Liebe Wasilijsa, es ist alles so seltsam, ich kann mich nicht mehr im Spiegel sehn, meine Haare sind salzig und riechen nach Seetang, meine Haut ist wie Wald an Regentagen, voll grüner Flechten und wuchernden Moosen, Schwärmen von Pilzen am feuchten Boden und herb-würzigen Wurzeln. Die lass ich für Dich in der Erde glimmen in Safranfarben aus Indien und duften sollen sie nach sauren Orangen und würzigen Ingwerdämpfen. Am Nachthimmel wird Pfeffer schillern, zahllose Sterne, kalt und silbern, und Spuren von Myrrhe in vagen Nebeln werden durch die Dunkelheit wehn, wie warme goldene Weben im Wald, wie kleine Laternen in Tümpeln glühen. Meine Seele vergraben in einer eisernen Kiste, auf einer Insel weit draußen im Meer, Wasilijsa, werde ich hier auf Dich warten und eins werden mit diesem Keller.
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Fantôme ist ein kleines Unternehmen mit Sitz an der Küste des Bundesstaates Washington, betrieben von Bree und Megan Elliott, die ihre Düfte in kleinen Batches von Hand herstellen. Eigener Aussage zufolge arbeiten sie stets daran, ihre große Auswahl an Düften immer verfügbar zu haben.
"The Russian Fairy Tale Collection - Koschei the Deathless" thematisiert eine Gestalt der russischen Mythologie, die ihre Seele außerhalb ihres Körpers aufbewahrt und in verschiedenen Sagen und Märchen auftaucht. Der Duft beginnt mit einem Akkord aus erdigen Pilzen und Baummoos, bildet fast fotorealistisch einen feuchten Waldboden ab, der zum einen von salzigen Seetangnoten, zum anderen von würzig-herben Kurkumaaromen begleitet wird, die eine sehr spannende pfeffrige Schärfe sowie säuerlich-frische Noten von Orange und Ingwer ätherisch transparent über die nasse Erde legen. Ein Hauch harziger Myrrhe erweitert das Spektrum um süßliche Nuancen, wirkt dabei wie Nebel, der aus dem feuchten Wald allmählich in einen kühlen Keller (Patchouly) zieht.
Die Vielschichtigkeit der Aromen (erdig, grün, salzig, würzig, herb, zitrisch, harzig) und die Entwicklung innerhalb dieser Noten ist für ein Parfüm-Öl durchaus beachtlich. Koschei sucht die Haut für etwa sechs Stunden heim, zunächst deutlich, später eher leise, wie es sich für einen Geist gehört.
Ein düsterromantisches Bild, in das ich wieder gerne eingetaucht bin.
Und wie immer die wunder übaren Hintergrundirnformationen, die helfen, den Duft einzuordnen und der Geschichte zu folgen.
Hört sich wieder super an was du da ausgegraben hast...aber der Seetang macht mir Kopfzerbrechen... damit komme ich nicht wirklich zurecht....Tolle Rezension...
Wunderbar poetisch, fast zu schade für die fieseste Figur der russischen Folklore:) So habe ich mir übrigens immer das Ende Merlins vorgestellt - im immerwährenden unterirdischen Gefängnis, gefangen von der schönen Nimue bzw. von der Magierin Morgaine...
Das Duftkonzept finde ich toll, auch die Ausrichtung der Marke. So nischig kann Nische sein! Ach ja, und Duft wäre leider nicht meins, was seine Wertigkeit und Einzigartigkeit keineswegs schmälert:)
… kenne leider kein einziges russisches Märchen …… mystisch schön erzählt -, in herrlichsten Duftfarben! - - denke mal -, dass Koschei s unsterbliche Seele hier aus der eisernen Kiste in einen Glaszylinder umgezogen ist -, um sich auf unserer Haut zu spiegeln :))) -
Ingwergedämpfte-abgefahrene Duftstimmung, die dir da gelingt. Mir fällt dazu, eher britisch, „wearing the face that she keeps in a jar by the door“ dazu ein… daher ein Eleanor Rigby-Pokal für dich!
Spieglein, Spieglein an der Wand :))
Diese Gestalt als auch deine Zeilen dazu hören sich wieder enorm spannend an. Verpackt in einen
derartigen Duft - klingt schon fast nach Kunst...
Faszinierend, der Duft und seine Inspiration erst recht. Hast du großartig in Worte überführt. Musste jetzt ganz profan an Der Fluch der Karibik denken, wo dasselbe mit einem Herz geschah. :)
Ich liebe ja diese Mythologien und dann auch noch Koschei, mit seiner Seele außerhalb seines Körpers, so wunderbar in Deine Duftgeschichte verpackt..Großartig scheint der Duft zu sein...!!
Ich finde diesen Geist gar nicht so schauerlich und die Vorstellung, auf einer schönen Insel auf einen Liebsten zu warten, auch nicht so schlimm (besser als im Nichts zu vergehen oder dort herumzuirren). Der Duft ist trotzdem nichts für mich...:-)
.. meine Seele möcht ich dann doch lieber nicht in einer eisernen Kiste vergraben wissen .. aber bis dahin hab ich dem Nachthimmel und den vielen Aromen gern gelauscht ..
Solche Vorstellungen gibt es in der hebräischen Mythologie ebenfalls. Ich wundere mich auch gar nicht mehr über Übereinstimmungen, da die Ursprungsmythen aus den Völkern aller Welt sich oftmals erstaunlich gleichen. Bereits als Kind las ich solche Legenden und bemerke immer mehr, wie ähnlich sich die Menschen und deren Reaktionen auf Nichterfüllung ihrer Bedürfnisse & Wünsche eigentlich überall sind. Sie produzieren dann vergleichbare Erzählungen darüber.-Spannender Konzeptduft.
Uuuhhhh etwas unheimlich. Ich musste auch noch sofort an Wesen wie Baumbart denken, der ja auch erst recht furchteinflössend wirkt und erst im weiteren Verlauf doch ein recht angenehmer Zeitgenosse zu sein scheint. Oder Captain Darcy - der bleibt aber immer unheimlich. Die Marke sagt mir gar nichts. Danke für diesen ersten Kontakt der dritten Art:-)
Und wie immer die wunder übaren Hintergrundirnformationen, die helfen, den Duft einzuordnen und der Geschichte zu folgen.
Das Duftkonzept finde ich toll, auch die Ausrichtung der Marke. So nischig kann Nische sein! Ach ja, und Duft wäre leider nicht meins, was seine Wertigkeit und Einzigartigkeit keineswegs schmälert:)
Diese Gestalt als auch deine Zeilen dazu hören sich wieder enorm spannend an. Verpackt in einen
derartigen Duft - klingt schon fast nach Kunst...
Du weißt, ich mag Deine Art, Düfte und Geschichten zu erzählen.
Die Geschichte um Kashchei ist mir zu gruselig, liebe trage ich Vasilisa.