Classica

Laudano Nero 2014

Laudano Nero von Tiziana Terenzi
Flakondesign Tiziana Terenzi
7.8 / 10 394 Bewertungen
Ein beliebtes Parfum von Tiziana Terenzi für Damen und Herren, erschienen im Jahr 2014. Der Duft ist holzig-würzig. Haltbarkeit und Sillage sind überdurchschnittlich. Es wird von Cereria Terenzi Evelino vermarktet.

Duftrichtung

Holzig
Würzig
Rauchig
Harzig
Orientalisch

Duftpyramide

Kopfnote Kopfnote
CognacCognac schwarzer Amberschwarzer Amber Latakia-Tabak AbsinthAbsinth MyrteMyrte RosmarinRosmarin
Herznote Herznote
ZedernholzZedernholz AkazienhonigAkazienhonig KampferbaumKampferbaum KaschmirKaschmir Blumen-Esche IrisIris RosmarinRosmarin SandelholzSandelholz Schiefer rote Roserote Rose
Basisnote Basisnote
WeihrauchWeihrauch Bourbon-VanilleBourbon-Vanille Lack-ZistroseLack-Zistrose LorbeerblattLorbeerblatt MoschusMoschus OudOud EicheEiche KaperKaper VetiverVetiver

Parfümeur

Bewertungen
Duft
7.8394 Bewertungen
Haltbarkeit
8.8354 Bewertungen
Sillage
8.3363 Bewertungen
Flakon
8.0335 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
7.0135 Bewertungen
Eingetragen von Apicius, letzte Aktualisierung am 29.04.2024.
Wissenswertes
Das Parfum ist Teil der Kollektion „Classica”.

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Rezensionen

12 ausführliche Duftbeschreibungen
10
Flakon
10
Sillage
10
Haltbarkeit
9
Duft
Stefanu155

71 Rezensionen
Stefanu155
Stefanu155
Top Rezension 26  
If you see me comin'
better step aside
A lotta men didn't, a lotta men died

So heißt es etwas martialisch in dem großartigen Song "16 Tons" von Tennessee Ernie Ford. Satte 16 Tonnen Harz, Holz und Rauchwerk wurden bei der Herstellung von "Laudano Nero" verarbeitet. Die nonchalant vorgetragene Härte passt perfekt zu diesem schwarzen Labdanum, das meine Schädeldecke mit einem perfiden Lächeln mühelos durchtrennt. Schönen Tag, Herr Großinquisitor.
Ein tatsächlich kompromissloser und moderner Duft und zur Modernität lasse ich jetzt mal ein Theorem in den Äther, das dann an anderer Stelle vertieft diskutiert werden kann: Die Qualität eines (Kunst)Werkes in der Moderne lässt sich weniger daran beurteilen, was gemacht wird, sondern vielmehr dadurch, was nicht gemacht und bewusst vermieden wurde. Die Kraft und das Aufklärerische eines Werkes, einer Komposition, einer Gestaltung zeigt sich in der Art, wie Erwartungshaltungen unterlaufen oder auch - gelegentlich - überboten werden. In gewisser Weise ist die dadurch beim Rezipienten erzeugte Begriffsstutzigkeit „der Anfang der Philosophie“, wie es Derrida einst formulierte.
Laudano Nero macht so Einiges nicht. Nehme ich die Kategorien, wie sie hier vorgegeben werden in „Einordnen“ zu Hilfe, bleiben für mich lediglich drei übrig: Harzig, Rauchig, Holzig. Oder umgekehrt. Schon „Würzig“ wäre viel zu nett. Alles andere wird rigoros vermieden. Wie schafft es ein Duft mit so vielen Zutaten, einen solchen Weihrauchscheiterhaufen zu errichten? Wo sind sie abgeblieben, Rose, Lorbeer, Vanille, Honig gar und Moschus? Ganz einfach: verbrannt. Fast vermeine ich noch einen letzten leisen Seufzer zu vernehmen, ehe die Rose verglüht und die Flammen über ihr zusammenschlagen. Der Vanille erging es grad ebenso. Jämmerlich krümmte sich die Schote. Die Kräuter wurden in Schalen mit glühenden Kohlen gegeben und hauchen in der finalen Hitze ihre ätherischen Öle und flüchtigen Seelen aus. Der Honig bildet am Schluß eine schwarze Schlacke, in der ihm alle Süße vergangen ist. In so ein Feuer kann man alles werfen, denn alles ist ihm Nahrung. Der Rauch wird nur noch schwärzer und bitterer davon. Die Kohle glüht noch lange nach.
Aphrodite entsteigt schaumgeboren dem Meer, Gischt, Wasser, Licht und die Musik der Aulos-Bläserinnen begrüßen sie. Der Weihrauch gehört der Priesterin, die den Tod und den Abschied zelebriert. Mit dem Meer kommt es, mit dem Rauch geht es, so zumindest das Phantasma der Antike. In Rom kann man den sog. Ludovisischen Thron* betrachten, dort wird die Göttin der Liebe und Lust aus dem Wasser gehoben, flankiert von Musik und Nacktheit auf der einen und der verhüllten Priesterin mit dem Rauchfass auf der anderen Seite.
Tief atmet die Pythia den Rauch ein, der sie umwabert. Sie verdreht die Augen, so dass man nur das Weiße sehen kann. Sie spricht in Zungen, in einer fremden Sprache, die es erst viele viele Jahrhunderte später geben wird:
„One fist of iron, the other of steel
If the right one don't a-get you
Then the left one will.“
Dann sinkt sie zu Boden, wo sie liegen bleibt. Ab und an erkennt man an einem Zucken der Hände und Füße, dass sie noch lebt.
Der thebanische Königssohn ist enttäuscht. Er hatte auf verständlichere Laute gehofft. Er strebt hinaus und lässt die brandige Höhle erleichtert hinter sich. Der Geruch wird noch lange an ihm haften und die Erinnerung beständig bleiben.
*
(https://www.flickr.com/photos/hen-magonza/4169976752/in/photostream/)

Für mich kaum zu bewerten. Ich kann, wie geschehen, 90% geben aufgrund seiner Konsequenz und Unmittelbarkeit. Aber auch 10% würden sich nicht komplett falsch anfühlen. Ich bin fasziniert, kann ihn aber kaum tragen. Unbedingt vorher testen, definitv kein Blindkaufkandidat. Mal sehen, was sich damit sonst noch anstellen lässt.
10 Antworten
7.5
Flakon
7.5
Sillage
7
Duft
Sarungal

69 Rezensionen
Sarungal
Sarungal
Top Rezension 18  
„Der will doch nur spielen“: Kaiserliche Harmlosigkeit
Immer wieder schleiche ich um Nero herum, hin- und hergerissen zwischen Appeal und Abwehr, gelegentlich vielleicht auch auf der verzweifelten Suche nach der dunklen Seite des Safts, die verschiedentlich beschworen wird. Allein – dazu ist mir Terenzis Duft viel zu freundlich, seine Süße zu präsent, in Phasen gar zu penetrant. Andererseits hat er angenehm verrauchte Seiten; schwelende Glut aber kommt mir nicht in den Sinn, sondern harmlos kokelnde Räuchermännchen-Gemütlichkeit. Immerhin riecht das Ganze charmant – und ziemlich asexuell in seiner wollsockenen Kamin-Heimeligkeit.

Dabei verheißt die Pyramide Monumentales; vielleicht ist sie aber auch einfach nur zu viel für meine Nase. Der erschließt sich zu Beginn Cognac, und zwar mit einiger Deutlichkeit. Das ist kein schlichter Weinbrand deutscher Manufaktur, sondern gutes Zeug, das sich ein wenig gar zu eilig ambrieren lässt. Ohnehin ist mir auch hier (wie in Lilipur) der Amber ein wenig zu präsent, wenngleich sich eine leicht geschärfte Kampfernote Mühe gibt, dagegen zu halten. Leider reicht’s nur für olfaktorisches Wetterleuchten, aber die aparte Note tut dem Duftgeschehen unzweifelhaft gut.

Worauf die deutliche Verräucherung im Einzelnen zurückzuführen ist, bleibt Spekulation: Da tummelt sich Einiges, das balsamisch zum Bouquet beiträgt. Angenehm ist die Abwesenheit allzu cremig-dichter Aromen; „Laudano Nero“ tritt recht bald schon eher pudrig auf, ohne dass man dem Parfum echte Transparenz bescheinigen möchte: Dazu mischt sich einfach zu viel von allem Möglichen in Terenzis Duft. Pudrig meint in diesem Zusammenhang übrigens kaum irgendeine kosmetisch-reinliche Facette, sondern dient als Bild zur Beschreibung der diffundierenden Qualität der einzelnen Bausteine.

Angesichts dieses Eindrucks verzichte ich auf den Versuch, die angegebenen Bestandteile genauer erschnuppern zu wollen; für mich bleiben liebliche, sehr präsente Rauchwaren, Amber - zartest kampferisiert – und der eröffnende Cognac die zentralen Aromen, um die herum eine ganze Menge anderer Kram vermutlich justierend mitspielen darf.

Mag ich das? Sehr – und auch wieder nicht; für meinen Geschmack bringt die Übermacht der – immerhin gut etablierten – Grundsüße den Duft ein wenig um seinen Reiz. Dennoch spricht diese Ambivalenz für den Duft: Zu einem klareren Urteil bin ich in Monaten der Beschäftigung nicht gekommen – üblicherweise lässt sich diese Unentschiedenheit darauf zurückführen, das Teile meiner Nase fasziniert sind. Über jeden Zweifel erhaben sind Haltbarkeit und Sillage – sofern denn „viel“ immer viel hilft.

Fazit: 70 % sind nach meinen Bewertungskriterien durchaus im positiven Bereich – die sind vor allem der freundlichen Räucherei geschuldet. Für mein persönliches Empfinden allerdings, das Süße nur bedingt goutiert, fehlt ein wenig die Balance. Anders ausgedrückt: Terenzi bleibt sich treu!
8 Antworten
10
Flakon
10
Sillage
10
Haltbarkeit
8
Duft
Profumorist

76 Rezensionen
Profumorist
Profumorist
Top Rezension 14  
In Weihrauch geräucherter Humidor mit guten Zigarren und einem Schluck Rum
Nur durch Zufall bin ich durch eine Werbeanzeige einer Online-Parfümerie auf diesen Duft gestoßen. Und obwohl ich sowas eigentlich links liegen lasse, habe ich mich warum auch immer mal über den Duft informiert. Und obwohl Weihrauch, Tabak, Oud und das ganze Zeug eigentlich nicht so meins ist, habe ich mir trotzdem Abfüllungen besorgt (Danke nochmal an Schnuppi42 und Sinusitis). Und mittlerweile weiß ich auch warum. Wir beide mussten einfach zueinander finden. Es ging gar nicht anders. Dieses Parfüm sucht sich seinen Träger aus und nicht umgekehrt!

Der Duft startet in den ersten Minuten sehr süffig nach Rum bzw. Cognac soll ja drin sein. Danach dominiert für eine sehr lange Zeit das Zedernholz mit dem Tabak. Es erinnert mich an einen Humidor, die ja meistens aus Zedernholz gefertigt sind, welcher mit guten Zigarren bestückt ist. Der Geruch, der einen in die Nase steigt, wenn man einen solchen öffnet. Wunderbar rauchig und würzig. Toll.

Dieser Eindruck bleibt bei mir auch über Stunden erhalten. Mit der Zeit kommt die Süße immer mehr zum Vorschein, ohne aber zu dominieren. Die Rauchigkeit, mittlerweile ist auch der Weihrauch deutlicher da, ergänzt sich wunderbar mit der Süße. Und auch dieser Eindruck bleibt. Zumal es keinen wirklichen Ausklang dieses Duftes gibt. Der bleibt und bleibt und bleibt...

Damit kommen wir auch zum nächsten überragenden Punkt. Die Haltbarkeit. Morgens aufgesprüht, riecht man ihn ohne weitere Probleme 24 h lang. Auf der Kleidung bleibt er sogar über mehrere Tage erhalten. Selbst eine Waschmaschine kann ihn nicht wirklich beseitigen. Einfach der Wahnsinn. Die Sillage ist ebenfalls top. Über Stunden absolut raumgreifend und füllend. Nur zur Info: Wir reden über einen 2014er!

Anleihen zum Blck Afghano kann ich irgendwie bejahen und auch wieder nicht. Zu gleich sind solche Düfte. Ich würde eher eine Verwandschaft zum Dark Rebel von John Varvatos sehen. Insbesondere der Mittel- und Endteil beider Düfte riecht für mich doch sehr ähnlich. Übrigens auch ein richtig guter Duft.

Was bleibt von diesem Duft? Für mich, der eigentlich eher auf gepfefferte Zitrusdüft und Vetiver steht, ist Laudano Nero ein faszinierender rauchig-würziger Duft mit einer grandiosen Präsenz. Ein Duft, der mich persönlich nicht überfordert. Ein Duft, der für mich durchaus den Charakter hat, mein neuer Signaturduft zu werden. Ein Duft, den man mit einer ordentlichen Portion Selbstbewusstsein tragen muss. Ein Duft, der seinen Träger sucht...

Gruß

Euer Profumorist
6 Antworten
8
Duft
Terra

646 Rezensionen
Terra
Terra
Top Rezension 0  
meditative essence
unter dieser vielversprechenden Einordnung wird Laudano Nero in dem Probenpaket von Tiziana Terenzi beworben. Das kam mir gerade recht, denn ich hatte einen wirklich stressigen Tag, nachdem ich wirklich nichts mehr, als etwas meditatives gebrauchen kann.

Doch ob Laudana Nero das einhält, sollte besser jeder selbst beurteilen. Eine Verwandschaft zu Black Afgano erkenne ich zumindest phasenweise und eigentlich habe ich schon so viele Düfte dieser Richtung gerochen, dass ich wirklich übersättigt bin. Doch hier wirkt alles sehr aufgeräumt und klar, natürlicher. Ich kann Weihrauch, Vanille, Zedernholz, Vetiver usw. recht gut einzeln erkennen, während Black Afgano gewollt wie ein schlechter trennbarer Geruchseindruck auf mich wirkte.

Je weiter all das voranschreitet, umso eher entfernt sich LN von der Nasomatto-Verwandschaft. Meditativ? Naja, ein wenig wirkt nun alles wie ein edles Räucherstäbchen oder noch eher, als würde man das in den Noten gelistete Holz verbrennen, um die anderen Ingredenzien über dem Feuer zu verräuchern.

Interessanterweise fordert mich dieser Terenzi trotz aller Rauchigkeit dabei lange nicht so wie manch andere, besonders rauchige Düfte. Vielleicht gerade, weil er im Gegensatz zu vielen anderen eher weich beginnt um langsam rauchig-holziger zu werden und schlussendlich wieder weicher auszuklingen und dabei immer würzige und auch unsüße, vanillig-holzige Aspekte zu behalten.

Wer rauchig-holzig-harzige Düfte mag, sollte diesen hier wirklich testen. Er bietet mehr Facettenreichtum als die meisten Anderen jener Richtung. In weiterer Entfernung nehme ich einen wunderbar echten und authentischen Holzgeruch wahr, dann wieder verstärkt einen leichten Vanilleakzent, dann werden wieder rauchige oder würzige Aspekte betont. LN ist keineswegs unruhig, aber spannend.

Ein Duft der trotz aller Rauchigkeit, Dunkelheit, Sillage und Haltbarkeit tatsächlich irgendwie meditativ wirkt. Ein starker und in sich ruhender Pol voller Abwechslung. Ohne die hin- und wieder aufkeimende, olfaktorische Erinnerung an Black Afgano, die zur Basis hin wieder etwas deutlich wird, wäre er wirklich perfekt.
2 Antworten
9
Flakon
10
Sillage
10
Haltbarkeit
9.5
Duft
Profuma

213 Rezensionen
Profuma
Profuma
Hilfreiche Rezension 16  
Der geheimnisvolle Abend im Schloss...
Der Raum im Schloss wird nur von ein paar tropfenden Kerzen in antiken und geschwungenen Eisenständern ausgeleuchtet. Im Kamin brennt leise züngelnd ein Feuer. Hier und da speiht es ein paar Funken, die kaum wahrnehmbar in der Luft über ihm verglimmen. Fast hätte ich die sich zögerlich bewegenden Umrisse und den Schatten am Kamin übersehen, so diffus ist das Licht im Raum. Fast regungslos steht sie da, die Gestalt. Grossgewachsen, dem Feuer zugewandt und leicht gegen den Sims des Kamins gelehnt. Darauf stehen kleine Artefakte und Porträts, die sich in den geworfenen Schatten des Feuers und des Kerzenscheins fast zu bewegen scheinen. Nicht aber die Gestalt am Feuer. Erst beim näheren Hinsehen kann man den langen Umhang erkennen. Schwarz wie die Nacht und ebenso umhüllend umschlingt er seinen Träger. Ich habe das Gefühl, dass ich eine halbe Ewigkeit am Eingang zu dem alten Thronsaal stehe und die Szenerie betrachte. Ich bin irgendwie in ihr gefangen. Der Raum, die Menschen darin und die Artefakte faszinieren und bannen mich. Wer sich auch bewegt, scheint es für meine Wahrnehmung in Zeitlupe zu tun oder einfach auf ein Minimum beschränkt und mit erhabener, fast ehrfürchtiger Eleganz. Die anfangs wahrgenommenen Umrisse werden nun doch langsam zu Gestalten. Es sind geladene Gäste, die sich entweder sehr leise mit Worten oder nur durch Blicke miteinander unterhalten. Alle sind sie schwarz gekleidet. Die Damen in langen, spitzenbesetzten Roben, Kragen die sich breit bis über die Schultern legen und weisse Haut am Decolletée hervorscheinen lassen. Die Arme von durchscheinender Spitze umhüllt und bis weit über die Fingerspitzen reichend, so dass man kaum Hände oder Finger sehen kann, die die Gläser mit der dunkelbernsteinfarbenen Flüssigkeit halten. Die Herren sind fast ausnahmslos in noble schwarze Anzüge gekleidet. Hemden von dunkelstem Rot bis hin zu schwarz und mit Stehkragen bilden den Kontrast zu bleicher Haut. Über dem obersten Knopf steht bei vielen eine Stecknadel mit einem funkelnden und glutroten Granat. Ein Grammophon lässt eine verstaubte alte Platte auf seinem Teller drehen, die ausser des Walzers auch ein leises Knirschen und Knarksen von sich gibt, wenn die Nadel über Rillen mit mehr Staub zieht. Ich bin mittlerweile wie in Trance vorangegangen und stehe inmitten der Gäste. Erst jetzt nehme ich ihn wahr, diesen Duft. Cognac aus den Gläsern liegt in der Luft. Die Kerzen, die sich zu bedrohlich anmutenden Geschöpfen in ihren Halterungen geformt haben, lassen weihrauchähnliche Schwaden durch das alte Gemäuer ziehen. Gerade tritt eine Gruppe Dienstpersonal ein und dreht seine Runden in schwerfälligem Gang jedoch hohlem Kreuz in der Menge. Jeder trägt ein Silbertablett mit kurzstieligen Gläsern und weisser Flüssigkeit und einem Schälchen Zuckerwürfel. Einer kommt auf mich zu und lädt wortlos aber mit einem wohlwollenden Nicken dazu ein, mir ein Gläschen zu nehmen. Der Geruch von Absinth steigt mir in die Nase, vermengt sich aber auch mit den anderen Düften, die sich im Raum bewegen. Ich lehne dankend ab, denn da ich nicht weiss, ob ich mich bereits in einem Traum befinde, möchte ich meine Sinne nicht noch mehr täuschen. Mittlerweile hat sich der Raum mehr mit Menschen gefüllt. Ich stosse gegen einen Herrn, dessen dunkelrote Rose am Revers sich samten und weich gegen meine Nase drückt. Während er sich entschuldigend seinen Weg durch die Menge zu einer Bekannten bahnt, folgt ihm der Duft seiner Rose. Irgendwo werden Häppchen gereicht, ich nehme Gewürze wahr. Solche, die charakteristische Aromen besitzen wie etwas Rosmarin, Lorbeer oder feiner Pfeffer. Solche, die mitunter auch ins Seifige ziehen können. Der vormals eher kühle Raum hat sich durch die Ansammlung der Menschen mit der Zeit aufgewärmt. Die wabernden Düfte schwingen in der Wärme mit und scheinen sich zu verändern. Allesamt werden sie mehr und mehr eins. Eins mit der Szenerie, eins mit den Gästen und eins mit sich selbst. Fast wird mir schwindelig und ich erkenne vor mir den grossen Eichentisch wieder, der zuvor noch fast einsam im Raum gestanden hat, bevor die Gäste eintrafen. Sein Holz verströmt einen warmen und heimeligen und gut wahrnehmbaren Geruch und einer der dabeistehenden hochlehnigen Stühle fängt mich in meiner Benommenheit auf. Eine Benommenheit, die gleichzeitig auch ein Wohlgefühl mit sich trägt. Ich weiss trotz der etwas unheimlichen Szenerie und den vielen Unbekannten, dass mir hier nichts passieren kann und wird. Ich fühle mich inmitten der Düfte und Eindrücke sicher und geborgen. Die Musik nehme ich nun nur noch am Rande wahr, das Gemurmel der Gäste scheint sie teilweise zu verschlingen, sodass nur noch Fragmente davon zu vernehmen sind. Einige der Anwesenden haben sich zu Paaren gefunden und drehen sich im Walzertakt. Vor mir werden ihre schwarzen Gewänder immer mehr zu schemenhaften Umrissen bishin zu Schleiern, die sich im Raum vereinen. Ich schliesse die Augen. Ich höre das Rauschen der Roben über dem Steinboden, das leise Schleifen der Ledersohlen beim Walzerschritt. Die Düfte, die mich zuvor schon eingenommen hatten, führen ihr Werk fort und berauben mich vollends meiner Sinne. Ich gebe mich ihnen hin und lasse mich auf ihren seidenen Schleiern durch den Raum und die Zeit tragen.
Am nächsten Morgen vermag ich noch immer nicht eindeutig zu sagen, ob ich geträumt habe oder nicht. Abends treffe ich mich mit Freunden. Ich verspüre das seltsame Gefühl, mir etwas Schwarzes anziehen zu müssen. Welchen Duft nehme ich nur dazu? Mein Blick durchs Bad bleibt an einem kubusartigen dunklen Flakon hängen. Den habe ich dort noch nie stehen sehen. Vielleicht hat ihn mir einer meiner Freunde dagelassen? Optisch passt er schon mal. Aber wie geht es weiter? Zaghaft schnuppere ich vorsichtshalber nur erst am Zerstäuber. Erschreckt fahre ich zurück. Das kann nicht sein. Ist es denn möglich? Ich wage den Sprüher auf meine Haut. Dieser Duft! Als wäre ich in einer Zeitmaschine in Sekunden gereist, sehe ich mich im Schloss von vergangener Nacht wieder. Wieder stehe ich am Eingang, wieder sind erst wenige Gäste da und wieder steht die hochgewachsene Gestalt dem Feuer zugewandt am Kamin. Doch nun dreht sie sich langsam zu mir um. Der vornehme Herr mit dem Umhang stellt sein Glas auf den Sims und kommt mir fast schwebend entgegen. Kurz vor mir bleibt er stehen, nimmt meine Hand und führt sie zum Handkuss nahe an seine Lippen. Noch fühle ich den Hauch seines warmen Atems auf meiner Haut, als er zu mir hochsieht und leise sagt: "Guten Abend, meine Liebe, es ist schön, Dich wiederzusehen...."
4 Antworten
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Statements

93 kurze Meinungen zum Parfum
SchalkerinSchalkerin vor 3 Jahren
8
Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
7
Duft
Ein Duft, an den ich mich nicht lange erinnern werde. Für einen Verriss zu gut, für ein Lob zu schlecht. Dümpelt im Mittelfeld.
24 Antworten
ErgreifendErgreifend vor 9 Jahren
7.5
Flakon
10
Sillage
10
Haltbarkeit
8
Duft
Nichts für weiche Seelen, wo Zartheit den Boden ziert.
Vielmehr ist dieser Duft erschaffen für die Nacht.
Balsamisch. Düster. Rauchig. Harzig
2 Antworten
NuiWhakakoreNuiWhakakore vor 2 Jahren
8
Sillage
8
Haltbarkeit
7
Duft
Punsch im Pseudo-Dunkelwald
mit Cognac-Aromen
und der reinen Süße von Honig
ein Hit für den Kindergeburtstag
mit Cremebonbons
23 Antworten
AchillesAchilles vor 8 Jahren
Oberlangweiliges,eindimensionales Cognac-Gebräu. Wenn das der Duftzwilling
von Enigma p.H sein soll, dann gebe ich Parfum für immer auf ;)
0 Antworten
KylesaKylesa vor 6 Jahren
8
Sillage
10
Haltbarkeit
9
Duft
Raben ziehen über das Land
Schwarz süßer Rauch umgibt dich
Süffig dunkel gebettet
Stille Harzigkeit
Dunkelwald
Weich~Ruhe~Wärme~Magie
3 Antworten
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