesem Augenblick gewinnt die Rose die Oberhand.
Auf einer leeren Bühne, kurz bevor der Vorhang schließt liegt sie da.
Das letzte Licht auf sie.
Alles andere ist verschwunden.

„L’important c’est la rose, crois-mois…“
17 Antworten
10
Flakon
5
Sillage
7.5
Haltbarkeit
6
Duft
Meggi

1019 Rezensionen
Meggi
Meggi
Top Rezension 32  
Darf ich jetzt auch mal? Ja?
Lyric Man steht bei uns bereits eine Weile. Hatten wir für vergleichsweise kleines Geld aus der Bucht gefischt - jene Art von Kauf, die ich heute nicht mehr mache. Benutzt wird er ebenfalls schon länger. Bloß nicht von mir.

Meine Frau hatte sich nämlich den Bembel prompt gekrallt, als ihr kostbares Pröbchen Rose d‘ Arabie von Armani allmählich zur Neige ging. Den Amouage hatte ich kurzerhand als Alternative vorgeschlagen, die von der Papierform her gefallen könnte. Einfach probieren, nur zu! Ich verrate bestimmt niemandem, dass da „Man“ draufsteht. Ihr steht der Duft gut, wirkt sogar sehr weiblich. Sie dachte offenbar das Gleiche und meinte, der sei nix für mich. Aber testen darf ich ihn jetzt auch mal, ja?

Lyric Man startet ziemlich amouage-untypisch ruhig zunächst mit feiner Säure. Bevor ich die Rose überhaupt spüre, bahnt sich dann – absolut plausible Angabe – Angelika ihren Weg. Etwa eine Stunde beherrscht sie den Duft, der dadurch ausgesprochen herb, fast bitter wird. Der Nachfolger Safran hat angesichts seines mild-vornehmen Aromas gewisse Mühe, sich durchzusetzen. Er schafft es schließlich, nicht mit Lautstärke, sondern mit Beharrlichkeit und Charakter. Rund-aromatisch finde ich ihn und weitaus präsenter als die Rose. Sein staubiger Teil hat eine beinahe holzartige Attitüde. Wenn das Holz ansonsten allerdings Kiefer sein soll, ist diese arg dezent geraten. Ich finde, es riecht eher nach Zeder.

Die Rose. Ach ja - die Rose. Sehr schüchtern, nahe an den duftschwachen Edelrosen. Qualitativ ist sie vergleichbar mit der Montale-Variante, bloß ist sie unendlich viel leiser. Bei manchen Montale-Exemplaren hat mich genervt, dass eine charakterlich zurückhaltende Edelrose mit Gewalt auf volle Lautstärke gedreht wird. Hier nervt mich, dass ich die Rose praktisch suchen muss – jedenfalls für Amouage-Verhältnisse. Wie es richtig geht, zeigt übrigens Franck Boclet in „Leather“.

Für einen Rosenduft bleibt Lyric Man auch im Verlauf regelrecht dumpf. Nach seinem schönen Start entwickelt der Safran während des Vormittags ein immer muffigeres Gehabe. Am Nachmittag steuert die zunehmende Süße langsam in Richtung einer Sandelholz-Vanille-Basis mit schwindendem floralem Anteil. Dass der Duft in der Projektion noch einige Stunden fein-sauber und insbesondere rosiger rüberkommt, rettet einige Punkte, dreht indes nicht den Gesamt-Eindruck.

Fazit: Ich bin enttäuscht. Lyric Man ist zwar nicht mies oder womöglich untragbar, doch ein in der Eigen-Wahrnehmung scheuer Rosenduft mit muffigem Zwischen-Teil und einer O.K.-Sauber-Phase vor banal-süßem Abgang passt nicht zum selbstgesteckten Anspruch und schon mal gar nicht zum aufgerufenen Listen-Preis. Da kommt glatt die Frage auf, ob ich eventuell einen etwas ältlichen oder unsachgemäß gelagerten Flakon abbekommen habe.

Das Gebräu könnte ein Kandidat für den Souk sein. Aber dann würde meine Frau als Ersatz sicherlich den Rose d’Arabie haben wollen. Seinerseits nicht gerade ein preisliches Leichtgewicht. Also lieber behalten. An ihr riecht er ja zudem viel besser. Hast Recht, Schatz…
16 Antworten
10
Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
10
Duft
Eisbaer

9 Rezensionen
Eisbaer
Eisbaer
Top Rezension 31  
Das Leben von Arthur Rosepetal
Dies ist die Geschichte von einem Musiker namens Arthur Rosepetal. Während der zweite Weltkrieg wütete, wurde er in den USA geboren und ging im Staat New York zur Schule. Als er elf Jahre alt war, explodierte in dieser Schule ein Ofen. Das Feuer tötete mehrere seiner Mitschüler, ihm selbst wurden am ganzen Körper schwere Brandwunden zugefügt. Noch im Krankenhaus erhielt Arthur seine erste eigene Gitarre und begann darauf zu spielen. Mehr und mehr von der Folkmusik der 60er Jahre eingenommen, reiste Arthur Rosepetal im Jahr 1965 schließlich nach England, um dort ein eigenes Album aufzunehmen.

Noch im Dezember desselben Jahres erschien ein nach ihm benanntes sehr melancholisches Folkalbum. Fast ausnahmslos nur seine Gitarre und sein Gesang sind darauf zu hören. Leider verkaufte sich das Album nicht sehr gut und schon im nächsten Jahr fiel Arthur in tiefe Depressionen, die sich über lange Zeit hinweg nicht besserten. Sehr bald war er in die USA zurückgekehrt, heiratete und wurde Vater eines kleinen Sohnes. Leider wurde dieser Sohn schwer krank und verstarb sehr früh. Arthurs Depressionen verschlimmerten sich daraufhin so sehr, dass er sich einweisen lassen musste. Die 1970er Jahre waren nicht leicht für ihn. Seine seelischen Probleme und seine Mittellosigkeit machten ihm zu schaffen.

In den 1980er Jahren wurde Arthur Rosepetal obdachlos. Fälschlicherweise wurde bei ihm eine Schizophrenie-Krankheit diagnostiziert, die ihn mehrmals in geschlossene Einrichtungen brachte und ihn durch die Hölle gehen ließ. Erst zu Beginn der 1990er fand er endlich einen engen Freund, der sich um ihn kümmerte und sich seiner Probleme annahm. Er organisierte Arthur ein Dach über dem Kopf. Während dieser eines Tages auf einer Bank auf seinen Freund wartete, schossen plötzlich einige Halbstarke mit Luftgewehren wahllos auf Passanten. Sie trafen Arthur am linken Auge, woraufhin er auf ebendiesem erblindete.

Mitte der 1990er Jahre - das erste Mal seit vielen, vielen Jahren - begann Arthur Rosepetal wieder mit dem Schreiben von Songs und dem Gitarrespielen. Zu mehr kam es jedoch leider nicht mehr. Arthur Rosepetal wurde krank und starb einen Tag nach seinem 56. Geburtstag. Was er hinterlässt, sind melancholische Kompositionen - traurige Melodien mit ernsten und nachdenklichen Songtexten.

Warum schreibe ich diese Geschichte in einem Kommentar zu Amouages Duft "Lyric Man"? Zunächst einmal: Die erzählte Geschichte ist keine Geschichte, sondern Fakt. Arthur Rosepetal war eine reale Person - nur war sein richtiger Name Jackson Carey Frank. 2011 lernte ich ihn, seine Musik und seine traurige Biographie kennen. Sein Album "Jackson C. Frank" aus dem Jahr 1965 strahlt eine ungeheure Schönheit und Melancholie aus. So wie es auch der Amouage "Lyric Man" zu tun vermag. Ich fühle mich umgeben von den rotesten, schönsten und frischsten Rosenblättern - seifige, etwas holzige und fruchtige Noten runden den Duft ab. Er verzaubert mich, er nimmt mir die Sprache. Er lässt mich innehalten und dankbar sein für die Dinge, die ich habe. Die ich erlebt habe und noch erleben werde. Der "Lyric Man" zeigt mir meine eigene Stärke - aber führt mir auch die Stärken meiner Mitmenschen vor Augen, die teilweise so viel mehr Lasten im Leben zu tragen haben als ich und trotzdem niemals aufgeben. Sich selbst einfach niemals aufgeben.

Eigentlich bin ich seit Jahren schon in den "Interlude Man" verliebt und habe mir lange Zeit geschworen, dies würde der erste Amouage-Duft sein, der als Flakon bei mir einziehen würde. Doch dann roch ich "Lyric Man" und er ließ mich nicht mehr los. Noch nie zuvor und nie wieder danach habe ich einen so wundervollen und frischen Rosenduft vernommen. Und noch nie habe ich Traurigkeit, Melancholie und Hoffnung in einem Duft wahrnehmen können. Ich behandelte die 2ml-Probe mit größter Sorgfalt, trug den Duft nur zu ganz besonderen Anlässen - nicht nur in Gesellschaft, sondern auch dann, wenn ich ganz alleine und für mich war. Dann wirkt er für mich besonders stark. In diesem Sommer war es so weit und ich konnte dem "Lyric Man" nicht mehr widerstehen und kaufte mir einen 100ml-Flakon. Nun ist also er der erste Amouage, den ich mein eigen nennen darf und es fühlt sich unglaublich gut an. Ich kann mir gut vorstellen, dass es im Himmel so riechen muss.

Ich wünschte, Jackson C. Frank hätte diesen Duft kennenlernen dürfen. Vielleicht hätte er auch ihm neuen Mut gegeben und ihm seine unglaublich große Stärke und Willenskraft vor Augen führen können. Meiner Meinung nach gibt es für "Lyric Man" keinen schlechten Zeitpunkt. Er macht immer eine gute Figur - im Frühling, Sommer, Herbst und Winter. In traurigen und aufwühlenden, aber definitiv auch in lustigen und fröhlichen Zeiten. Bei schwerem Gewitter und bei strahlendem Sonnenschein. Zu einem Morgenkaffee und zu einem guten Whisky am Abend. Wenn er gebraucht wird, ist er da - und das auch noch sehr lange. Etwa zehn Stunden bleibt er meiner Haut treu. Die Sillage ist genau richtig - wahrnehmbar, aber nicht raumfüllend. Der tiefrote auf einer Säule ruhende Flakon und die mit Rosen bedruckte Umverpackung - wunderschön. Ich liebe "Lyric Man" und er liebt mich.

"Like a rose trellis in the wind of winter
shaking out the dry petals to the ground
it takes a man from his woman to tear
the world destroyers down."

Dies ist ein Gedicht von Jackson C. Frank, das er in seinen späteren Lebensjahren auf einer alten Schreibmaschine schrieb. Er hatte geplant, eine Melodie dazu zu komponieren, kam aber leider nicht mehr dazu. Ich verneige mich vor diesem Mann. An meinem eigenen Leben und meinem eigenen Glück arbeite ich seit einiger Zeit. Auch daran, dass ich wieder gesund und glücklich werde. Amouages "Lyric Man" begleitet mich dabei. Und es bleibt mir nur, danke zu sagen.

Musik zu Amouage "Lyric Man":

"Blues Run The Game" von Jackson C. Frank
"Milk And Honey" von Jackson C. Frank
"Cover Me With Roses" von Jackson C. Frank
6 Antworten
9
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
7.5
Duft
DerDefcon

131 Rezensionen
DerDefcon
DerDefcon
Top Rezension 17  
Rose braucht kein Oud, Rose braucht keinen Gewürzbasar, Rose darf sauber sein.
Liest und hört man von Amouage, der Parfümmarke aus dem Oman, so denkt man, zumindest jene, die sich ausgiebig mit Düften beschäftigen, an die bekanntesten Vertreter aus dem Hause. Diese wären unter anderem der Klassiker "Reflection Man", der rauchig-laute "Interlude Man" oder der ebenfalls sehr beliebte Orientale "Jubilation XXV Man". Ich gestehe, bis jetzt nur zwei Düfte dieser Marke unter der Nase gehabt zu haben. Hierbei handelte es sich zum einen um "Reflection Man", welcher bei mir mit einer stattlichen Haltbarkeit und einer durchaus heftigen Sillage aufzuwarten wusste. Das wird wohl so eine "omanische" statt "britische" Abfüllung gewesen sein, die mir ein netter Parfumo einst zukommen ließ. Auf die Herkunft der Düfte, sei es der Oman oder die britischen Inseln, möchte ich hier nicht näher eingehen. Da wird schon genug gestritten, ebenso wie bei Creeds Bestseller und das dazugehörige, ja fast schon obligatorische "Batch-Problem". Ungeachtet all dieser soeben von mir angerissenen Streitpunkte kann ich vorerst konstatieren, dass es sich bei den Düften aus dem Hause Amouage zumeist um recht laute Wässerchen handelt. Ich stütze mich hier allerdings nur auf meine Erfahrung mit "Reflection Man" und den diversen Einträgen hier auf parfumo, welchen ich allerdings ein großes Vertrauen zukommen lasse.

Der zweite von mir unter die Nase genommene Amouage-Duft, "Lyric Man", bricht aus den typischen Mustern dieses Hauses irgendwie aus. Natürlich ist er haltbar, doch klebt er nicht an einem. Das Umfeld wird ihn definitiv auch wahrnehmen, dabei jedoch nicht in einen - Achtung: passend zum Duft eingefügtes Wortspiel - "Dornröschenschlaf" fallen.
Apropos Dornröschen: So rein wie die Seele jener bedauernswerten, am Ende glücklicherweise erretteten Frau ist auch unsere Rose, die sich im mystischen, dunkelroten Flakon versteckt. Das Gewächs ist keines, das die Dornen ausfährt und sich, wie man es von vielen anderen Rosendüften kennt, lautstark zu behaupten versucht. Wahrlich spielt es in "Lyric Man" die erste Geige. Wie sollte es auch anders sein? Es wäre komisch, wäre dies nicht so. Doch ist der rosige Auftritt beinahe unspektakulär - ja gänzlich sauber, würde ich behaupten. Daniel Visentins Roseninterpretation ist die einer erwachsenen, vollkommen unsüßen und damit automatisch sehr "maskulinen" (Geschlechtszuschreibungen immer mit Gänsefüßchen) Pflanze, bei der durchaus mal die Vorstellung aufblitzt, es mit einer edlen Seife zu tun zu haben.

Wer nun Angst hat, hier ein reines Rosenwasser beziehungsweise lediglich Rosenseife vorzufinden und das in einem "Männerduft", darf sich bitte wieder beruhigen. Die Seife wird wenig später mit einer Priese Muskat bestreut, in einer frisch geschnitzten, sehr weich duftenden Sandelholzschale aufbewahrt, in der sich noch die wenigen Reste einer zuvor verwendeten Vanilleseife, cremig und weniger süß, beinahe nicht an Vanille erinnernd, befinden.

Am Ende des schleichend voranschreitenden Duftverlaufs, der ein wenig des Trägers Aufmerksamkeit erfordert, um so manch sich heimlich neu hinzugesellende Duftnote auszumachen, steht eine Rosenkomposition, die kein Oud, keine Unmengen an Pfeffer oder sonstigen Würzkram benötigt, um das Attribut "für Männer tragbar" verliehen zu bekommen.
Bitte versteht mich nicht falsch. Als Besitzer und Liebhaber des meisterhaft komponierten "Lumière Noire pour homme" liebe ich gekonnt umgesetzte Rosen-Gewürz-Kombinationen, doch finde ich es ebenso bemerkenswert, wenn ein Parfümeur es auf eine saubere Art und Weise schafft, den vielleicht beliebtesten Blüher der Welt der Allgemeinheit zugänglich zu machen, ohne dass es ihm aufgrund von jener Rein- und Sauberkeit an olfaktorischer Tiefe mangelt, so wie man es von manch anderen Düften vielleicht kennt, bei denen man nur eine einzige Duftnote wirklich herausriecht, die vielleicht das Thema oder den Namen eines jenen Parfums aufgreift und unterstreicht, doch deren einsamer, alle anderen Duftbestandteile verdrängender Auftritt das Sinnbild für Monotonie und Belanglosigkeit schlechthin sein kann.
5 Antworten
10
Flakon
6
Sillage
8
Haltbarkeit
10
Duft
Andi87

10 Rezensionen
Andi87
Andi87
Top Rezension 19  
Der lyrische Mann? Ja!
Lyric scheint hier bei Parfumo im Vergleich mit anderen Amouage-Urgesteinen wie Reflection, Memoir, Jubilation etc. etwas unterzugehen, wenn man sich die Zahl der Bewertungen ansieht. Im englischen Sprachraum genießt der Duft, wie ich meine, etwas mehr Aufmerksamkeit. Dabei ist Lyric Man ein grandioser Duft, und somit frische ich die Kommentarliste gerne auf ;-)

In den letzten Monaten haben sich innerhalb meiner Sammlung einige wenige Düfte herauskristallisiert, zu denen ich regelmäßig und vor allem blind greifen kann. Lyric Man ist einer davon.
Lange hatte ich überlegt, ob ich mir den Duft zulegen soll. Ich erinnere mich, wie ich ihn das erste Mal in die Armbeuge sprühte und am nächsten Vormittag noch einen wohlig-rosigen Duftrest mich zu schnuppern erfreute. Abfüllungen wurden besorgt, fleißig getragen, aber irgendetwas stimmte nie so recht. Mal fühlte er sich zu schwülstig an, mal zu seifig, mal zu spitz, mal zu pieksig-zitrisch. Trotzdem ließ mich eine gewisse Faszination nie los. War es das Konzept des Duftes, der einen Drahtseilakt hinlegt, indem er den ach so femininen Duft der Rose behutsam verziert, bis man ihn als "Man" verkaufen kann, ohne sich lächerlich zu machen? Dass man so etwas tragen möchte, weil es so anders ist? War es der wunderschöne Flakon? Wahrscheinlich ein bisschen was von allem, denn einen Flakon schaffte ich mir bald darauf an.

Lyric ist einer der Düfte, die Zeit brauchen, die man dann aber um so mehr wertschätzt, wenn man sich auf das Konzept des Parfümeurs eingelassen hat.
Anders als Reflection ist Lyric kein Duft, der zu jedem Typ Mann und zu jedem Anlass passt. Reflection passt sich seinem Träger an, kann mal cool, mal zurückhaltend wirken. Lyric ist dezenter, weicher, metrosexueller. Der Name hätte nicht besser gewählt sein können, denn der "lyrische" Mann ist zurückhaltend, sanft, aber auch ausdrucksstark - ebenso wie der Duft. Kein Duft für jeden Tag, für den Club oder den Saufabend zu feingeistig, für die Arbeit vielleicht ein bisschen zu speziell, eher passend für edle Anlässe, Dates, romantische Abende. Dann aber zu jeder Jahreszeit, denn stark und pudrig genug für den Winter, nicht zu schwer für den Sommer.

Reflection trägt sich ein Stück weit selbst - Lyric muss getragen werden!

Seht euch dazu mal bei YouTube das Video von "Cascade Scents" an - der bringt es für mich ziemlich gut auf den Punkt.

Kurz zur Duftbeschreibung:
Wirklich trennen kann ich das nicht. Im Auftakt kommt vor allem die Limette durch, leicht bitter-grünlich unterlegt. Das bittere, sauere schwindet nach und nach und die Rose kommt durch. Nicht zu süß, nicht zu blumig, nicht zu heftig. Klar, aber dezent. Nach und nach wird der Duft weicher, süßlicher. In der Basis kommt Vanille gut durch.
Niemals habe ich auf diesen Duft Feedback bekommen, er sei zu weiblich. Hier ist der Parfümeur wirklich sorgfältig vorgegangen und hat das Kernaroma nur sparsam vermännlicht - gut so!
An dieser Stelle muss ich leider anmerken, dass die reformulierte Version (meines Wissens erkennbar an magnetischen Deckeln -ohne eine belastbare Quelle zu haben) sich von der Vintage-Version deutlich unterscheidet. Die reformulierte Version wirkt im Auftakt deutlich bitterer, fast schon plastikartig. Dies zieht sich nach und nach zurück, bis die Rose dominiert. Die Vintage-Version wirkt von Anfang an viel weicher und stimmiger und insgesamt nicht so künstlich. Schade schade, aber was will man machen. Der 50er-Flakon mit Vintage-Saft muss halt dann für besondere Anlässe 10 Jahre lang halten ;-)

Haltbarkeit und Sillage
Die Haltbarkeit ist zwar gut, die Sillage aber eher zurückhaltend. Reflection ist hier im Vergleich stärker.
Einen ganzen Arbeitstag würde ich dem Duft nicht zutrauen

Flakon ist wirklich ein Hingucker - sowas stellt man sich gerne auf die Kommode!

Anekdotisch:
Lyric Man war der Lieblingsduft meiner Freundin, bis diese Rolle von Sculpture Homme übernommen wurde. Da weint das Herz des Sammlers teurer Düfte ;-)
3 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

147 kurze Meinungen zum Parfum
Eggi37Eggi37 vor 10 Monaten
8
Flakon
7
Sillage
7
Haltbarkeit
8.5
Duft
Für Angelika ne grüne Rose
Seifigfrische Liebe die Prognose
Safranrote Wange
Doch stehe mein Manne
Herz moschusweich
Leidenschaft aber heiß
51 Antworten
SchoeibksrSchoeibksr vor 2 Monaten
9
Flakon
6
Sillage
7
Haltbarkeit
6
Duft
Der kleine Zitrus Spritzer macht Platz für eine edle Rosenseife mit grünem Galbanum-Akzent & pudrig-cremiger Moschusbasis = nichts für mich.
26 Antworten
FrauKirscheFrauKirsche vor 20 Tagen
7
Sillage
7
Haltbarkeit
6
Duft
Zitrusabrieb
auf dem
Rosenstrauch
Frische Schaumblasen
schimmern grün
Blumen aus Creme
regnen aus süßlichen
Moschuswolken...
32 Antworten
ViolettViolett vor 1 Jahr
8
Sillage
8
Haltbarkeit
7
Duft
Dunkelrosig blühende Leidenschaft war's
Welch lyrischer Beginn !
Doch warum nur zog es ihn dann
Zum frischen,strengen Duschgel hin ?!
30 Antworten
YataganYatagan vor 7 Jahren
8
Flakon
7
Sillage
9
Haltbarkeit
9
Duft
Androgynes Statement! Das ist das Äußerste, was von Männern noch tragbar ist (strahlende Rose, Orangenblüte) und doch fasziniert er mich.
12 Antworten
Weitere Statements

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