Lorenzo Villoresi gehört zu den Parfumeuren, die mich immer wieder überraschen. Sind doch bei vielen modernen Mainstreamdüften sowie größtenteils auch im Nischenbereich – Independent-Labels und Naturdüfte mal ausgenommen – oft keine großartigen Duftverläufe mehr auszumachen, so begegnen sie einem bei diesem italienischen Duftmeister noch in einer Art und Weise, wie ich sie von echten Klassikern gewohnt bin. So manche seiner Düfte haben sage und schreibe zwei Gesichter. Unter anderem Yerbamate, der als krautig-knarziger Grünling beginnt und in einen weichen, warmen Puderfluff mündet. Ähnlich macht das Villoresi auch hier bei Musk. Auch hier gibt es zwei sehr unterschiedliche Phasen, die diesen Duft ausmachen.
Musk beginnt wie schon Yerbamate etwas kernig, allerdings kernig nach meinem Geschmack. Da ist eine wunderbar herbgrüne Kardamomnote begleitet von den leicht bitteren Tönen des Galbanums. Dazu kommen sanfte Anklänge von Rose und Rosengeranie. Wüsste ich es nicht besser, was ich hier teste, hätte ich in dieser Phase außerdem eine helle Weihrauchnote vermutet. In der Kopfnote und auch teilweise noch im Herzen erinnert mich dieses Parfum an so manche Werke von Olivia Giacobetti. Kühl, weiß, etwas floral. Passage d’Enfer lässt grüßen. Genau in dieser Machart geht auch Musk an den Start. Von Moschus bisher keine Spur. Der Duft wirkt geerdet, seriös und beherrscht.
Im Gegensatz zum Yerbamate, der mich erst im Fond mit seinen weichen Pudertönen zu begeistern weiß, ist es bei Musk diese erste halbe Stunde bis Stunde, in der er mich voll in den Fängen hat. Bliebe er so, dürfte er auch bei mir bleiben und meine Sammlung bereichern. Doch auch dieser Duft hat zwei Gesichter und wandelt sich für meine Nase vollständig. Zur Basis hin gibt er sich auch als warmer Moschusduft zu erkennen und lässt Raum für eine helle Bernsteinnote. Doch da ist noch mehr. Auf einmal habe ich das Gefühl, wächserne Aldehyde wahrzunehmen. Ich bin hier bei einem Sauberduft, der in Richtung seifig-sauber geht. Die Sandelholznote im Hintergrund ist gar hinreißend, aber das reicht mir dann alles in allem leider nicht. Dieses Seifenschaumbad, das bleibt, ist nicht mehr ganz meine Welt. Zu französisch, klassisch chic. Wo ist meine helle, weiße Kardamomrauchigkeit geblieben? Leider ist sie schon längst weitergezogen und hat sich still und leise von mir verabschiedet.
Doch egal, ob man jetzt mehr auf den knarzigen Start oder den seifigen Schlussakt steht. Das ist ein Duft, den es gilt, zu entdecken. Selten habe ich so deutliche und unerwartete Verläufe in Düften erlebt, wie bei Lorenzo Villoresi. Unbedingt testen!
Ich finde es ebenfalls sehr spannend, wenn ein Duft eine richtige Reise durchmacht, vorausgesetzt - wie Du es absolut zurecht anmerkst - dass der komplette Verlauf überzeugen kann. Schön und aufschlussreich beschrieben!
Die Marke in Verbindung mit dem Wort Moschus, oder Puder verursacht mir Alpträume. Nene... So schön kannst gar nicht schreiben, dass ich den testen will. ?
Ganz toll und informativ beschrieben. Leider wäre dieser (wie auch Yerbamate, den ich mal hatte, und der letztendlich wegen der süßen Pudernote dann doch weiterziehen durfte) Duft trotz spannendem Verlauf wohl dann doch nicht meiner. Das Kühle und auch der Moschus locken… bei der Rose und der Seife wäre ich raus. Dennoch bestimmt ein kunstvoll kreierter Duft.
Ich mag ja, unerwartete Verläufe in Parfums, besonders wenn sie als Bettvorleger starten und als Tiger enden.
Mit den Viloresis habe ich so meine liebe Not....
Ich werde ihn bei Gelegenheit testen.
Ich habe auch einen Lorenzo Villoresi in meiner Sammlung und will Deine Ausführungen zu dieser Marke und deren Düfte gern bestätigen. Musk wäre aber eher kein Parfüm für diese Sammlung, wie mich Deine schöne und detailreiche Duftbeschreibung erahnen läßt! Feine Rezension!
Feine Rezension. Auf den Punkt gebracht !
Villoresi ist wirklich ein Duftmeister und lohnt immer einen Test. Da kommt keine Langeweile auf. :-) Musk war auch nicht ganz meiner.
Testen würde ich ihn sehr gerne. Auch wenn ich bereits einige Musks hab, die alle sehr unterschiedlich sind. Ab und zu verwende ich Musk, wenn ich diese weiche Süße erleben möchte, am liebsten in Verbindung mit Blumigen.
Sehr schöne Betrachtungen - mir geht’s auch so, dass ich mit wenigstens 2 Gesichter wünsche bei einem Duft, am liebsten beide schön… :) Zuweilen gibt’s ja auch gar mal 3, bei einigen Guerlain oder Bernard Chant-Kunststücken. Für dich jedenfalls einen 2xschön-gesichtigen Janus-Pokal!
Sehr hilfreich und detailliert beschrieben. Seifen-Pokal für Dich. Der Moschus und ich, wir sind grad in 'Trennung auf Probe'.
Deshalb ist dieser hier schonmal nix für mich....:-(
.. ich kenn ja nur Teint de Neige , aber dieser hier klingt wirklich interessant .. sehr informativ mit nützlichen Vergleichen zu anderen Düften .. find ich immer besonders hilfreich :)
Eine hübsche Pollyzension. Mir gefällt die pollyeske Vielseitigkeit von Lorenzo Villoresi. Auch wenn das hier kein Cravache-Duft ist, da zumindest ein Iltis, Biber oder Kamel fehlt ;-)
Das liest sich wirklich schön. Von Signore Villoresi sind mir auch schon einige schöne Düfte begegnet. Und bei diesem ist auch vieles drin, das ich sehr mag.
Sehr fein und hilfreich beschrieben! Von der Marke kenne ich bisher nur „Acqua di Colonia“. Der „Musk“ würde mir sicher gut gefallen, wird mal gemerkt.
Wie ebenso der Kommentar!..;)
Danke für die ausführliche Beschreibung.
Der Duft ist eher nicht meine Welt.
Mit den Viloresis habe ich so meine liebe Not....
Ich werde ihn bei Gelegenheit testen.
Villoresi ist wirklich ein Duftmeister und lohnt immer einen Test. Da kommt keine Langeweile auf. :-) Musk war auch nicht ganz meiner.
Deshalb ist dieser hier schonmal nix für mich....:-(
Ich danke dir für den Tipp.
Tolle Rezension!
Der Duft wohl nix für mich. Danke.