Der Himmel ist hell über dem Jackson Square, New Orleans trägt noch Büttenränder, die gusseisernen Tore zur St. Ann Street hinüber sind gesäumt von den Bildern impressionistischer Maler, flirrend in Tausendschattierungen Sepia. Durch die Farnblätter der Alleebäume fallen gleißend bittre Limonenstrahlen, strudelnd darin feinste Räucherschwaden aus August Doussans Bourbon French Duftladen, unter den reich verzierten Balkonen, den alten französischen Arkaden. Dort schwirren zahllose Seifenblasen, die in Tabakfarben die Türen verlassen, darin tanzen hellbraune würzige Blüten zwischen Kreolen über die Straßen. Und dann wird der Himmel zu dunkler Vanille, und August leiht Dir seine Bernsteinbrille, und Limonenrauch und Tabakseifen drehn mit den alten Zeiten Schleifen.
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August Doussan gründete 1843 aus Frankreich kommend in der St. Ann Street 525 im French Quarter von New Orleans, damals noch unter dem Namen 'Doussan French', sein erstes Parfümgeschäft, welches die führenden Familien der Stadt belieferte. Unter seinem Partner J.H. Tindel, einem europäischen Parfumeur, entwickelte das Haus bald eigene Rezepturen, vor allem Düfte, welche Blüten und Gewürze zu subtilen Parfums und Colognes verschmolzen, welche typisch für das New Orleans jener Zeit waren. Nach Doussans Tod änderte Tindel den Namen in 'Bourbon French Perfume Company'. Unter diesem Namen stellt das Haus bis heute in unveränderten Verfahren in Handarbeit kleine Batches natürlicher Düfte her.
"525", benannt nach der Hausnummer dieses ersten Geschäftes, steht ganz in der Tradition jener überlieferten Rezepte. Er öffnet mit herben, hellen Zitrusnoten, die in ihrer kantigen Schärfe an Räucherstäbchen erinnern, was allerdings auch den klassisch seifigen Tabaknoten geschuldet sein kann, welche bald hell-würzig und leicht blumig darunter zum Vorschein kommen. Die dunkle Vanille in der Basis ambriert die hell-rauchig-seifige Würze auf eine Art, welche den Träger scheinbar in einen Barbershop der Stadt am Mississippi des 19. Jahrhunderts zurückversetzt, eine moderate Aura von Nostalgie, welche über gute sechs bis sieben Stunden anhält.
525 St. Ann Street, New Orleans:
https://c8.alamy.com/comp/E16X0R/st-ann-street-new-orleans-E16X0R.jpg
Ich möchte in Deinen Seifenblasen baden. beam me up, Scotty, ins French Quarter !! und in diese Nostalgie. Tindel erinnert mich an die Winkelgasse in Harry Potters Universum.
New Orleans muss einfach großartig gewesen sein, bevor diese mystische alte Multikultistadt von Kathrina heimgesucht wurde. Der alten Drude ... jetzt möchte ich gar nicht mehr hinfliegen, denn sicher hat sich allzu viel verändert. Früher war NO neben Paris, Marseille und Prag jahrezehntelang mein Sehnuschtsort. Die Welt steht eben nicht still. Omnia mea mecum porto, da lohnt es sich gar nicht mehr, überhaupt noch wegzufahren ;-) Testwunschpokal und einen Bourbon, bitte !
…. ich glaube, ich könnte diese Kopfbilder tats. malen! ;)) … Es wäre ein surrealistisches, farbenreiches Bild der Lebensfreude, wie es auch zu New Orleans passen würde :)) …. So wie Du ihn beschreibst, würde der mir wohl gut gefallen ……
In der St. Ann Street würde ich mich sicherlich wohlfühlen. Was für eine schöne Präsentation zu einem offenbar sehr gelungenen Duft. Wer wäre nicht mal gerne am Mississippi des 19. Jahrhunderts gewesen...
Und ich höre Louis Armstrong im Hintergrund spielen … ob ihm der Duft wohl auch gefiele? Deine Rezension war auf jeden Fall wie jedes Mal atmosphärisch mitreißend!
Sehr interessante Einführung in einer klassischen Parfümerie mit soliden Rezepturen. Der Duft ist sicherlich sehr fein und traditionell-harmonisch. Eine tolle, farbige, mehrdimensional-plastische Beschreibung, exzellent.
New Orleans muss einfach großartig gewesen sein, bevor diese mystische alte Multikultistadt von Kathrina heimgesucht wurde. Der alten Drude ... jetzt möchte ich gar nicht mehr hinfliegen, denn sicher hat sich allzu viel verändert. Früher war NO neben Paris, Marseille und Prag jahrezehntelang mein Sehnuschtsort. Die Welt steht eben nicht still. Omnia mea mecum porto, da lohnt es sich gar nicht mehr, überhaupt noch wegzufahren ;-) Testwunschpokal und einen Bourbon, bitte !
Du hast meine Neugier erneut geweckt! Danke schön!
Die Manufaktur scheint ein Juwel zu sein, sehr spannend.
🏆
Ich würde natürlich gleich mal zur 525 St. Ann Street vorbeischauen.. ;)