1725 von Histoires de Parfums
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7.6 / 10 308 Bewertungen
1725 ist ein beliebtes Parfum von Histoires de Parfums für Herren. Das Erscheinungsjahr ist unbekannt. Der Duft ist pudrig-süß. Es wird noch produziert.
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Duftrichtung

Pudrig
Süß
Würzig
Holzig
Frisch

Duftpyramide

Kopfnote Kopfnote
GrapefruitGrapefruit SüßholzSüßholz BergamotteBergamotte ZitroneZitrone
Herznote Herznote
LavendelLavendel SternanisSternanis
Basisnote Basisnote
MandelMandel VanilleVanille AmberAmber ZederZeder SandelholzSandelholz

Parfümeure & kreative Köpfe

Bewertungen
Duft
7.6308 Bewertungen
Haltbarkeit
7.3236 Bewertungen
Sillage
6.6235 Bewertungen
Flakon
7.1219 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
7.270 Bewertungen
Eingetragen von Lobelia, letzte Aktualisierung am 06.02.2024.

Rezensionen

12 ausführliche Duftbeschreibungen
5
Flakon
7.5
Sillage
10
Haltbarkeit
9
Duft
Profumo

284 Rezensionen
Profumo
Profumo
Top Rezension 33  
So macht der alternde Beau auch heute wieder 'bella figura'!
Gérald Ghislains Konzept für Histoires de Parfum - posthum historischen Persönlichkeiten Celebrity-Düfte aufzunötigen - fand ich zunächst alles andere als überzeugend, erinnerte mich solches Gebaren doch zwangsläufig an die unselige Creed-Masche, nur dass es Monsieur Ghislain noch dreister trieb.
Doch weit gefehlt: Gérald Ghislain behauptet schließlich nicht Casanova habe ‚1725’ getragen, was Creed-scher Unsinn wäre, sondern allein, dass diese historische Gestalt ihn zu diesem Duft inspiriert habe.
So muss ich nach anfänglicher Skepsis nun doch gestehen: die Ergebnisse sprechen fast ausnahmslos für sich.

Neben Gérald Ghislain, dem kreativen Kopf des Unternehmens, wird immer wieder Sylvie Jourdet genannt. Madame Jourdet ist Meisterpafümeurin, sowie Managerin von ‚Creassence’, langjährige Leiterin der ‚French Society of Perfumers’, Professorin an der ‚IPISCA -Institut Supérieur International du Parfum de la Cosmétique et de l'Aromatique’ – und seit einiger Zeit, auf Empfehlung der heutigen IWF-Chefin Christine Lagarde, Trägerin des Ordens ‚Chevalier de la Legion d’Honneur’. Beide bilden eine Art Tandem hinter den Düften von ‚Histoires de Parfums’. Ob Madame Jourdet auch für die letzten Werke des Unternehmens, das Tuberosen- sowie das allerneuste Oud-Trio, verantwortlich ist, weiß ich nicht, für die Jahreszahlen-Düfte wurde sie jedenfalls von Gérald Ghislain bestätigt.

Alle diese Düfte sind meiner Ansicht nach wirklich gut gelungen, aber besonders gut gerieten ‚1740 Marquis de Sade’, und mit kleinem Abstand dahinter ‚1725 Casanova’.
Dabei ist es ja ziemlich heikel solche Gestalten zu Paten zu wählen, assoziiert doch so gut wie jeder die immergleichen Stereotypen mit ihnen: Marquis de Sade - dekadenter und liderlicher, Lüstling; Giacomo Casanova - unverbesserlicher Schürzenjäger unter gepuderter Perücke. Wie jedoch die olfaktorischen Entsprechungen dieser Stereotypen riechen könnten, darüber dürfte es deutlich weniger Einvernehmen geben, empfindet doch der Eine den Geruch von Leder und Imortelle als gar nicht lüstern und dekadent, während den Anderen Lavendel und Mandel überhaupt nicht verführen, sondern eher kalt lassen.
Es handelt sich also nur um äußerst anfechtbare Versuche der Annäherung an allseits bekannten Personen, vermittels Düften, die solch starke Charaktere wiederzuspiegeln versuchen.
Nicht jeder wird sie darin erkennen.

Ich, für meinen Teil, erkenne in ‚1725 Casanova’ viele Mandeln, einen ganzen Sack voll Mandeln. Aber auch Lavendel, jede Menge blühenden Lavendel. Dazu eine Kiste bitter-herber Zitrusfrüchte und eine große Schale voller Vanilleschoten und Lakritzschnecken. Ja, der Duft ist üppig bemessen, aber dennoch sehr konzentriert.
Mandeln, das ist Italien, Casanovas Herkunft. Zitrusfrüchte und Lavendel, das ist klassische männliche Gepflegtheit. Vanille und Lakritz, auf einem Bett von weißem Moschus, das ist die Verführung - nicht brachial und animalisch, nein, raffiniert und unwiderstehlich.
Dieser Verführer hat Stil, ist frisch gebadet und gepudert, hat Esprit. Nicht das Testosteron-geladene Überrumpeln mithilfe betäubender animalischer Sekrete ist seine Sache, nein, vielmehr das geistreiche Sprühen seines Intellektes, sein Charme, sein galanter Auftritt, gepaart mit allerbesten Manieren.
Und so wie Casanova Frauen (angeblich reihenweise) verführte, so verführt auch dieser Duft: mit der an klassische Colognes erinnernden Frische der Hesperiden, gefolgt von pudrig-krautigem Lavendel und dem nussig, bitter-herben Ton der Mandeln. Bald locken weiche Vanillenoten und zieht aromatisch-würziger Sternanis in den Bann, und ehe man sich versieht, liegt man in den kräftigen Armen von sanftem Moschus und dezentem Amber.
Nichts Dunkles umwölkt diesen Duft, er ist klar, sonnig und heiter, von italienischem Gemüt und französischer Eleganz.
Ganz im Gegensatz zum eher düstren und wollüstigen ‚1740’, das ernst und gemessen daherkommt, aber auch intensivere Leidenschaften verspricht.

Schön an ‚1725’ empfinde ich auch, dass es diesem Duft gelingt ein klassisches Thema mit einem modernen Touch zu versehen, ohne dass sich hier ein alternder Beau der Jugend anbiederte und man dieses Ansinnen als unpassend empfände: So trifft das Lavendel-Vanille-Thema des bedächtigen, alten Herren ‚Pour un Homme de Caron’ auf die angesagten It-Boys Sternanis, Süßholz und Mandel - und siehe da: man versteht sich prächtig!
Dank Madame Jourdet, die dieses Treffen sorgfältig vorbereitete und in Szene setzte.

Der Duft besitzt zudem eine großartige Balance, entwickelt sich wunderbar, hat eine intensive aber nicht offensive Abstrahlung und ist ausgesprochen haltbar.
Chapeau Madame!
4 Antworten
8
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
8.5
Duft
Parma

260 Rezensionen
Parma
Parma
Top Rezension 17  
Der sanfte Verführer
Die große Holztür zum Saal öffnet sich und ein großgewachsener Mann betritt den mit Kronleuchtern geschmückten Raum. Allerlei Menschen mit weißgetünchten Perücken und weißgepuderten Gesichtern, gekleidet in ausladende Ballkleider und fein genähte frackähnliche Uniformen unterhalten sich überwiegend stehend in anregenden Gesprächen. Der Mann durchschreitet den Raum. Nach und nach verstummen die Gespräche an den Stellen, wo er vorbeikommt, und Köpfe drehen sich in seine Richtung. Interessierte Blicke folgen ihm und teilweise vernimmt man geflüsterte Worte. Die Blicke der Männer sind skeptisch und teilweise angewidert, die der Frauen aber interessiert, teilweise verwundert und zunehmend fasziniert. Der Mann schreitet weiter unbeirrt Richtung Stirnseite des Saals und gibt, dort angekommen, einer äußerst attraktiven Frau einen formvollendeten Handkuss bei gleichzeitig angedeuteter respektvoller Verbeugung. Die Stille im Raum ist jetzt fasst greifbar.
Hier reißen die Aufzeichnungen aus dieser Zeit leider abrupt ab und der weitere Verlauf, v.a. auch der Grund dieses faszinierenden Schweigens, bleibt leider im Verborgenen. Einige Theorien wurden über lange Zeit aufrechterhalten, die wahlweise die Kleidung, die Bewegungen und Gerüchte über die Person zum Inhalt hatten. Eine Theorie hielt sich aber am hartnäckigsten und glaubhaftesten. Diese führte viele Augenzeugenäußerungen an, wonach beim Vorbeigehen dieses Mannes sich anschließend ein so außergewöhnliches Duftempfinden eingestellt haben soll, dass es den Menschen sprichwörtlich die Sprache verschlagen haben und ungläubiges Staunen und Genießen hervorgerufen haben soll. Wie sich später herausstellen sollte, war dieser großgewachsene, elegante Mann kein geringerer als der berühmte Casanova, weshalb dieser Duft nach ihm benannt wurde. Zum Glück wurde er bis in die heutige Zeit nicht vergessen, so dass wir ihn auch heute noch genießen können und ob seiner Wirkung staunend und wortlos zurückgelassen werden.

Casanova, der angeblich größte Verführer der Geschichte, ist ja hinlänglich, zumindest oberflächlich, bekannt. Wenn ein Duft diesen Namen trägt, ergeben sich automatisch die Assoziationen zu seiner Person und v.a. seinen Verführungskünsten. Entspricht dieser Duft den Vorstellungen? Es kommt darauf an welche Ideen man selbst dazu hat. Stellt man sich ihn als rücksichtslosen, nur auf sein Wohl bedachten Verführer vor, passt dieser Duft auf den ersten Blick sicher nicht. Sieht man ihn als einen schmeichelnden Verführer mit einer ganz besonderen, außergewöhnlichen Art, dann schon eher.

Duftverlauf:
1725 - Casanova startet fluffig-pudrig und leicht lakritzig angesüßt. Die angegebenen zitrischen Noten nehme ich nur in den ersten 10 Sekunden wahr, danach werden sie von der lakritzigen Pudrigkeit überrollt. Das wirkt schon sehr verführerisch, Richtung pudriger Gourmand gehend (wenn es sowas gibt), aber eben sehr fluffig leicht. Sehr schnell mischt sich dann ein ätherischer Ton dazu (Anis), der den Duft ordentlich durchlüftet und einen leicht aromatisch-weihnachtlichen Eindruck erzeugt. Nachdem sich diese Note etwas Platz verschafft hat, stellt sich dann eine sehr saubere Note ein, hervorgerufen durch einen unheimlich reinen und weichen Lavendel, der dezent cremig-mandelig unterfüttert wird und eine sehr anziehende kuschelige Weichheit erzeugt. Der vorherrschende Eindruck ist pudrig-cremig-ätherisch-sauber und mandelig-süß. Es wirkt wie eine durchlässige Wolke. In dieser Phase ist der Duft außerordentlich verführerisch und man kann ihn durchaus als Aphrodisiakum zum „Beutefang“ empfinden. Er ist charmant, sanft, verführerisch, mit einer gewissen erhebenden Frische versehen und dabei stilvoll, ohne im geringsten steif zu sein. Im Gegensatz, er ist unglaublich anpassend. Casanova wird ja auch nachgesagt, dass er im Grunde ein sehr opportunistischer Mensch war, was dieser Duft durchaus assoziieren lässt. Im weiteren Verlauf kommt dann eine Vanille-Ambernote dazu, die den Duft nochmal cremiger und etwas süßer wirken lässt. Dabei überwiegt dann gegen Ende in meiner Nase die Vanille, wobei sie nicht zu süß wird, sondern sehr angenehm natürlich bleibt. So schmeichelnd weich läuft der Duft dann aus.

Haltbarkeit und Sillage:
Bei mir hielt der Duft etwa 7-8 Stunden gut wahrnehmbar auf der Haut. Die Projektion war über etwa 1,5 – 2 Stunden sehr deutlich. Danach ging sie langsam zurück, bis der Duft nach ca. 9 Std. nur noch hautnah wahrnehmbar war. Mit diesem Duft wird man schon deutlich wahrgenommen, allerdings ist er aufgrund seiner Sanftheit nie zuviel.

Fazit:
Mit 1725 - Casanova ist Histoires de Parfums ein sehr hochwertiger, perfekt abgestimmter, pudrig-süßer Traum gelungen, dessen Bestandteile aber nie überbordend sind, sondern auf ein wiederum perfektes Maß herabgedimmt sind. Ein absolut verführerischer Unisex-Duft, der aufgrund seiner Unaufdringlichkeit zu vielen Gelegenheiten getragen werden kann und v.a. abends in intimen/privaten Momenten sehr gut passt. Hätte Casanova dieser Duft damals tatsächlich schon zur Verfügung gestanden, wäre sein Erfolg wahrscheinlich noch größer gewesen, denn dessen sanfter, verführerischer und schmeichelnder Charakter hätte jeglichen Argwohn und jede Bedenken bei den Frauen vertrieben ;)
Ich danke dem lieben Parfumo Couchlock für die Probe.

Infos zur Marke:
Seit der Gründung 1999 wurden bisher 32 Düfte erschaffen. Kreiert wurden sie alle vom Gründer der Marke, dem Franzosen Gérald Ghislain, der eine recht bewegte Lebensgeschichte bis zur Gründung seiner eigenen Duftmanufaktur aufweist. Dieser Duft hier wurde zudem von Sylvie Jourdet mitentwickelt, zu der im Kommentar von Profumo ausführlich nachgelesen werden kann. Seine Duftkreationen widmet Ghislain neben historischen Persönlichkeiten, die sich Konventionen widersetzt haben, auch gesellschaftlich bedeutenden Phasen, kulturell bedeutenden Orten, der Introspektion sowie einzelnen Duftnoten. Eine besondere und bemerkenswerte Aktion verbindet er mit dem Duft „Make perfum not war“, von dessen Verkaufserlös je Flakon er 50 $ an Kinderhilfsorganisationen spendet. Die Parfums sind im hochpreisigen Segment angeordnet. Es gibt sie in 120 ml-Abfüllungen, die mit 155 € aufgerufen werden. Daneben gibt es 15 ml- und 60 ml-Abfüllungen (35 € / 95 €). Besondere Erwähnung verdienen auch die Flakons an sich, die seitlich gestellt an Buchrücken erinnern, so dass man seine eigenen Duftbibliothek aufbauen kann. Das passt natürlich zur Intention des Gérald Ghislain, Geschichten zu erzählen.
8 Antworten
7.5
Flakon
5
Sillage
7.5
Haltbarkeit
8
Duft
Unterholz

54 Rezensionen
Unterholz
Unterholz
Top Rezension 17  
Delikater Puder für den Mann
Puder-Liebhaberinnen haben’s ja leicht, sind sie doch mit einer breiten Palette von erstklassigen Düften (Teint de Neige, Loukhoum, No. 19 Poudré usw.) bestens bedient. Und ich als Mann finde, es gibt nichts Schöneres an einer Frau als einen nicht zu aufdringlichen Blüten-Puderduft! Das sei hier mal gesagt ;-)

Solche selber zu tragen ist für mich aber etwas heikel. Wär ich voll der Macho, könnt ich sowas vielleicht mit einiger Selbstbewusstheit auflegen. Man würde das einem gewissen Typ (braungebrannt, dunkles Haar, muskulös, ev. sogar mit einem rosa Hemd bewaffnet) durchaus abnehmen… Immerhin bekäme er damit die volle Aufmerksamkeit und sein Machotum wäre mit einem solchen Parfum gleichzeitig ironisch gebrochen. Aber bei mir, ich bin eher hellhäutig und wirke sehr zurückhaltend – definitiv nein!

Lange war ich auf der Suche nach einem Duft, der dennoch ein wenig in diese Richtung schielt aber nicht gleich alle Extreme (Staubigkeit, Pudrigkeit, Blüten-Wumms, Süsse) in sich vereint. „1725 – Casanova“ ist genau ein solches Ding. Liebe Ladies, wir Männer sind endlich fündig geworden! Besonderen Dank an Gérald Ghislain, der diesen Duft erst gar nicht erst als unisex anpreisen will. Und nein, liebe Damen, den teilen wir nicht mit euch! Schnuppern dürft ihr allerdings gerne – an uns! ;-)

Nun aber zu „1725 – Casanova“: Es ist ein relativ simpler Duft, zu Beginn nur ganz wenig frisch mit einer Ahnung Zitrus, wohl durch die klassischste Agrume in der Parfumindustrie: Bergamotte. Mit etwas Fantasie ist auch tatsächlich ein Gewürz-Akkord zu erschnuppern, der mit Lakritze gut umschrieben ist. Aber nicht die tiefschwarze klebrige Variante, sondern eher wie eine Stange Süssholz, wie es sie heute noch in Drogerien gibt (zum Kauen). Wahnsinnig viel geschieht mit 1725 nicht, eigentlich ist die Basis mit verschiedenen Hölzern und einem sehr originellen Schuss Bittermandel schon von Anfang an da. Vanille ist ja eine meiner Problemnoten, ich mag es nicht, wenn die zuletzt über Stunden alles andere übertüncht. Glücklicherweise wurde das vermieden, obwohl eine trockene Süsse vorhanden ist, wird man(n) niemals davon erschlagen. Dennoch sollte 1725 nicht zu grosszügig aufgetragen werden, die Duftprojektion ist zwar o.k., aber ein feines Stück Konfekt ist ja auch nicht schon 10 Meter gegen den Wind zu riechen. Die Haltbarkeit ist echt gut, gerade in der Kleidung hält sich eine subtil mineralische Talknote fast endlos. Lavendel und Sternanis sind wirklich so dezent eingebaut, dass ich sie nicht bewusst wahrgenommen habe.

1725 spielt nun nicht in erster Linie auf den Giacomo Casanova an, den wir aus Literatur und Unterhaltungskultur als triebhaften Womanizer, Betrüger und Opportunisten kennen, der zur Potenzsteigerung angeblich dutzendweise Austern täglich schlürfte. Mit Sicherheit war Casanova ein Lebenskünstler, der sich immer wieder an den Konventionen seiner Zeit rieb und der darüber hinaus als Schriftsteller an seiner eigenen Mythifizierung schnitzte. Heute nennt man sowas Metafiktionalität und das ist ein gängiges Stilmittel postmoderner Literatur. Aber ich denke, er war auch ein schwieriger Charakter, der mit der Gesellschaft und sich selber nicht so gut auskam und der sich gerne in verschiedene Rollen drängen liess. Der Duft 1725 spielt einem allerdings nichts vor, es ist der Mann hinter all den Masken und Verkleidungen, der wie so viele andere Menschen eine geheime Sehnsucht im Herzen trägt.
6 Antworten
7
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
6.5
Duft
Serenissima

1043 Rezensionen
Serenissima
Serenissima
Top Rezension 12  
Casanova auf Schloss Dux
Mit diesem Theaterstück ging Schauspieler Johannes Heesters ab 1986 immer wieder auf Tournee; er konnte den greisen Frauenverführer im Sitzen spielen, was seinem eigenen Alter sehr entgegenkam.
Seinem "Ruf als Charmeur" folgten damals viele Damen, die immer noch in seinem Zauber gefangen waren.
Das waren für beide Seiten sicher Sternstunden.

Ob Johannes Heesters "1725 - Casanova" von Histoires de Parfums bei diesen Auftritten trug, weiß ich natürlich nicht.
Möglich wäre es durchaus gewesen: ein wenig erinnert mich dieser Duft an Bühnenschminke und Perückenpuder; eingenistet in wohl allen Künstlergarderoben, ob in der kleinesten Provinzbühne oder im "großen Haus" der Staatstheater.

Lavendel, Mandel und Vanille vereinen sich auf meiner Haut gleich nach dem ersten Kontakt zu einer doch ziemlich kompakten pudrigen Duftschicht, an einen gelblich grauen Gazevorhang erinnernd.
Dagegen kommen die Zitrusnoten des Auftakts, außer dem Lakritze-Touch, so gut wie gar nicht zum Zug.
Einen Moment sind sie da; so als hätte jemand kurz das Fenster geöffnet, um frische Luft in diese Theatergarderobe zu lassen, in der ich mich zu befinden scheine.
Lakritze ist mutig, verbeugt sich kurz; aber Sternanis verweist sie doch auf ihren Platz. Aber auch dessen etwas kantiger Duft wird schnell mit der großen Puderquaste übertünscht: es staubt doch gehörig.
Ich hoffe nun auf etwas Glanz durch meine bekannten "Duft-Größen" namens Sandelholz, Zeder und Amber.
Zeder harmoniert zwar glänzend mit der vorhandenen Puderauflage; aber auf meiner Haut entwickelt sich ein Duftgebilde, das mich nach einem "Notausgang" suchen lässt.
Auch Amber und Sandelholz können dieses Duft gewordene Stück Kulturgeschichte für mich nicht mehr retten.
Ich fühle mich, als wäre eine riesige Puderdose über mir ausgekippt worden.

Und bin enttäuscht! Enttäuscht von mir, von meiner Haut - denn daran wird es ja wohl liegen!
Auf Casanovas Spuren wollte ich wandern, mich von ihm in Duftform verführen lassen, mich sogar in leicht verruchte Bereiche mit ihm trauen - die tollsten Abenteuer erleben!
Schade! Stattdessen bin ich auf der Flucht! Nicht mit ihm - eigentlich vor ihm!

Wieder einmal zeigt sich, dass sich die meisten dieser Puderdüfte, die so viele Herzen erfreuen, mir verweigern.
Viel Glück hatte ich bisher nicht mit ihnen; das beweist eben auch dieser große "Verführer".

Ich bin allerdings sicher, besonders, nach der doch recht positiven Resonanz hier, dass ich mehr oder weniger ein Einzelfall bin und diese Probe meine "Wanderproben" schnell hinter sich lassen wird.
Und doch gibt es diesen Kommentar, der bitte als meine persönliche Dufterfahrung angesehen werden möchte.
Wer hätte gedacht, dass ich gerade an "1725 - Casanova" derart scheitere?
9 Antworten
5
Flakon
5
Sillage
7.5
Haltbarkeit
8
Duft
Leimbacher

2758 Rezensionen
Leimbacher
Leimbacher
Top Rezension 9  
Maskenball mit Puderpflicht und Süßholzgeraspel
Danke auch hier an SuiCune für die interessante Probe dieses Lakritz-Puder-Duftes. Fast hätte ich Traum geschrieben, aber dafür kommt er mir zu gewöhnlich und flach rüber. Aber defintiv ein toller Duft, den Puder-Fans und Lakritzliebhaber defintiv rot im Kalender anstreichen müssen und durchaus als Traum bezeichnen würden, da bin ich mir sicher.

Er ist eine hochwertige Mischung aus Azzaros Decibel und Le Male. Mit Anleihen an Letzteren hätte ich nicht gerechnet, aber in meinem Kopf gab es da durchaus starke Parallelen. Zum Decibel ist die Brücke natürlich Lakritz, hier jedoch nicht laut, stumpf und merkwürdig, sondern eher wie Süßholz: zart, fein, hochwertig und genießbar, auch für Nicht-Fans!

Im Kopf ist wirklich nur ein Hauch Bergamotte, der Rest wird vom Lakritzeindruck dominiert. Aber wie gesagt angenehm und mittelalterlich vornhem. Da wären wir wieder beim Thema Casanova und Konsorten. Die Lakritze wirkt frisch, sexy, pudrig und elegant. Eine Mischung aus älterem Gentleman und jungem Heißsporn. Die Lakritzstange wandelt sich dann in eine ebenso traumhafte und recht ähnliche Anis-Note, gekannt z.B. aus Lolita Lempickas Au Masculin. Gegen Ende dann in Sandelholz/Vanille, was man aber aus so vielen Parfums kennt, dass eine Aufzählung überflüssig ist. Aber wohl selten so hochwertig und genussvoll. Man spürt, dass die Macher des Parfums voll mit Liebe und Gefühl bei der Sache waren und daher vielleichta uch den Namen wählten!

Der Flakon ist ein mittelgroßes Schmuckstück und man sieht sofort, dass er nicht nur schwer sondern auch schwerpreisig sein könnte. Sillage ist keineswegs wie bei dem ähnlichen Matrosen, sondern eher zurückhaltend, ohne dabei je weg zu sein oder die Zügel schleifen zu lassen. Haltbarkeit war mit 9 Stunden auch absolut zufriedenstellend!

Insgesamt die für mich beste Lakritzkomposition, die ich kenne und für Fans sehr empfehlenswert. Allerdings bei dem Preis besser mehrmals testen. Aber besser als z.B. Decibel mit Sicherheit, würde jederzeit tauschen ;-)
2 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

50 kurze Meinungen zum Parfum
SalvaSalva vor 3 Jahren
7
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
8.5
Duft
Auf Casanova‘s Spuren
Rieche ich pudrig-süßen Charme
Die Damen mir zu Füßen
Reihenweise in meinem Arm
Meine cremig-warme Haut berühren
16 Antworten
MarieposaMarieposa vor 3 Jahren
8
Sillage
9
Haltbarkeit
8
Duft
Der Operetten-Casanova mit der Puderperücke lutscht Anispastillen für die Stimme. Im echten Leben trägt er Pour un Homme de Caron.
11 Antworten
YataganYatagan vor 6 Jahren
8
Flakon
6
Sillage
7
Haltbarkeit
7.5
Duft
Casanova war etwas müde geworden. Dies ließ ihn in letzter Zeit immer häufiger zu unerotischen dezent-würzigen Lavendel-Puderdüften greifen.
4 Antworten
KovexKovex vor 6 Jahren
6
Sillage
8
Haltbarkeit
9
Duft
Leicht pudrige Süße, die durch eine traumhafte Sternanis-Lavendel-Kombi in Zaum gehalten wird. Sommertauglich, auch für die Damen. Toll!
3 Antworten
ErgoproxyErgoproxy vor 7 Jahren
6
Sillage
10
Haltbarkeit
8.5
Duft
Schöner, lakritz-würziger Puderduft mit süßem Lavendel nicht nur für Männer. Ich bezweifle aber, dass Casanova danach gerochen hat. Fein!
5 Antworten
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