Tabac Blond Eau de Parfum

Tabac Blond (Eau de Parfum) von Caron
Flakondesign Félicie Wanpouille Bergaud
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8.4 / 10 238 Bewertungen
Tabac Blond (Eau de Parfum) ist ein beliebtes Parfum von Caron für Damen. Das Erscheinungsjahr ist unbekannt. Der Duft ist ledrig-würzig. Die Haltbarkeit ist überdurchschnittlich. Es wurde zuletzt von Cattleya Finance vermarktet. Der Name bedeutet „heller Tabak”.
Aussprache
Gut kombinierbar mit Taklamakan
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Duftrichtung

Ledrig
Würzig
Blumig
Rauchig
Holzig

Duftnoten

GartennelkeGartennelke LederLeder IrisIris VanilleVanille VetiverVetiver AmberAmber

Parfümeur

Bewertungen
Duft
8.4238 Bewertungen
Haltbarkeit
8.1191 Bewertungen
Sillage
7.4193 Bewertungen
Flakon
8.1177 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
8.019 Bewertungen
Eingetragen von Kankuro, letzte Aktualisierung am 08.04.2024.
Wissenswertes
Tabac Blond gehört zur Generation moderner Lederdüfte, die mit der Entwicklung der synthetischen Chinolin-Duftstoffe Ende des 19. Jhdts. möglich wurden und war wohl das erste Lederparfum speziell für Damen. Seinerzeit ein großer Erfolg (das Marketing zielte auf rauchende Frauen, damals die Avantgarde weiblicher Emanzipation), hat es bis heute einen legendären Ruf als stilbildender, großer Klassiker.

Rezensionen

12 ausführliche Duftbeschreibungen
8
Sillage
9
Haltbarkeit
9
Duft
Friesin

54 Rezensionen
Friesin
Friesin
Top Rezension 57  
Näher zu dir
Eine Floskel, ja, die hätte mich gerettet. Hätte er nicht übers Wetter lamentieren können? Ich hasste Wetter Gespräche. "Wenn die Sonne weg ist, wird's gleich kalt," das war mal'n herrlicher Abtörner. Stattdessen stand er hier, neben mir, zufällig auf der gleichen langweiligen Veranstaltung. Fing meinen Blick ein und gab ihn nicht frei, während er lässig raunte " Das ist hier nichts für Leute, die im Herzen barfuß sind, hmm? " Ich nahm ihm diese Worte ab, und sie fielen zart in mein lyrisches Herz. Mist! Das sollte nicht geschehen, ich wollte mich hier nur kurz zeigen, und gleich wieder geh'n. Der Wein, den ich getrunken hatte, war jetzt auch nicht hilfreich, der Schmunzeltyp roch herrlich, nach Gewürzen, Rauch und Leder und ein sinnliches Sirren flutete mein System. Während wir vorgaben, den Reden zu lauschen, näherten wir uns immer mehr an. Wie Magnete, die sich ausrichteten. Ich konnte seine Wärme an meiner Seite spüren. Und ohne weitere Worte, umgab uns in diesem Raum voller Menschen , eine lustvolle Aura, eine Verbindung, die mein Herz schneller schlagen ließ und meine Sinne schärfte. Ich wollte, dass er mich berührt, und war dem völlig ausgeliefert.

'Tabac Blond' hat mich für sich eingenommen.
Ich schrieb ihm diese Geschichte, da ich die ihm zugewiesenen Attribute nicht teilen kann.
Als harsch, kühl, androgyn und unnahbar wird 'Tabac Blond' oft beschrieben, für mich ist er äußerst nahbar.
Der fulminante würzig- nelkige Start, öffnet Herz und Nase fürs Leder. Von Beginn an, wirkt das Zusammenspiel erwachsen, fast intellektuell.
Die Irisnote bricht die Kanten und gibt einen umgarnenden Pudereindruck, ohne süß oder schwülstig zu sein. Amber und Moschus verleihen Wärme über Stunden. Umhüllt ist dieses Duftkunstwerk vom namensgebenden Tabak, jedoch ohne Rauchentwicklung.
Der Eindruck von Papier aus alten Tabakdosen, ist es , der hier vorherrscht.
Und das alles nah, ganz nah.

Ich bin total verknallt in diesen zeitlosen Klassiker, der wie jeder andere Duft auch, für jedes Geschlecht geeignet ist.

*'Für alle, die im Herzen barfuß sind.'
Gedichte von Jan Scácel
34 Antworten
10
Flakon
7.5
Sillage
10
Haltbarkeit
10
Duft
Larimar

4 Rezensionen
Larimar
Larimar
Top Rezension 40  
Lizabeth Scott trug Tabac Blond - oder zumindest hätte es ihr perfekt gestanden!
Die Caron Romantik vermag zu erzählen, dass Tabac Blond ursprünglich (1919) von
Ernest Daltroff für Männer konzipiert war. Sein 'Pendant' Felicie Vanpouille hingegen fand es in der damaligen Zeit für zu gewagt und so wurde Tabac Blond als Damenduft vermarktet.
Tabac Blond soll dem Duft des in den 1910er und 20er Jahren beliebt werdenden Virginia-Tabaks ('tabac blond'), der schick und en vogue war, gewidmet sein. Zigarettenrauchen in der Öffentlichkeit war für Damen in der damaligen Zeit noch absolut verrucht oder gar skandalös.
Diese konzeptive Verwirrung finde ich noch heute treffend. Die Androgynie macht einen guten Teil des Reizes aus. Eine rauchige, benzinartige Lederkopfnote, die den Weg zunehmend frei macht für eine amberige Basis mit Moschus und viel Nelken, wobei der Ledereindruck sehr lange, wenn auch weicher, erhalten bleibt. Tabac Blond beginnt mit großer Sillage und wird dann deutlich leiser, wobei es sehr lange (12 Stunden plus) auf meiner Haut wahrnehmbar ist.
Als ich Lizabeth Scott in dem klassischen Film Noir 'The Strange Love of Martha Ivers' sah, fand ich, dass sie den Charakter von Tabac Blond so treffend wie kaum jemand verkörperte. Die äußere Schale rauh, was allein schon die auffallend heisere Stimme quasi impliziert, und innen weich und warmherzig, wobei immer ein Hauch Mystik, Ungewissheit erhalten bleibt.
Tabac Blond schafft es auch heute noch, Unwissende in ihren Bann zu ziehen. Kein anderes Parfum an mir vermochte so viele Duftbewunderer anzuziehen (z.B. Duftverfolgungen in der Bahn oder Bewunderer an der Tankstelle (wie passend!)).
Für Caron gilt generell, aber für Tabac Blond insbesondere, die Regel, dass die Extrait de Parfum Konzentration bei Weitem überlegen ist. Das EdP von Tabac Blond verströmt zu Beginn einen durchaus reizvollen zigarettenartigen Duft, der relativ rasch in nahezu Nichts auf meiner Haut verfällt. Die Schwere (im positiven Sinn) und Fülle des Extraits (das sehr ölig in der Konsistenz ist) fehlt dem EdP gänzlich.
Die Caron-Boutiquen in Paris nehmen übrigens Telefonbestellungen (auch in Englisch) entgegen, was kostengünstig (Versand) und tadellos funktioniert.
Zum Abschluss möchte ich auf den Vergleich zum vintage Extrait eingehen. Ich bin im Besitz von mehreren Flakons, die ursprünglich original versiegelt waren. Trotz der Vielzahl an Beschwerden und einer allgemeinen (online) Lamentiererei ob der minderwertigen heutigen Formulierung des Extraits muss ich gestehen, dass meine Nase keinen allzu großen Unterschied vernehmen mag. Es sind im Detail deutliche Unterschiede in der Kopfnote und der Basis da, aber das Gesamtbild stimmt. Das vintage Extrait eröffnet mit einer schärferen terpentinartigen Kopfnote und einem Leder, das wir von Knize Ten kennen. Hier wird klar, warum Tabac Blond und Knize Ten früher in einem Atemzug genannt wurden. Dieser Part ist verdammt gut - so heftig und knallig! Großes Kino! Relativ bald verbleibt dann ein Akkord, den ich wie folgt versuchen würde nachzuahmen: 1/3 Knize Ten, 1/3 vintage Extrait von Nuit de Noel und 1/3 heutiges Extrait von Tabac Blond. Die 'Caronade', die legendäre Hausbasis (siehe 'Mousse de Saxe'), die im alten Nuit de Noel am deutlichsten repräsentiert ist, enthält - abgesehen von heute nicht mehr verfügbaren animalischen Stoffen - eine deutlich wahrnehmbare Vetivernote, die auch durch die gute Alterung absolut zum Träumen ist.
KEIN Parfum ist heute wie Tabac Blond! Wo Knize Ten zu Gentleman-like und einen Touch zu 'altbacken' wird, je länger man den Duft trägt, ist Tabac Blond immer noch verrucht, androgyn und gibt nie vollends seine Absichten preis. Und ich denke immer noch, Lizabeth Scott sollte Tabac Blond tragen... und ich zünde mir eine Sobranie Black Russian an!
13 Antworten
10
Haltbarkeit
7
Duft
Turandot

834 Rezensionen
Turandot
Turandot
Top Rezension 28  
Schall und Rauch? Ganz und gar nicht!
Das habe ich nun davon. Tabac Blond hatte ich immer im Hinterkopf, seit Monaten wollte ich den „irgendwann“ mal testen, wenn ich reif dazu wäre, denn ich erwartete nichts weniger als Großartiges, etwas, das alle meine bisherigen Erfahrungen in den Schatten stellt. Und nun schulde ich Dannyboy einen Superkommentar, der bei diesem Superduft nur so von Superlativen strotzt.

Um dem Thema gerecht zu werden, muss ich mich nun auch als Raucherin bekennen. Allerdings ist es meiner Nikotinsucht ziemlich gleichgültig, ob und welche Parfums ich trage. Gleichwohl stimme ich mit Louce überein, dass der Rauch einer Zigarette zu einem pudrigen Duft wie Tabac Blond besser passt, als zu fruchtig-blumigen Parfums. Aber die mag ich sowieso nicht, also sollte die Richtung schon mal stimmen.

Voller Spannung sprühte ich mir also eine kleine Menge auf den Handrücken. Ich hatte die Kappe des Zerstäubers noch gar nicht wieder richtig aufgesetzt, als mir eine würzige Süsse in die Nase stieg. Durch die Nelke fast orientalisch, aber hell und unheimlich opulent im Volumen. Dabei hatte ich die Hand noch gar nicht an der Nase. Das ist ein echter Kracher. Laut, aber auf eine sehr vornehme Art. Trocken ohne staubig zu sein und weich durch diese deutliche Ledernote, die mich übrigens dezent an Femme von Rochas erinnert. Ylang-Ylang spielt hier eine untergeordnete Rolle und die Iris strahlt Helligkeit und Wärme aus. Die Haltbarkeit ist natürlich sehr gut, die Stimmung ist „entspannte Gutsherrenart“...;) Ich sehe Tabac Blond nur in luxuriöser Umgebung. Es ist wirklich ein wunderschöner, kostbarer Duft. Ein Duft, der eigentlich keinen Widerspruch duldet. Und da fangen dann die Probleme schon an. Ist das nun mein Nonplusultra? Es gibt Düfte, deren Qualität ich zwar erkenne, die ich aber nicht mag. Dann gibt es Düfte, deren Qualität ich erkenne, dich mir auch gefallen, die aber nicht zu mir passen. Das ist meist gar nicht wichtig, denn ich suche nicht nur Düfte für mich selbst. Und dann gibt es Düfte, von denen ich mir wünsche, dass sie mir gefallen, die ich auch gut finde, aber wo ich im Gegensatz zu den meisten anderen Usern ein „Ja, aber...“ auf den Lippen habe. Und zu diesen Düften gehört Tabac Blond.
Meinetwegen hätte in der Amber-Basis die Vanille weg bleiben können, denn so wird mir Tabac Blond dann doch zu süss. Um von mir die volle Punktzahl zu bekommen, hätte ich mir in der Basis dunkle, moosige Nuancen gewünscht. Mir ist Tabac Blond nicht androgyn genug. So ein bisschen dunkle Verruchtheit fehlt mir einfach. Deshalb bleibe ich bei Bandit, Mitsouko, Parure & Co.
11 Antworten
10
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
9.5
Duft
Mikadomann

11 Rezensionen
Mikadomann
Mikadomann
Top Rezension 37  
Ein Moment der Intimität und der Sinnlichkeit

Ich glaube, es ist der Beginn einer Reise…

Das Duft-Ticket, das mir die erste Etappe dieser Reise ermöglicht hat, habe ich der Großzügigkeit und dem Kenntnisreichtum eines wunderbaren Parfumo zu verdanken. Daher ist dieser Kommentar Can gewidmet und mit Respekt und tiefem Dank verbunden.

Wer meine Rezensionen und Statements liest, weiß, dass ich mich Düften häufig in Bildern nähere. Die Assoziationen helfen mir, Düfte besser zu verstehen und sie mir zu erarbeiten.

Auch bei diesem besonderen Duft entstanden sogleich Bilder in mir. Aber diesmal war es anders.
In der ersten Sekunde kam mir eine Filmszene in den Sinn. Und noch mehr als die Szene, die ich eigentlich nur oberflächlich erinnere, entstand vor mir das Bild der Figur und das Bild der Schauspielerin, die sie spielt. Diese Szene und das Bild dieser Schauspielerin hat mir den Duft erschlossen.

Der Film von dem ich spreche, ist „Carol“, die Schauspielerin ist die wunderschöne Cate Blanchett. In einer Szene zu Beginn dieses Films, betritt sie die Spielzeugabteilung eines Kaufhauses.
Dabei strahlt sie eine unfassbare Eleganz aus. Sie trägt einen langen, braunen Pelzmantel, darunter Schwarz, einen roten Schal, auf ihren blonden und gelegten Haare eine rote Kappe. Und sie trägt Lederhandschuhe in der Hand. In einer Großaufnahme, die zeigt, wie sie diese Handschuhe auf den gläsernen Verkaufstresen legt, wird rasch deutlich, dass dieses Accessoire noch eine wesentliche Rolle spielen wird.
Und vielleicht sind es sogar diese Handschuhe, die mir als erstes in den Sinn gekommen sind, als ich den Duft zum ersten Mal gerochen habe.
Wenige Minuten später wird Carol sich, bevor sie den Verkaufsraum verlässt noch einmal umdrehen, um der Verkäuferin und auch den Zuschauerinnen und Zuschauern einen atemraubenden Moment weiblicher Eleganz und distinguierter Noblesse zu schenken.

Und eben das ist Tabac blond für mich: Elegant, distinguiert, nobel.

Um eines deutlich zu machen:
Der Duft ist für mich kein Duft für Damen. Er ist auch nicht androgyn. Er ist, was der Mensch, der in trägt ist.
Ich hatte kurz überlegt, ob ich der weiblichen Figur ein männliches Pendant gegenüberstellen möchte. Es wären Männer aus der Literatur: Forsyte, Gatsby, Swann.
Aber Cate Blanchett braucht kein Pendant…
Ich bewahre die Szene, die man durchaus auch in einem Trailer im Netz finden kann, in meinem Kopf und finde so wieder zu dem Duft.

Die Lederhandschuhe, der Pelz. In vielen Szenen des Films rauchen die Hauptfiguren, beide Frauen.

In der Tat ist der Duft rauchig.
Aber es ist kein Rauch im klassischen Sinne, kein blauer Dunst in einem verrauchten Zimmer. Es ist auch nicht der wohl duftende Pfeifentabak.
Es ist der Rauch in einer großzügigen und gediegenen Hotellobby, der sich in einem Sonnenstrahlbündel zeigt, das durch das große Fenster einfällt und in dem er sich kräuselt. Weiß, schimmernd und nicht von Nikotin, sondern von Tabak getragen.
Dieser Rauch, diese Note von Tabak liegt von Beginn an in dem Duft und bleibt beinahe ganz bis zum Schluss die prominente Note.

Das Leder, das ich in diesem Duft unbeschreiblich schön finde, ist das weiche Leder häufig getragener Handschuhe. Es sind weiche Wildlederhandschuhe, vielleicht Hirschleder.
Und auch wenn es ganz zarte, kaum wahrnehmbare Andeutungen von animalischen Noten gibt (ich könnte nicht entschlüsseln, welche Komponente in der Pyramide dafür verantwortlich ist), dann wird das Leder aber vor allem von einer sauberen, wunderschönen Cremigkeit unterstrichen. Vanille und Amber sind verantwortlich für diese Cremigkeit.
Für mich liegt hier der Schlüssel zur Kunst dieses Eau de Parfums.
Es ist, als hätte man in der Komposition genau den Augenblick eingefangen, in dem die Dame den Handschuh von ihrer gepflegt gecremten Hand abstreift. Es ist genau der Augenblick und ich habe den Eindruck, dass ich diese Szene nicht mit meinen Augen, sondern mit meiner Nase wahrnehme. Es ist, als führe ein Regisseur meine Nase sehr nah an diese Hand. Und in diesem Augenblick fügen sich für mich Rauch, sanft gecremte Haut und der letzte Hauch von weichem Leder zu einem wunderbaren Akkord.
So ist es nicht der Duft der Handschuhe, die aus Leder sind. Es ist der Duft der Haut, die einen Handschuh aus Leder abgestreift hat und auf der ein Rest dieses Duftes liegen bleibt.
Das, was ich als leicht animalisch beschrieben habe, ist die Haut, das Menschliche, Körperliche an dem Duft eine Mischung vielleicht mit den kleinen Perlen am Handgelenk eines sauberen Körpers an einem warmen Tag. In diesem Moment gelingt Tabac blond die Übersetzung eines Dufterlebnisses in das Erleben von Intimität und Sinnlichkeit.

Dass die Gartennelke hier so prominent bewertet wird, hat mich zunächst überrascht. Aber ich glaube, dass es genau diese Note ist, die für das Feine, Edle verantwortlich ist.
Denn in der Tat ist der Duft im Hintergrund - und zum Ende, beinahe in den allerletzten Minuten hin auch zunehmend - floral. Ich nehme die Nelke jedoch nie kräftig wahr.
Sie leitet den Duft ein und sie beendet ihn. Sie begleitet stets im Hintergrund, spielt sich für mich nie in den Vordergrund. Ich käme nie auf den Gedanken, diesen Duft als blumig zu bezeichnen. Er wäre für mich immer rauchig. Aber gleichgültig zu welchem Zeitpunkt: Zu Beginn, wenn der Duft rauchig ist, oder zum Ende, wenn er cremig wird: Die Nelke unterstreicht stets das Beste an ihm. Vielleicht ist es das, was manche Menschen dazu führt, den Duft als Damen-Parfüm einzuordnen.

Es ist mein erster, wirklich klassischer Duft aus diesem Traditionshaus. Mit dem ersten Sprühen wusste ich, dass ich einen Duft gefunden habe, der mich lange begleiten wird. Er hat eine Leidenschaft in mir ausgelöst und mich neugierig gemacht auf die ganz klassischen Düfte.
Wenige Tage, nachdem ich den Duft probiert hatte, habe ich Kontakt mit dem Haus in Paris aufgenommen.
Ich habe das Eau de Parfum bestellt und gleichzeitig nach dem Parfum gefragt.
Die etwas unbeholfen Erklärung half mir leider nicht weiter.
Mit dem Eau de Parfum erhielt ich jedoch eine Probe des Parfums. Heute weiß ich, dass meine Frage offenbar genau wenige Tage vor der Veröffentlichung der neuen Formulierung des Parfums eingetroffen war.
Inzwischen habe ich beide Formate verglichen. Ich möchte an dieser Stelle keine Kategorie von Besser oder Schlechter eröffnen. Das liegt nicht in meiner Natur. Es sind beide wunderbare und einzigartige Düfte. Außerdem fehlt mir auch das Wissen, die Historie, der Vergleich, die olfaktorische Bildung, die mir einen klugen Vergleich erlaubte.
Vielleicht ist die florale Note in der neuen Formulierung zum Ende hin stärker. Die Duftpyramide ließe darauf schließen und stützte den Gedanken. Zuerst hatte ich nur bei dem neuen Parfum, später dann jedoch auch bei dem älteren Eau de Parfum eine ganz leise, assoziative Erinnerung von der Blumigkeit von Xerjoffs „Opera“. Selbstverständlich niemals so laut und so überbordend. Vielleicht können Leserinnen und Leser mich unterstützen und dieser Idee auf den Grund gehen.

Ich glaube es ist der Beginn einer Reise…
Eine Reise, die mich zu den Klassikern führt. Inzwischen habe ich „Pour un Homme de Caron“, „Yatagan“, aber auch „Jicky“ und „L‘heure bleue“ probiert. Ich habe den Eindruck, als entdeckte ich meine Leidenschaft für Düfte neu.

Diese Reise beginnt erst gerade.
Ich freue mich, wenn mich Leserinnen und Leser dieses Beitrages mit Hinweisen auf lohnenswerte Zwischenziele unterstützen.
16 Antworten
10
Haltbarkeit
10
Duft
Profumo

284 Rezensionen
Profumo
Profumo
Top Rezension 32  
Gertrude Stein raucht eine Zigarette
Was habe ich vor ein paar Jahren nach diesem Parfum gegiert! In den Internet-Foren wurde er gefeiert als Non-plus-Ultra oder gar ‚heiliger Gral’. Die vielen überschwänglichen Beschreibungen des Duftes ließen mir schier das Wasser im Munde zusammen laufen – ich MUSSTE diesen Duft haben. Aber er war nicht zu bekommen, nirgends. Selbst bei Caron gab man sich zugeknöpft – einfach mal so ein Fläschchen nach Frankfurt schicken: non Monsieur, je regrette! Heute machen sie das, vermutlich weil es alle machen. Aber der Service ist immer noch ein bisschen mau, verglichen mit Guerlain.
Und dann kam mir – ein Treppenwitz! – die IFRA zu Hilfe, samt ihren unsäglichen Regulierungen, die natürlich Caron ebenso betrafen. Da auch sie, wie alle anderen, ihre Düfte reformulieren mussten, gaben sie ihre Exklusivitäts-Politik gezwungenermaßen auf und warfen auf einmal ihre zuvor so gehüteten Schätze auf den Markt, sie mussten sie ja irgendwie loswerden. Bei Brückner in München habe ich schließlich meine erste Flasche gesehen, daran geschnuppert und sofort gekauft. Später habe ich noch eine bei Ebay erstanden und mir – wie im Rausch – noch ein Extrait de Parfum zugelegt - ganze 50ml! Klingt irgendwie übergeschnappt, aber als Parfum-Enthusiast habe ich instinktiv genau das Richtige gemacht, nämlich mir einen kleinen Vorrat angelegt, bevor das ‚alte’ Tabac Blond für immer verschwand.
Als es schließlich ‚überarbeitet’ wieder auf den Markt kam war das Entsetzen allgemein groß – ausgerechnet das berühmte, alte Tabac Blond, derart massakriert! Luca Turin und Tania Sanchez schütteten ganze Kübel Unrat über Richard Fraysse und die Seinen aus, und das neue Tabac Blond bekam von ihnen folgerichtig auch nur ein einziges Sternchen, will sagen: awful! Dabei wäre das alte mit Sicherheit DER Kandidat für die höchste Weihe gewesen: masterwork. Doch vorbei. Ernest Daftroffs großer Duft, der immer in einem Atemzug mit einer anderer Legende genannt wurde, dem opulenten Cuir de Russie von Chanel, dieser Duft sollte Vergangenheit sein. Und das neue – eine schlechte Travestie, eine Beleidigung! So, und ähnlich schallte es aus den Foren des Internets.
Mittlerweile hat sich die Aufregung (ähnlich wie im Falle Mitsoukos) ein wenig gelegt, und der/die ein-oder-andere gibt neuerdings zu: so schlimm ist er gar nicht, der neue.
Ich kann zur reformulierten Version nichts sagen, ich kenne sie nicht, war bisher auch nicht scharf darauf sie kennen zu lernen. Aber die alte: wow, wow und nochmals wow!! Dieser Duft ist/war echt der Kracher! Das denkbar üppigste orientalische Leder-Tabac-Parfum, voller Tiefe und Weite, schwerer aber nicht zuckriger Süße, weichen Blumenakkorden die von Schwaden aromatisierten Rauches durchzogen werden, und das alles auf einer opulenten warmen Basis – wie in einem prächtigen Sultanspalast: der Sultan und seine Gattin auf plüschigem Diwan, sie nach edlen Gewürzen und feinsten Blüten duftend, während ihn ein Schleier des besten Pfeifentabaks umgibt. Ich gerate ins schwärmen.....
Also zurück zu den Fakten: 1919 brachte Caron diesen Duft auf den Markt, angeblich um das Bedürfnis der Frauen ihre immer gängiger werdende Leidenschaft, das Rauchen in der Öffentlichkeit, mit einem Parfum zu veredeln (oder auch zu kaschieren). Der stark maskuline Charakter des Duftes machte ihn auch prompt z.B. in den Kreisen um Gertrude Stein beliebt, in deren Pariser Salon angeblich gequarzt wurde was das Zeug hielt. Wie Mitsouko oder später Bandit, war Tabac Blond ein Parfum das in erster Linie Frauen ansprach, die, wie Marlene Dietrich oder Elisabeth Bergner, mit dem Maskulinen nicht nur kokettierten sondern es, ganz handfest, für sich besetzten – und zu Ikonen der androgynen Moderne wurden.
Wenige Jahre später kam Knize Ten auf den Markt, ein Duft - mit Tabac Blond locker verwandt - der das Leder-Thema stärker herausarbeitete und die virilen Vibes deutlich verstärkte: quasi ein ‚Tabac Blond pour Homme’. Nochmals viele Jahre später, Ende der 80er Jahre komponierte Eduard Fléchier für Etro den Duft ‚Gomma’, der wiederum zwischen Knize Ten und Tabac Blond anzusiedeln ist, als deren ‚light’ Variante sozusagen.

8 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

37 kurze Meinungen zum Parfum
SchatzSucherSchatzSucher vor 3 Jahren
9
Flakon
7
Sillage
9
Haltbarkeit
10
Duft
Selten ist Leder weicher und anschmiegsamer, selten sind Nelken anmutiger und selten ist Rauch sanfter und harmonischer.
32 Antworten
FloydFloyd vor 14 Tagen
8
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
7.5
Duft
Gepuderte Damen
Am Wiesenrand
Sammeln Nelken
Für Tabac Blond
Gräser rauchend
Im Ledergewand
40 Antworten
MarieposaMarieposa vor 5 Monaten
10
Flakon
6
Sillage
10
Haltbarkeit
9
Duft
Mein nelkenrotes Lächeln
nachkoloriert auf Sepia
Eine vanillesüße Freudenträne
zieht Spuren durch Irispuder
und Rauchlederträume
34 Antworten
SalvaSalva vor 4 Monaten
9.5
Duft
Da wo Nelken blühen
Im winterlichen Nebelrauch
ihre Blüten pudrig-weich
auf ledrigem Pfad
sanft-würzig das Leben zeichnen
30 Antworten
Can777Can777 vor 4 Jahren
8
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
10
Duft
Im Gleichklang der Geschlechter,maskulin-feminin,Victor und Victoria,süß-würziger Tabak,pudrig-weiches Wildleder. Elegant,verruchte Erotik!
23 Antworten
Weitere Statements

Diagramm

So ordnet die Community den Duft ein.
Torten Radar

Diskussionen zu Tabac Blond (Eau de Parfum)

Rivegauche in Beratung
Ich war heute in Paris bei Caron. Das Parfum ist der helle Wahnsinn, das EdP habe ich im Vergleich gerochen und es ist weitaus flacher. 25ml im Flacon...
Kirthi in Beratung
"Le Tabac" ist auch rauchig. (Ähnelt später Back to Black)
Danke euch:)Nach telefonischer Rückfrage: Die Schlossparfumerie hat ihn tatsächlich da:)

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