Ich bin unterwegs zum Haus meiner Großmutter im Süden Kalabriens,
das ich geerbt habe.
Ich war lange nicht mehr dort, zu lange...
Langsam schreite ich den Weg hoch, beschwerlich, die steilen Felsen.
Ginsterbüsche säumen diesen Weg.
Mane, so hieß meine Großmutter, wohnte in einem Haus auf den Klippen am Meer.
Mittlerweile bin ich im Garten angelangt.
Hier stehen immer noch die Akazienbäume,
leicht schief, vom ständigen Westwind.
Ich atme ihren Duft tief ein,
vermischt mit einem leichten Hauch Heu,
einer nicht weit entfernten Wiese.
Es ist Spätsommer...
Langsam kehren die Erinnerungen zurück.
Hier hatten wir als Kinder gespielt,
auf der Wiese und hier im Garten,
unter den schattenspendenden Akazienbäumen.
Wie von fern höre ich Kinderlachen,
und die Stimmen der Frauen,
die sich hier regelmäßig getroffen haben, Junge und Alte.
Jetzt stehe ich vor der schweren, eichenen Haustüre,
atme ein paar mal tief ein und aus,
bevor ich sie öffne...
Und es ist, wie es immer war,
sauber...
Die blankpolierten Fliesen,
die im Sommer Kühle spendeten,
die Tapeten der Wände, leicht verblichen,
in zarten Farben.
Selbst die Holzmöbel verströmen noch einen zarten Hauch von Möbelpolitur.
Ich öffne die Läden der Fenster
und goldene Sonnenstrahlen durchdringen den Raum,
zusammen mit dem allgegenwärtigen Westwind.
Ich drehe mich um,
mein Blick geht zum Kamin,
eine stete Erinnerung an die kalten Winter,
in denen der Westwind durch jede Ritze zu dringen schien.
Jetzt hat dieser Wind den Duft der Akazien und des Meeres dabei.
Dann wandert mein Blick zu der Ledercouch,
und die Erinnerungen brechen über mich herein.
Mane scheint mit mir hier im Raum zu sein.
Mane, in ihrer Schürze,
mit ihren von zarten Silberfäden durchzogenem dunklem Haar.
Ich lasse mich, ergriffen von der Tiefe meiner Gefühle, auf die Couch fallen.
Auf dieser Couch,
wo ich schon als Kind gesessen bin,
und Mane mir auf meine Knie gepustet hat,
wenn ich sie mir aufgeschlagen hatte.
Mane, wie sie mir Lieder vorsang, um mich zu trösten.
Ich, den Mund voll mit kleinen Stückchen Honigwaben,
aus denen sie den wunderbaren Akazienhonig gewann.
Als ich älter wurde, saß ich immer noch auf dieser Couch,
in Mane's Arme gekuschelt,
erzählte von der ersten Liebe
und dem ersten Liebeskummer.
Und Mane hörte zu, tröstete,
und bewahrte meinen kleinen Geheimnisse.
Sie lachte mit mir, trocknete meine Tränen,
bis das Feuer im Kamin längst erloschen war,
mit dem Rauch, der immer ein wenig im Raum hing.
Ich stehe auf und mache Feuer,
die Abende werden schon kühl.
Und ich denke an dich,
Mane,
meine geliebte Nonnina,
du warst die liebste Omi der Welt.
Dieser Duft macht einfach glücklich. Er ist wie nach Hause kommen zu Menschen, die man liebt.
Auch, wenn ich hier über eine Großmutter (den Namen habe ich hier gelassen) und ihr Haus schreibe, ist er doch auch unheimlich sinnlich und erotisch, mit all den Emotionen, die er in sich trägt.
Sind das die Geheimnisse, die du in dir bewahrst, Mane?
Ich habe Mane' jetzt einige Tage getragen. Das allein ist schon bemerkenswert. Ein Duft, der einen in sein Inneres zieht und nicht wieder loslässt. Auf der Parfümlandkarte finde ich ihn irgendwo zwischen Une Fleur de Cassie und Epona.
Erinnerungen, die uns so berühren, sind von besonderer Bedeutung und ein Duft als Auslöser der selbigen ein besonderes Erlebnis. Mit diesem Parfüm scheint sich für dich ja viel zu erwecken, wenn neben Oma, Kindheit und Haus in Kalabrien auch noch sinnlich und erotische Facetten aufkommen. Möge der Duft halten, was der Kommentar verspricht!
Mané ist einzigartig! So wie alle Kreationen von Erika. Duftende Erinnerungen ihres Lebens und Werdens. Selten war man einen Parfumeur so nahe wie mit ihren duftenden Emotionen. Sehr schön erzählt!
Danke dir so sehr für dieses wunderbare Erlebnis ☺️🙏
Ich trage mane gerade und bin jetzt schon entzückt.
Muss ein toller Duft sein. Der Erinnerungen und Gefühle weckt.
Schöner Ausflug in Manes süditalienische Welt.
Du liebst Mane's Knoten.Gut so.Nein.Wunderbar.
Diese Marke klingt ebenfalls sehr spannend.
Eine hast Du sehr schön beschrieben .