Hier an den Hängen wohnen silberne Nebel, entwachsen in Einsamkeit der inneren Tempel, verschleiern Vergangenheit, den Blick ins Tal, sind scharf und bitter und flirrend hell, wie Pfeffertau auf Rindenkühl und Nelkenrau auf warmem Fell. Werde eins mit der Atmung der stoischen Ziege im kühlen Schatten der alten Zypresse, dem herben Hauch von Holz und Limone, mit den Perlen von Nektar und Harz auf der Borke. Das warme Geißenhaar dunstet im Frost. Da sind Reste von mulchiger Erde und Moos wie Worte aus wildem herbsüßem Moschus, sie schlagen Wurzeln im Bodenlosen, verdorrend auf Deiner ledernen Haut, die die Fülle des würzigen Nebels atmet, sich in tiefer Kontemplation senkt und hebt.
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"Aranyaka", ein Bespoke, welches Prin Lomros für Rajesh Balkrishnan kreierte, thematisiert die gleichnamigen Ritualtexte für die orthodoxen Brahmanen des frühen Hinduismus, die sich in die Waldeinsamkeit zurückgezogen hatten um der Welt zu entsagen. Die Texte, welche dem Studium und der Meditation dienten, beschreiben die Philosophie hinter den Ritualen und Opfern, bei welchen auch Ziegen eine Rolle spielten.
Die Meditation eröffnet mit einem Nebel scharf-holziger (Muskat), würzig-zimtblättriger (Gewürznelke) sowie kühl-weihrauchiger Noten, welche limonenölig-terpenige Zypressen umgeben. Bald schon fügt sich würziges Ziegenhaar in den silbrigen Nebel, durch welchen man fortan die Umgebung wie durch einen Filter betrachtet. Da sind die holzig-wurzeligen Noten des Cypriol, die mit der Erde und etwas Moos den Waldboden abbilden, Bibergeil steht den ledrigen Noten mit bitterer Schärfe, Zibet mit animalisch-herbsüßen Moschusnoten zur Seite, Bienenwachs verleiht dem Weihrauch zusätzlich floral-balsamische Aromen. Es entsteht eine transparente, durchaus tragbare Impression, in welcher die Gewürze, der Weihrauch und das Ziegenhaar lange Zeit dominieren, die warm-ledrigen Noten mit dem Zibetmoschus eine bukolische Wildnis in Sepia darunter zeichnen, während Erde und Wald sich über etliche Stunden zunehmend entfernen.
"Scharf und bitter ... flirrend hell,
wie Pfeffertau auf Rindenkühl
und Nelkenrau auf warmem Fell!"
Das klingt wie ein Zauberspruch aus dem Hexen-Einmaleins.
Die kleine Hexe steht mit ihrer Ziege vor der Hütte im tiefen Wald und braut einen Heiltrank in ihrem Kessel zusammen *hex-hex*
Muss ein magischer Duft sein, der einen zum Waldbaden entführt !
…. geheimnisvoll schemenhafte Bilder im Nebel - und wieder ein fantastischer Text! ….. doch - laßt die Tierlein zu mir kommen …. ich laß’ sie in mein Herz - -, weniger gerne auf die Haut ;):) …
Wunderschön geschrieben, lieber Floyd! "Nelkenrau auf warmem Fell" das klingt so schön Geborgenheit versprechend... Der Duft klingt sehr interessant- auch wenn ich mir nicht wirklich vorstellen kann, wie da die Ziege dazu passt...
Seit Kindertagen liebe ich Ziegen, besonders die jungen Geißlein. Sie dufteten nach Heu und Ziegenmamamilch. Der Ziegenpapa jedoch bockelte......
Dieses Parfum klingt sehr interessant.
Ein Wunder, dass noch kein Prin in meine Sammlung gewandert ist. Ich finde diesen Parfumeur super spannend. Auch dieser Duft hier spricht mich nach Deiner tollen Beschreibung an!
Klingt alles toll, was drin ist.....nur an der Ziege muß ich erst nochmal riechen. Ich fand bisher alles bisserl arg streng und 'biestig' was von der Ziege kommt, aber die Haare sind bestimmt oder möglicherweise nochmal ganz anders. Also ab zum Tiergehege im Park:-)
Wieder einmal ein wundervolles Bild - ich kann mir so gut vorstellen, dass der Duft Dir gefällt. Mir wäre er wahrscheinlich streckenweise zu kühl und/oder scharf, Waldeinsamkeit und warmes Geißhaar stelle ich mir dennoch wunderbar vor.
Ich mag Ziegen und deinen wunderbaren meditativ-mystisch-bodenständigen Duftbericht auch! Zugleich hab‘ ich angenehme Alm-Assoziationen, daher für dich einen Ziegenpeter-Pokal!
Pfeffertau auf Rindenkühl und Nelkenrau auf warmem Fell ...... Waldeinsamkeit .. das alles klingt harmonisch und so ruhig .. Ziegen sind herzallerliebst , haben Charakter , können vor allem in ihrer Zwergenausgabe grantig werden und wissen sich zu wehren .. aber danach riechen mag ich dann doch nicht .. bei aller Ziegenliebe :D
Einsamkeit der inneren Tempel … Wurzel schlagen im Bodenlosen … lederne Haut, die die Fülle des würzigen Nebels atmet …
Unglaublich beeindruckende Worte und Bilder, die du in dir trägst!
Ich finde Ziegen wunderbar, aber so duften möchte ich weißgott nicht. Du scheinst ein Kleinod mit Aranyaka gefunden zu haben. Bei einer 9,5 glaube ich mal, wirst Du ihn Dir holen, oder nicht?
Auch wenn der Duft vermutlich nichts für mich wär, hab ich das schöne Bild dazu doch sehr genossen! So hohe Bewertungen gibt's bei dir ja auch nicht oft
Das alles liest sich wie ein Mantra! In der Endlosschleife könnte ich mich hier verlieren, so schön ist dein Text! Dieser Prin klingt obendrein auch spannend, trotz oder vielleicht gerade wegen der Ziegenhaare...
Mit Meditationen, Brahmanen, Weltentsagung, Opferritualen und anderen religiösen Machenschaften verbindet mich rein gar nichts und so sicher auch nichts mit deren Gerüchen und Düften! Aber jeder wie er will, gern auch mit meinen Segenswünschen! Für einen Fan dieser Richtung sicher eine sehr treffende Rezension!
So wie Prin ein Meister der besonderen Düfte, so bist Du ein Meister der besonderen Beschreibung. Da ich sehr schätze, wie gut Prin mit Ziegenhaar und anderen spezielleren Noten umzugehen weiß, bin ich mir sicher, daß Aranyaka wieder ein großartiges Werk ist.
Wow, wie schafft man es nur, einen Duft in derartig schöne Worte zu packen? Ich bin beeindruckt! Sehr gerne gelesen, wobei mir Dein Text wohl besser gefällt, als es der Duft könnte.
Prin und ich, ein schwieriges Beisammensein, kein mismatch, im klassischen Sinne, aber eine Herausforderung, die mit jedem Male bis ans Äußerste giert. Qualität von dir wie eh und je, präsentiert in tollen Worten. Bin jedes Mal begeistert, ob deiner Reisevorschau. Gern gelesen!!!
Schöne Worte für einen bestimmt sehr exklusiven und interessanten Duft. Mir sind in der Pyramide zuviele Tiere anwesend und dann auch noch Safran. Ich glaube da Gefällt mir dein Text mal wieder besser als der Duft selber es vermutlich würde.
Wow, das nenne ich mal eine apodiktische Rezension...Aber wie riecht Ziegenhaar? Ich berühre die Tiere gern im Streichelzoo, aber hab noch nie an einer gerochen.
wie Pfeffertau auf Rindenkühl
und Nelkenrau auf warmem Fell!"
Das klingt wie ein Zauberspruch aus dem Hexen-Einmaleins.
Die kleine Hexe steht mit ihrer Ziege vor der Hütte im tiefen Wald und braut einen Heiltrank in ihrem Kessel zusammen *hex-hex*
Muss ein magischer Duft sein, der einen zum Waldbaden entführt !
Gerne gelesen.
Dieses Parfum klingt sehr interessant.
Unglaublich beeindruckende Worte und Bilder, die du in dir trägst!
Die verwendete Animalik finde ich herausfordernd und spannend auf diesem Meditationspfad.
Sicherlich eine Erfahrung wert.
Das könnte mir schon gefallen.
In die Waldeinsamkeit zurückziehen und der Welt entsagen...das möchte bestimmt jeder mal...