Den Tempel des Windgottes im Rücken wandte Chichan seine Augen nach Osten, dorthin, wo nun die Sonne aufging und murmelte 'Ki'in' über den Ozean. Ein guter Tag für eine Initiation. Die Harze des heiligen Copalquahuitl geknotet in drei kleine Bündel, gepresst aus dem heiligen Baum des Lebens, das hatte die Erdgöttin ihm gegeben. Stolz biss sich Chichan auf seine Lippen. Ein Bisschen nach Gummi roch das ja schon und nach sonnengebackenen Kiefernnadeln. Dieser Sommer war warm in Yucatán.
Chichan rieb Holzspreißel in den Händen, bohrte die Spitzen in Zedernrinden, die waren spröde, mulchig und trocken und rauchten bald winzige Wolken. Der kleine Indianer schloss seine Augen. Unter dem Kautschuk, den Kiefernnadeln, den Schleiern über den knorrigen Zedern, schimmerten Bernsteine in Allerleifarben, helle Sterne der Hespiriden, herbe würzige Weihrauchtropfen, dunkle Perlen aus warmem Balsam in dem inneren erdigen Boden. Die Götter waren also zugegen.
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Dawn Stewart aus Huntington Beach in Kalifornien kreiert die Düfte für ihr Label 'Organic Perfume Girl' aus handgemachten Tinkturen von Pflanzen, Blumen und Kräutern, welche sie mit hochwertigen ätherischen Ölen, Harzen und/oder Concrètes verbindet, alles wild geerntet oder organisch angebaut. Alle Verpackungen, in welchen sie ihre Düfte verschickt, sind handbeklebte Recyclingmaterialien, etwa alte Streichholzschachteln für die Tester.
"Copal" verbindet verschiedene Baumharze, welche zur Gewinnung von Kopal verwendet werden, mit einer rauchigen Zedernholztinktur, um den Duft des Kopalbaumes nachzuempfinden, dem heiligen Baum der Maya, dessen Harz bei Zeremonien geräuchert wurde und welches die Anwesenheit des Göttlichen symbolisiert. Der Duft beginnt mit dem für diese Art Weihrauch typischen Charakter von Kautschuk sowie dunklen Harzen, die an vertrocknete Koniferennadeln erinnern, unterlegt von spröden, mulchigen und leicht rauchigen Zedernrinden. Mit der Zeit treten darunter verschiedene Facetten der Harze zu Tage, mal zitrisch frisch, mal würzig oder dunkel balsamisch verleihen sie dem Duft mehr und mehr Tiefe, während die holzigen Noten erdiger werden. Ein spiritueller und meditativer, sehr ursprünglicher Weihrauchduft mit moderater bis hautnaher Projektion über etwa sechs Stunden.
….. wieder so eine schöne Geschichte aus einer anderen Welt … :) - - und mit dem Sonnenaufgang und dem Räuchern seines Harzes wurde der Jüngling zum Mann - und in die Glaubensgemeinschaft aufgenommen :)) … unglaublich aber -, was für ein olfaktorischer Verlauf in so einem Harzklümpchen stecken kann …… fantastisch auch …. die umweltbewußte Behandlung durch die Parfumeure ….
Was für eine schöne Reise zurück nach Yucatan ins Reich der Mayas! Ich war hier sehr gerne zugegen, bin da auch schon in der Realität gewesen und hab deine Zeilen wieder sehr gerne gelesen ;-D
Jetzt werden mir die sonnengebackenen Kiefernnadeln im Kopf herumspuken. Danach riecht's an einem bestimmten Ort in Südfrankreich. Nur Häuptlinge gibt es da keine ;-)
Sehr fein und facettenreich beschrieben! Die Geschichte des kleinen Chichan ist wie ein Sprung in der Zeit zurück zu den Götter. Die Parfümerie scheint ein sehr interessantes Label zu sein!
Danke für die wundervolle Rezi, kommt genau richtig und sehr erfreulich, dass es Copal auch als Parfum gibt.
Am Pfingstmontag habe ich einen hellen Copal verräuchert. In seiner puren Essenz liebe ich ihn am meisten. Dieser weisse Copal wird auch die Nahrung der Götter genannt. Er hatte einen zitronigen, leichten, weihrauchähnlichen Duft. Es heißt, dass er innerlich reinigend wirkt und die geistige und spirituelle Arbeit unterstützen soll..
Der Copal ist aus Manila oder aus dem Kongo. Je nach Verfügbarkeit.
Der Rauch bahnt einen Weg von der irdischen Welt hinauf zur göttlichen und trägt die Gebete nach oben. Auch soll er angeblich den Seelen Verstorbener den Weg hinauf weisen, damit sie nicht herumirren und im Irdischen festhängen. Das ist seine spirituelle Funktion in vielen Kulturen. Darum wurden Kerzen bei der Totenwache angezündet. In den Kirchen verdeutlicht das ewige Licht die Anwesenheit des Göttlichen. Die Vestalinnen im alten Rom durften das heilige Herdfeuer nie ausgehen lassen. Es symbolisierte die Stärke des Staates.
Tatsächlich ist das weiße Kopal eines der drei Sorten (neben Gelb und Dunkel), die bei dem Ritual der Maya verräuchert werden. Dort ist der Rauch ebenfalls die Nahrung der Götter, allerdings für die Menschen von den Göttern. Der Rauch steht zugleich für die Gegenwart der Götter.
Ich mag deine kleinen liebevollen Geschichten einfach. Gumminoten auch und Zeder sowieso. Der Rest liest sich auch wunderbar harmonisch und spannend. Feine Vorstellung! :)
Für einen spirituellen und meditativen, sehr ursprünglichen Weihrauchduft bin ich noch nicht gemacht und für handbeklebte Recyclingparfümverpackungen auch nicht! Vielleicht in einem anderen Leben!
.. ein guter Tag für ein intensives Floyd Bild ! Ein guter Tag um die Augen zu schließen und da sind sie schon : helle Hesperidensterne , würzige Weihrauchtropfen und Balsamperlen .. sehr schön !!
Deine wohlklingende und inspirierte Duftgeschichte mit dem gewissen Yaqui-Weg-des-Wissen-Appeal hab‘ ich sehr gern gelesen! Edel-Holzspreißel-Pokal (allemal besser als Sau-Preißel) für dich!
Klingt toll. Wer sich gerne beweihräuchert, schreckt auch vor Kopal nicht zurück...im Gegenteil ! Symphatisch auch die Marke.
In Amerika geht sowas anscheinend. Im Ländle würde bald das Ordnungsamt auf der Matte stehen.;-)
Ein schön duftendes Initiationsritual, bei dem ich gerne dabei war. Hervorgehoben muss auch mal, dass die von Dir getesteten Düfte scheinbar immer in Handarbeit und organischen hergestellt werden. Vorbildlich!
(hab den Weg über Dein Foto mit dem Lichtkegel hierher gefunden..)
Wieder schöne Bilder und sehr interessante Duftbeschreibung
Am Pfingstmontag habe ich einen hellen Copal verräuchert. In seiner puren Essenz liebe ich ihn am meisten. Dieser weisse Copal wird auch die Nahrung der Götter genannt. Er hatte einen zitronigen, leichten, weihrauchähnlichen Duft. Es heißt, dass er innerlich reinigend wirkt und die geistige und spirituelle Arbeit unterstützen soll..
Der Copal ist aus Manila oder aus dem Kongo. Je nach Verfügbarkeit.
In Amerika geht sowas anscheinend. Im Ländle würde bald das Ordnungsamt auf der Matte stehen.;-)
Klingt nach einer sehr sympathischen Marke
Wünsche dir in diesem Sinne einen schönen Tag!
Wieder mal so ein spannendes Teil was du hier vorstellst.