Renate und Heinrich gehen einkaufen. Der 80. Geburtstag von Renates Muttter steht an und sie gönnt sich ein neues Outfit für die Feier. Nun möchte sie noch ein passendes Parfüm dazu finden.
Verkäuferin: Guten Tag, Sie wünschen?
Heinrich: Guten Tag, wir möchten gerne ein Parfüm erstehen.
Verkäuferin: Suchen Sie ein Parfüm für sich selbst?
Heinrich: Nein, es ist für den Geburtstag ihrer Mutter.
Verkäuferin: Meiner Mutter?
Renate: Nein, es ist für den Geburtstag m-e-i-n-e-r Mutter.
Verkäuferin: Welche Duftnoten bevorzugt Ihre Mutter?
Renate: Mutter trägt gerne Lavendel. Aber der Duft ist für mich, ich möchte ihn auf ihrer Geburtstagsfeier tragen –
Heinrich: Ich hörte, Gerbera symbolisiert Lebensfreude. Führen Sie Düfte mit Gerbera?
Verkäuferin: Da müsste ich schauen. Aber wir führen Parfüm mit Nelken. Trägt Ihre Mutter gerne Nelke?
Heinrich: Meine Mutter trägt Rose.
Renate: Es geht um meine Mutter. Und die trägt Lavendel. Aber wie ich sagte, der Duft ist für mich. Und ich trage –
Heinrich: Gelbe Nelken stehen für Verachtung.
Verkäuferin: Ich dachte, die stehen für Verfügbarkeit?
Heinrich: Nein, das sind weiße Nelken. Weiße Nelken stehen für Verfügbarkeit.
Renate: Ich hätte gerne einen Duft, der möglichst natürlich –
Verkäuferin: Und rote Nelken?
Heinrich: Die stehen für Leidenschaft.
Renate: Ich möchte keine Kopfschmerzen davon bekommen.
Verkäuferin: Ich dachte, das sind Rosen. Rosen stehen doch für Leidenschaft, nicht?
Heinrich: Nein, die symbolisieren Liebe.
Renate: Manchmal trage ich Bergamotte, vielleicht haben Sie etwas in der Richtung?
Verkäuferin: Und was ist mit Tulpen?
Heinrich: Rosa Tulpen bedeuten Zuneigung. Weiße Tulpen dagegen stehen für Verschlossenheit.
Renate, verärgert: Verachtung. Welche Blume steht für Verachtung?
Verkäuferin: Trägt Ihre Mutter Tulpe?
Heinrich: Gelbe Nelken. Gelbe Nelken stehen für Verachtung. Hör mir doch zu!
Verkäuferin: Das ist ja einmal interessant. Wir führen Düfte mit Nelken.
Renate: Ich mag den Duft von Nelken nicht besonders.
Verkäuferin: Es geht ja auch um die Mutter Ihres Mannes.
Renate: Es geht um meine Mutter!
Heinrich: Mutter trägt Rose.
Verkäuferin: Schauen Sie, ich hätte hier etwas mit Rose.
Renate: Aber ich hätte gerne etwas ohne Blumen –
Verkäuferin: Darf ich es Ihnen aufsprühen?
Heinrich: Nein, halt! Mutter trägt Rose. Ich selbst trage für gewöhnlich nichts.
Verkäuferin: Ich dachte, Ihre Mutter trägt Lavendel?
Renate: Meine Mutter. Meine Mutter trägt Lavendel.
Verkäuferin: Ich sprühe Ihnen etwas mit Lavendel auf. Krempeln Sie einmal den Ärmel nach oben.
Heinrich: Lavendel symbolisiert die Abwehr des Teufels. Aber auch Reinheit.
Verkäuferin: Der Teufel?
Renate: So hören Sie doch auf zu sprühen!
Heinrich: Ja, die Abwehr des Teufels, aber auch Erinnerung.
Verkäuferin: Das ist ja interessant.
Renate: Ich hätte wirklich gerne einen Duft ohne Blumen.
Verkäuferin: Aber Sie sagten doch, Ihre Mutter trägt Lavendel. Lavendel ist eine Blume, nicht?
Heinrich: Lavendel ist ein Lippenblütler.
Renate: Ja, sie trägt Lavendel.
Heinrich: Mutter trägt Rose.
Verkäuferin: Ich packe es Ihnen ein.
Heinrich: Wird es günstiger, wenn wir 50 Flaschen nehmen?
Wenn es einen Anlass zum Scherzen gibt, schmunzele ich gern einmal... und den gibt es hier zur Genüge. Vielen Dank für das Loriot-Duftkommentar-Vergnügen!!!
Mit 50 Flaschen wäre dann der Teufel bis zum Ende des Lebens auszutreiben. Großzügig anzuwenden nicht nur auf Geburtstagsfeiern, sondern auch auf Schwelle, Treppen und Schuppen.
Tolle Hommage an die Filme und die Persönlichkeit von Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow alias Loriot! Das hat Spaß gemacht zu lesen und der Uralt Lavendel ist auch nicht schlecht!
Hab neulich auch im Vorbeilaufen ein Fläschchen (Flakon kann man das ja kaum nennen) mitgenommen - aber mehr als olfaktorische Medizin / Entspannungshilfe denn als Parfum (deshalb steht's auch nicht in der Sammlung).
Herrlich. :)))))))))))))) Aber warum bloss wurde diese Szene aus Pappa ante Portas rausgeschnitten? Ach, ich liebe diesen Film, so wie alles von Loriot.
Klasse geschrieben :D der Flakon war Stammgast bei meiner Oma auf der Spiegelkommode und ich durfte nicht damit spielen.. deshalb bin ich wahrscheinlich hier angemeldet ;)
Ich höre es geradezu vor mir: "Mein Name ist Lohse und ich hätte hier gerne eingekauft!" Da hast du Loriots Humor aber feinsinnig weitergewoben! Klasse !
Und fürs komfortable Testen empfehle ich der Parfümerie ein Sitzmöbel, bezogen mit einer Stofffarbe, in der die meisten überleben! :-)
Hätte wirklich so von Loriot kommen können. Das war noch unschuldiger Humor. Mußte ordentlich schmunzeln beim lesen. Aber Mal zum Pries. Wie viel müsste ich zahlen wenn ich gleich 10 Flaschen nehme?
Danke für eure Antworten! :) @Pinkdawn: In Pappa ante Portas geht Heinrich einkaufen und will für ganz gewöhnliche Lebensmittel wie Senf Mengenrabatte aushandeln und kauft in Folge viel zu viel davon.
"Mein Name ist Lohse, ich kaufe hier ein" paßt hier sogar in doppelter Hinsicht :-D
Das hätte ich gern als Sketch. Und der Duft ist ein feiner Kopfkissenduft, lang nicht mehr gerochen.
Großartig.
Vielen Dank für den morgendlichen Schmunzler.
Und fürs komfortable Testen empfehle ich der Parfümerie ein Sitzmöbel, bezogen mit einer Stofffarbe, in der die meisten überleben! :-)
Grossartige Hommage an Loriot, "das ist fein beobachtet" :-D
...ich denke, es wird mal wieder Zeit für einen Loriot-Abend. :-D
:-D
Du kannst die Loriot-Nachfolge direkt antreten!
Da Loriot gerade nicht kann, bekommst du den Pokal von mir.
@Pinkdawn: In Pappa ante Portas geht Heinrich einkaufen und will für ganz gewöhnliche Lebensmittel wie Senf Mengenrabatte aushandeln und kauft in Folge viel zu viel davon.
Das hätte ich gern als Sketch. Und der Duft ist ein feiner Kopfkissenduft, lang nicht mehr gerochen.
Fiel mir sofort Loriot ein.