Fabistinkts Parfumblog

Von Parfumo empfohlener Artikel
09.06.2021
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Die Angst davor, wie eine Frau zu riechen

Dieser Blogartikel kommt recht spontan, war er doch eigentlich nur als Antwort auf einen Forenbeitrag gedacht. Zum einen wäre diese Antwort aber unverhältnismäßig lang gewesen, zum anderen hat sie nicht einmal zum eigentlichen Thema gepasst. Deshalb hier die ausführliche Version als kleiner Blogartikel.
Dem Thema begegnet man häufig. Man denke nur an die unterhaltsamen Rezensionen eines beliebten Mit-Parfumos, der immer wieder von seinen Ausflügen in die Damenabteilung berichtet hat und von der Scham, die für ihn damit einherging.
Der Beitrag, auf den ich mich beziehe, war aber unter „Komplimente/Beleidigungen zum Duft“ zu lesen und stammte von jemand anderem.

Und später eine Mini-Diskussion:

Diese Szenen sind absolut nicht selten und das obere Beispiel dient nur als Aufhänger. Sorry an den Verfasser, es hat jetzt zufällig dich getroffen. Hier haben wir also einen Mann, der einen Duft so gut findet, dass er ihn kaufen möchte. Doch als er bemerkt, dass man ihn für einen Damenduft halten könnte, kann er es sich nicht mehr vorstellen, ihn zu tragen.

Wie kommt das? Warum ist die Möglichkeit, dass das Parfüm als Damenduft durchgehen könnte, so ein Tabu? Warum fürchtet sich ein anderer Parfumo davor, seine Neugierde zu befriedigen und Düfte in der Damenabteilung zu testen?

Hierfür müssen wir wohl ehrlich zu uns selbst sein. Unangenehm ehrlich, so dass es innerlich ein wenig schmerzt beim Eingestehen. Nicht nur „Ich-hab-mal-mit-7-ein-Eis-geklaut“-ehrlich. Wovor fürchten wir uns? Ich meine, es ist die Angst, man könnte für schwul gehalten werden. Und das ist nicht schlimm. Für diese Angst kann keiner etwas, denn es ist niemand direkt daran schuld. Die meisten Jungs und Männer dürften sie haben, egal ob sie tatsächlich schwul sind oder nicht. Es kommt nur darauf an, wie wir damit umgehen und ob wir sie behalten oder uns davon befreien. Doch woher kommt dieses Gefühl, das so viele umtreibt?

Die Antwort ist sehr umfassend, doch ich versuche es trotzdem, sie halbwegs nachvollziehbar zu geben. Warum erwartet man, dass man für schwul gehalten wird, wenn man einen Damenduft trägt?

Weil es ein Damenduft ist, der speziell mit dem Gedanken daran gemacht wurde, dass eine Frau ihn tragen sollte. Das „Verbotene“ daran ist, wenn man sich darüber hinwegsetzt und ihn trägt, obwohl man keine Dame ist. Klingt nicht spektakulär. Doch warum ist es dann so ein Tabu? Weil unsere Kultur sehr feste Vorstellungen davon hat, wie die Menschen zu sein haben. Genauer gesagt, wie Männer und Frauen zu sein haben. Und wenn man sich nicht daranhält, wird man von manchen Mitgliedern der Gesellschaft für die Grenzüberschreitung bestraft. Das kann alles sein von doofen Witzen über Getuschel und Vermutungen bis hin zu körperlicher und verbaler Gewalt. Das war aber nicht immer so.

Bis kurz vor der industriellen Revolution waren wir ziemlich anders unterwegs.
Auch damals schon war unsere Gesellschaft patriarchalisch aufgebaut, Männer galten als mehr Wert als Frauen und hatten mehr Rechte, Freiheiten und Einfluss. Doch der Unterschied im Verhalten und dem Auftreten zwischen den Geschlechtern war kleiner. Bedeutend kleiner. Betrachtet man Gemälde aus früheren Jahrhunderten, so tragen Frauen wie Männer gleichermaßen Röcke, farbenfrohe Stoffe, lebendige Muster, Perücken, hohe Schuhe, Strumpfhosen, Schmuck und Make-Up. Je mächtiger und reicher, desto doller, wobei Männer tendenziell stärker geschmückt waren als Frauen.

Schauen wir uns ein kleines Beispiel an: Es ist 1750 und Friedrich und Konstanze Müller gehen in die Oper. Beide tragen ihre schönsten Perücken, bedecken ihre vernarbte Haut großzügig mit Schminke, übertünchen ihre Körpergerüche mit Eau de Cologne (weil waschen mit richtigem Wasser - bääh), sie tragen ihre kostbarsten, farbenfrohen Gewänder, er schlüpft in seine Hochhackigen und sie in ihre flachen Latschen.
In der Oper fiebern sie beide mit – sie lachen, lieben, weinen und trauern mit den Schauspielern auf der Bühne. Danach essen sie zuhause zu Abend. Sie sprechen über den tragischen Tod des Helden in der Oper, Konstanze muss kurz rülpsen und Friedrich trocknet sich die Augen, war doch die Oper emotional furchtbar aufreibend. Nichts davon wirkt irgendwie bemerkenswert auf einen von ihnen.

Mit der industriellen Revolution um 1800 änderte sich alles radikal. Waren die meisten Menschen zuvor Bauern oder Handwerker und lebten in ländlichen Dörfern, so wurden nun viele zu Fabrikarbeitern und lebten in schmutzigen Großstädten. Dieser Umbruch markiert den Beginn der Gesellschaft, in der wir heute noch leben. Zumindest bis Internet und Technologie uns vollends in eine neue Ära katapultiert haben. Sämtliche Strukturen, in denen wir uns bewegen, haben ihre Wurzeln in dieser Zeit: Politische Ausrichtungen und Modelle; die Einteilung der Zeit in Freizeit, Arbeitszeit und Urlaub; Wirtschaftsmodelle; Technik; Verkehr; Reiseverhalten… So gut wie alles fußt in der frühen Industriegesellschaft. Auch unsere aktuellen Geschlechterrollen. Jetzt war Schluss mit Emotion und Lebenslust für alle. Das Idealbild, wie die Menschheit zu sein hatte, lebte die Bourgeoisie vor. Das gemeine Volk versuchte sie nachzuahmen und vererbte die Verhaltensweisen an alle folgenden Generationen. Und wie verhielt sich nun diese Oberschicht, der nachgeeifert wurde? Sie hatte Geschlechterrollen. Strenge Geschlechterrollen! Es gab zwei Schubladen, eine für Männer und eine für Frauen.
Alles, was den Menschen ausmacht, wurde strikt aufgeteilt und entweder in den einen oder in den anderen Topf geworfen. Nichts davon wurde beiden gleichermaßen zugestanden. Und das, obwohl sämtliche Potenziale in Männern wie in Frauen angelegt sind.
Woher das kommt, kann ich nicht mit voller Sicherheit sagen. Ein großer Einfluss ist bestimmt eine kulturelle Tendenz, die ganze Welt in zwei Extreme aufzuteilen. Was es nicht nur in unserer Kultur gibt. Gut/Böse, hell/dunkel, Yin/Yang, Mann/Frau, Chypre/Gourmand - nur das eine oder das andere, nie beides. Auch der immer noch allgegenwärtige Einfluss der Kirche, eine große Portion Moralismus und die althergebrachte Arbeitsteilung dürften eine Rolle gespielt haben.

Werfen wir einen Blick in die Themen-Schublade der Oberschichten-Frau im 19. Jahrhundert:
Hier findet sich alles, was mit dem Körper und der Emotion zu tun hat.

  • Gefühle, Lachen, Weinen, Trauer, Freude
  • Tod
  • Kommunikation, Sprache
  • Liebe, Kinder, Familie
  • Schmutz, Körperfunktionen, Lust, Sex, Berührung
  • Schmuck, Ornament, Schönheit
  • Zuhause, etc.


Und die Herren der Schöpfung mit der Beschränkung auf die Logik:

  • Kopf, Logik, Verstand
  • körperliche Distanziertheit
  • Funktion
  • Verbesserung, Geschwindigkeit, Wettbewerb
  • Sauberkeit
  • Zahlen, Wissenschaft, Bildung
  • Karriere etc.

Das wirkt jetzt erstmal abstrakt und wenig konkret. Schauen wir deshalb die Nachfahren von Familie Müller an, das Ehepaar Wilhelm und Philomena Müller im Jahr 1890:

Auch die beiden schätzen die Kultur sehr und sehen sich heute eine Operette an. Philomena braucht einige Zeit länger bei der Vorbereitung, zeigt sich der Reichtum der Familie doch hauptsächlich in ihrer Kleidung und nicht in seiner. Mit etwas Hilfe schlüpft sie ins Korsett und den Unterbau ihres Rockes, legt das reich verzierte Kleid darüber, steckt die meterlange Haarpracht in einer kunstvollen Frisur zusammen, drapiert den riesigen Hut darüber, legt sich den teuren Erbschmuck um und trägt einen Hauch von Schminke auf. Gerade genug, um etwas gesünder auszusehen und noch nicht als Straßendirne durchzugehen. Auch der Duft darf nicht fehlen. Ein französisches Parfüm mit einer kräftigen Portion Lavendel und einer tierischen Komponente, die jeden an romantische Situationen denken lässt.
Bei Wilhelm geht es bedeutend schneller. Er schlüpft in Hemd, Hose, Weste, Frack und Zylinder, alles ist schlicht und geradlinig, kämmt kurz den Schnauzbart und ist eigentlich schon fertig. Ein wenig Eau de Cologne vielleicht, um frisch und sauber zu riechen? Hm, nur ganz wenig, er ist ja keine Frau.
Im Konzertsaal ist Philomena ergriffen von der Darstellung der Schauspieler. Sie lächelt, wie die Kinderdarsteller singen, ist betrübt, als die Heldin ermordet wird und muss sich die Tränen abwischen. Wilhelm unterdessen sitzt daneben und kann die Gefühlsausbrüche seiner Gattin nicht so recht nachvollziehen. Weibisches Getue! Weinen würde er niemals, das hatten ihm seine Eltern als Kind gründlich ausgetrieben. Ein Soldat kennt keinen Schmerz, oder so ähnlich.
Zuhause essen auch sie zu Abend. Willhelm unterdrückt einen Rülpser. Körperliche Regungen sind nicht schicklich. Ein richtiges Gespräch kommt nicht zu Stande, hatten sie den Abend doch recht unterschiedlich erlebt. Er in distanzierter Langeweile, sie ergriffen von der Handlung. Erst, als sie das Gespräch auf seine neue Arbeit als Ingenieur bringt, kommt etwas Fluss hinein.

Wir sehen also, die Müllers, die in unterschiedlichen Zeiten leben, verhalten sich völlig unterschiedlich. Industrie-Müllers wurden streng nach den neuen Rollenbildern erzogen und verhalten sich entsprechend. Hier ist freilich zu bemerken, dass Erziehung bei weitem nicht nur durch die Eltern stattfindet. Denken wir nur einmal daran, welche kleinen Signale uns als Kindern und Erwachsenen zeigen, wie wir zu sein haben. Die Mutter lobt uns, wenn wir uns auf eine gewisse Art verhalten. Der Vater schimpft uns, wenn wir das nicht tun. Die Protagonisten in Romanen und Filmen, die Werbung, Fernsehshows und Influencer-Videos zeigen uns, wie wir idealerweise leben und aussehen sollen. Die Schule bestraft oder fördert uns nach unserem Verhalten. Die Mitschüler bewundern uns, wenn wir so sind, wie sie es gelernt haben, es gut zu finden. Oder sie mobben und verprügeln uns, wenn wir das nicht tun. Die entsprechende Abteilung bei h&m sagt uns, was wir tragen sollen, je nachdem, wer wir sind. Das For-Men-Duschgel bei dm zeigt uns, wie wir zu riechen haben. Das Duftdiagramm zeigt uns, ob die Mehrheit einen Duft als männlich oder weiblich empfindet. Es sind tausende, kleine Stimmen, die uns tagtäglich sagen, wie die Welt funktioniert und wie wir uns darin zu arrangieren haben.
Kein Wunder also, dass Philomena und Wilhelm genau die sind, die sie sind. Sie hatten kaum eine andere Wahl.

Schauen wir uns jetzt an, welche Auswirkungen die strikte Zweiteilung der Rollenbilder noch heute hat. Enorm wichtig dabei ist zu beachten, dass die Gesellschaft nach wie vor patriarchalisch geprägt ist. Das heißt, all die Eigenschaften, die Männern und Frauen streng zugeteilt wurden, sind aus der patriarchalischen Perspektive zu betrachten. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass die Bereiche, die nun als „männlich“ gelten, als besser gewertet werden als die, die für „weiblich“ gehalten werden. Wenn man das verinnerlicht und auf sämtliche Lebensbereiche, auch heute noch, schaut, wird einem vieles klar:
Warum sind Knochenjobs in der Pflege schlecht bezahlt? Blick in die Geschlechterschubladen – Körperlichkeit, Schmutz, Berührung etc. gelten als weiblich, ergo werden sie geringgeschätzt.
Warum gelten schnörkellose, schlichte Flakons als geschmackvoll, während verzierte Flakons als kitschig verschrien sind? Blick in die Geschlechterschubladen – Ornament und Schmuck gelten als weiblich, ergo werden sie geringgeschätzt.
Warum halten wir Mathe und Physik für wichtiger als Kunst und Musik? Schaut in die Schublade.

Das ist freilich stark vereinfacht gesagt, aber der Aspekt ist keinesfalls von der Hand zu weisen.
Sehr wichtig hier: Daran ist niemand direkt Schuld, weder Männer noch Frauen. Solche Mechanismen sind im System verankert und werden meist unbewusst, ohne böse Absicht weitergegeben durch tausende kleine Interaktionen jeden Tag. Durch jeden, Frauen wie Männer. Deshalb ist das Bewusstsein jedes einzelnen darüber so wichtig.

Wenn man übrigens auf die Geschlechtereinteilung bei Düften schaut, kann man sogar hier Parallelen zu den Schubladen finden. Bis vor 50 Jahren war es z.B. für Männerdüfte noch das Nonplusultra, sauber und markant zu riechen. Das passt wunderbar in die Vorstellung, dass Duft eine rein logische Funktion zu erfüllen hat, nämlich für Hygiene zu sorgen und diese zu signalisieren. Das hat zur Folge, dass bis vor wenigen Jahren verhältnismäßig wenige Düfte für Männer lanciert wurden. Wozu auch, 1000 Interpretationen von „sauber“ braucht keiner. Bei den Damendüften wurde im Gegensatz aus dem vollen kreativen Brunnen geschöpft. Hier erlaubte die Schublade ein breites Feld von Assoziationen mit Kunst, Romantik, Emotion, Dramatik, Geschichte, Erzählung, Reise etc. Kein Wunder also, dass ein Großteil der historisch bedeutsamen Düfte in der Damenabteilung zu finden sind. Man schaue nur auf das klassische Sortiment von Guerlain oder Chanel.

Und wo in diesem ganzen Salat haben wir jetzt den schwulen Mann vom Anfang des Artikels? Ihm ging es fast immer beschissen in unserem Kulturkreis, sowohl vor der industriellen Revolution als auch danach (bei den lesbischen Frauen war es übrigens nicht anders). Er passte nicht in das christliche Bild von Adam und Eva, sein harmloser Wunsch nach gleichgeschlechtlicher Liebe galt als Teufelszeug und er wurde verfolgt und getötet. Sex, der nicht der Fortpflanzung, sondern der lustvollen Verbindung gilt? Igitt! Mit der industriellen Revolution (wir erinnern uns, Geschlechterschubladen) kam nun ein neues Werkzeug der Unterdrückung hinzu. Wer weiß noch, was eine Gesellschaft erstmal instinktiv mit einer Minderheit macht? Genau, sie schafft ein Stereotyp. Also ein klischeehaft überzeichnetes Bild, das meist wenig schmeichelhafte Eigenschaften zeigt und den Betroffenen ihr Leben lang im Weg steht, sei es bei der Polizeikontrolle im Zug oder beim Bewerbungsgespräch. Wenn nun also die industrielle Gesellschaft mit ihren neu (also vor 200 Jahren) erfundenen Schubladen-Rollenbildern instinktiv ein negatives Stereotyp erfinden möchte, wie geht sie vor? Sie kreiert ein Bild des Schlimmsten, was sie sich vorstellen kann. Ein Mensch, der diese Rollen mit Füßen tritt und sich genau entgegengesetzt verhält. Was tut also ein schlechter, schwuler Mann angeblich? Er verhält sich so, wie es einer Frau zugedacht ist. Was tut eine schlechte, lesbische Frau angeblich? Sie verhält sich so, wie es einem Mann zugedacht ist. Tadaaa, die Klischees des weibischen Schwulen und des lesbischen Mannsweibs sind geboren. Wobei jedem bewusst sein dürfte, dass sich die Persönlichkeiten von lesbischen Frauen und schwulen Männern wie beim Rest der Menschheit auf dem kompletten möglichen Spektrum bewegen und kein Extrem davon als besser oder schlechter zu bewerten ist als das andere.

Wenn also der Mann vom Anfang seinen Dior Homme aufsprüht und jemand denkt, es sei ein Damenduft, kommt natürlich die alte Angst hoch. Ein Mann trägt einen Damenduft, verletzt das Rollenbild, entspricht damit dem Stereotyp und begibt sich in Gefahr, als schwul identifiziert zu werden. Ganz egal, ob er es tatsächlich ist oder nicht.

Was hilft da also? Verhaltenstherapie und Einsicht. Zuerst die Einsicht: Für alle Menschen gilt es erst einmal zu realisieren, dass Schwulsein oder Lesbischsein weder gut noch schlecht ist, genau so wie Heterosein, oder bi, asexuell oder was auch immer. Und dass es somit auch völlig wurscht ist, ob jemand anders es ist oder ob man selbst dafür gehalten werden könnte. Diese zugegebenermaßen sehr simple Erkenntnis ein paar Mal durchdenken und schon ist man ein Stück freier. Nun kommt die Verhaltenstherapie. Den Dior Homme wegzulegen wäre völlig falsch. Im Gegenteil, tragen, tragen, tragen! Und als nächstes einen tatsächlichen Damenduft. Hol dir deine Freiheit zurück, die dir Wilhelm und Philomena nehmen wollten! Freilich soll jeder tragen, was er oder sie möchte, auch wenn es zufällig mit dem kulturell erwünschten Bild übereinstimmt. Allerdings schadet es nie, sich bewusst zu machen, welche gesellschaftlichen Zwänge hinter dem einen oder anderen Sprüher stecken.

Jetzt werden viele von uns berechtigterweise sagen, dass das alles nicht mehr so ist, dass die Gesellschaft freier wird und jeder so sein kann, wie er möchte. Es gibt Unisexdüfte, Frauen tragen Hosen, Männer auf YouTube filmen Makeup-Tutorials, Frauen küssen einander im Club, Männer weinen in Filmen. Das ist tatsächlich wünschenswert und so in der offiziellen Etikette unserer Kultur mehr oder weniger gefestigt. Jedoch kann niemand bestreiten, dass die „alten“ Bilder nach wie vor präsent sind, wenn auch unterbewusst. Wonach hat die Oma euch Enkelinnen gefragt, als ihr 14 wart? Sicher nicht, ob ihr eine lesbische Freundin habt. Wer von den Männern hätte kein mulmiges Gefühl, wenn er nachts in Drag allein in die U-Bahn steigen müsste? Welche Mechanikerin wurde nicht schon für inkompetent gehalten, weil sie eine Frau ist? Wann vergeht schon ein Tag, an dem im Forum nicht nach einem „männlichen Duft, der Dominanz und Autorität ausstrahlt“ gefragt wird?

Frohes und freies Sprühen!

EDIT: Wegen der Ausgangsfrage ist der Beitrag sehr auf die männliche Perspektive fokussiert. Deshalb bin ich sehr neugierig auf die Erfahrungen der Damen!

Quellen:

  • Iris Marion Young (1990): Justice and The Politics of Difference: https://www.academia.edu/12099...
  • Karolina Zebrowska: Y'all need to stop with the "manly men" stereotype
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