CafenoirCafenoirs Parfumblog

01.08.2019 17:37 Uhr
75 Auszeichnungen

Cafenoir im Wunderland - Besuch des 1. Internationalen Festivals für Parfum und Kunst in Grasse

„Grasse au Pays des Merveilles - Grasse im Wunderland“ lautete der Titel des ersten internationalen Festivals für Parfum und Kunst in Grasse, das die Parfum-Hauptstadt von Mitte bis Ende Juli in ein Duftliebhaber -Paradies verwandelte. Erst Ende vergangenen Jahres wurde die Parfumeurskunst von Grasse von der UNESCO in die Liste der immateriellen Kulturgüter aufgenommen und somit als Weltkulturerbe klassifiziert. Hier wurde ihr jetzt mit einem vielfältigen kulturellen Veranstaltungsprogramm gehuldigt.


Festival Flyer

Festival Flyer

Ausstellungen zu Duftkreationen, Malerei und Fotografie. Lesungen und Anekdoten zur Geschichte der Parfumherstellung, vorgetragen in schattigen Parks und auf mittelalterlichen Plätzen. Workshops zum Kennenlernen von Duftnoten, zu Pflanzen und Gerüchen der Region sowie zur Herstellung von Parfums. Konzerte von Klassik bis Elektro, olfaktorisch begleitet von ansässigen Parfumhäusern. Geführte Spaziergänge durch Grasse mit neugierig machenden Titeln wie “Auf Grenouilles Spuren”. Ein 10 Tage dauernder bunter Reigen von Veranstaltungen.

Wäre mir das so bekannt und bewusst gewesen, als ich meine Kurzreise in die südfranzösische Region plante, hätte ich mich wohl für einen längeren Grasse-Aufenthalt entschieden. Der ursprüngliche Anlass für meinen Ausflug ins Hinterland der Côte d‘Azur war jedoch ein Treffen mit einer Yoga-Freundin, die sich Anfang des Jahres in einem Nachbarort von Grasse ein altes Anwesen gekauft hat, was sie gerade renoviert, um dort selbst zu wohnen und Ferienunterkünfte sowie Yogakurse anzubieten. Am Nachmittag wollte ich sie dort treffen, und abends ging es schon zurück zu meiner Unterkunft an die Küste, um am nächsten Tag wieder in die Heimat zu reisen. Also blieben mir nur ein paar Stunden, während derer ich sozusagen im Schnelldurchgang ein wenig Wunderland-Flair schnuppern durfte. Davon berichten möchte ich trotzdem, denn ich fände es schade, wenn das Festival hier unbekannt oder unbemerkt bliebe.


Carte Blanche

Der Fußweg vom Bahnhof Grasse in die Stadt beträgt etwa 25 Minuten und führt leicht bergauf. Da ich in der Mittagszeit ankam und durch die sengende Sonne laufen musste, suchte ich erstmal Schatten und Kühle. Die Fragonard Villa mit ihren dicken Mauern versprach genau das zu bieten.


Villa Fragonard - Entrée


Neun Parfumeure des Unternehmens Firmenich kreierten Düfte, die für sie das Thema „Zukunft der Parfumherstellung“ bedeuten. Illustratoren setzten das Thema grafisch um. Man konnte also Düfte schnuppern und die dazugehörigen Illustrationen bestaunen. Als besonders anziehend habe ich einen spritzigen, frisch-waldig-grünen Duft von Olivier Cresp in Erinnerung, was angesichts meines Bedürfnisses nach Kühle und Erfrischung vielleicht nicht erstaunt. Eine Kreation Natalie Lorsons namens “Vegetable Hybrid”, ein salzig-grüner Duft aus Matcha-, Algen- und weiteren pflanzlichen Noten, sagte mir dagegen nicht so zu.

Ein Foto habe ich gemacht das zeigt, wie getestet werden konnte. Der Duft darauf ist von Amandine Clerc-Marie und trägt den Titel „Bois, sève et lait“ – „Holz, (Pflanzen-) Saft und Milch“. Ein für meine Nase wunderbar weich-cremiger Sandelholzduft, der sogar auch mit einem Hauch Frische überraschte.


Postkarten aus der Carte Blanche Ausstellung

Tester zu „Bois, sève et lait“


Düfte und deren Wahrnehmung mit weiteren Kunstformen zu kombinieren war ein wiederkehrendes Thema des Festivals. Das, was ich davon gesehen habe, fand ich überaus spannend und gelungen umgesetzt. So auch in der nächsten Ausstellung.

A World Tour Through Scent

Bei diesem interdisziplinären Projekt des Unternehmens Symrise, welches im Kongresszentrum von Grasse präsentiert wurde, haben Parfumeure, Fotografen und Journalisten zusammengearbeitet. Wie der Titel es schon vermuten lässt, geht es um Kreationen, die die Kultur des jeweiligen Landes repräsentieren sollen. Zu Deutschland, Frankreich, Spanien, Vereinigte Arabische Emirate, Mexico, USA, Indien, China, Singapur und Japan wurde jeweils eine Kombination aus Duft, Text und Foto ausgestellt. Als ziemlich treffender Duft ist mir eine holzig-grüne Kreation zum Land Brasilien in Erinnerung geblieben. Hier hatte ich keine Gelegenheit, Fotos zu machen, konnte aber ein paar Postkarten mit Fotomotiven der Ausstellung zur Erinnerung mitnehmen.


Postkarten mit Fotomotiven: Deutschland - Indien - Japan


Le Parfum Dans Tous les Sens

Die dritte von mir besuchte Ausstellung, die ganz ohne jede unmittelbare olfaktorische Wahrnehmung auskam, bezauberte mich am meisten. Vielleicht lag es daran, dass die großformatigen Fotos im Freien entlang einer baumbestandenen Straße aufgestellt waren. Die Sonne und eine sanfte Brise spielte mit den Bäumen. Deren Blätter warfen teilweise Schatten auf die Bilder. Das verlieh den ohnehin beeindruckenden Werken einen zusätzlich besonderen Charakter.

Die Ausstellung umfasst 50 Fotografien, teilweise versehen mit erläuternden Texten. Schwerpunkte sind zum einen die Entwicklung von Parfums von der Idee bis zur Vermarktung, zum anderen der visuell-künstlerische Ausdruck olfaktorischer Wahrnehmung. Die von der Fragrance Foundation France zur Verfügung gestellte Sammlung wurde übrigens zuvor schon in Paris in den Gärten des Palais Royal gezeigt.


Vanille - Königin der Gewürze

Dieser Flakon, ein Traum …….



La Fabuleuse Histoire de l’eau de Cologne

Beim vierten von mir geplanten Programmpunkt handelte es sich um eine Buchvorstellung. „La Fabuleuse Histoire de l’eau de Cologne“ wurde unter der Leitung Jean-Claude Ellenas herausgegeben und ist kürzlich erst erschienen. Das Event sollte ab 15h am Place du 24 août stattfinden. Da mein Bus nach Chateuneuf-Grasse um 16h abfuhr, wollte ich um 15h vor Ort sein. In den wie ein Labyrinth erscheinenden Gassen suchte ich also hektisch nach der angegebenen Adresse. Sollte man als ordentlicher Tourist nicht gemütlich schlendern, in Läden stöbern und in Cafés einkehren? Nun, wir Parfumos legen ja zuweilen schon mal ein eigenwilliges Verhalten an den Tag, wenn es um unser Hobby geht ;-)……

Nach ein paar Irrwegen gelang es mir schließlich, gerade noch rechtzeitig am ersehnten Platz einzutreffen. Wie angekündigt war Jean-Claude Ellena persönlich anwesend. So konnte ich meinen Wunderland-Besuch zu einem gelungenen Abschluss bringen, mit einem von ihm signierten Buch als Souvenir.


Ausklang

Auch wenn es noch viel mehr zu sehen und zu erleben gab und ich gerne länger geblieben wäre, freute ich mich jetzt auch auf das Treffen mit meiner Bekannten. In deren Gehöft war für Ruhe, Schatten und leibliches Wohl gesorgt.

Ausblick von der Haupt-Terrasse


Endlich die Füße hochlegen


Nach einem erholsamen Aufenthalt im Garten und am Pool hieß es schließlich Abschied nehmen von der Gemeinde Grasse. Jedenfalls für dieses Mal. Sollte ein derartiges Festival wieder mal ausgerichtet werden - ich würde ganz sicher versuchen, für ein paar Tage hinzukommen.

Ich bedanke mich fürs Mit-Reisen!

Für die, die es interessiert, füge ich noch 2 links zur Veranstalterseite hinzu:

https://www.fondsbaudelaire-grasse.fr/index.php?op...

https://www.facebook.com/grasseaupaysdesmerveilles...


Liebe Grüße

Cafenoir


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