M7 2002 Eau de Toilette

Version von 2002
M7 (2002) (Eau de Toilette) von Yves Saint Laurent
Flakondesign Tom Ford, Doug Lloyd
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8.2 / 10 382 Bewertungen
M7 (2002) (Eau de Toilette) ist ein beliebtes Parfum von Yves Saint Laurent für Herren und erschien im Jahr 2002. Der Duft ist holzig-würzig. Die Haltbarkeit ist überdurchschnittlich. Die Produktion wurde offenbar eingestellt.
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Duftrichtung

Holzig
Würzig
Orientalisch
Harzig
Süß

Duftpyramide

Kopfnote Kopfnote
MandarineMandarine RosmarinRosmarin BergamotteBergamotte
Herznote Herznote
OudOud VetiverVetiver
Basisnote Basisnote
AmberAmber AlrauneAlraune MoschusMoschus

Parfümeure

Bewertungen
Duft
8.2382 Bewertungen
Haltbarkeit
8.2289 Bewertungen
Sillage
7.6277 Bewertungen
Flakon
7.6276 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
7.657 Bewertungen
Eingetragen von DonVanVliet, letzte Aktualisierung am 12.04.2024.

Rezensionen

27 ausführliche Duftbeschreibungen
8
Duft
Naaase

109 Rezensionen
Naaase
Naaase
Top Rezension 21  
Die nackte Wahrheit
Die nackte Wahrheit

„Ich weiß, dass ich die Mode vorangebracht habe und den Frauen ein bisher verbotenes Universum geöffnet habe. Ich habe einfach eine Gabe. Das ist geheimnisvoll, aber die Natur hat mir ein Talent gegeben: Zu wissen, zu spüren, was die Frauen wünschen. Und das zur richtigen Zeit. Dazu muss ich nicht rausgehen und reisen. Ich habe einfach gute Antennen. Nichts ist schöner als ein nackter Körper. Das schönste Kleidungsstück, das eine Frau tragen kann, ist die Umarmung eines Mannes, der sie liebt. Und für die, die dieses Glück nicht finden, bin ich da!“ (Yves Saint Laurent)

Und mit einem nackten Körper begann auch das Leben von "M7". Wenn es auch keine nackte Frau sondern ein nackter Mann war.
Er zeigte wirklich alles und lenkte so ein bisschen von dem ab, wofür er eigentlich warb: Im Mittelpunkt der Kampagne sollte eigentlich "M7" stehen, ein Männerduft von Yves Saint Laurent. 2002 entstand unter der Regie von Tom Ford, von 1999 bis 2004 Creative Director des Hauses Yves Saint Laurent , eines der ersten Parfüms mit Oud. Und auch wenn die Werbekampagne mit dem nackten Penis einige Gemüter erregte (da soll mal einer behaupten, bei YSL gäb's nichts "von der Stange"), war das stark duftende Öl mit dem ungewöhnlichen Namen das eigentlich Besondere an M7.
"Niemand hatte es bis dahin benutzt, keiner kannte es", berichtet Alberto Morillas, neben Jaques Cavallier-Belletrud einer der zwei Parfümeure, die damals M7 kreierten, "Der Zeit" in einem Interview, "und es hat immer noch etwas Magisches."
In Arabien kannte man hingegen diesen intensiven Duftstoff, der aus dem Harz des Adlerholzbaumes gewonnen wird, schon seit über 2000 Jahren: Dort verwendete man nämlich das aus dem von einer bestimmten Schimmelpilz-Kombination befallenen Harz des Adlerholzbaumes schon seit langer Zeit und schreibt ihm sogar aphrosidierende Wirkung zu.
Bei Yves Saint Laurent verzichtete man jedenfalls 2002 darauf, Oud in der Werbekampagne für "M7" zu erwähnen. Der Duft sollte offensichtlich für sich sprechen. Mit dem neuen Konzept aus dem Jahre 2011 änderte sich das: "M7" wurde Teil der edlen Serie "La Collection Yves Saint Laurent" und seither steht auch auf dem Flakon "M7 Oud Absolu". "Das Öl hat so etwas Animalisches, Holziges, aber gleichzeitig Modernes", wird Parfümeur Morillas zitiert. "Es riecht warm und sexy und immer wieder anders. Ich träume davon, weitere Oud-Düfte zu kreieren." Die Auswahl ist inzwischen fast schon unüberschaubar: Auf Yves Saint Laurent folgten zahlreiche Hersteller mit eigenen Oud-Kreationen. Doch, wie so oft, war Yves Saint Laurent wieder mal seiner Zeit voraus: Yves Henri Donat Mathieu-Saint-Laurent wurde am 1. August 1936 in Oran, Algerien geboren. Und ist am 01. Juni 2008 in Paris verstorben. Er war ein international bekannter französischer Modeschöpfer, der 1961 das Modeunternehmen "Yves Saint Laurent" in Paris gründete.
Er wurde zu Lebzeiten von der Fachwelt als „Revolutionär“ des Modedesigns betitelt. Er wirkte in der Modewelt vielfach stilbildend und wird auch nach seinem Tod als Koryphäe auf dem Gebiet der gehobenen und eleganten Damenmode ehrfurchtsvoll genannt. Er begann seine Karriere als Assistent von Christian Dior und verkörperte wie nur wenige andere Designer die französische Haute Couture Mode. Den größten Einfluss hinterließ 1967 seine Kreation eines Hosenanzuges für Frauen („Le Smoking“), der die weibliche Form elegant und sachlich zugleich zur Geltung brachte und damit auch emanzipatorisch wirkte. Das Unternehmen und damit die Marke Yves Saint Laurent, kurz YSL, bestehen bis heute und sind seit Ende 1999 im Besitz der Gucci-Gruppe, welche wiederum von 1999 bis 2004 schrittweise von dem französischen PPR-Konzern aufgekauft wurde. Das Unternehmen bietet über ein eigenes Netzwerk von Boutiquen und den gehobenen Einzelhandel weltweit hochpreisige Prêt-à-porter Bekleidung für Damen und Herren sowie Lederwaren, Schuhe, Uhren, Schmuck, Brillen, Accessoires, Parfüms und Kosmetik im Luxusgüter-Segment an. Chefdesigner aller Modekollektionen ist seit März 2012 Hedi Slimane. Unter Slimane wurde die Modesparte 2012 in "Saint Laurent Paris" umbenannt, wobei das Unternehmen selbst weiterhin als "Yves Saint Laurent S.A.S" firmiert.

Zu dem "M7" aus dem Jahr 2002 erfährt man hier auf "Parfumo", dass Alberto Morillas und Jaques Cavallier-Belletrud zunächst echtes Oud verwendet hätten. Von diesem hätte man im Jahr 2000 angeblich günstig eine große Menge ankaufen können, um dieses dann in Verbindung mit der von "Firmenich" auf Anfrage von Yves Saint Laurent entwickelten synthetischen Nachbildung "Oud Synthetic 10760 E" zu verwenden. Dies mit dem Ziel, gewisse unerwünschte Eigenschaften des Ouds zu überdecken. Als die Vorräte aufgebraucht waren, habe man bis zur vorläufigen Einstellung des Dufts im Jahr 2009 nur noch den Ersatzstoff verwendet. Jedenfalls begann die Produktion offenbar erst, als "Firmenich" im September 2002 die synthetische Oud-Base lieferte.
Das im Jahr 2002 entstandene (und mir freundlicher Weise in einer Abfüllung zur Verfügung gestellte) "M7" beginnt fruchtig. Mandarine und auch etwas Bergamotte. Aber die reife und dunkle Mandarine steht im Vordergrund. Daneben gibt es noch eine weitere Note. Die hier oftmals genannte "Cola-Note" kann ich sehr gut nachvollziehen. Auch der Eindruck, der Duft würde "sprudeln". Die Kopfnote ist trotz dieses (an sich) fruchtigen Auftakts dunkel. Diese erwähnte "Cola-Note" verstärkt sich dann -bei nach wie vor dunkler Grundausrichtung- in der Herznote, wenn dann das Oud zum Vorschein kommt. Nach wie vor ist zwar diese "dunkle Mandarinen-Note" spürbar. Fast schon wie Dörr-Obst. Und es tritt dieses scharfe Oud hinzu. Unser Oud hier versteht sich jedoch nicht als Haupt-Thema. Es will vielmehr nur eine von mehreren Komponenten dieses Duftes sein. Will ein (medizinaler) Widerpart zu der dunkel-trockenen, aber immerhin fruchtigen, Mandarine sein. Interessant. Dieser medizinale Charakter unseres "Nebendarsteller-Ouds" wird dann durch eine leicht krautige Note verstärkt. Diese muss von dem dezenten Vetiver-Einsatz kommen. Diese Note bleibt dann erhalten: Ein Spannungsverhältnis zwischen Frucht (Mandarine) und medizinal-(leicht)scharfen Oud. Gegen Ende wird es dann durch wärmenden Amber und leicht rauen Moschus runder und weicher. Und damit auch versöhnlicher. Dieses Spannungsverhältnis bleibt jedoch (in abgeschwächter Form) jedoch auch in der Basis erhalten.

Im Jahr 2004 entstand dann auch noch ein "M7 Fresh". Aber ist das nicht eine -um es neudeutsch zu formulieren- "Mission Impossible" ? Ein schwerer Oud-Duft für den Sommer ? Der Beginn ist ebenfalls fruchtig. Aber diese Zitrusfrüchte (Bergamotte und Mandarine) begrüßen uns schon viel freundlicher. Viel fruchtiger. Viel heller. Ja, fast schon ein wenig zitrisch-erfrischend. Obwohl es sich im Vergleich zum "M7" aus dem Jahr 2002 um die gleichen Früchte handelt wirken diese nunmehr fast erfrischend. Zunächst also keine Spur von diesem dunklen Beginn des "M7". Doch dieser zitrisch-erfrischende Auftakt währt nur kurz. Denn schon nach kurzer Zeit stellt sich auch beim "M7 Fresh" eine "Cola-Note" ein und verweist auf die Verwandtschaft zum "M7" aus dem Jahr 2002. Diese aber viel heller, viel freundlicher. Sozusagen ein "Cola Light". Aber immerhin auch ein Produkt aus dem Hause des so berühmten Brause-Herstellers. Auch meine ich, etwas Oud zu erschnuppern. Aber nur ganz leicht. Einen Hauch von Oud. Sozusagen "Oud-Light". Denn nach wie vor bleibt der Duftverlauf dominiert von den hellen und freundlichen Zitrusfrüchten, die jetzt sogar eine (angenehm !) säuerliche Note aufweisen. Wie gesagt: Umhaucht von dieser "Oud-Cola-Note", die auf die Verwandtschaftsverhältnisse verweist. In der Basis erwartet uns dann Moschus. Doch selbst dieser ist nicht dunkel-düster. Zudem noch ausgestattet mit einer leicht grasig-krautigen Note, die ich dem Vetiver zuschreibe. Nach einigen Stunden klingt dieses zitrisch-fruchtige "Cola-Light" leicht moschus-grasig aus.

Das "M7 Oud Absolu" aus dem Jahr 2011 beginnt hingegen wieder dunkel-fruchtig: Eine Mandarine, eine Orange und eine Bergamotte. Nicht spritzig-sauer, sondern vielmehr reif-dunkel-geheimnisvoll. Selbst dieser fruchtige Beginn wirkt so, als wenn diese Zitrusfrüchte nicht in der hellen Sommersonne an einem knorrigen Baum sondern vielmehr in einer dunklen Höhle im hintersten Afghanistan gereift wären. Alles in der Kopfnote bereits dunkel und geheimnisvoll. Aber auch zugleich sehr interessant gemacht.
Kurze Zeit später wird's dann mächtig geheimnisvoll: Weiter kein Licht in unserer dunklen Berghöhle. Das bereits versprochene Oud erreicht unsere Nase. Ein Oud nicht von der medizinalen Sorte, sondern eher mystisch und fremdländisch. Apropos "fremdländisch": Neben "Gevatter Oud" hat nunmehr jemand noch ein paar Räucherstäbchen angezündet. Die müssen von unserem Freund, dem Patchouli kommen. Jedoch alles sehr schön würzig unterlegt. Und auch noch leicht fruchtig, da insbesondere die Mandarine aus der Kopfnote noch nicht in unseren dunklen Höhle verschwunden ist. Was für eine tolle Kombination: Die sanft-fruchtige Mandarine und das geheimnisvoll (Patchouli)-würzige( Rosmarin) Oud. Das ist toll !!! Aber auch in der Basis wird alles aufgefahren, was in Richtung "Dunkel-Geheimnisvoll" geht: Zunächst einmal wärmender Amber: Ein kleines Feuerchen brennt in unserer Höhe. Kaum geeignet, uns Licht ins Dunkel zu bringen. Doch gewillt, weitere Wärme in unsere Herzen zu bringen. Moschus und Myrrhe dringen zu uns vor. Dunkel. Geheimnisvoll.

Mein Fazit:
Das "M7" aus dem Jahre 2002 ist ein Meilenstein der Parfum-Geschichte als Wegbereiter einer ganzen Welle von Oud-Düften. Zudem mit einer einzigartigen "Cola-Note". Diese wird dann von dem "M7 Fresh" auch aufgegriffen und in einem wesentlich freundlicheren, da sommerlicheren, Licht präsentiert. Dafür sorgen schon die helleren und zitrischeren Früchte. Das "M7 Oud Absolu", das sich eindeutig in der Tradition des "M7" aus dem Jahre 2002 sieht, lebt von dem einzigartigen Spannungsverhältnis von den reifen (fast schon Dörrobst-) Früchten und der (durch Oud und Patchouli hervorgerufenen) dunklen (Höhlen-) Stimmung. Alle drei sind wirklich gut gemachte Düfte. Jeweils sehr interessant und mit individueller Daseins-Berechtigung.

„Coco Chanel hat den Frauen die Freiheit gegeben, Yves Saint Laurent die Macht.“ (Yves Saint Laurent).
"Und uns Männern 'M7' " (Naaase).
2 Antworten
Siebter

49 Rezensionen
Siebter
Siebter
Top Rezension 25  
M7 und M7 Oud Absolu: Ein Vergleich [mit Video]
In den letzten sechs Monaten trug ich M7 / M7OA so häufig wie keinen anderen Duft. Die Vintage-Variante von M7 (der erste release mit dem durchgefärbten Glas) besitze ich seit fast zehn Monaten, M7 Oud Absolu erwarb ich ein halbes Jahr vorher. Die Frage, welche Version die bessere sei, beantwortete ich mir bald damit, dass sie beide wirklich verdammt nahe beeinander sind und es allerzumindest gut ist, dass es M7 Oud Absolu überhaupt gibt. Ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand, der M7 mag, M7OA nicht mag. Interessanterweise steht es aber für mich dennoch nicht zur Debatte, einen der beiden Flakons wegzugeben, denn es gibt Unterschiede. Dieser Text soll nicht aufzeigen, welche Version von M7 die herausragendere sei, sondern davon handeln, ob und welche Interpretationsfreiräume durch Nuancierung eines Parfums entstehen.

Wie ähnlich sind sich M7 und Oud Absolu? Sehr ähnlich! Ich werde im Folgenden durch die Umschreibung der Unterschiede dieser beiden Düfte einiges an Geduld und Vorstellungskraft abverlangen und das mag den Eindruck erwecken, sie seien kaum auch nur entfernt verwandt, aber es gibt einen M7-Akkord, den man sofort wiedererkennt, ähnlich wie man Fahrenheit oder Le Mâle sofort wiedererkennt: dunkles Trockenobst mit Rauch und bittersüßem, modernden Holz. Dieser ziemlich komplexe Akkord ist bei beiden gleich, mit gleicher Intensität und Ausprägung.

Vor einigen Wochen, als wir schon schliefen, ging meine Freundin ins Bad und sprühte sich mit M7 ein, um dann wieder ins Bett zu steigen. Ich wachte kurz auf, dachte "Oh cool, sie trägt M7!" und schlief selig wieder ein.

Dass ich in dieser Nacht sofort wusste, dass sie M7 trug und nicht M7OA, liegt an der ziemlich eigentümlichen Eröffnung. Sprudelnd, trocken und dunkel, mit einem kühlen und durchaus scharfen medizinischen touch. Auf jeden Fall sehr stark an Cola erinnernd, die vielerorts zu lesende Verbindung zu Hustensaft kann ich ebenfalls gut nachvollziehen. Cola klingt vielleicht verspielt, tatsächlich ist M7 aber ziemlich aggressiv und bestimmend. Das typische Cola-Aroma entsteht übrigens durch Vanille, Zimt, Nelke und Zitrone, alles Noten, die ich nicht direkt in M7 wahrnehme, die ich mir aber gut darin vorstellen könnte.

Dagegen eröffnet M7OA wie ein langsam anrollender Lavaschwall. Auch dieser Auftakt ist von einer, hier klar vom Patschuli herrührenden, medizinischen Schärfe geprägt, die aber von einer glühenden und dunklen Mandarine grundiert wird. Patschuli ist eigentlich eine sehr dominante Zutat, dennoch bleibt die Mandarine über etwa vier Stunden ihm gegenüber stark im Vordergrund und auch darüber hinaus einige Zeit bestimmend. Zusammen erinnert mich das manchmal sehr an Pflaumenmus, nur ist M7OA etwas kristalliner und herber. Von Anfang an zeigt sich M7OA als insgesamt wärmerer Duft, nicht weniger bestimmend als M7, dabei jedoch gelassener.

Die Cola-Eröffnung von M7 ist etwas ausgedehnter, überhaupt entwickelt sich dieser Duft im Vergleich zu seinem Nachfolger recht linear. Beim Tragen bemerke ich eine merkwürdige Eigenschaft, die beiden gemein ist: von Nahem tun sich zum Teil extrem schöne Details auf, diese werden jedoch von dichtem Rauch verschluckt, sobald man etwas auf Distanz geht. Ich bin mir nicht sicher, ob Vetiver allein dafür verantwortlich ist, denn dieser Rauch ist weder grün noch erdig, sondern erinnert eher an Weihrauch. Andererseits wird sowohl in M7 als auch in M7OA viel maskiert. Beide Düfte wirken keinesfalls süß, obwohl Labdanum und Myrrhe ziemlich lieblich sind. M7 balanciert diese Süße mit erdigen und trockenen Akkorden absolut nahtlos aus, entwickelt sich geschlossener und linearer. Im Vergleich erscheint er dadurch etwas samtiger, aber auch eigenwilliger und verschlossener, durchaus sogar im übertragenen Sinne kühler. Das Oud sorgt in beiden für einen subtilen, medizinischen Vibe, bei M7 eher heftpflasterig, in M7OA eher hustensirupartig. Ich sehe M7 nicht als ausgesprochenen Oud-Duft.

M7OA ist kontrastreicher und wagt en Detail etwas mehr. Der von mir bereits umrissene Akkord aus moderndem Holz, Rauch und dunklen Zitrusfrüchten bestimmt den größten Teil des Verlaufs beider Düfte, doch bleibt M7 dabei abstrakt, während ich von M7OA wesentlich konkretere Eindrücke erhalte, zum Beispiel das Aroma von dunkler Schokolade, den Qualm einer gerade gelöschten Kerze, zudem sind Mandarine und Patschuli klar auszumachen (und lassen bisweilen das Bild von auf regennasse Erde gefallenen Mandarinenstückchen aufkommen). Darüber hinaus entwickelt sich M7OA sehr stark; während M7 ab der Herzphase nach und nach zu dunkelroten, ambrierten Rauch erstarrt, wandelt sich M7OA zu einem süßlich-erdigen Patschuliduft mit fruchtigen, harzigen und holzigen Facetten.

M7 gilt insbesondere in der englischsprachigen Parfum-Community als klassisches Beispiel brustbehaarter Parfumkunst, Fragrantica rät Frauen sogar ausdrücklich davon ab, M7 zu tragen ("The frangrance is so masculine that it is not even recommended to women who like to wear perfumes for men."). Ich sehe das nicht so, im Gegenteil empfinde ich die von M7 verkörperte Maskulinität als tollen Kontrast zu meiner (idealisierten) Vorstellung von Weiblichkeit. Interessant ist, dass sich M7 und M7OA für mich unterschiedlich anfühlen, trotz ihrer Nähe zueinander. M7 ist aggressiver, verschlossener und eigenwilliger, M7OA zugänglicher und doch mit mehr edge und Chuzpe, daher sind sie mir nicht so austauschbar, wie sie eigentlich sein müssten. M7OA ist reicher an Bildern und Abwechslung, auf jeden Fall mehr Wärme vermittelnd. Andererseits finde ich es manchmal cool, die etwas entmenschlichtere und abstraktere Seite von M7 stärker zu betonen, den Gedanken, Eigenwilligkeit für sich stehen zu lassen und sie nicht zu vermitteln oder sinnlich aufzuladen.

Ich glaube aber nicht, dass die von mir ausgemachten Unterschiede beispielsweise der Dame, die neben mir in der U-Bahn sitzt, auch auffallen. M7/M7OA fällt ihr sicherlich auf, bei nicht allzu sparsamer Verwendung strahlt dieser Duft weit ab (und hält zudem wirklich gut). DN1982 schreibt, M7OA sei gegenüber M7 "phasenverschoben", und das finde ich sehr treffend, aber diese Phasenverschiebung wird wohl nur für den Träger oder ihm sehr nahe kommende Menschen eine Rolle spielen. Davon abgesehen ist M7OA mehr als eine gelungene Reformulierung, es ist eine interessante Neuvertonung des Originals.
4 Antworten
7.5
Flakon
7.5
Sillage
10
Haltbarkeit
10
Duft
Palonera

467 Rezensionen
Palonera
Palonera
Top Rezension 25  
Aphrodisiakum
Zehn Jahre ist es her, doch die Szene steht mir so klar vor Augen, als sei es erst gestern gewesen.
Gerade hatte ich meine damalige Stammparfümerie betreten und sah meine Freundin, die Inhaberin, vor ein paar Kartons mit offenbar soeben hereingekommenen neuen Produkten knien, unter der Nase einen Teststreifen und augenscheinlich in heller Aufregung.
"Das mußt Du probieren – unfaßbar!" war ihre Begrüßung, bevor sie einen eher unscheinbaren, rechteckigen Flacon aus braunem Glas zückte, von dem ich mir eigentlich nicht vorstellen konnte, daß sein Inhalt meine sonst so unerschütterliche, mit allen Duftwassern gewaschene Freundin derart aus dem Konzept bringen sollte.
Ein Sprüher, ein Atemzug – ich nahm eine Packung aus dem Karton und stellte sie auf die Verkaufstheke, ohne mich um Namen, Hersteller, Preis oder sonstige Unwichtigkeiten zu kümmern.
"Wahnsinn!" dachte ich.
Und dann dachte ich lange Zeit nicht mehr viel, zu sehr war ich damit beschäftigt, jedes Duftmolekül von M7 in mich hineinzusaugen.

Dunkel, mysteriös und würzig stieg mir eine Mixtur in die Nase, die sich mit nichts vergleichen ließ, was ich bis dahin geschnuppert hatte.
Harzige und warme Noten werden von Anbeginn an durchzogen von strengen, kühlen Schlieren, tiefschwarz und trocken und doch anschmiegsam wie dichtester Samt.
Wärme, Hitze fast breitet sich aus, trockenfruchtige Anklänge verbinden sich mit dem Holz und lassen es leuchten.

Eine unglaubliche Präsenz, körperlich, sinnlich, hocherotisch – ich fürchte mich davor, diesen Duft an einem Mann wahrzunehmen, könnte er mich doch jede Erziehung vergessen und stattdessen in uralte archaische Verhaltensmuster fallen lassen.
Ein Aphrodisiakum – und dazu brauchte es ganz gewiß nicht jenes durchaus knackigen Kerlchens, das in der Werbung blank zog.
Das konnte Saint-Laurent im Jahre 1971 besser, nebenbei bemerkt.

Zehn Jahre und zahllose Dufterfahrungen später: Noch immer gehört jene Flasche M7 zu meiner Sammlung, noch immer schwelge ich in jedem Dufthauch, der von meiner besprühten Haut aufsteigt.
Heute weiß ich, daß Oud einen guten Teil des Reizes ausmacht, der von dieser Kreation ausgeht – von Adlerholz hatte im Jahr 2002 vermutlich noch kaum jemand gehört, von einem Hype war man noch weit entfernt.
Und vielleicht war genau dies einer der Gründe, weshalb sich M7 nie so gut verkauft hat wie andere, ganz sicher nicht bessere Düfte – vermutlich war er seiner Zeit zu weit voraus.
12 Antworten
7.5
Haltbarkeit
8
Duft
Turandot

834 Rezensionen
Turandot
Turandot
Top Rezension 15  
Der Verzweiflung nahe
Ich hatte heute einen Kunden, bei dem ich fast aufgegeben hätte. Ein Kerl wie eine Symbiose aus Crocodile-Dundee und Kanadischem Holzfäller und irgendwie ein echter Typ. Terre d`Hermes war einfach zu elegant, Azarro zu normal, ach ich erspar Euch alles aufzuzählen, was in unserem Sortiment in Frage gekommen wäre. Aber ich musste mich ja beschränken, um ihn nicht geruchsblind zu sprühen. Und dann hab ich ihm M7 gezeigt und da bekam dieser Schrank von Mensch doch tatsächlich ein Strahlen in den Augen.

Ja es hat einfach gepasst und als ich eben Positrons Kommentar las, da stand der Kerl in Gedanken wieder vor mir......
2 Antworten
9
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
10
Duft
Vivicorsi

3 Rezensionen
Vivicorsi
Vivicorsi
Sehr hilfreiche Rezension 14  
Meisterwerk
Wo fang ich an...Am traurige Ende - der Tag als mir bewusst wurde, dass ich wohl meinen letzten Flakon zum Wucherpreis von 300 Euro auf ebay gekauft habe.

Spulen wir ein paar Jahre zurück. Damals noch Student und auf der Suche nach einem neuen Duft...
Jeden Tag an dem ich Zeit finden konnte bin ich kurz vor Ladenschluss in Wien noch schnell in die Parfümerie gehuscht , Papier vollgesprüht ,um mit der Beute heimzukommen und meine Wg Kollegen mit Duftproben zu nerven. Fast schon ein Ritual, neben den Kochkünsten meines Südtiroler Mitbewohners, und seiner Suche nach dem reduziertesten Pasta Rezept...
Das Olivenöl kam per post aus dem Vatikan - die Erklärung wie, weshalb, warum habe ich nie ganz verstanden- die Tomaten waren für Cocktails gedacht, zumindest dem Namen nach. Schlussendlich und nach gefühlt hunderten Versuchen- zu Christines und meiner Freude- landete Ivo beim perfekt ,reduzierten Rezept ,das bei allen Anwesenden auf einhellige Zustimmung traf: aldente De Cecco Nudeln in oversized Muschel Form-für die perfekte Aufnahme des Sugos- Knoblauch leicht angeschwitz -ja nicht zu heiss !- in besagtem päpstlichen Olivenöl , Cocktail Tomaten leicht gedünstet, dazu frischen Basilikum -vom Fensterbrett in den schäbigen Innenhof einer typischen Wiener Studentenbude - und natürlich frisch geriebener Paremsan. Ein Festessen!

In dieses olfaktorische italienische Küchenambiente unserer Miniküche trat ich also ganz aufgeregt mit der M7 Duftprobe ein....
Christine war die erste die daran riechen durfte. Nachdem der erste Bissen runtergeschluckt war, und sie den entgegenstreckten Papierstreifen in die Hand nahm, meinte sie : ungewöhnlich, hmm.. aber der steht dir, der hat was...
Ivo dagegen war überfordert. Noch zu sehr mental mit der Verwirklichung seines Nudelprojektes beschäftigt, meinte der sonst so wortgewaltige Künstler nur kurz und knapp " sell isch nix".
Die damals noch als skandalös geltende Werbung von M7 wurde kurz andiskutiert, und ging dann aber schnell im Rotweindunst unter..
Nun gut bei Düften habe ich mich immer mehr auf das Urteil von Frauen verlassen. Der Duft wurde gekauft.

Noch Jahre danach fragen mich bis heute Freundinnen nach diesem Duft.. " Du hattest damals so einen unglaublich tollen Duft..." Diverse Fan Foren sprechen heute Bände..
Damals einer der ersten kommerziellen Oud Düfte. Unbeliebt, und ein absolut kommerzieller "Rohrkrepierer". Zu unrecht! Dieser Duft war ein Meilenstein. Wenn er es auch nicht selbst zum kommerziellen Erfolg gebracht hat, so hat er wahrscheinlich den Oud Hype losgetreten. Damals im Orginal noch mit echtem Oud Holz. Der aphrodisierenden Wirkung dieses Holzes schreibe ich noch heute ein, zwei "Eroberungen" zu, die deutlich über meinem Niveau lagen ;)

Zurück in die Wg.
2 Monate später -der Putzplan trifft mich für das gehasste Bad- entdecke ich in Ivos Badezimmerschrank eine Flasche M7......das Gesprächsthema für den heutigen "Nudelkonvent" ist gesichert...
7 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

20 kurze Meinungen zum Parfum
YataganYatagan vor 6 Jahren
9
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
8
Duft
Immer noch einer der interessantesten Oud-Düfte und vielleicht einer der ersten, der dieses orientalische Thema in den Okzident übertrug.
7 Antworten
ParfumAholicParfumAholic vor 5 Jahren
8
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
10
Duft
Oud in einer seiner schönsten Formen, dazu würzig, leicht fruchtig & holzig. Ein sinnlicher Traumduft, dunkel & hell, hart & zart zugleich.
2 Antworten
ComedComed vor 5 Jahren
10
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
10
Duft
Ist mir absolut egal, dass M7 absolut überteuert und Absolu absolut ähnlich riecht. Das ist Parfum GESCHICHTE, geschrieben auf Holz mit Cola
2 Antworten
NasenschmausNasenschmaus vor 2 Jahren
"Du Dummerchen,das ist doch meiner!" sagte er u. entwand ihr die Flasche. Sie lächelte süß. M7 war bereits in ihren Geheimflakon abgewandert
1 Antwort
VlachVlach vor 4 Jahren
7
Flakon
7
Sillage
7
Haltbarkeit
8
Duft
Schöne Balance zwischen süss-fruchtig und Oud-holzig. Am Ende der Amber nur noch hautnah.
1 Antwort
Weitere Statements

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So ordnet die Community den Duft ein.
Torten Radar

Diskussionen zu M7 (2002) (Eau de Toilette)

Powershot in Parfum allgemein
Powershot:8.Ein geöffnetes Parfüm muss innerhalb eines Jahres aufgebraucht werden.Da Düfte...
Leimbacher in Herren-Parfum
Adan:M7 Oud Absolu hat unmissverständlich die DNA des ganz alten M7 und hat durch das süßliche...
ExUser in Beratung
Ich finde, "Voyage d'Hermès Parfum" ist würzig, holzig-grün und sehr schön :) Ist ja auch von Hermès ;)
Lav in Beratung
Bin mir nicht sicher, ob das nachvollziehbar ist,ich finde "Rien" von Etat Libre d'Orange ist eine Alternative/ein Derivat.

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