Nun also ist es endlich soweit, es dämmert schon die Dunkelheit, zu klein ist die Hütte, der Kamin fast kalt, dort draußen lauert die weite Welt und man riecht schon deine erwachsene Haut. Mein Kind, es ist an der Zeit. Siehst Du die Lichter hinter den Tannen wie kampferkühle Augen glimmen, dort wo die Wurzeln zu leuchten beginnen und grüne Gewürze in der Luft schwimmen mit den Glühwürmchen aus Limonen? Dann schleicht sich die Nacht wie Tannenbalsam über den erdigen Mulch auf dem Boden, bald wirst Du Dich zu wilden Wesen legen, ihr warmes Fell wird sich bald schon regen, ihre ledernen Körper sich langsam bewegen, wirst Haut aus würzigem Tabak kriegen, einen Bart aus Moosen und die Haare von Ziegen.
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Miguel Matos, Künstler, Kurator und Kunstjournalist aus Lissabon, ist bekannt für seine ungewöhnlichen, mutigen und teilweise sehr kontrovers diskutierten Duftkreationen. Eine Ausnahme bildete 2019 "Young Hearts", ein leuchtend grün-würziger Duft, den er für Bruno Acampora entwickelte, und für welchen er 2020 den Art and Olfaction Award in der Independent Kategorie erhielt.
Mit "Grimmtale" gelang ihm nun erneut ein erstaunlich harmonischer Duft, der grün-ätherische Elemente mit warm-würziger Animalik verbindet. Von Beginn an schwelt der Eindruck von warmem Fell (Zibet, Leder, Gewürze) und schwitziger Haut (Kreuzkümmel) unter hellgrünen, zitrischen, kühlen Noten (Kampfer, Kiefer, Zitrone, Zypresse), die in Verbindung mit dem warm-würzigen Ingwer eine erstaunliche Leuchtkraft entwickeln. Unter rauchig-ledrigem Bibergeil und tabakblättriger Ambra entwickelt sich zunehmend der Eindruck von Ziegenhaar, Tannenbalsam ist eine unsüß-harzige aber dennoch leicht wirkende dunkle Materie, welche mit rindenmulchig-erdigen Noten (Moos, Hölzer) in der Basis den Lebensraum der würzigen Felltiere bildet. Ein Duft von Nadelwald, Initiation und animalischer Gegenwart. Warm wie die moderate Stimme eines Märchenerzählers, einen langen Abend füllend.
… obwohl mir Biber und Ziege nicht unbedingt nah sein müssen, klingt es nach einem schönen, gemütvollen grünen Duft …….. und - wieder märchenhaft schön erzählt …..
Deine Beschreibungen sind immer so magisch schön, obwohl ich genau weiß, dass ich die meisten Düfte nie tragen könnte. Trotzdem lasse ich mich immer wieder gerne in diese Traumwelten entführen....
Ja, so ist der!
Ein Duft von Nadelwald, Initiation und animalischer Gegenwart. So wunderbar treffend. Der ist so, als ob man als Kind durch die Seiten des Märchenbuches in den Wald getreten wäre (und im Traum ist man das bestimmt auch mal). Kein Duft zum Tragen für mich, aber mein Pröbchen behalte ich für die kleine Zeitreise.
Wird Zeit, dass Deine Geschichten mal zusammen getragen und vorgelesen werden. ;-)
Wunderbare kleine Geschichte übers flügge werden - und wie stets bestens verknüpft mit einer abenteuerlichen und alles andere als langweiligen Duftschilderung. Ich lass mal einen Waldabenteuer-Pokal da!
Ich mag Deine Waldhüttenglutaugentannenbalsamgeschichten sehr .. ein bisserl schaurig , aber noch viel mehr heimelig .. beim Kreuzkümmel werd ich allerdings vorsichtig :)
Prächtige Kreation, umso prächtiger Deine Worte.
Diese Animalik stelle ich mir bildlich vor, dazu die grünlichen Noten.
Ich möchte mich im Märchen verlieren!
Erzähl weiter!
Miguel Matos ist einfach ein Künstler , hier sollte man Duft nicht nach Tragbarkeit einordnen, sondern genauso- nach der Geschichte, die er erzählt.
Für mich kann das keiner so phantastisch wie er.
Die Marke macht schon wilde Kreationen, und Dank Deiner brillanten Vorstellung, habe ich nun erfahren, dass auch ein sehr angenehmes und nicht so kontroverses Werk hier vor uns steht. Das ist an sich eine ganz feine Sache.
Ich bewundere die Schaffenskraft und Kreativität von Matos, auch wenn mir nicht alle Düfte die ich kenne von ihm gefallen. Aber das wäre auch zu viel verlangt. Der hier könnte aber was für mich sein.
Als Gesamtwerk betrachtet sicherlich spannend, von einzelnen Aromen ausgehend auf mich eher abweisend wirkend bzw schwierig. Dennoch ist kein Märchenerzähler mit Ziegenfell so authentisch wie du :))
Kurz zusammengefasst: Wald mit Tier, irgendwo raucht was. Herr Matos bietet ganz sicher keine Langeweile, auch wenn manches Werk von ihm für mich Nasenfolter ist. Hier würde mir wohl die helle Lichtung fehlen.
Märchenerzählpokal für Dich :-)
Sehr spannend!
Ein Duft von Nadelwald, Initiation und animalischer Gegenwart. So wunderbar treffend. Der ist so, als ob man als Kind durch die Seiten des Märchenbuches in den Wald getreten wäre (und im Traum ist man das bestimmt auch mal). Kein Duft zum Tragen für mich, aber mein Pröbchen behalte ich für die kleine Zeitreise.
Wird Zeit, dass Deine Geschichten mal zusammen getragen und vorgelesen werden. ;-)
Ich könnte Dir stundenlangen zuhören. Die Magie der Worte. Du beherrscht sie..!
Diese Animalik stelle ich mir bildlich vor, dazu die grünlichen Noten.
Ich möchte mich im Märchen verlieren!
Erzähl weiter!
Für mich kann das keiner so phantastisch wie er.
Ein wirklich interessanter Duft
Ein toller Name
Und dazu , deine einer "Fabel" ähnlichen Rezension
Was will man mehr
Märchenerzählpokal für Dich :-)