Kouros 1981 Eau de Toilette

Kouros (Eau de Toilette) von Yves Saint Laurent
Flakondesign Alain de Mourgues
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7.0 / 10 1087 Bewertungen
Kouros (Eau de Toilette) ist ein Parfum von Yves Saint Laurent für Herren und erschien im Jahr 1981. Der Duft ist animalisch-würzig. Haltbarkeit und Sillage sind überdurchschnittlich. Es wird von L'Oréal vermarktet.
Aussprache
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Duftrichtung

Animalisch
Würzig
Holzig
Ledrig
Frisch

Duftpyramide

Kopfnote Kopfnote
AldehydeAldehyde MuskatellersalbeiMuskatellersalbei BergamotteBergamotte EstragonEstragon KorianderKoriander
Herznote Herznote
GartennelkeGartennelke IriswurzelIriswurzel JasminJasmin PatchouliPatchouli RosengeranieRosengeranie VetiverVetiver ZimtZimt
Basisnote Basisnote
ZibetZibet EichenmoosEichenmoos MoschusMoschus AmberAmber HonigHonig LederLeder WeihrauchWeihrauch TonkabohneTonkabohne VanilleVanille

Parfümeur

Bewertungen
Duft
7.01087 Bewertungen
Haltbarkeit
8.8858 Bewertungen
Sillage
8.5854 Bewertungen
Flakon
7.3848 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
7.8339 Bewertungen
Eingetragen von DonVanVliet, letzte Aktualisierung am 12.04.2024.

Rezensionen

111 ausführliche Duftbeschreibungen
10
Preis
8
Flakon
9
Sillage
10
Haltbarkeit
10
Duft
Foxear

22 Rezensionen
Foxear
Foxear
Top Rezension 88  
Sex s(m)ells - ein bizarrer Geniestreich
„Kouros“ – zu Deutsch etwa junger Mann oder Bursche. 1981 vom französischen Parfumhaus Yves Saint Laurent auf den Markt gebracht, von Pierre Bourdon erschaffen. Das Konzept für das Parfum kam Herrn Saint Laurent laut eigener Aussage während eines Griechenland Urlaubs. Er war „fasziniert vom kristallklaren Meer, dem blauen Himmel und der intensiven Lebhaftigkeit, welche dieses Universum ausstrahlt“. Die Statuen der jungen, männlichen „Kouroi“ (Singular Kouros) waren Namensgeber für die Kreation. Die von Herrn Saint Laurent gewählten Worte „Lebhaftigkeit“ und „Universum“ sind für mich von ausschlaggebender Bedeutung. Wieso? Ein Erklärungsversuch.

Zurück zu den Anfängen
Zum aktuellen Zeitpunkt als Endzwanziger mit nicht mehr als drei Monaten Parfumbegeisterung, kann ich zur Parfumzeit der 80er natürlich nichts sagen. Daher musste ich in verstaubten Geschichtsbüchern stöbern.

Opium, welches vier Jahre vorher im gleichen Haus erschien, war als würziger Orientale wegweisend und sorgte für große Aufmerksamkeit. Wegen des provokanten Namens wurde das Parfum zunächst in den USA, in China und in den Vereinigten Arabischen Emiraten verboten. Kouros stand dem in Sachen Kreativität in nichts nach. So provokant wie avantgardistisch. Ein Duft zwischen extravaganter Anmut und kantiger Eigenwilligkeit. Für die damalige Zeit ein enormes wirtschaftliches Wagnis- das reich belohnt wurde.

Kouros fand in seiner Anfangszeit großen Anspruch und war ein durchschlagender kommerzieller Erfolg- trotz (oder wegen) seiner abenteuerlichen Duftkomposition. Ein üppiger Gewürzkracher mit einem dominierenden Zibetakkord, vermischt mit einer Menge Moschus. Im Ergebnis verrucht animalisch, mit einer wundervollen Duftentwicklung. Ein Paukenschlag – damals wie heute polarisierend. Heutzutage könnte man meinen, es handele sich hierbei um einen hochpreisigen Nischenduft. Kouros ist einzigartig und störrisch, nicht für jede Nase sofort erschließbar.

Von Göttern und Katzenpisse
Wer eine kurzweilige Beschäftigung sucht, kann sich spaßeshalber die Statements zu Kouros auf Parfumo durchlesen. Ein breites Spektrum an persönlichen Dufteindrücken wird vermittelt. Nachfolgend ausgewählte Beispiele, die ich aus meiner Erinnerung niederschreibe.

Positiv: Ein Duft von Göttern gesandt / Hier trennen sich Männer von Bubis / Einzigartig / Ein wegweisender Monolith der Parfumhistorie / Animalische maskuline Erotik.
Negativ: Abartig penetrant – wer will so riechen / Riecht nach Kuhstall – verschwitzten Bauarbeiterdekoltee – Katzenpisse – ungewaschenen Unterhosen / Besser als jedes Zeckenspray / Kouros? Eher Kuh-Ross – Name ist Programm.

Wohingegen die wohlgesonnenen Statements pathostriefend daherkommen, wird bei den negativen natürlich versucht, so tief wie nur möglich unter die Gürtellinie zu gehen. Dem Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt. Spaß und Meinungsvielfalt muss sein- auch ich habe bei vielen geschmunzelt!

Nun eine verblüffende Tatsache: Bricht man den Kern aller Statements auf ein vernünftiges Mittelmaß herunter, so haben alle Recht. Der Duft ist ambivalent – sowohl verführerisch anziehend als auch ekelerregend abstoßend. Wie geht das?

„Apocalypse Now “ oder „Es war einmal … das Leben“
Auch für mich war der Duft anfangs ein Rätsel. Gesandt vom lieben Cappellusman im Vintage Gewand, habe ich Kouros innerhalb eines Monats mehrmals getestet, bevor sich mir sein Duftkonzept erschloss. Erster Test: „Ekelig, schwülstig, sonderbar“ so meine Notizen – „Das Grauen (The Horror)“ wie Colonel Kurtz sagen würde. Ich war kurz davor, mich in die Riege der derben Statement-Verfasser einzureihen- aus Respekt vor diesem 40 Jahre alten Wässerchen und seiner geschichtlichen Relevanz, hielt ich mich allerdings zurück (zum Glück).

Schon beim nächsten Test, eineinhalb Wochen später, kam mir der Duft weitaus gezähmter vor. Hatte sich meine Nase auf das bevorstehende Grauen gewappnet? War ich innerhalb einer Woche vom Bubi endlich zum Bären geworden? Krallen und Brusthaare sind mir keine gewachsen, indes gefiel mir der Duft spontan viel besser- das Phänomen wiederholte sich bei den darauffolgenden Tests. Für mich schlägt er in eine ähnliche Kerbe wie „Dali pour Homme“, bei dem ich – sofort – an knisternde Erotik denken musste.

Kouros vermittelt mir den Geruch verschwitzter nackter Leiber, die ohne Hemmnisse mit Hand und Mund den Körper des jeweils anderen entdecken. Nicht selten kommt es vor, dass einer dabei in Gefilden landet, die er im unerregten Zustand tunlichst meiden würde. Wenn man den Geschlechtsakt des Menschen betrachtet, ist dieser in seiner Urform nicht sonderlich leidenschaftlich oder erotisch. Nüchtern betrachtet ist er roh und ergebnisorientiert – man will Nachwuchs zeugen und seinen Artbestand gewährleisten. Schon Mal Primaten beim Liebesspiel gesehen? Da ist abstoßend gar nicht Mal unpassend ausgedrückt. Exakt diese Gratwanderung zwischen verruchtem Rausch und faszinierendem Ekel vollführt Kouros in Perfektion.

Kouros als Idee
Nun zurück zu den eingangs erwähnten Wörtern „Lebhaftigkeit“ und „Universum“. Das Universum als Anfang aller Dinge- es folgte das Leben, ein Resultat aus Paarung. Meine These abschließend ist folgende: Kouros ist ein Konzeptduft, der den Geschlechtsakt olfaktorisch festhält. "Ein Duft für lebende Götter" – so der Werbetext. Götter sind in diesem Beispiel Frau und Mann, die beim Geschlechtsakt gemeinsam neues Leben schaffen. Das erklärt auch, weshalb Kouros in der Öffentlichkeit so aneckt – gepimpert wird schließlich Zuhause und nicht in der Kantine vor den Augen aller Arbeitskollegen.

Aus dem weißen Flakon, der Reinheit und Unschuld verspricht, sprießt beim Betätigen des Zerstäubers hellrote Ursuppe. Kouros wirkt ekstatisch und berauschend, ist gleichzeitig aber hintergründig abstoßend. Kouros ist eine Hommage an den Geschlechtsakt und der Geburtsstunde allen Lebens.

Passende Musik: Bloodhound Gang – The Bad Touch
Vielen Dank fürs Lesen und weiterhin viel Spaß beim Entdecken neuer Düfte!
Danke an Cappellusman für die Vintage Probe dieses skurrilen Gebräus!
41 Antworten
10
Flakon
9
Sillage
9
Haltbarkeit
10
Duft
Reiser

1 Rezension
Reiser
Reiser
Top Rezension 62  
Der Duft der weißen Stadt
Die frühen 80er verbrachte Herr Reiser als Student in Paris. Das Coming out war zum Ende der 70er in der Heimat absolviert worden. Nun war ganz viel Horizont, und dafür stand Paris ein. Die Zukunft ein weißes Blatt, das wir möglichst lang und schön beschreiben würden. So hofften wir. Weiß war auch die Stadt damals. Weiße Hosen und laute Hemden, die Uniform auf Boulevard und Campus. Wir hätten sie gern bei Saint Laurent gekauft, der die schönsten machte, konnten uns das aber nicht leisten. Wir schauten sie uns in seinem Store nur an. Der war weiß eingerichtet. Und mit Kouros beduftet. Auf der weißen Kundentoilette die milchweiße Kourosseife. YSL war einer unserer Helden. Er hatte sich schon in den 70ern nackig gemacht, als uns noch die Scham der Provinz regierte. Nun lebten wir in seiner die große Freiheit versprechenden Stadt und konnten ihn leibhaftig sehen. Theoretisch. Ich habe ihn nie gesehen, im La Coupole war er immer gerade weg oder würde ganz bald kommen. Bestimmt. Sagten sie. Er kam nie. Aber wir hatten Kouros, seinen Duft, von dem Luca Turin in seinem „Kleinen Buch der großen Parfums“ später schreiben wird, er rieche "wie die gebräunte Haut eines Kerls mit Pomade im Haar, der gerade aus der Dusche tritt". Wie sollte der uns nicht gefallen? Saint Laurent ließ Plakate hängen, auf denen der flache, marmorweiße Flakon, der archaischen Jünglingsplastiken nachempfunden war, vor blauem Himmel neben einen unfassbar perfekten nackten Mann rückte. Der Duft war so schockierend laut wie unsere Hemden und Clubs, die damals noch Discos hießen. Schmutzig und vollgepackt mit Aromen wie diese Hemden am Ende einer viel zu langen Partynacht voller Kontrollverlust. Laut und schmutzig fanden wir gut; und wir hatten auch nichts gegen die Pariser „tearooms“, die Pissoirs, mit denen man unseren Duft rasch in Verbindung brachte. Kouros roch wie unsere Nächte, Räusche und Eskapaden. Er stand nicht als ein definiertes Aroma im Raum, er war das gusseiserne Gefäß vieler an sich komplett unverträglicher Aromen, die plötzlich derart passend und überwältigend zusammenkamen, als könnte es gar nicht anders sein. Kräuter, die Sekrete von Tier und Mensch, Hölzer, Chemikalien wie aus Reinigungsmitteln, Campari, der dominante Koriander, den eigentlich alle Parfums der 80er auffuhren. Sehr stechende grüne Noten. Etwas müffelnd Aquatisches. Und zugleich eine ganz eigenartige Süße, die vielleicht dem Honig geschuldet war. Wir lernten, dass die animalische Puffnote, die am längsten hängen blieb, Zibet genannt wurde. Wir entschieden uns, Kouros für ein sexuelles Parfum zu halten. Ein Duft als Wette auf die Zukunft. Die Reaktionen der Leute in Bus und Metro bestätigten uns darin, dass die Sillage stark und unser Duft nicht deren Duft war. So wollten wir es haben. Nachts, in unseren Bars und Discos, roch wirklich ganz Paris nach Kouros. So will es wenigstens meine Erinnerung. Und als schmale Jungs waren wir selbst einem Kouros wohl niemals näher als in diesen Tagen. Kouros knüpfte ein dauerhaftes Band zwischen uns. Im Hörsaal erkannten wir einander, wenn wir diesen Geruch wahrnahmen. Wir trugen ihn wie die Signaltücher in der Jeans. Das ist der Zauber, den ein Duft haben kann: er stiftet stabile Verbindungen zu Orten, Zeiten, Menschen. Und wie auch immer sich der Duft in den folgenden Jahrzehnten veränderte, er blieb bei uns, als das weiße Blatt allmählich beschrieben wurde. Ganz anders, als wir gedacht hatten. Ein Virus kam und leerte die Bars und Discos. Die Leute wechselten von der Tanzfläche ins Krankenbett. Es ging so schnell, dass wir gar nicht verstanden, was mit unserer Welt passierte. Nun schmuggelten wir statt Blumen Kouros auf die Aids-Stationen, damit unsere Freunde wenigstens den vertrauten Duft nicht entbehren mussten. Und das Band hielt, bis zum Schluss. Über den immer häufiger werdenden Trauergesellschaften lag eine federleichte Kouros-Wolke, die davon zeugte, dass wir unsere wilden Jahre nicht bedauerten, sondern betrauerten. Die davon zeugte, dass wir uns als Gemeinschaft begriffen. Irgendwann hatten die meisten, die überlebten, Paris verlassen. Kouros wurde schwächer, aber das war in Ordnung, wir wurden es ja auch. Das Zibet-Aroma wird jetzt aus Algen gewonnen. Ich habe nichts dagegen. Hauptsache, ich erkenne den Duft noch wieder. Und wenn wir uns heute treffen, hier in Berlin oder anderswo, allesamt Herren um und über sechzig, Longtime-Survivors oder einfach Glückspilze, dann hat mindestens einer Kouros aufgelegt, als sentimentale Erinnerung an unsere weiße Stadt und die lauten schönen Jahre. Wir tragen Kouros nicht mehr oft, aber wenn – dann wissen wir, warum wir es tragen. Und manchmal genügt es, nur den marmorweißen Flakon in die Hand zu nehmen.
22 Antworten
7.5
Sillage
10
Haltbarkeit
8
Duft
Turandot

834 Rezensionen
Turandot
Turandot
Top Rezension 45  
Meine Leiche im Keller
Nein, so riecht Kouros natürlich nicht. Aber nachdem einer der vielen Vorkommentatoren einer Frau, der Kouros gefällt attestiert, pervers zu sein, oute ich mich als Kouros-Fan und offenbare meine dunkle Seite.

Der Duft begegnete mir jahrelang bei Müller in einer der unteren Regalschienen. Tester waren so gut wie nie vorhanden, Pröbchen gab es alle Jubeljahre mal und so habe ich den Duft so gut wie nie einem Kunden aktiv vorgestellt. Ich hatte meine Meinung darüber längst gefällt und als unwichtig ad acta gelegt, denn Kouros gehörte nicht zu den Rennern, wurde aber doch schön brav immer wieder aufgefüllt, wenn der Mindestbestand unterschritten war. Der Schwund musste also von treuen Stammkunden verursacht werden, die sich Kouros regelmäßig selbst aus dem Regal holten. Das ist auch der Grund, warum ich mich bisher noch nie mit einem ausführlichen Test befasst habe. In der Duftwolke im Geschäft hat es sowieso keinen Zweck, selbst wenn ich einen Tester zur Verfügung gehabt hätte und zu einer Abfüllung hat mir erst hier ein Parfumo-Mitglied verholfen.

Nun, es gibt Tage, an denen ich so gegen den Strich gebürstet bin, dass ich mich mit Knize Ten, Yatagan oder auch Muscs Koublaï Khän wohlfühlen könnte und in diese Reihe der "Jetzt-erst-recht-Düfte" ordnet sich Kouros für mein Empfinden ein.

Das ist sicher kein Duft, der unbedingt in meine Sammlung muss, aber weder Klostein, noch sonstige gedanklichen Verbindung zur Toilette kann ich nachvollziehen. Dass die animalischen Noten sehr präsent sind, das stimmt schon, aber das sehe ich nicht als Manko und ein Anflug von sauberem Schweiss in einem Duft stört mich überhaupt nicht. Wenn man die zugegeben etwas strenge Kopfnote überwunden hat, dann möchte ich so mancher Userin empfehlen, sich in aller Ruhe und Unvoreingenommenheit der Herznote und erst recht der Basis zu widmen, denn wenn Kouros auch nicht zahm wird, so doch umgänglich und trotzdem bis zum Ausklang interessant und aussergewöhnlich. Die Sillage ist raumgreifend und die Haltbarkeit gigantisch, aber das war nicht anders zu erwarten. Kouros macht keine Gefangenen, man ist erledigt oder konnte vorher fliehen. Mich hat der Duft ins Herz getroffen.

Bin ich nun pervers? Nun wenn man in den einschlägigen Werken die Erklärung des Wortes nachliest und über die Schmuddelecke hinaus ist, so steht da auch "befremdliches Verhalten". Damit kann ich leben. Durchschnitt kann jeder!

Da bei ca. 50 Kommentaren nur 5 von weiblichen Mitgliedern geschrieben wurden, und dem Duft damit nicht gerecht wird, möchte ich meine Geschlechtsgenossinen jedenfalls ermuntern, Kouros doch einmal eine Chance zu geben. Wer sich gerne mal "befremdlich verhält", der wird an Kouros seinen Spaß haben.
20 Antworten
10
Flakon
10
Sillage
10
Haltbarkeit
10
Duft
Schrippe

10 Rezensionen
Schrippe
Schrippe
Top Rezension 49  
Ein Freund fürs Leben
2021,
mitten in der Stadt, Pippilotta, meine Rüd*in , verspürt den Drang, laufen zu lassen. Ein Rinnsal Richtung Bordsteinkante, wo die zur Abholung bereitgestellten Mülltonnen aus Zink vor sich hin dampfen.
Die Luft zwischen den Häuserfluchten flirrt. Die Hitze, diese unerträgliche Hitze, die einem auf dem Land oder am Meer nichts anhaben kann.
Mein Hund, der von seiner Herkunftsfamilie auf Grund seines Geschlechts mit dem Namen Dieter bedacht wurde, tökelt immer weiter in Richtung Stammpinkelecken anderer Vierbeiner*innen.
Halt, da war doch was….Eine Fata Morgana? Soll bei über 35 Grad im Schatten vorkommen. Ein Mann, wie in Zeitlupe, schwebt an uns vorbei. Dieser von ihm ausgehende Geruch, den kenne ich doch.

Katapultiert in die späten 80er Jahre.
Die Umkleidekabinen des BSG Traktor Groß Lindow.
Dort spielten die großen Jungs.
Manchmal nahmen Brüder die Kleinen mit dort hin. Etwas zeitversetzt zum Training der Junioren, fand die Ballspielstunde der Windelk-i-cker an. Nicht mit a, wobei das bei dem einen oder anderen auch zutraf. Boah, was hat da mancher gestunken.
Lukas nicht.
Er war drei Monate, zwei Wochen und fünf Tage älter als ich. Unsere Brüder waren die Starkicker des Ortes. Wenn unsere Spielstunde zu Ende war, stromerten wir, stolz wie Oskar, über das Sportplatzgelände. Hin zu den Kabinen der Erwachsenen, die auch von den Halbstarken genutzt werden durften.
Wir schmulten um die Ecke der Duschen und lachten uns schlapp über die feiernden Spieler und deren Rituale. Es roch nach billiger Seife aus dem Konsum. Kein Schaum, nur ein Schäumchen. Von den, nur durch einen Vorhang aus Sackleinen getrennten Pissoirs, waberte ein Gemisch aus Kalkstein und Urinalkugeln herüber. Dazu der Mief von Sportlerschweiß getränkten Spielerhemden, Hersteller Kristall, VEB Trikotagen. Nach Fuß roch es auch.

Erinnerungen an diverse Kritzeleien kommen hoch. Schreibweisen von Ferkeleien, die sich uns erst sehr viel später erschlossen haben. Der Mann und ich grinsen uns an.
Hallo Lukas, bist Du das? Was habe ich Dich vermisst. Der Junge, der mein Sparringspartner beim Sport war…lange ist es her.
Er erzählt, dass er das piefige Nest unserer Kindheit verlassen musste. Auch, um seine Interessen für das gleiche Geschlecht, ohne Spione hinter der Gardine, ausleben zu können. Er berichtet von seinem Schmerz, den er wegen seiner Neigung in dem kleinen Ort und in der Familie erleiden musste und er darum auch beschloß, nach dem Studium in der Stadt zu bleiben.
Jetzt erst verstehe ich, warum meine Mutter mit der von Lukas gebrochen hat….

Woran ich Dich erkannt habe, schließlich hättest Du Dich optisch stark verändert?
An Deinem Geruch Lukas. Wie könnte ich Dich nicht erkennen? Der Du meine Schulter zum Anlehnen, Ausheulen warst, als ich glaubte, nach Vatis Tod auch zu den Engeln in den Himmel reisen zu müssen. Du, der mich im Arm gehalten hat, als wir aus Angst vor Entdeckung , zitternd im Baumhaus saßen, weil wir den ABV Schwabbelbacke gerufen haben. Was haben unsere Muttis gelacht; eigentlich nur meine, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.
Lukas, ich vergesse Dich nie und erkenne Dich unter Millionen immer wieder.
An Deinem Geruch, der Duft der unbeschwerten Zeit, wo wir beide noch nicht viel von der Welt der Erwachsenen wußten oder gar in der Lage gewesen wären, all die Versprechen, die uns das Leben gab, einzufordern.
Kouros, der Duft unserer großen Brüder, der so viel versprochen und auch gehalten hat.

(Kouros Vintage)

18 Antworten
10
Flakon
9
Sillage
9
Haltbarkeit
9.5
Duft
Profumo

284 Rezensionen
Profumo
Profumo
Top Rezension 43  
Oh Kouros.....
... wie habe ich Dich gehaßt, als Du Anfang der 80er Jahre auf den Markt kamst! Und die Träger dieses Duftes gleich dazu. Jahrelang blieb Kouros (neben Poison) für mich der Inbegriff des schlechten, penetranten Parfums. Irgendwann, vor ein paar Jahren aber, ich weiß nicht wie und warum, verkehrten sich all meine negativen Assoziationen diesen Duft betreffend (Fußschweiß etc.) plötzlich ins Gegenteil und aus diesem vermeintlich üblen Gebräu wurde für mich ein wohlduftendes Aroma.
Nicht dass ich die animalische Seite von Kouros auf einmal nicht mehr wahrnehmen würde, ich nehme sie durchaus wahr, aber als etwas positives. Wie ein frisch verlassenes, morgendlich aufgewühltes Bett, das noch körperwarm nach Sex und getragenem Parfum riecht - man kann das Fenster aufreißen um den Geruch zu vertreiben, aber man kann sich auch noch einmal hineinkuscheln und vergangenen Genüssen nachspüren... Heute kuschle ich mich lieber nochmal ins Bett und lasse diesen Lebens-satten Duft einfach zu, ja genieße ihn. Vor nicht allzu langer Zeit konnte ich das scheinbar nicht.
Nach wie vor aber ist Kouros für mich ein prekäres Parfum, das ich nicht bedenkenlos tragen kann, d.h. ich muß in 'Kouros-Stimmung' sein, muß mich beim Aufsprühen beherrschen denn 2 Sprühstöße sind schon fast einer zuviel. Dieses Parfum ist derart kraftstrotzend und raumfüllend, dass es sehr schnell als zu offensiv empfunden werden kann.
Dezent getragen verfehlt es seine Wirkung aber nicht, und wurde - jedenfalls bei mir - einige Male positiv kommentiert.
Interessanterweise ist Kouros in Amerika fast ein absolutes 'no go': so hat Chandler Burr von der New-York Times mal geschrieben, dass dieses Parfum nur von Franzosen in Frankreich getragen werden kann - sprich: wer stinkenden Käse isst, der findet es auch chic selbst zu müffeln... und yes, we (the europeans) are used to smell funky!

Nachtrag 3.03.2013:

Leider wurde 'Kouros' zwischenzeitlich reformuliert und hat in seiner heutigen Fassung nur noch entfernt etwas mit dem Original zu tun. Warum man das getan hat, weiß ich nicht, aber ich vermute, die IFRA wird Gründe dafür geliefert haben, desgleichen ein sich im Vergleich zur Entsehungszeit des Duftes fundamental geänderter Duftgeschmack. Das neue 'Kouros' dient sich diesem an und es bleibt abzuwarten, ob verloren gegangenes Terrain wieder eingenommen werden kann.
Ich bleibe derweil beim alten - sollen die Leute doch denken was sie wollen!

Nachtrag 20.02.2020:

Zwischenzeitlich wurde 'Kouros' schon wieder reformuliert. Seit noch nicht einmal mehr kleinste Mengen Atranol- bzw. Chloratranolhaltiges Eichenmoos verwendet werden dürfen, hat man fast alle Chypre/Fougère-Düfte erneut umgearbeitet - zumeist mit besseren Ergebnissen, da zum einen überzeugendere Ersatzstoffe, mittlerweile aber auch allergenfreies (und bezahlbares) Eichenmoos zur Verfügung stehen. 'Kouros' hat wieder Eichenmoos in der Formel und duftet wieder fast wie früher. Fast....
8 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

209 kurze Meinungen zum Parfum
PinseltownPinseltown vor 1 Jahr
8
Flakon
9
Sillage
9
Haltbarkeit
10
Duft
Im Leder auf der Harley
Sonne grinst animalisch frischfrech
Moschhelm schwitzt würzig
Holzherbe Highway to Hell Reise
God gave Rock 'n' Roll
47 Antworten
JonasP1JonasP1 vor 3 Jahren
8
Flakon
8
Sillage
10
Haltbarkeit
10
Duft
Vintage
Verwebte Gewürze stürmen
Es regnet dunkelgrün
Auf meine schwitzige Haut
Seife perlt freudig ab
In weiter Ferne
Glänzt schwarzes Fell
38 Antworten
SchatzSucherSchatzSucher vor 3 Jahren
7
Flakon
9
Sillage
10
Haltbarkeit
7
Duft
Kanonengleicher Mix aus Floralem und Gewürzen und diesem gezielten Schuß Versautheit. Einzigartig, aber mir den gewissen Tick zu ferkelig.
26 Antworten
TofuwachtelTofuwachtel vor 3 Jahren
8
Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
10
Duft
Vintage
Auf meiner Haut
Würz Mantel
Seelen Fänger
Schwanensee Burlesque
Schwitziger Monsun
Atem los
Magisch
Hey Billy - Flesh For Fantasy
26 Antworten
FoxearFoxear vor 3 Jahren
8
Flakon
9
Sillage
10
Haltbarkeit
10
Duft
Herber Gewürzkracher. Faszination Fleischeslust als Duft.
Anziehend, verrucht, berauschend, spannend, ambivalent, erotisch.
Einzigartig.
24 Antworten
Weitere Statements

Diagramm

So ordnet die Community den Duft ein.
Torten Radar

Diskussionen zu Kouros (Eau de Toilette)

Jaromil in Parfum allgemein
Jaromil:mit den aussagen der counterladies (wie auch mit denen vom kundenservice oder von der marketingabteilung..)...
Jaromil in Herren-Parfum
Zum Zeitpunkt des Kommentars hatte ich den 2015er schon gekauft, habe ihn nur eben noch nicht geöffnet.😅Mein „aktueller“ Batch ist von 2022...
Yasin in Herren-Parfum
Mich wundert irgendwie, dass hier noch nicht "Salvador Dali pour Homme" genannt wurde oder haben wir eine unterschiedliche Auffassung von animalisch? :)
ExUser in Herren-Parfum
Versuchen wir´s doch mal mit dem:http://www.katiepuckriksmells.com/2009/12/yves-saint-laurent-kouros.html

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67 Parfumfotos der Community
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