Bereits um sechs Uhr in der Früh an diesem Sonntagvormittag wirft der erste Alarm Hauptbrandmeister Kunze aus den Federn. In einer Schrebergartensiedlung soll es brennen. Gemeinsam mit seinen Mannen rückt der gemütliche Feuerwehrmann aus, sich den Schlaf aus den Augen reibend. „Soo früh schon“, denkt er sich. Aber an einem Sonntag im warmen Sommermonat Juli kann es immer mal vorkommen, dass ein Grill- oder Lagerfeuer auf dem trockenen Untergrund einen Brand verursacht hat. Angekommen in den Schrebergärten kann er zwar deutlich den Geruch von verbranntem Holz und Holzkohle vernehmen, es brennt aber nirgendwo. „Wir haben gestern Abend gegrillt und saßen zu später Stunde noch am Lagerfeuer und haben Lieder gesungen“, erklärt ihm Walter Schmidt, einer der Kleingärtner. In seinem Garten duftet es außerdem sehr intensiv nach Gewürzen, die der begeisterte Hobbykoch mit dem grünen Daumen selber zieht. Da das Feuer schon lange aus ist, fährt Kunze gemeinsam mit seinen Mannen zurück auf die Wache.
Doch für Kaffee und Frühstück bleibt keine Zeit: Schon wieder ertönt lautstark die Sirene. Zur Dorfkirche soll es gehen. „Ein Brand im Gotteshaus“, wundert sich der Hauptbrandmeister. Dort angekommen nimmt er einen starken, kokeligen und leicht süßlichen Geruch wahr. Gar noch intensiver als zuvor in der Gartenanlage. Die Quelle ist auch schnell gefunden und es handelt sich keineswegs um ein Feuer. Pfarrer Matzke schwenkt eifrig sein Weihrauchfässchen. Gemeinsam mit dem ätherischen Räucherwerk entfaltet sich dabei der Geruch von glühenden Kohlen. Er gibt unserem guten Hauptbrandmeister noch ein paar weise Worte des Herrn mit auf den Weg und kehrt zurück zu seiner Gemeinde, während Kunze zurück auf die Feuerwache fährt.
Der Rest des Tages verläuft ruhig, doch am Abend müssen die Männer ein drittes Mal ausrücken. Dieses Mal soll es bei Rentner Albert brennen, wie dem Hauptbrandmeister mitgeteilt wird. Also auf in die Wohnsiedlung. Schon von Ferne nimmt Kunze einen dunkel-rauchigen und leicht süßlichen Geruch wahr. Albert und seine Frau sitzen gemütlich im Garten, wo der Rentner seine Pfeife schmaucht. Der Tabak ist verfeinert mit lieblichen Vanillearomen. Auch hier suchen die Feuerwehrmänner vergeblich nach einem Brand und dürfen sich in ihren wohlverdienten Feierabend verabschieden.
Broken Theories hat mich zu dieser kleinen Geschichte inspiriert, denn im ersten Moment erschnuppere ich verbrannte Hölzer mit Weihrauch und denke an ein Lagerfeuer, das lange gebrannt hat und irgendwann ausgegangen ist. Broken Theories erschafft für meine Nase exakt den authentischen Geruch von etwas Verbranntem. Aufgetragen auf die Haut wird der Duft allerdings sehr weich und warm und die Vanille- und Tabaktöne kommen durch. An meinem Mann duftet er sehr heimelig und man denkt mit der Zeit eher an ein gemütliches Pfeifchen oder an ein Räuchermännchen zur Weihnachtszeit.
Momentan ist selbstverständlich die vollkommen falsche Jahreszeit für einen solchen Duft, aber in der kalten Jahreszeit spielt Broken Theories seine Stärken aus. Wer Weihrauch mag, egal in welcher Form, wird Broken Theories lieben. Einer der authentischsten Rauchdüfte, der mir jemals unter die Nase gekommen ist. Ein passender Duft auch für alle, denen By the Fireplace von Margiela viel zu süß ist. Denn hier gewinnt der Rauch und die vanilligen Töne bleiben stets im Hintergrund. Ich fürchte, ich werde meinem Gatten irgendwann einen Flakon schenken müssen, denn er ist hin und weg davon. Und ich denke immer ein bisschen an 911, eine meiner aktuellen Lieblingsserien, wenn ich den Duft rieche.
Ganz lieben Dank an Chizza fürs kennen lernen und an Caligari für eine weitere Testmöglichkeit.
Sehr gerne und dankbar las ich vom Hauptbrandmeister Kunze und seinem wackeren Trupp! Wieviel Rauch ich in Düften vertrage, ist mir selbst noch unklar; aber der Markenname gefällt mir schon sehr.
Ist ja gut, dass es nicht wirklich gebrannt hat. Ich kann Rauch als Duftnote nicht mehr soviel abgewinnen aber By the Fireplace ist mir auch nicht zu süß.
Bei der Feuerwehr ist man doch meistens froh über falschen Alarm, schätze ich. Der Duft dürfte denen aber zu lasch rüberkommen, ist ja rauchvergiftungsunbedenklich.
Also das Aussehen des Flakons, der Name des Duftes und der Beginn der Geschichte mit dem Schwelbrand im Schrebergarten schreckten mich eher ab, aber der Ausklang des Beitrags lässt ihn mich dann doch noch auf die Merkliste setzen. Pokal sowieso.
Der gemütliche Hauptbrandmeister Kunze ist ein sympathischer Zeitgenosse und dies ist ein famoser Kommentar! Ottfire- Preussler-Pokal (mit feiner Rauchnote) für dich!
Oh, da spitze ich die Ohren und stelle fest: Der könnte ganz nach meinem Geschmack sein. Deine kleine Geschichte übrigens auch :-) Roter Feuerwehr-Pokal für Dich!
Schön, dass die Reise der Probe bei Dir vorbeiführte... Sehr unterhaltsam und kurzweilig beschrieben. Schöner kann man balsamischen Weihrauch und Sandelholz kaum verbinden, als es dieser Duft tut!
Sehr schöner Kommentar. Ich kann mir den Duft plastisch vorstellen. Aber er wird mir wahrscheinlich zu rauchig sein. Schon der Margiela ist mir in puncto Rauch zu dolle. Holzfeuer mag ich nur zum Davorsitzen.
Eine sehr schöne Geschichte, die Du dir ausgedacht hast. Den Duft kann ich mir gut vorstellen und auch, daß er mit Sicherheit nichts für mich ist. Wenn´s zu sehr qualmt, bin ich weit weg und suche Blumen im Grünen :-D
Klasse Duft!